Zwei Herzen

Eine Geschichte aus dem Star Wars Universum

Empress (weibliche Form) und Emperor (männliche Form): in Alt-Basic Bezeichnung für den höchsten weltlichen Herrschertitel. Der Vorrang vor den Königen gründet in dem Umstand, dass die von E. regierten Staatsgebilde (Imperien) mindestens einen gesamten Planeten, häufig aber ein Sternensystem oder einen ganzen Cluster umfassen. Die größte Ausdehnung eines Imperiums wurde unter E. Palpatine in der Nachfolge der Alten Republik erreicht. Seit der Gründung der Neuen Republik sind nur noch lokale bzw. regionale Imperien bekannt. Am häufigsten kommt diese Herrschaftsform im Outer Rim vor (z.B. Ord Mandrell, K'lyccorrh, Dantooine) ...
Galaktographische Gesellschaft (Hg.), Großes Soziallexikon der Galaxis in 25 Datapads

Nein!
Niemals würde sie einen von diesen Kandidaten heiraten! Eher würde sie abdanken!
Nun, das konnte rascher gehen, als ihr lieb war. Vielleicht gab es ja sogar einen Aufstand, und ihr bliebe nicht einmal Entscheidungsraum für einen freiwilligen Thronverzicht.
Großartig, dachte sie. Jetzt bin ich erst seit drei Monaten Herrscherin, und schon plagen mich Grübeleien, ob ich die Regentschaft wieder verliere.
Sie schob den Gedanken beiseite. Sie hatte nicht unvorbereitet das Erbe ihres Vaters angetreten. Emperor W'olf war stets bemüht gewesen, sie auf die kommende Aufgabe vorzubereiten. "Du wirst eines Tages an meiner Stelle herrschen, S'silk", hatte er immer wieder betont. "Vergiss das nicht. Das ist deine Bestimmung und dein Schicksal. Ich habe die Clans vereint und die Grundlage für diesen Staat geschaffen. Aber du, du wirst diesen Planeten zur Blüte und das Volk der Dantari in die Zukunft führen."
In die Zukunft! Die Mundwinkel von Empress S'silk zuckten verächtlich. Ich leite einen Haufen rückständiger Bauerntölpel, die mitten im Thronsaal über Kryos-Dünger diskutieren! Wie soll ich dieses Volk in die Zukunft führen? Gerade ich, eine - Frau.
S'silk spürte den Schmerz, als sie sich diese nur allzu bekannte Einsicht erneut bewusst machte. Die Rollenverteilung unter den Geschlechtern auf Dantooine war sehr traditionell. Alle Clanoberhäupter und das gesamte Kabinett bestand aus Männern. Wie sollten diese Kerle kapieren, dass eine Frau genauso gut in der Lage war, einen Planeten zu regieren?
Dass Emperor W'olf nur eine Tochter hinterlassen hatte, die den Thron erben konnte, hatte beinahe zu einem Zerfall des Reiches geführt. Die Clans hatten nur Ruhe gegeben, weil sie eine Chance witterten, durch geschickte Heiratspolitik faktisch die Herrschaft an sich zu reißen. Und nun hatten sie alle ihre Heiratskandidaten geschickt. Wenn S'silk einen von ihnen erwählen würde, dann war der Thron praktisch in der Hand dieses Clans. Würde sie alle ablehnen, dann hatte sie keinerlei politischen Rückhalt mehr. Und die alten, immer noch schwelenden Rivalitäten zwischen den Clans würden wieder aufbrechen.

Ein Räuspern riss S'silk aus ihren Gedanken. Kok Briass, der Erste Minister, stand neben ihr und trat ungeduldig von einem Fuß auf den anderen.
"Ihr müsst Euch entscheiden, Hoheit! Ihr dürft sie nicht länger ohne Antwort vor Euch knien lassen!"
Briass hatte Recht. Wenn sie die Heiratskandidaten noch ein wenig länger in dieser Haltung vor dem Thron warten ließ, dann wäre das ein Affront gegen alle Clans. Ebensogut hätte sie den Thron augenblicklich räumen können. Dennoch ließ sie noch einmal ihren Blick über die Schar der jungen Männer schweifen. Sie sah F'll Gorrk, einen widerlichen Schönling, dessen Vater die größten Ländereien auf dem mittleren Kontinent besaß. F'll war ein Taugenichts, ein Spieler und Weiberheld. Nein, lieber hätte sie sich mit einem Wookie vermählt. Nicht viel besser war Rev Hustowan, der Enkel des großen Toral Hustowan. Rev war ein herrschsüchtiger Tyrann, der nur darauf wartete, aus dem Hintergrund seine Fäden zu ziehen und das Reich heimlich zu regieren. Oder Llamos Dorv, der es geschafft hatte, den eigenen Clan durch illegale Geschäfte finanziell beinahe zu ruinieren. Die anderen waren auch nicht viel besser. Außer T'Hork Gjarrh vielleicht. T'Hork war ein netter Junge, ein bisschen zu jung für sie, aber das machte nichts. T'Hork war bescheiden, höflich, freundlich - doch sie liebte ihn nicht. Ja, das war der entscheidende Grund. Sie liebte keinen von diesen Kandidaten. Und deshalb würde sie keinen von ihnen ehelichen.
Ihr war egal, dass man von einer Herrscherin eine ausschließlich politisch motivierte Hochzeit erwartete. Es war ihr Leben, und es war ihre Ehe.
Aber war das nicht zu egoistisch? Hatte sie nicht den Wahlspruch "Alles für mein Volk" von ihrem Vater übernommen? Und wenn dieses "alles" nun eine Heirat einschloss?
Kok Briass räusperte sich erneut.
"Hoheit, bitte!"
S'silk nickte.
"Erhebt Euch!" sagte sie mit lauter Stimme.
Die Kandidaten standen auf und schauten sie gespannt an. Durch die Reihen der Minister und des Großen Rates ging ein Raunen. Sie konnten es gar nicht erwarten, dass die Empress ihre Wahl traf.
"Ich verbeuge mich in tiefem Respekt vor der Hingabe und der Treue der Clans", begann S'silk. "Mehr aber noch vor der Anmut, dem Stolz, der Tapferkeit und der Ausstrahlung ihrer Söhne, die um meine Hand werben. Sie alle sind gleich edel und würdig, Prinzgemahl der Dantari zu sein."
S'silk machte eine Pause und registrierte, dass alle Anwesenden die schmeichelnden Worte genossen.
"Alle sind gleich würdig", fuhr sie fort. "Doch nur einer kann Prinzgemahl werden. Es ist eine Wahl, die für die Zukunft unseres Staates von großer Bedeutung ist. Aus diesem Grunde werde ich meine Entscheidung sorgfältig überdenken - und heute in sieben Tagen verkünden."
S'silk erhob sich. "Ihr seid entlassen. Findet euch in sieben Tagen wieder ein."
Sie stieg die Stufen des Thron-Podestes hinunter und wandte sich der Verbindungstür zu ihren Privatgemächern zu. Noch bevor sie den Saal verlassen hatte, erhob sich im gesamten Raum unwilliges Raunen und empörtes Murren.

"Hoheit, Ihr habt sie brüskiert!" Kok Briass machte ein unglückliches Gesicht. "Bedenkt, die Kandidaten sind den weiten Weg hierher gekommen, um Eure Wahl zu hören. Ihr hattet doch drei Wochen Zeit, Euch zu entscheiden!"
Was sind drei Wochen für ein ganzes Leben! dachte S'silk. Laut sagte sie: "Nun werden sie eine weitere Woche warten müssen."
"Aber was versprecht Ihr Euch davon? Was gewinnt Ihr dadurch?"
"Sieben Tage, Minister Briass. Ich gewinne sieben Tage! - Und jetzt lasst mich bitte allein."
Nachdem der Erste Minister gegangen war, trat S'silk an das geöffnete Fenster. Es war eine klare Nacht, der Himmel war übersät von unzähligen Sternen.
Als junges Mädchen hatte sie immer davon geträumt, dass es irgendwo da draußen den Mann gab, der für sie bestimmt war. Eines Tages würde er kommen und ... Aber das waren Mädchenträumereien gewesen. Vielleicht gab es irgendwo tatsächlich einen solchen Märchenprinzen. Aber der würde ganz gewiss nicht in den Outer Rim kommen und ausgerechnet Dantooine besuchen.
S'silk seufzte. Wenn es nach ihr ginge, musste sie so bald überhaupt noch nicht heiraten. Schließlich war sie noch keine 30 Jahre alt.
Immerhin hatte sie einen Aufschub von sieben Tagen erwirkt. Und in einer Woche konnte viel passieren, musste einfach etwas passieren. Irgendwas ...
Es klopfte. Wer mochte das jetzt sein?
"Herein!"
Kok Briass kehrte zurück, zitternd und leichenblass.
"Briass! Was ist passiert?"
"Hoheit ... eine ... eine Katastrophe. Das Dorf A'fin ... alle tot ... ein Ungeheuer, man sagt, ein Mozilla ..."
"Ein Mozilla?" Nun wurde auch S'silk bleich. Ein Mozilla hier auf Dantooine?
"Benachrichtigen Sie die Mozilla Hunters Association! Ich fahre sofort raus nach A'fin."
"Aber Hoheit! Es ist gefährlich! Und Ihr seid eine, eine ..."
"Eine Frau? Pah!" Auf S'silks Stirn zeigte sich eine deutliche Zornesfalte. "Ich werde Euch zeigen, wozu ich imstande bin. Ich fliege nach A'fin. Die umliegenden Dörfer ... Die Menschen dort brauchen mich jetzt. Und wenn es sein muss, jage ich eigenhändig dieses Biest. - Ich sage Ihnen, Briass, wenn ich Ihnen das Herz dieses Mozillas bringe, werden Sie dann immer noch sagen 'Ihr seid eine Frau, es ist zu gefährlich'?"

 

Die beinahe schon zum Allgemeingut gewordene Verachtung für den Beruf des Kopfgeldjägers gründet nach meinen Studien in einer abfälligen Bemerkung des imperialen Admirals Piett zur Zeit des Bürgerkriegs. Dass sich ausgerechnet Darth Vader dieser "Bounty Hunters" bediente und überdies der Held der Allianz, Han Solo, von einem Kopfgeldjäger gestellt und an den Kriminellen Jabba the Hutt ausgeliefert wurde, trug in der Neuen Republik nicht gerade zur Aufwertung dieses Standes bei. Dennoch lässt sich das interessante Phänomen beobachten - die empirischen Beweise folgen im Anhang -, dass genau jener Widersacher Han Solos, Boba Fett, in bestimmten subkulturellen Kreisen eine hohe Anerkennung und Identifikation genießt, was zu einem nicht geringen Teil auf romantische Idealisierung des Kopfgeldjägerberufs wie auch auf eine wenig reflektierte Allmachtsphantasie dieser Anhänger zurückzuführen ist ...
Kebno Besch, Untersuchungen zur Sozialgeschichte der Galaxis

"Das kann mir jetzt die Haut retten! Mach das Schiff klar, ST!"
Kopfgeldjäger Joraam Malgur verstaute seinen HoloNet-Empfänger in einer Tasche seines Leder-Overalls und setzte ein zufriedenes Grinsen auf. "Wir schlagen zwei Gork-Fliegen mit einer Insektenpeitsche: Aufnahme in die 'Mozilla Hunters Association' und Abzahlung aller Schulden. Wir können sogar die Force Hammer wieder auslösen."
"Nun, Master Joraam, Sir, ich wäre an Ihrer Stelle nicht zu optimistisch." Das starre Gesicht des modifizierten Protokolldroiden 2S-ST9 ließ keine Emotionssimulationen erkennen, aber aus der Stimme war deutliche Skepsis herauszuhören. "Es ist ja nicht allein, dass Sie die Force Hammer als Sicherheitsleistung verpfändet haben. Ihre Barschulden belaufen sich mittlerweile auf 1138 Credits. Wenn Sie diesen Mozilla auf Dantooine wirklich erlegen wollen, dann brauchen Sie ein Schiff. Wie wollen Sie das bezahlen? Sir, ich fürchte, Sie hätten mich niemals kaufen dürfen."
"Unsinn, ST, nun male nicht gleich den Vader an die Wand! Mir fällt schon was ein. Irgendwie habe ich es bisher immer geschafft. Weißt du, wenn ich die Plakette der MHA habe und mich endlich 'Proud Member of the Mozilla Hunters Association' nennen darf, dann purzeln die Aufträge reihenweise in unsere HoloNetMailbox. Ich muss nur das Herz des Mozilla unversehrt mitbringen und eine HoloVid-Aufnahme von der erfolgreichen Jagd präsentieren. Dann nehmen die mich auf! Die HoloVid-Aufnahme ist übrigens dein Job. Sowas hast du doch schon mal gemacht?"
"Selbstverständlich, Sir. Mein vorletzter Job war HoloVid-Assistent bei 'Interstellar HoloNews'."
"Ausgezeichnet. Dann wollen wir doch mal schauen, dass wir einen Untersatz kriegen, der uns nach Dantooine bringt."

Eine Passage nach Dantooine auf einem Passagierschiff zu buchen, erwies sich als völlig aussichtslos. Es ging nur eine regelmäßige Linie, die Menschen und Humanoide in den Outer Rim beförderte, aber alle Fahrten waren auf Wochen hinaus ausgebucht. Joraam blieb nur die Möglichkeit, ein kleines hyperraumtaugliches Schiff zu chartern - aber wie sollte er das bezahlen?
"Tut mir Leid, Sir", gab 2S-ST9 resigniert Auskunft. 'Lunatic Investors' gibt uns keinen Kredit mehr. Ich will es offen sagen: Wir sind bankrott."
Joraam schüttelte den Kopf. "So schnell gebe ich nicht auf. Es fürchte, ich muss jemanden anpumpen."
Er aktivierte den mobilen HoloNetContacter und ließ sich eine Verbindung zur Mozilla Hunters Association geben. Nach einigen Sekunden baute sich das Hologramm einer Frau auf.
"Joraam, Süßer, was gibt's? Warum bist du noch nicht unterwegs nach Dantooine? Brauchst du noch Informationen über den Mozilla?"
"Äh, Shi'mone, Schätzchen, ich hab da ein Problem. Ich bin finanziell etwas knapp, und da dachte ich ..."
"Was?! Du willst mich anpumpen?!" Keine Spur mehr von "Süßer" oder "Schätzchen".
Joraam grinste verlegen. "Ich könnte dir meinen Protokoll-Droiden verpfänden. Wenn ich dir das Geld für die Schiffsmiete nicht zurückzahlen kann, gehört er dir."
2S-ST9 war bei den Worten zusammengezuckt, aber Joraam kümmerte sich nicht um ihn.
"Hör mal, Shi'mone, wenn ich den Mozilla erlegt habe, dann krieg ich massenhaft Aufträge, das weißt du so gut wie ich! Ich gebe dir ein Jahr lang 10 Prozent meiner Honorare. Das ist eine Investition in die Zukunft! Da kannst du doch nicht nein sagen!"
"Wenn du den Mozilla erlegst! Und wenn nicht ...?"
"Dann gehört dir der Droide! Du kannst doch gar nicht dabei verlieren!"
Das HoloBild nickte. "Also gut, Süßer. Die Credits kommen per Sofortüberweisung. Ich will hoffen, dass du die Trophäe anschleppst. Wehe nicht!"
Joraam deaktivierte den Contacter und blickte triumphierend zu seinem Droiden.
"Na, ST, es hat geklappt! Ich wusste doch, dass mir was einfällt. Und mach dir keine Sorgen, ich werde dich nicht abgeben. Dieser Mozilla ist so gut wie tot."

"Schub gedrosselt auf Minus 10! AtmoNavComp arbeitet einwandfrei!"
"Bravo, ST, du wirst noch ein richtiger Co-Pilot. Gut, dass ich die Sprachchips gegen wirklich brauchbare Datenbanken ausgestauscht habe."
"Ja, Sir, ich beherrsche jetzt sechs Millionen Navigationsformen, dazu noch ..."
"Still, ST, ich glaube, wir sind da. Schau mal dort."
Sie überflogen in wenigen Meilen Höhe eine ausgedehnte Feuchtgraslandschaft, die von Flüssen durchzogen und von größeren Wäldern unterbrochen wurde. Der Atmosphären-Navigationscomputer zeigte im Wärmesensordisplay einen auffällig hellen Flecken an. Beim Näherkommen sahen sie, um was es sich handelte.
"Ein brennendes Dorf", kommentierte Joraam. "Sie wollen eine Epidemie verhindern. Aber ein ganzes Dorf - dieses Biest muss schlimmer gewütet haben, als ich dachte."
Er zog den Raumgleiter nach unten, so dass sie nur wenige Hundert Meter über dem Boden kreisten. Außer dem lodernden Feuer und der dichten Rauchwolke war nichts zu sehen. Menschen schienen sich hier nicht mehr aufzuhalten.
"ST, mach mal einen Makro-BioScan. Vielleicht treibt sich doch noch jemand hier herum."
"Sofort, Sir."
Während sich 2S-ST9 an den Instrumenten zu schaffen machte, dachte Joraam nach. Irgend etwas war hier oberfaul. Aber was?
Dann wurde es ihm schlagartig klar: Das Feuer dürfte nicht unbewacht sein. Hier konnte sich leicht ein Grasbrand entwickeln, der sich rasch zu einer gewaltigen Feuersbrunst ausweiten würde. Aber warum war hier niemand? Fast schien es, als ob alle Menschen hier geflohen waren ...
"Da ist etwas, Sir!" 2S-ST9 wies auf die Anzeige.
"Du hast Recht, ST. Die Werte sind aber merkwürdig. Ich frage mich, ob das Wesen dort drüben tot oder lebendig ist."

Es war tot. Eindeutig.
Jedenfalls das, was von ihm übrig war.
Es mochte einmal ein Watussi-Rind gewesen sein, doch jetzt war es nur noch ...
"Da vorn ist noch eines, Sir!"
Sie flogen zu dem zweiten Rinderkadaver. Er war nicht weniger übel zugerichtet als der erste.
"Sir, eines scheint festzustehen: Diese Mozillas sind offenbar Fleischfresser."
"Ja", nickte Joraam. "Und sie verputzen gern mal obendrein ein Stahlblech, weil es die Verdauung anregt. Es steht aber noch etwas fest. Und das ist gar nicht gut."
"Was meinen Sie, Sir?"
"Siehst du diesen grünen Schleim neben dem Kadaver? Grüne Absonderungen hinterlassen nur Weibchen."
"Ja, ich sehe es. Aber was ist daran so schlimm?"
"Rasende Mozilla-Weibchen sind noch viel gefährlicher als Männchen. Eigentlich ist es bei ihnen genauso wie bei uns Menschen. Das heißt für uns - aber was ist das denn da?"
Joraam beschleunigte und hielt auf den Punkt zu, den ihm der BioScan angezeigt hatte.
"Sir, das ist ein Mensch. Eine Frau."
Ja, dort am Rand eines dichten Waldes war eine Frau. Doch war sie nicht allein.
Vor ihr stand ein Mozilla.

 

Mozillas gibt es nicht!
Mit dieser provokanten These sorgte Professor Trebron Sukebek beim heutigen interdisziplinären Festvortrag in der Akademie der Wissenschaften in Erdres auf Trexx für einen handfesten Wissenschaftsskandal. Er sei überzeugt, so der Professor, dass die angeblich bis zu 4,5 Standardmeter großen, allgemein zur Familie der carnivoren Semireptilien gezählten Monster allein der Phantasie billiger UnterhaltungsHolos entspringen. Dass die Wissenschaft die Species Mozilla als "horriphobus giganteus" offiziell klassifiziert habe, sei an Peinlichkeit nicht zu überbieten.
Auf den in der sich anschließenden erregten und bisweilen unsachlichen Diskussion geäußerten Einwand, die angesehene "Mozilla Hunters Association" habe schließlich Beweise für die Existenz der Monster, entgegnete Sukebek wörtlich: "Wenn eine Handvoll Phantasten ihrem kollektiven Wahn erliegt und so genannte 'Beweise' produziert, ist dies eher ein Fall für die Humanpsychologie, nicht für die galaktographische Biologie."
Der Dekan der Akademie, Professor Shwen Teck, hat für die kommenden Tage eine offizielle Stellungnahme des Dozentenkollegiums zu der Veranstaltung angekündigt.
Kar Kolumno, Coruscant HoloNetNews Service

Empress S'silk spürte nicht, wie ihr das Herz bis zum Hals klopfte, fühlte keinen Schmerz, als die Zweige in ihr Gesicht schlugen, registrierte nicht das Zerreißen ihrer Gewänder. Nur ein einziger Gedanke erreichte ihr Bewusstsein: Lauf so schnell du kannst!
Sie hetzte weiter durch den Wald, obwohl sie tief in ihrem Innern wusste, dass die Flucht aussichtslos war. Dieses Monster stapfte mit Riesenschritten hinter ihr her, knickte dicke Äste und junge Bäume um wie Zahnstocher und zog eine Schneise der Verwüstung hinter sich her. Vor allem aber: Es kam immer näher.
S'silk erreichte den Waldrand und lief einige Schritte hinaus auf das Grasland. Dann blieb sie schnaufend stehen.
Es hatte keinen Sinn. Hier gab es keine Versteckmöglichkeit. Ob sie durch den Wald oder über das Grasland floh - sie konnte nicht entkommen.
S'silk zog ihr Vibromesser aus dem Gürtel und erwartete kampfbereit auf das Auftauchen des Mozilla. Natürlich hatte sie keine Chance, ihre Klinge war nicht größer als einer der Dutzend Schneidezähne der Bestie. Aber sie würde kämpfend untergehen, nicht fliehend. Alle ihre Begleiter waren in panischem Schrecken davongerannt, hatten sie schmählich im Stich gelassen und das Todesurteil für ihre Regentin damit besiegelt. Aber sie würde ihre Haut wenigstens so teuer wie möglich verkaufen.
Das Monster brach durch das Unterholz und stapfte auf das Grasland hinaus.
Es stoppte, als es die Menschenfrau sah. Es hob den flachen, vage humanoiden Schädel in die Luft, sog die Witterung ein, richtete sich zur vollen Höhe von vier Metern auf und stieß ein markerschütterndes Brüllen aus. Dann griff es an.
Zwei, drei schnelle Schritte, und die Bestie stand direkt vor S'silk.
In diesem Augenblick explodierte die Grasnarbe zwischen ihnen.

Joraam feuerte einen zweiten Schuss ab. Wieder schlug der Laserblitz zwischen der Frau und dem Mozilla-Weibchen ein.
"Hau doch ab! Lauf weg!" rief er.
Aber diese Frau dachte gar nicht daran zu verschwinden. Ja, war die denn völlig durchgeknallt? Jetzt griff sie auch noch mit einem lächerlich kleinen Vibromesser an!
Ein Schlag mit der Riesenpranke, und die Menschengestalt flog durch die Luft. Aber sofort war sie wieder auf den Beinen.
"Die Frau hat Mut, Sir", kommentierte 2S-ST9.
"Was nützt ihr das, wenn sie tot ist?" knurrte Joraam.
Endlich hatten sie den Schauplatz des Kampfes erreicht. Joraam gab vollen Umkehrschub und riss zugleich den Steuerknüppel herum.
Bei der Force Hammer hätten sie nun eine 180-Grad-Wende gemacht und wären sanft wie eine P'Eloh-Feder zu Boden geschwebt. Nicht so bei der Charterfähre. Die Steuerdüsen reagierten viel zu träge, und das Schiff knallte mit voller Wucht auf den Boden. Mit einem scheppernden Krachen segelte 2S-ST9 gegen die NavComp-Konsole, während Joraam das Gefühl hatte, als würde jede einzelne seiner Bandscheiben zerquetscht.
Stöhnend rappelte er sich aus dem Pilotensitz auf und humpelte zur Ausstiegsluke. Die Elektronik war offenbar ausgefallen, aber er konnte das Außenschott mit dem Nothebel mechanisch öffnen.
Als die Luke aufschwang, wünschte er sich für einem Moment, er hätte sie nie geöffnet. Denn er starrte direkt in die kleinen gelben Augen des Mozillas.
Blitzschnell ließ er sich zur Seite fallen. Keine Millisekunde zu früh, denn schon stieß das mit tödlichen Zähnen bewehrte Maul in die Öffnung. Glücklicherweise passte nur der Kopf hindurch, da die Ausstiegsluke für den Körper des Mozillas zu klein war. Ein Umstand, den das Monster augenblicklich zu korrigieren versuchte. Mit Zähnen und Klauen drückte und riss es an der Lukeneinfassung und ließ die gesamte Raumfähre schwanken wie in einer Turbulenz. Bedrohlich beulte sich die Stahlblechverkleidung durch; es war nur noch eine Frage von Sekunden, bis sich der Mozilla Zugang zur Fähre verschafft hatte.
"Master Joraam, Sir, dieses Schwanken ... oh nein!" 2S-ST9 hatte Mühe, sich auf den Füßen zu halten.
"Hör auf zu jammern und schalte lieber die HoloVid-Aufzeichnung ein!"
"Schon geschehen, Sir, gleich nach Ihrem ersten Laserschuss."
"Gut, dann kann es ja los gehen. Sieh zu, dass du alles aufnimmst!"
Joraam zog den Blaster aus dem Holster und feuerte einige Schüsse gegen den Kopf des Ungeheuers. Er brauchte keine Rücksicht auf die kostbaren Kopffühler zu nehmen - weibliche Mozillas besaßen diese begehrte Trophäe nicht. Dafür hatten sie offenbar viel dickere Schädel als Männchen. Denn der einzige Effekt war, dass des Ungeheuer noch wütender an der Lukenverkleidung riss.
Doch plötzlich brüllte das Tier voller Schmerzen auf.

S'silk hatte keine Zeit mehr, die Vibroklinge aus der weichen, ungeschützen Stelle am Fuß des Mozillas herauszuziehen. Die Bestie brüllte vor Schmerzen auf, ergriff mit den plumpen Klauen das Messer und schleuderte es davon. S'silk warf sich zu Boden und kroch schlangenartig unter dem Rumpf der Raumfähre hindurch auf die andere Seite. Dort öffnete sich eine breite Ladeluke, und ein großer Mann mit einer Art Protikolldroiden an seiner Seite stolperte heraus.
"HoloVid-Aufnahme arbeitet störungsfrei, Sir", meldete der Droide.
"Oh nein", seufzte S'silk. "Da ist man in Not, und wer kommt? Ein Tierfilmer!"
"Irrtum, Lady, ich bin Mozilla-Jäger. Ich bin gekommen, um Sie zu retten!"
"Sie?! Nur weil Sie zwei Meter groß sind, glauben Sie, ein Mozilla-Jäger zu sein? Sie können ja nicht mal ein Raumschiff landen!"
"Hören Sie mal, Sie ..."
"Master Joraam, Verzeihung, Sir. Ich fürchte, der Mozilla kommt soeben auf diese Seite."
S'silk sah sich um. Kein Mozilla in Sicht. Nur das Raumschiff schwankte bedrohlich ... Eher instinktiv begriff sie: Das Biest kam über die Fähre.
"Hier, nehmen Sie das!" Mit diesen Worten warf ihr der Mann einen Gegenstand zu. Im selben Augenblick landete das Monster direkt neben ihr.
S'silk duckte sich unter einem Prankenschlag hinweg und registrierte entsetzt, dass der Mozilla-Jäger dem Tier eine elastische Energiefeld-Stahlschlinge um den Kopf geworfen hatte. Er wollte den Mozilla offenbar im Nahkampf besiegen! Er hatte wirklich Mut.
Aber was nützte ihm das, wenn er tot war? Denn ganz offenbar hatte nicht er den Mozzilla gefangen, sondern die Bestie ihn. Sie sprang wild brüllend umher und versuchte, das Energiefeld-Seil abzuschütteln. An dessen Ende hing der Mann und wurde wie eine lose Wetterfahne im Sturm hin und her geschleudert.
Wie konnte sie nur helfen?

Verdammt, warum aktivierte diese Frau nicht endlich den Energiefeldgenerator?
Joraam krachte auf den Boden, gegen den Raumgleiter, wieder auf den Boden - aber er ließ das Ende des Energiefeld-Seils nicht los.
"Nun machen Sie endlich!" schrie er. "Aktivieren Sie den Generator!"
Doch plötzlich hing diese verrückte Person mit ihm zusammen am Seil.
"Ich weiß nicht, was Sie vorhaben", keuchte sie. "aber ich halte das Seil für Sie. Ich habe keine Ahnung, wie man das Gerät bedient!"
Joraam ließ das Seil los, stürzte zum Minigenerator und aktivierte ihn.
Das in der Schlinge ausgelöste Energiefeld ließ den Mozilla erstarren. Das Monster drehte sich langsam um die eigene Achse und brach zusammen.
Joraam wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht. Vermutlich hatte er mehr Blutergüsse als diese Wahnsinnigen, die sich in Gummikugeln Turboliftschächte herunterstürzten.
Die Frau sah nicht weniger mitgenommen aus. Ihr Obergewand hing in Fetzen, die Tunika war völlig verdreckt, ihr Gesicht war von blutenden Schrammen gezeichnet, und ihr Haar hing in wirren Strähnen herab. Nur die leuchtend blauen Augen schienen unversehrt.
"Danke", sagte sie. "Sie haben mir das Leben gerettet. Ich dachte schon, es ist aus mit mir. Sie sind ja tatsächlich ein Mozilla-Jäger!"
"Äh, genauer gesagt, ich hoffe, einer zu werden. Ich habe mich um die Aufnahme in die Mozilla Hunters Association beworben. Mein Name ist Joraam Malgur, Kopfgeldjäger. Das ist mein Droide 2S-ST9."
"Es freut mich, Sie kennenzulernen, Mister Malgur. Willkommen auf Dantooine. Ich bin Empress S'silk, die Regentin dieses Planeten."
"Sie sind - wer?"
"Empress S'silk of Dantooine, Herrscherin der Dantari. Ich wollte das zerstörte Dorf besuchen, als wir überrascht wurden. Meine Begleiter sind - geflohen." Eine Spur Zorn und Verachtung lag in ihrer Stimme.
"Nun, Hoheit, ich kann Euch nur empfehlen, bei der Auswahl Eurer Begleiter ein wenig mehr Sorgfalt walten zu lassen. Aber entschuldigt mich bitte, ich habe zu tun."
Joraam zückte sein Messer und trat auf den Mozilla zu.
"Ist er noch nicht tot?" wollte die Empress wissen.
"'Sie'! Es ist eine 'Sie'. Doch, sie ist tot. Aber ich muss das Herz herausschneiden. Eine wichtige Trophäe für die Mozilla Hunters Association. - ST, bring mir den Kühlbehälter!"
Er kniete sich neben den Kadaver und begann, die ledrige Haut des Tieres aufzuschneiden.
"Ich bedaure, Mister Malgur, aber ich fürchte, Sie können das Herz nicht mitnehmen. Sie haben mich an eine Äußerung erinnert, die ich vor der Abreise aus der Hauptstadt Dantar gemacht habe. Ich habe meinem Ersten Minister gesagt, dass ich ihm das Herz dieser Bestie bringen werde. Ich muss das Organ leider beschlagnahmen."
Joraam lachte spöttisch auf. "Ihr habt Humor, Hoheit, das muss ich schon sagen. Glaubt Ihr im Ernst, ich gebe Euch das Herz?" Mit diesen Worten legte er das Organ in die Kühlbox. "Freiwillig gebe ich das nicht mehr her. Wenn Ihr das Herz haben wollt, müsst Ihr mir es mit Gewalt abnehmen."
Er schaute hoch und grinste die Empress an, die über ihm stand. Dass diese ein Schlafgasfläschchen in der Hand hielt, registrierte er erst, als ihn die Gaswolke einhüllte.

 

Liebe, Sammelbegriff für die Vielzahl von Gefühlsbindungen, denen die rational nur unvollständig begründbare Wertbejahung eines Subjekts oder Objekts zugrunde liegt und die als ein die eigenen Belange überschreitendes Hinstreben nach wirklicher oder ideeler Vereinigung mit dem Gegenstand erlebt werden ...
Interstellare Gesellschaft für Erziehung und Bildung (Hg.), Großes Konversationslexikon für Menschen und Wookies


Diese hinterhältige Hexe!
Joraam richtete sich vorsichtig auf und versuchte, das dumpfe Pochen in seinen Schläfen zu ignorieren.
"Oh, Master Joraam, Sir. Sie sind wieder wach." 2S-ST9 hielt ihm einen Becher Wasser vor die Nase.
Joraam griff nach dem Gefäß und nahm gierig einen Schluck.
"Ja", brummte er. "Wach genug, um dieser Person eigenhändig den Hals umzudrehen. Ob sie nun Hoheit ist oder nicht."
"Sparen Sie sich Ihre Energie", ertönte hinter ihm die Stimme der Empress. "Sie werden sie für den Fußmarsch brauchen."
Joraam wandte sich um und funkelte die Frau wütend an. Doch dann begriff er.
"Sagt nicht, die Fähre ...."
"Doch", nickte sie. "Wenn Sie nicht einen Hochenergiegenerator in der Tasche haben, können Sie mit diesem Schiff nicht mehr starten. Oder fliegt die Mühle auch ohne Strom?"
"Okay, Hochwohlgeboren, sagt mir, wo der nächste Raumhafen ist."
"Es gibt nur einen Raumhafen auf Dantooine. Der liegt in der Nähe der Haupstadt Dantar. Aber dort müssen wir nicht hin. Wir gehen einfach zum Dorf Orlf'un. Dort bekommen wir bestimmt einen Landgleiter, mit dem wir nach Dantar fahren können."
"Wir gehen nirgendwo hin, Gnädigste. Ihr geht dahin. Und mein Droide und ich gehen zu diesem Dorf, wenn Ihr uns die Richtung zeigt. Aber gemeinsam gehen wir ganz sicher nicht."
"Wie Sie wollen! Sie haben mir das Leben gerettet, aber auf Ihre Gesellschaft verzichte ich nur allzu gerne."
"Das beruht auf Gegenseitigkeit, Hoheit."

S'silk stapfte wütend durch das Gras. Sie hatte aus der Fähre einen Rucksack genommen und sich mit Lebensmitteln, einer Decke und einem Blaster ausgerüstet. Außerdem hatte sie die Kühlbox mit dem Mozillaherzen darin verstaut. Danach war sie einfach davongegangen. Sollte dieser Malgur doch sehen, wie er hinterher kam!
Malgur! Sie verzog das Gesicht.
Ein arroganter Kerl.
Ein ungehobelter Klotz.
Ein Rüpel.
Ein Kopfgeldjäger.
Ein Taugenichts.
Ein Herumtreiber.
Ein Bruchpilot.
Ein ...
Ein attraktiver Mann.
S'silk seufzte.
Sie hatten den Einsatz des Schlafgases augenblicklich bereut. Am liebsten hätte sie den Kopf des zusammengesunkenen Jägers in ihren Schoß gebettet und gewartet, bis er wieder aufwachte. Er hatte so friedlich im Gras gelegen ...
Immerhin hatte er ihr Leben gerettet, und wie hatte sie es ihm gedankt? Wie er allein mit diesem Ungeheuer gekämpft hatte ...
Sie seufzte erneut.
Kraft und Mut hatte er bewiesen. Ob er auch zärtlich sein konnte?
Hör auf! schalt sie sich. Was soll das jetzt? In ein paar Tagen nimmst du irgendeinen von diesen Lackaffen, die um deinen Thron herumscharwenzeln, zum Verlobten, und dieser Malgur fliegt davon, um sich in den Armen einer Twi'lek-Tänzerin zu vergnügen. Und das war's dann. Ende.

"Master Joraam, Sir, was halten Sie von der Empress?"
"Ich versuche gerade, nichts von ihr zu halten. Lieber würde ich mit Miss Mozilla durch die Gegend laufen, als mit dieser 'Herrscherin'!"
"Ja, Sir, mir erschien sie auch ein wenig - unfair. Um nicht zu sagen hinterhältig. Oder verschlagen. Man könnte auch meinen ..."
"Schon gut, ST, deine Meinung kenne ich jetzt."
"Ja, Sir, gewiss, ich dachte nur ..."
"Ich finde, sie ist - mutig. Junge, Junge, ST, wie sie auf das Mozilla-Weibchen los gegangen ist - alle Achtung. Und mir das Herz abzujagen ... Irgendwie nötigt mir das Respekt ab."
Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander her, etwa 50 Schritt hinter Empress S'silk, die schnurstracks, ohne sich umzuschauen, durch das Grasland ging.
"Weißt du was, ST?" nahm Joraam den Gesprächsfaden wieder auf. "Ich habe mir Herrscherinnen immer ganz anders vorgestellt. Ich dachte immer, das sind gepuderte und geschminkte zimperliche Zicken. Aber diese ... Hast du ihre blauen Augen gesehen?"
"Sir, ich bin nur ein einfacher Droide und versteh nicht viel von solchen Sachen. Aber mein vorletzter Master hat die Zuneigung zu seiner Freundin immer in poetischen Formen ausgedrückt. Wenn Sie wollen, durchforste ich meinen Gedächtnisspeicher, ob ich nicht ein solches Poem finde."
"Ja mach das", antwortete Joraam mechanisch. Aber im Grunde achtete gar nicht auf das Geplapper seines Droiden. Mit seinen Gedanken war er ganz bei Empress S'silk.

"Hier könnten wir für die Nacht lagern."
S'silk ließ ihren Rucksack zu Boden gleiten und streckte sich. Sie war hundemüde. Die Flucht, der Kampf, der Marsch - sie sehnte sich danach, endlich zu schlafen.
"Wir? Euer Gnaden haben nichts dagegen, dass wir hier ebenfalls übernachten?"
"Glauben Sie nicht, dass ich Ihre Anwesenheit genieße. Es ist eine reine Vernunftmaßnahme. Es ist sicherer, wenn wir zusammen hier lagern."
Bevor Joraam Malgur etwas erwidern konnte, ergriff sein Droide das Wort.
"Sir, ich habe ein Liebesgedicht gefunden, wie Sie gewünscht haben. Es wird Ihnen gefallen:
Zwei Herzen ach so wundersam vereint
vermögen Eisgebilde selbst zu wärmen
als ob die glühend Sonne scheint

- aber Sir, warum bedrohen Sie mich mit einem Blaster?!"
S'silk wickelte sich in ihre Decke ein.
Gegen ihren Willen musste sie grinsen. Dieser Malgur war doch tatsächlich rot geworden, als der Droide mit dem Gedicht angefangen hatte. Es war ihm offenbar peinlich. Sicherlich war es ihm äußerst unangenehm gewesen, dass der Droide unabsichtlich seine Gefühle verraten hatte.
Und mit einem Lächeln auf den Lippen schlief sie ein.

"Wo ist das Mozilla-Herz?!"
Empress S'silk stand breitbeinig vor ihm, die Hände in die Hüften gestemmt. Ihre Augen blitzten zornig, und auf ihrer Stirn war eine Zornesfalte zu sehen.
Joraam biss in aller Ruhe ein Stück vom Mehlfladen ab.
"Das Herz? Och, ich dachte, Euch fällt der Fußmarsch leichter, wenn Ihr nicht so viel zu tragen habt. Wie Ihr seht, bin ich stets um Euer Wohlergehen besorgt, Hoheit."
"Sie Schuft! Sie haben mir das Herz gestohlen! Sie ..."
S'silk brach erschreckt ab. Joraam registrierte belustigt, dass sie errötete, als ihr die Doppeldeutigkeit ihrer Formulierung aufging. Wütend drehte sie sich um, und packte ihre Sachen.
"Ihr wollt ohne Frühstück weitergehen?" grinste Joraam.
"Um Sie loszuwerden, würde ich auf viel mehr verzichten! - Im übrigen sind es nur noch ein paar Stunden bis zum Dorf. Dann brauche ich Sie wenigstens nicht mehr zu sehen!"
Sie nahm ihren Rucksack auf und wandte sich zum Gehen.
"Lassen Sie sich Zeit, Mister Malgur. Sie werden den Weg auch ohne mich finden. Folgen Sie einfach dem Flusslauf bis zum Dorf Orlf'un. Wenn keine Säbelzahn-Mordogs in der Nähe sind, wird das ein Spaziergang."
In diesem Augenblick ertönte in der Ferne ein langgezogener, heulender Ton. Kurz darauf antworteten mehrere ähnliche Töne.
"Was war das?" fragte Joraam. "Ihr seht auf einmal so blass aus."
Empress S'silk atmete tief ein. "Das waren Jagdschreie von Säbelzahn-Mordogs."

 

Weil Menschen zu den Warmblütern gehören, ist ihr Körper in der Lage, seine Temperatur selbständig zu regeln. Von gewissen Schwankungen aufgrund äußerer Temperatureinflüsse abgesehen, beträgt die Körperwärme eines Menschen in der Regel 37 Hunderstel vom Siedepunktes des Wassers. Bei starker körperlich-emotionaler Aktivität kann die Temperatur um bis zu sieben Prozent steigen ...
Bormaz Lemmuh, Spezies Mensch. Eine Einführung für Nichthumanoide


"Hier kommen wir nicht weiter!"
S'silk blieb stehen und betrachtete die steil aufragende Felswand. Den ganzen Tag waren sie quer zur eigentlichen Marschroute gegangen, um den Säbelzahn-Mordogs auszuweichen. Fast immer hatten die Jagdschreie sie begleitet, mal näher, mal weiter entfernt. Doch nun saßen sie in der Falle: Die Felswand versperrte ihnen den Weg.
"Irgendwie müssen wir darauf, Empress S'silk! Ich fürchte, wir haben keine andere Wahl."
Empress S'silk - kein spöttisches "Hoheit" kein "Euer Gnaden". S'silk nahm an, dass der Kopfgeldjäger angesichts der Gefahr auf derartige Sticheleien verzichtete.
Ganz in der Nähe ertönte erneut der Jagdschrei eines Mordogs. Ein vielstimmiges Echo antwortete ihm.
"Los, rauf hier! Wir müssen klettern, Empress!"
Sie liefen das letzte Stück zur Felswand. Sie wies Risse und Vorsprünge auf, die ein Hinaufklettern ermöglichten. Aber 30 Meter die Wand hinauf?
Kein Aber! Sie mussten es versuchen.
"Empress, steigt auf meine Schultern! Von da könnt Ihr diesen Vorsprung dort erreichen."
Joraam Malgur lehnte sich mit dem Rücken zur Wand und verschränkte die Hände zu einer Trittstufe. S'silk stieg auf diese Stütze, zog sich am Fels hoch, trat auf Malgurs Schultern und schaffte es, einige Meter empor zu klettern.
"Wie kommen Sie hoch?" rief sie hinab.
"Mir fällt schon was ein. Erst muss ST klettern!"
"Beeilen Sie sich! Die Mordogs kommen!"
"Oh Master Joraam, Sir, lassen Sie mich hier unten", schaltete sich der Droide ein. "Ich schaffe es nicht. Ich falle Ihnen nur zur Last."
"Unsinn, ST, was redest du da? Los, ich helfe dir."
"Sir, es ist zu spät! Sie sind da!"

Der erste Säbelzahn-Mordog brach durch das Gebüsch. Joraam hatte sich schon den ganzen Tag gefragt, wie diese Tiere aussahen und wie sie kämpften. Empress S'silk hatte ihm eine Beschreibung gegeben, die ihn an eine Gorrsk-Riesenkatze denken ließ. Tatsächlich lag er mit dieser Assoziation nicht weit daneben. Nur hatten Mordogs gewaltige Eckzähne, die ihnen den Namen gegeben hatten, und einen peitschenartigen, mit Stacheln bewehrten Schwanz, der vermutlich eine noch gefährlichere Waffe darstellte.
Der Mordog sprang mit großen Sätzen auf ihn zu. 2S-ST9, der bereits auf Joraams Schultern geklettert war, rutschte vor Schreck zu Boden. Er fuchtelte dabei mit den Armen - was Joraam vermutlich das Leben rettete. Denn statt der Kehle des Menschen erwischte der Mordog die linke Hand des Droiden. Er biss zu, und ein metallisches Knirschen verriet, dass es um die Gliedmaße des Droiden geschehen war. Joraam riss den Blaster aus dem Holster und erlegte den Mordog mit mehreren gezielten Schüssen.
2S-ST9 rappelte sich auf. "Oh, meine Hand, ich bin verstümmelt."
"Los, ST, jammer nicht rum, kletter die Wand rauf", knurrte Joraam. "Ich kauf dir eine neue Hand. Oder ich baue dir stattdessen einen Datalink-Adapter ein. Aber jetzt sieh zu, dass du da hoch kommst!"
Er schob und drückte den Droiden ein Stück die Wand hoch, während S'silk von oben zog.
Gerade als Joraam hinterher klettern wollte, kam der zweite Mordog.
Der Kopfgeldjäger zielte mit dem Blaster und drückte ab.
Klick.
Joraam wurde von dem Adrenalinstoß fast umgeworfen. Leer? Der Blaster war leer?
Der Mordog warf ihn tatsächlich um. Mit einer blitzschnellen Drehung hatte Joraam dem Maul der Raubkatze ausweichen können, aber der Aufprall des Tieres riss ihn zu Boden. Er sprang wieder auf die Füße, wurde aber von dem peitschenden Schwanz an der Schulter getroffen und erneut von den Beinen gefegt.
Der Mordog stand brüllend vor ihm, das Maul weit geöffnet.
In diesem Moment krachte ein Rucksack auf den Kopf des Tieres. Die Wirkung des Aufpralls war nicht stark genug, um den Mordog ernsthaft zu verletzen. Aber sie verschaffte Joraam die Zeit, die er brauchte. Mit einer katzenhaften Bewegung rammte er dem Mordog sein Vibromesser ins Herz.
Dann begann er den Aufstieg.

S'silk schaute die Felswand hinunter. Sie wurden regelrecht belagert. Mindestens zwei Dutzend Säbelzahn-Mordogs lauerten dort unten auf sie. Der Rückweg war definitiv abgeschnitten. Nun, zurück wollten sie ohnehin nicht mehr. Knapp unterhalb der Felsoberkante war ein Überhang, fast eine kleine Höhle. Dorthin hatten sie sich zurückgezogen. Die Abenddämmerung war längst hereingebrochen, und sie hatten beschlossen, die Nacht dort zu verbringen.
Der Droide 2S-ST9 lehnte an der Felswand und betrachtete seinen Armstumpf, aus dem Drähte und Anschlüsse herausragten. Joraam Malgur legte soeben ein Medipack auf seine Schulter. Er lächelte sie an.
"Nun habt Ihr mir das Leben gerettet, Empress S'silk. Wenn Ihr den Rucksack nicht geworfen hättet ..."
"Sie hätten an meiner Stelle doch das gleiche getan! - Warten Sie, ich helfe Ihnen mit dem Medipack."
S'silk trat zum Kopfgeldjäger und legte die elastische Binde über das Pack.
"Sie müssen starke Schmerzen haben, die Wunde ist tief." Vorsichtig streichelte sie mit ihren Fingern über den Verband.
"Wenn Ihr mich so versorgt, geht es mir schon gleich besser."
Er schaute ihr in die Augen. "Empress, ich ... es tut mir Leid, dass ich grob zu Euch war. Ich ..."
S'silk legte ihm einen Finger auf die Lippen.
"Sag nichts, Joraam. Ich war eklig zu dir. Ich wollte es nicht wahr haben, aber die Begegnung mit dir war das Beste, was mir je meinem Leben passiert ist."
Sie gab ihm einen Kuss auf die Lippen, erst zaghaft, zögernd, dann, als er ihn erwiderte, leidenschaftlich, stürmisch.
S'silk spürte seine Hände unter ihrem Gewand, tastend, forschend. Sie spürte Hitze, Erregung ...
Mit einem Male löste Joraam sich aus ihrer Umarmung. Über sein Gesicht legte sich ein breites Grinsen.
"Ich will die Situation nicht ausnutzen, Hoheit, aber ich fürchte, wir haben nur eine Decke. Ihr habt Eure leider den Mordogs zum Fraß vorgeworfen. Heute Nacht wird es kalt werden. Wenn ich Euch einen Unterschlupf gewähren darf ...?"

Joraam strahlte mit der Morgensonne um die Wette. Eigentlich war er nur wegen einer Mozillajagd auf diesen Planeten gekommen, aber jetzt - wow!
"Guten Morgen, Master Joraam, Sir."
"Leise, ST", zischte Joraam. "Du weckst sie sonst auf. Lass sie noch ein wenig schlafen."
Nun senkte auch der Droide seine Stimme. "Diese scheußlichen Mordogs sind verschwunden, Sir. Ich hoffe, jetzt haben wir keine Hindernisse mehr auf dem Weg nach Orlf'un. - Ach, ehe ich es vergesse: Soll ich wirklich ein zweites HoloVid aufzeichnen? Ich meine, nachdem die Mozilla Hunters Association den Empfang des ersten bestätigt hat ..."
"Zweites HoloVid? Wovon redest du?"
"Nun, Sir, der HoloVid-Speicher ist begrenzt. Ich habe so lange aufgezeichnet, bis er die Kapazitätsgrenze erreichte. Dann habe ich die Aufnahme sofort an die MHA gesandt. Der Eingang wurde bestätigt. Und jetzt frage ich mich ..."
"Moment mal!" Joraam wurde hellhörig. "Du hast einen kompletten HoloVid-Speicher bespielt? Was hast du denn alles aufgenommen?"
"Alles, Sir!" 2S-ST9 klang stolz. "Seit Ihrem Laserschuss aus der Raumfähre habe ich alles aufgezeichnet. Den Kampf mit dem Mozilla, unsere Wanderung ..."
"Du hast was?"
"Sir, ist etwas nicht in Ordnung? Sie haben mir nicht gesagt, dass ich die Aufzeichnung stoppen soll, und da dachte ich ..."
Joraam konnte es nicht fassen. Dieser blöde Droide hatte den Fußmarsch aufgezeichnet! Die Streitereien mit S'silk und ...
"Und du hast es schon an die MHA geschickt?!"
"Gewiss, Sir, es ist alles in bester Qualität angekommen."
Joraam seufzte. "Na, wenigstens ist das Geschehen hier in der Höhle nicht drauf. Es war ja dunkel!"
"Oh, das war gar kein Problem, Sir! Ich habe natürlich auf Nachtsichtaufnahme gestellt. Wie ich schon sagte: Alles in bester Qualität ..."
"WAS?! Du hast ... heute Nacht? ... BIST DU WAHNSINNIG?!"
"Aber Sir, ich verstehe Ihre Aufregung nicht. Mister So'ren Steding von der MHA war auch ganz begeistert!"
"WIE BITTE?!" Joraams Stimme dröhnte weit über das Grasland. "So'ren hat das HoloVid gesehen?"
"Ja, Sir, er hat mich kontaktet, weil er wissen wollte, warum die Datei so umfangreich war. Ich habe ihm erzählt, was ich aufgezeichnet habe. Und hat er sofort mit dem Schluss begonnen. Er meinte, eine so scharfe Mozilla-Jagd hätte er noch nie gesehen. - Aber Sir, warum bedrohen Sie mich schon wieder mit einer Waffe?!"

 

Den entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Mozilla Hunters Association stellte ohne Zweifel die sehr diskrete, aber dennoch hochoffizielle diplomatische Kontaktaufnahme durch die Regierung des Planeten Dantooine dar. Es war das erste Mal, dass eine Regierung einen formellen Vertrag mit unserer Organisation abschloss. Natürlich gingen wir sofort auf die Forderung ein, die Verbreitung von möglicherweise kompromittierendem HoloVid-Material über Empress S'silk und Joraam Malgur zu unterlassen. Denn im Gegenzug wurde uns politisches Asyl für alle in anderen Staatssystemen strafrechtlich verfolgten MHA-Mitglieder zugesichert - gar nicht schlecht, im Notfall eine solche Zuflucht zu haben! Die mit diesem Vertrag in engem Zusammenhang stehende Aufnahme Malgurs in unsere Organisation war im übrigen entgegen späteren Gerüchten keineswegs umstritten. Zwar wies seine erste erfolgreiche Jagd gewisse formale Fehler auf, aber wer will sich schon gern als Prinzipienreiter aufspielen? Lediglich Exekutivmitglied Shi'mone verlangte zunächst, "diesen verlausten Kopfgeldjäger samt seinem kaputten Droiden mit ein paar Thermodetonatoren in die Luft zu pusten", was aber eher persönlich als sachlich motiviert war. Schließlich stimmte auch sie der Aufnahme mit dem Hinweis zu, "diesem Tunikajäger wenigstens ein paar Credits aus der Tasche ziehen zu können". Offenbar hatte es irgend einen finanziellen Deal zwischen ihr und Malgur gegeben.
Die beanstandeten HoloVid-Aufzeichnungen kursierten übrigens noch monatelang unter den Mitgliedern der MHA.
MHAVice President So'ren Steding, Private Aufzeichnungen


"Da vorn liegt das Dorf Orlf'un."
S'silk hätte ihr halbes Kaiserreich dafür gegeben, die Worte nicht aussprechen zu müssen. Aber es blieb ihr keine Wahl. Die letzten Tage waren wie ein Traum gewesen, wie ein Vorgeschmack auf das Glück, das sie unter anderen Umständen hätte gewinnen können.
Aber jetzt war es vorbei.
"Tja, dann ist unser gemeinsamer Weg wohl zu Ende."
Joraam biss sich auf die Lippen. Brachte er nicht mehr heraus als diese nichtssagende Floskel?
"S'silk ..." Hilflos brach er ab.
"Joraam ..."
Sie fielen sich in die Arme.
"Ich lasse dich einfach nicht gehen, Joraam. Oder ich verzichte auf den Thron und komme mit dir! Ich ..."
Ein leidenschaftlicher Kuss verschloss ihren Mund.
"S'silk, sei vernünftig", meinte Joraam schließlich. "Du gehörst hierher. Du bist Herrscherin dieses Planeten, dein Volk braucht dich."
Und ich brauche dich auch, setzte er in Gedanken hinzu.
"Du hast Recht, Joraam", nickte S'silk. "Ich gehöre hierher. Aber ich gehöre auch zu dir. Das weiß ich einfach! Ich will nicht nur auf meine Vernunft hören. Nicht wenn ich mein Herz ignorieren müsste."
"Ach ja, eh ich es vergesse", brummte Joraam. "Beim Stichwort 'Herz' fällt mir ein ..."
Er zog die Kühlbox aus seinem Rucksack und hielt sie S'silk hin.
"Das solltest du besser mitnehmen, Du wolltest es doch deinem Ersten Minister mitbringen."
S'silk nahm den Behälter entgegen und begann plötzlich, lauthals zu lachen.
"Du bist ein feiner Romantiker! Ich will dir gestehen, dass ich mich in dich verliebt habe, und du schenkst mir ein Mozilla-Herz!"
Joraam zuckte hilflos und verlegen die Schultern.
"Verzeih mir, ich bin nicht so geschickt in solchen Sachen."
S'silk drückte ihm einen Kuss auf den Mund. "Vielleicht mag ich diese Seite an dir ja besonders?"
Dann wurde sie wieder ernst. Sie löste eine Kette von ihrem Hals, an der ein herzförmiger Medaillon hing.
"Das ist das Herz, das ich dir schenke, Joraam. Dieses Medaillon bekommt der künftige Prinzgemahl als Verlobungsgeschenk. Nur wer dieses Zeichen vorweisen kann, darf die Regentin der Dantari heiraten. Pass also gut darauf auf!"
Joraam nahm die Kette entgegen, sprachlos vor Glück.
"Ich ... ich weiß nicht, was ich sagen soll, S'silk ..."
"Gar nichts, Schatz. Sag einfach nichts. Halt mich nur fest ..."

 

Es war die Hochzeit des Jahres im Äußeren Rand der Galaxis. Alle Herrscher der wichtigsten Planeten im Dantooine-Sektor waren erschienen, die Neue Republik und eine Reihe von Einzelwelten hatten Vertreter geschickt, und natürlich machten sämtliche Clan-Oberhäupter der Dantari ihre Aufwartung. Dantooine war nach der Schlacht zwischen dem Imperium und der Republik in aller Munde. Und dass die Herrscherin zudem ausgerechnet einen Kopfgeldjäger heiratete, machte das Ereignis doppelt interessant.
Es war ein gewaltiges Fest auf einem der großen Felder außerhalb der Stadt Dantar. Gaukler, Feuerschlucker, Tänzerinnen und Artisten führten ihre Künste vor. Mit Tributen und Geschenken beladene Karawanen und Delegationen zogen über den Platz und luden ihre Waren ab. Auf einem hölzernen Podest saß das Brautpaar und nahm wohlwollend lächelnd die Glückwünsche und Geschenke der Gratulanten entgegen. Empress S'silk trug ein wallendes, feuerrotes Seidenkleid und eine goldene Krone auf ihrem Haupt. Joraam Malgur hatte eine dunkelgrüne Samtrobe angezogen. Er hatte es merkwürdig gefunden, gänzlich auf sein Waffenarsenal zu verzichten, und fühlte von Zeit zu Zeit heimlich über den Griff des Miniblasters, den er partout nicht hatte ablegen wollen.
Drei Stunden dauerte das Fest nun bereits. Und Joraam Malgur konnte nicht behaupten, dass er sich amüsierte. Hier oben auf dem Präsentierteller zu sitzen, während irgendwelche lokalen Potentaten einen mit Tributzahlungen verbundenen Treueeid schworen - so hatte er sich seine Hochzeit nicht vorgestellt. Außerdem wurde seit Tagen recht offen ein kesser Spruch von Empress S'silk in der Stadt Dantar kolportiert. Es ging um Bräute und Dienstmägde und darum, dass eine Frau sich vor der Ehe hüten solle, um nicht in der Küche zu landen. So jedenfalls gingen die Gerüchte. Und Joraam fragte sich, ob ihm wirklich klar war, worauf er sich bei der Heirat eingelassen hatte.
Dann aber wandte sich Empress S'silk ihm zu und warf ihm aus ihren azurblauen Augen einen Blick voller Liebe, Zärtlichkeit und Leidenschaft zu. Und Joraam Malgur wusste, dass er in seinem Leben nie eine bessere Entscheidung getroffen hatte als die Frau zu heiraten.
Endlich, nach über drei Stunden, trat der oberste Priester des Dantar-Tempels auf das Podest und bedeutete der Menge zu schweigen. Dann vollzog er die Trauung, die angesichts des bisherigen Festes überraschend schlicht war.
Der Priester nahm die Hand von Empress S'silk und legte sie in Joraam Malgurs Hand.
Dann sprach er: "Empress S'silk, Herrscherin der Dantari und Regentin des Planeten Dantooine, Tochter der Weisheit, Schwester der Kriegskunst, Gefährtin der Gerechtigkeit, und Joraam Malgur, Beschützer, Ratgeber und Erster Diener der Herrscherin - Frau und Mann seid ihr!"
Ein tumultartiger Jubel erfasste die Menge, während der Kopfgeldjäger noch über die Bedeutung der Bezeichnung "Erster Diener" nachdachte.
Dann machte der Priester wiederum eine Geste, um das Volk zum Schweigen zu bringen. Anschließend sagte er zum Brautpaar: "Nun dürft ihr einander küssen!"
Auf diesen Satz hatte Joraam Malgur seit drei Stunden gewartet.
Obi-Nor Gildorian, Gesammelte Werke, Bd. 3: Geschichten aus der Neuen Republik

Obi-Nor