Der alte Mann stellte seinen Becher mit einer
derart heftigen Bewegung auf die Theke zurück, dass ein Teil des Drinks
heraus schwappte.
"Ihr könnt's mir ruhig glauben! Da draußen liegt ein Schatz!"
Seine Aussprache war fest und sicher, doch seinen Augen sah man an, dass er
schon reichlich Alkohol getrunken hatte. "Ein riesiger, ungeheuer wertvoller
Schatz! Er wartet nur darauf geborgen zu werden. Wirklich! Wenn ich's euch doch
sage!"
Er stierte mit klein gewordenen Augen in die Runde. An den Mienen der anderen
Gäste konnte er ablesen, dass ihm niemand auch nur ein Wort glaubte. Weder
Teeko, der Rodianer, noch der Devaronianer, den alle "Chuck" nannten,
noch der Mensch, der sich mit "Hark Gelfrin" vorgestellt hatte.
"Ihr glaubt mir nicht," stellte er fest. "Und doch stimmt's.
Ich war damals Navigator auf der First Strike, einem Zerstörer der
Empire-Klasse. Wir hatten den Auftrag, eine hochrangige Delegation zu befördern.
Es waren Offiziere der imperialen Leibgarde und - Darth Vader!"
Die anderen brachen in schallendes Gelächter aus. Hark Gelfrin schlug dem
Alten lachend auf die Schulter.
"Darth Vader! Du hast vielleicht eine Phantasie, Buzz! Erzähl weiter!
Dafür spendiere ich dir noch einen. Hey, Spider, noch 'ne Runde!"
Der insektoide Wirt F'flhorrt U'zzmorrh, den alle Gäste nur "Spider"
nannten, mixte vier neue Drinks. Um diese Zeit war in seiner Cantina auf Crispin
III nicht viel los. Die vier Typen an der Theke, allesamt Piloten oder Navigatoren
von herunter gekommenen Frachtern, dazu noch in den Nischen einige Stammgäste,
sonst war sein Lokal leer. Erst später, zum Auftritt der Bithband und der
Twi'lek-Tänzerinnen, würden zahlreiche Frachterbesatzungen den Laden
in eine Goldgrube verwandeln.
Der Alte griff gierig nach seinem Drink und schüttete die Hälfte in
einem Zug hinunter.
"Du glaubst mir nicht, dass wir Darth Vader an Bord hatten", grummelte
er. "Und doch war's so. Natürlich war es das Gesprächsthema
innerhalb der Besatzung. Was hatte der Dunkle Lord und Vertraute des Imperators
vor? Warum war die rot gewandete Leibwache des Imperators an Bord und nicht
einfache Sturmtruppen? Und was war in dem geheimnisvollen Container, den sie
an Bord gebracht hatten?"
"Container?" Nun war das Interesse des Rodianers geweckt. "Ihr
hattet demnach Fracht an Bord."
"Ja, Teeko", nickte der Alte. "Es war ein Container. Und er wurde
Tag und Nacht bewacht."
"Wie groß war er denn?" fragte der Devaronianer.
"Ich habe ihn nicht gesehen. Aber der Cargo-Officer meinte, er wär'
60 Fuß lang, 15 Fuß breit und 10 Fuß hoch. Die Außenhaut
war aus Durastahl."
Der Mensch lachte laut auf. "Durastahl? So ein Blödsinn! Kein Frachtcontainer
ist aus Durastahl!"
"Das ist es ja gerade!" Der Alte schien mit einem Male einen Energieschub
zu bekommen. Jetzt war er ganz in seinem Element. "Dieser Behälter
war von Anfang an verdächtig. Natürlich gab es wilde Spekulationen
innerhalb der Besatzung, welche Fracht wir an Bord hatten. Nach drei Tagen im
Hyperraum sickerte das Gerücht durch, dass wir nichts Geringeres transportierten
als die Geheime Kriegskasse des Imperators!"
"Die Geheime Kriegskasse des Imperators?!" Hark Gelfrin schlug auf
die Theke vor Lachen. "Mensch, Buzz, was Blöderes hab ich noch nie
gehört! In der Vor-Raumfahrt-Ära hatten Völker Behältnisse
mit Kriegskassen. Wenn die leer waren, konnte der Sold nicht mehr bezahlt werden.
Dann war der Krieg vorbei. Aber auch der Imperator soll einen Container voll
Geld gehabt haben?! Schwachsinn! Reiner Schwachsinn!"
"Vielleicht war es ein Notfonds", überlegte Teeko. "Eine
stille Reserve."
"Genauso war es", warf der Alte ein. Seine Augen sahen mit einem Male
erstaunlich nüchtern aus. "Der Krieg gegen die Rebellen und die Niederschlagung
lokaler Aufstände hatte schon ungeheure Summen verschlungen. Der Imperator
wollte offenbar eine Rücklage bilden, vielleicht auch für ein geheimes
Projekt."
Hark Gelfrin schüttelte den Kopf. "Und was war in dem Container? Republikanische
Daktaris? Wupiupis? Oder etwa imperiale Credit-Chips?"
"Wenn du Buzz nicht glaubst, musst du ihn nicht noch auf den Arm nehmen",
tadelte der Rodianer. Dann wandte er sich an den Alten: "Was war nun in
dem Container?"
Der alte Mann schaute seinen leeren Becher an. "Ich habe auf einmal einen
trockenen Hals."
Chuck gab F'flhorrt U'zzmorrh einen Wink, und wie von Zauberhand serviert standen
plötzlich vier neue Drinks auf der Theke.
Der Alte nahm seinen Becher in die Hand, nippte aber nur.
"Edelsteine."
Ein paar Sekunden lang hing dieses eine Wort wie ein Glockenton im Raum.
"Edelsteine?" Der Rodianer strich sich mit einer nervösen Geste
über den grünen Stachelkamm auf seinem Schädel. Die trompetenförmigen
Ohren oben auf seinem Kopf bewegten sich rasch hin und her, ein sicheres Zeichen
für Erregung. "Ein ganzer Container voller Edelsteine?"
Der Alte nickte. Seine Augen bekamen nun einen träumerischen Glanz.
"Es ging das Gerücht um, dass die bedeutendsten Edelsteinminen der
Galaxis ihren Teil zu dieser Kriegskasse beigesteuert hatten. Keine Credit-Chips,
die nach einer Währungsreform ungültig würden. Nein, das reinste
und wertvollste Material, das als Zahlungsmittel dienen kann, war dort in diesem
Container verstaut, wenn die Gerüchte stimmten. - Aber das ist noch nicht
alles."
"Nein?" fragte Teeko neugierig. "Was denn noch?"
"Angeblich waren nicht nur einzelne Edelsteine im dem Behälter, sondern
auch - das 'Auge des Universums'."
Der Devaronianer glotzte. "Das was?!"
"Das 'Auge des Universums'" wiederholte der Alte. "Das prächtigste
Geschmeide, das jemals in dieser Galaxis hergestellt wurde. Es war eine Arbeit
der Yokanier."
"Yokanier?!" Hark Gelfrin runzelte die Stirn. "Das ist doch ein
Volk, das längst ausgerottet ist. Gab es da nicht mal eine Planetenkern-Schmelze?"
"Nein, es war ein Supernova-Ausbruch", korrigierte der Rodianer.
"Richtig, Teeko", bestätigte der Alte. "Eine Supernova hat
die Yokanier vernichtet. Aber einige ihrer Arbeiten haben bis auf den heutigen
Tag überlebt. Es sind die kostbarsten Schmuckstücke, die in dieser
Galaxis existieren."
"Was ist denn dieses 'Auge der Galaxis', von dem du sprachst?" wollte
der Devaronianer wissen.
"Ein Medallion", antwortete der Alte. "Handtellergroß.
Die Kette ist aus Gold, die Grundplatte aus Weißplatin. Zwei Dutzend Darkstone-Diamanten
umgeben den wunderbarsten Stein, den ihr euch vorstellen könnt. Er ist
ganz schwarz und transparent; ich weiß nicht, aus welchem Material er
ist. Aber er hat ein inneres Feuer, als ob in ihm ein Lichtstrahl eingefangen
ist."
"Ja, natürlich, ein eingefangener Lichtstrahl!" Hark Gelfrins
Stimme troff vor Spott. "Erzähl deine Märchen ruhig weiter, aber
ich muss auf mein Schiff zurück. Und ihr habt wahrscheinlich auch genug
getrunken, nicht wahr?"
Die anderen nickten. Schon seit Stunden hingen sie in der Cantina herum. Sie
gaben dem Wirt ein Zeichen, dass er ihnen die Rechnung präsentieren sollte.
"Noch eine Frage", warf Chuck ein. "Wenn in der gesamten Besatzung
das Gerücht umging, dass Darth Vader einen Schatz transportierte, warum
hat niemand nach dem Sturz des Imperators versucht, ihn zu bergen?"
Der Alte schaute verlegen zu Boden. "Ein halbes Jahr nach unserem Einsatz
fand die Schlacht von Endor statt. Die Fast Assault wurde vernichtet.
Ebenso der Imperator mitsamt seiner Leibgarde auf dem Todesstern. Und Darth
Vader. Ich hatte damals routinemäßig Heimaturlaub. Nur deshalb habe
ich überlebt. Der einzige, der von dem Schatz weiß."
Jetzt lachte F'flhorrt U'zzmorrh. "Der einzige? Seit Monaten erzählst
du jedem, der dir einen Drink spendiert, diese Geschichte. Nur hat sie dir bisher
noch niemand geglaubt."
Nun schaltete sich nochmals Hark Gelfrin ein. "Warum hast du niemals versucht,
den Schatz zu bergen, wenn du wirklich an seine Existenz glaubst?"
Der Alte zuckte mit den Schultern. "Die ersten Jahre nach dem Sturz des
Imperators habe ich mich versteckt aus Angst vor der Rache der Rebellen. Danach
wollte ich einfach alles, was mit diesem Bürgerkrieg zu tun hatte, vergessen.
Und irgendwann war ich zu alt für eine solche Expedition. Außerdem
habe ich kein Geld. Ich bin zufrieden, hier im C'sis-Sektor auf einem kleinen
Frachter arbeiten zu können. Das reicht mir. Aber träumen werde ich
immer von dem Schatz."
Die vier legten ihre Credit-Chips auf die Theke und wandten sich zum Ausgang.
"Noch eine Frage", warf der Rodianer ein. "Wo ging die Reise
damals hin? Wo ist denn dieser Schatz?"
"Wir nahmen Kurs auf den Planeten Naboo", antwortete der Alte. "Sagt
euch das etwas?"
"Naboo?" Chuck überlegte. "Kommt mir irgendwie bekannt vor."
"Naboo? War das nicht der Heimatplanet von Imperator Palpatine?" überlegte
Hark Gelfrin laut.
Der Alte nickte. "Genau das war er. Deshalb hat sich der Imperator auch
diesen Planeten als Versteck ausgesucht. - Ach, was soll's. Den Schatz findet
ohnehin niemand mehr. Nicht nach so vielen Jahren ..."
Die vier verließen die Cantina.
Eine Zeitlang war alles ruhig. F'flhorrt U'zzmorrh wischte die Theke ab und
spülte die Becher. Dann erhob sich aus einer Nische ein Gast. Es war ein
Mensch, ein etwas rundlicher Mittvierziger mit schütterem blonden Haar
und blauen Augen. Ein ramponiert aussehender Kammerdiener-Droide, dessen Außenhaut
einmal silbern gewesen sein mochte, legte dem Menschen einen blauen Samtumhang
um.
Der Gast ging zur Theke und warf ein paar Credit-Chips auf die polierte Fläche.
"Danke für das Essen, Spider", sagte er. "Es war gut wie
immer."
"Ich hoffe, die laute Unterhaltung hat dich nicht gestört, Obi-Nor",
meinte der Wirt. "Nimm es dem Alten nicht übel. Das ist eine verkrachte
Existenz, der sich mit interessanten Geschichten wichtig machen will."
"Aber nicht doch, Spider. Ich habe mich köstlich amüsiert. Kriegskasse!
Ein Container voller Edelsteine! Das 'Auge des Universums'! Selten so viel Blödsinn
gehört."
Als sie die Cantina verlassen hatten, wandte sich der Droide an seinen Meister.
"Mylord, haltet Ihr das alles wirklich für eine Erfindung? Die Lokalisierung
in Naboo entbehrte nicht einer gewissen Plausibilität. Wenn man bedenkt,
dass der Imperator von dort stammte."
Obi-Nor schüttelte den Kopf. "Man darf nicht alles glauben, was man
in Cantinas hört, George. Aber weißt du was? Wenn ich jemals einen
Schatz finde, spendiere ich dir eine neue Außenhaut in strahlendem Silber."
Eine Zeitlang gingen sie schweigend nebeneinander her. Dann ergriff Obi-Nor
erneut das Wort.
"Was mag das wohl für ein Stein im 'Auge des Universums' sein?"
"Ein erfundener Stein, Mylord."
"Ja, schon klar", sagte Obi-Nor gedankenverloren. "Hm, es könnte
eine Corusca-Gemme sein."
"Dann wäre das Schmuckstück in der Tat sehr kostbar, Mylord."
"Sehr kostbar?!" Obi-Nor lachte auf. "Sonnen-Gemmen sind die
wertvollsten und seltensten Edelsteine der Galaxis! Stell dir vor, zwei Dutzend
Darkstone-Diamanten als Verzierung für die eigentliche Kostbarkeit. Das
muss eine Corusca-Gemme sein!"
"Die Verzierung besteht aus erfundenen Darkstone-Diamanten, wenn ich Eure
Lordschaft richtig verstanden habe", beharrte der Droide.
"Mensch, George, klar ist das alles erfunden. Aber man wird doch noch träumen
dürfen, oder? Doch jetzt sollten wir nach Hause fliegen. Noch verdiene
ich mein Geld mit harter Arbeit, nicht mit abenteuerlichen Schatzsuchen!"
Stella Likori, die Verwaltungsdirektorin
von 'Gildorian Enterprises', schaute nachdenklich auf die Zahlen, die von ihrem
Datapad aufleuchteten. Die Umsätze der Handelsfirma waren in den letzten
Jahren kontinuierlich gestiegen. Aber auch die Kosten für Frachter, Handelslizenzen
und vor allem für Personal. Immerhin, auch in diesem Quartal würden
sie einen hübschen Gewinn einfahren. Aber dennoch standen sie vor einer
richtungsweisenden Entscheidung. Um auch in Zukunft konkurrenzfähig zu
bleiben und ihr Geschäft sogar noch auszubauen, mussten sie erhebliche
Mittel in die Erneuerung der Frachterflotte investieren. Die Schiffe waren einfach
nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik, besonders was die Ladekapazität
und damit die Umsatz-Kosten-Relation anging. Aber woher sollten sie die Mittel
nehmen? Entweder mussten sie neue Finanzquellen erschließen oder die Kosten
senken. Am ehesten kam hier eine Reduzierung der Personalkosten in Frage. Aber
würde Obi-Nor bei Entlassungen mitmachen?
Stella seufzte. Ihr Lebensgefährte, der Eigentümer von 'Gildorian
Enterprises', war ein genialer Geschäftsmann, wenn es darum ging, neue
Einnahmequellen aufzutun. Aber im Grunde konnte er mit Geld überhaupt nicht
umgehen. Wenn sie nicht all die Jahre die Credits beisammen gehalten hätte,
wäre die Firma trotz riesiger Umsätze in den roten Zahlen. Nein, Obi-Nor
war nicht der Mann, der Kostenreduzierungen planen konnte. Trotzdem, sie musste
mit ihm sprechen.
Stella aktivierte das HoloCom, und Cooleesha, Obi-Nors Twi'lek-Sekretärin,
erschien als Projektionsbild über ihrem Arbeitstisch.
"Guten Morgen Stella, was kann ich für dich tun?"
Stella runzelte die Stirn. "Ich wollte eigentlich Obi-Nor sprechen. Ist
die Verbindung zu dir umgeleitet?"
"Ja, Obi-Nor ist vorhin nach Hause gegangen, als das Paket für ihn
ankam."
"Paket?" fragte Stella gedehnt.
Cooleesha zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht, was es war.
Schien etwas Persönliches zu sein."
Stella nickte. "Danke Cooleesha. Wenn er kommt, sag ihm, dass ich ihn sprechen
möchte."
Sie deaktivierte die HoloCom-Verbindung.
Schon wieder ein Paket?
Stella merkte, wie sie wütend wurde. Seit Wochen bekam Obi-Nor irgendwelche
Frachtsendungen zugestellt. Am Anfang waren es handliche Pakete gewesen, um
die er ein großes Geheimnis gemacht hatte. Stella hatte sich sogar gefragt,
ob Obi-Nor zu jenen Männern gehörte, die sich heimlich Damenwäsche
zuschicken ließen. Doch als immer mehr und immer größere Pakete
angeliefert wurden, hatte sie diesen Gedanken verworfen. Aber was mochte es
sein? Warum schloss Obi-Nor sie aus, wenn es um diese geheimnisvollen Sendungen
ging? Das war nicht fair!
Ob es etwas mit dem Treffen zu tun hatte? Einmal im Jahr traf sich Obi-Nor mit
alten Kumpels, die er noch von Smugglers' Den kannte. Damals, als er noch ein
Schmuggler war und mit Typen wie Talon Karrde herum gehangen hatte. Nun waren
sie alle ein wenig älter und seriöser geworden, aber einmal im Jahr
versuchten sie, die gute alte Zeit wieder aufleben zu lassen. Sie trafen sich
in irgendeiner Cantina, tranken Unmengen Alkohol, begafften leicht bekleidete
Tänzerinnen und schwärmten von den Tagen, als sie angeblich die größten
Helden seit Entstehung der Galaxis waren. Obi-Nor hatte Stella stets versichert,
dass die Treffen im Grunde völlig harmlos waren. Stella hatte ihm auch
geglaubt. Vielleicht waren Männer nunmal so, dass sie diese kleinen Fluchten
aus ihrem Alltag brauchten.
Aber dass Obi-Nor mit irgendwelchen privaten Paketen herumhantierte, während
sie die Firma leiteten musste, machte Stella zornig.
Sie seufzte resigniert, aktivierte das Datapad mit der Kosten-Nutzen-Analyse
und setzte ihre Arbeit fort.
Ren Te'Nison drosselte die Repulsorleistung und setzte das kleine Shuttle sanft
auf den Boden der Landeplattform 4c auf. Sie ließ die Ausstiegsluke heraus
fahren und verließ das Schiff. Einige Wartungsdroiden kamen ihr entgegen,
um die vor der Landung abgesprochenen Überprüfungsarbeiten an der
Außenhaut ihrer Fähre durchzuführen. Ren verzichtete darauf,
sie nach der Sommertraum zu fragen. Zwar hätte sie ohne weiteres
erfahren, in welcher Landebucht der kleine Frachter untergekommen war, denn
hier im einzigen Raumhafen des Mondes Ch'rrughk 3 befanden sich außer
den großen Erzfrachtern stets nur wenige Schiffe, deren Identitäten
auch dem letzten Droiden vertraut waren. Doch Ren musste vermeiden, dass man
sie mit dem Frachter in Verbindung brachte. Bushor Garfindel, genannt "Buzz",
der Navigator der Sommertraum, würde sich ohnehin in irgendwelchen
Cantinas herumtreiben und gewiss nicht auf seinem Schiff sein.
Ren drückte einen kleinen Schalter auf ihrem Multifunktionsarmband. Eine
Ladeluke an der Unterseite der Fähre öffnete sich, und ein Gleiterbike
wurde von einem Greifarm ausgeladen. Ren verschloss die Luke wieder, setzte
sich auf das Gefährt und verließ den Raumhafen.
Ch'rrughk 3 war im Grunde eine einzige riesige Minenkolonie. Der Mond barg die
bedeutendsten Barlia-Vorkommen im C'sis-Sektor, was mehrere Minengesellschaften
dazu bewogen hatte, sich zu einem Konsortium zusammen zu schließen und
den Abbau gemeinsam zu organisieren. Neben den Minengebäuden und Förderanlagen
hatten sie eine weit verzweigte Wohncontainer-Siedlung für 25.000 Bewohner
der verschiedensten humanoiden Spezies gebaut: Twi'lek, Wookies, Rodianer, Tildarianer
und natürlich Menschen. Ren schätzte das Minenpersonal auf etwa 20.000.
Der Rest hatte sich hier niedergelassen, um von der Kolonie zu profitieren.
Es waren Händler, Halunken, Halsabschneider und natürlich Cantinabesitzer
und Unterhaltungskünstler der billigen Sorte. Ch'rrughk 3 konnte ein raues
Pflaster sein, und es war nicht ganz ungefährlich für eine Menschenfrau,
sich allein auf den Weg durch das Containergewirr zu machen. Nun, Ren würde
schon nichts passieren. Fast wünschte sie sich, dass ein betrunkener Tildarianer
sie belästigte; der arme Kerl würde sein blaues Wunder erleben. Aber
dann schob sie den Gedanken beiseite. Sie war nicht zum Vergnügen hier.
Sie hatte einen Auftrag zu erledigen.
Ren steuerte ihr Gleiterbike ins Cantinaviertel, stellte es in einer dunklen
Ecke ab, versah es mit einer Energiesicherung und machte sich auf die Tour durch
die Cantinas.
Sie entdeckte Garfindel im vierten Lokal. Er stand an der Theke, kippte einen
Drink nach dem anderen und schwadronierte über einen verschollenen Schatz
aus Imperator Palpatines Zeiten. Sie ging wie zufällig an der Bar vorbei
und strich mit einer raschen, kaum wahrnehmbaren Bewegung ihrer Hand über
seine Kleidung. Niemand, am allerwenigsten Garfindel selbst, bemerkte, dass
sie ihm einen Niederfrequenz-Mikropeilsender an die Jacke geheftet hatte. Dann
ging sie zum Eingang zurück und versteckte einen Resonator neben der Tür.
Zufrieden verließ sie das Lokal und wartete in einer anderen Cantina auf
der gegenüber liegenden Straßenseite. Sie fand einen kleinen Tisch
in einer Ecke des Schankraumes. Jeden Versuch eines Minenarbeiters, sich an
ihren Tisch zu setzen, wies sie brüsk ab. Sie wusste, dass sie mit ihren
kurzen weißen Haaren, ihrer unnatürlich bleichen, fast kränklich
aussehenden Haut und vor allem ihren stumpfen grauen Augen bedrohlich wirken
konnte. Und in Situationen wie dieser setzte sie ihr Aussehen bewusst ein.
Erst mitten in der Nacht, kurz bevor die Cantinas schlossen, leuchtete die Empfängerdiode
an ihrem Armband auf und signalisierte ihr damit, dass Garfindel den Resonator
passierte. Ren warf ein paar Credit-Chips auf den Tisch und verließ die
Cantina. Draußen war es stockdunkel. Sie berührte einen Knopf an
ihrem Armband, und der in ihrer linken Augenattrappe eingebaute Visor schaltete
auf Nachtsicht-Modus um. Garfindel schwankte die Gasse entlang. Er war allein,
ein leichtes Ziel.
Katzenartig schlich Ren von hinten an ihn heran und zog ihr Vibromesser aus
dem Gürtel. Sie hätte ihn ohne weiteres mit einem Handkantenschlag
töten können. Aber es sollte wie ein Raubmord aussehen, wie ein Überfall,
der in einer zwielichtigen Gegend wie dieser Minenkolonie des öfteren vorkam.
Ein rascher Schnitt, ein gurgelndes Geräusch - und Garfindel fiel mit aufgerissener
Kehle zu Boden. Ren durchwühlte seine Taschen und nahm ihm den Zeitmesser,
den Kommunikator und das Credit-Datapad ab. Dann schlich sie zu ihrem Gleiterbike
zurück.
Auf dem Weg zum Raumhafen warf sie die Habseligkeiten des Navigators in einen
öffentlichen Müllschlucker. Dann kehrte sie in ihre Fähre zurück.
Es war ein leichter Auftrag gewesen, eigentlich viel zu leicht für sie,
fast schon zu weit unter ihrem Niveau. Wenn sie nicht zugleich für Folgeaufträge
unter Vertrag genommen worden wäre, hätte sie abgelehnt. Es war nicht
einmal nötig gewesen, ihre Zwillingsschwester Cir einzubeziehen. Wann hatten
sie sich diesen Luxus zuletzt leisten können? Nun, dieser Mord war nur
der Vorgeschmack für das, was kommen sollte. Cir bereitete bereits den
nächsten Auftrag vor. Es ging um einen Agenten des Marine-Geheimdienstes,
und der Job würde nicht so leicht werden wie dieser.
Ren Te'Nison setzte sich in ihre kleine Kabine, wachsam bis in die Haarspitzen.
Sie würde mit dem Start bis zum Morgen warten, um sich nicht verdächtig
zu machen. Natürlich würde sie nicht schlafen, eine solche Phase der
Unaufmerksamkeit gönnte sie sich nur im Hyperraum, aber gewiss nicht am
Tatort. Schließlich war sie nicht irgendeine dahergelaufene Kopfgeldjägerin.
Sie und Cir waren die Nummer eins.
"Die Courier ist startklar, Mylord."
Der Kammerdiener-Droide GL02, genannt George, blieb höflich-zurückhaltend
an der Tür zu Obi-Nors privatem Arbeitszimmer stehen.
"Gut, sag Rhysbe, sie soll den Start-Check machen. Ich verabschiede mich
nur von Stella, dann komme ich nach."
"Sehr wohl, Mylord." Der Droide verbeugte sich leicht, blieb aber
an der Tür stehen.
Obi-Nor zog die Augenbraue hoch. "Ist noch was, George?"
"Mit Verlaub, Mylord: Seid Ihr Euch sicher, dass wir Lady Stella nicht
über unser Vorhaben informieren sollen? Sie kann sehr ... ungehalten werden."
Es war das erste Mal, dass GL02 Stella Likori als "Lady" titulierte.
Der Droide hatte die schrullige Angewohnheit, Obi-Nor und alle seine Familienmitglieder
mit Adelstiteln zu versehen. Dass er nun "Mistress Stella" zu "Lady
Stella" befördert hatte, war ein deutliches Signal, dass er die private
Beziehung zwischen seinem Meister und Stella akzeptiert hatte. Angesichts seiner
betont konservativ programmierten Beurteilung gesellschaftlicher Konventionen
eine beachtliche Leistung.
Obi-Nor lächelte. "Danke für die Warnung, George. Aber es soll
doch eine Überraschung sein. Sehen wir also zu, dass sie nichts erfährt,
in Ordnung?"
"Wie Ihr wünscht." Der Droide verbeugte sich abermals und trippelte
davon.
Obi-Nor machte sich ebenfalls auf und ging den Weg zum Verwaltungsgebäude
von "Gildorian Enterprises" hinab.
Stella Likori empfing ihn mit leicht säuerlichem Lächeln.
"Amüsier dich gut, Obi-Nor. Aber erwarte nicht, dass ich unseren Gewinn
in der Zwischenzeit verdreifache."
Der Händler grinste. "Ich werde mich amüsieren, darauf kannst
du dich verlassen. Und was den Gewinn angeht: Eine Verdopplung reicht mir völlig.
- Hey, guck nicht so streng. Ich bin doch nur eine Woche fort!"
Er lächelte sie an, und ihr Missmut begannen zu schmelzen.
"Ach, es ist doch nicht wegen der Vergnügungstour auf Ord Mandrell
mit Talon Karrde und den anderen Kerlen ..."
"Es sind auch Frauen dabei!" warf Obi-Nor ein, doch dann biss er sich
auf die Zunge. Womöglich feuerte diese Bemerkung Stellas chronische Eifersucht
erst recht an.
Aber Stella tat den Einwand mit einer Handbewegung ab. "Es ist wegen der
Geheimnistuerei in den letzten Wochen. Die Pakete, das Tuscheln mit Rhysbe und
George - du schließt mich von etwas aus, und das tut mir weh."
Obi-Nor seufzte. "Vertrau mir, Stella. Vertrau mir doch einfach."
Er wollte sie umarmen, doch sie wehrte diese Geste ab. Statt dessen gab sie
ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange.
"Dann geh!" grummelte sie. "Mach, was du willst!"
Doch etwas sanfter fuhr sie fort: "Pass auf dich auf, okay?"
"Ehrenwort!" versprach Obi-Nor und verließ ihr Büro.
Die Verstimmung mit Stella bedrückte ihn. Hätte er ihr alles verraten
sollen?
Nein! entschied er. So war es viel reizvoller. Und Stella würde Augen machen,
wenn er zurück kam ...
Rhysbe, die Warlucca-Pilotin, hatte den Start-Check beendet und wartete nur
darauf, dass Obi-Nor den Co-Piloten-Sitz einnahm.
Mit donnernden Triebwerken hob die Courier III ab und schoss in den blauen
Himmel.
"Hyperraumsprung berechnet?" fragte Obi-Nor.
"Ja", antwortete Rhsybe. "Koorrrdinaten von Carrrnis Delta sind
eingestellt."
Obi-Nor nickte. "Also gut. Die Jungs in Ord Mandrell müssen dieses
Jahr ohne mich auskommen. Auf nach Carnis Delta, und dann auf schnellstem Wege
nach Naboo!"
Der sichtbare Raum schien sich einen Moment in die Länge zu ziehen, die
Sterne verwischten zu Streifen.
Dann sprang die Courier in den Hyperraum.
Die Klingen der Lichtschwerter schlugen mit
einem zischenden Geräusch aufeinander. Isaphàn Dera Sh'sandrò
starrte ihrer Gegnerin einen Moment lang über die gekreuzten Klingen hinweg
in die Augen, dann sprang sie einen Schritt zurück. Es war eine Finte,
und Kaya, die Schülerin an der Jedi-Akademie auf Yavin 4, fiel darauf herein.
Sie setzte mit einem Wirbel aus schnellen Schlägen nach, drängte Isaphàn
scheinbar zurück bis an die felsige Wand der Trainingshalle. Doch urplötzlich
sprang Isaphàn mit einem Salto über Kaya hinweg und stach noch in
der Luft zu. Die Klinge traf Kayas Kopf.
Isaphàn registrierte eine kleine Welle in der 'Macht', als Kaya den Scherz
spürte. Natürlich war die Energie der Lichtschwerter bei Übungskämpfen
gedrosselt. Ernsthafte Verletzungen waren ausgeschlossen, aber schmerzhaft waren
Treffer allemal.
"Erster tödlicher Treffer Kaya", kommentierte Yo-Karah, Kayas
ältere Schwester und Meisterin, sachlich. Isaphàn wusste, dass Yo-Karah
innerlich ihrer Schülerin die Daumen drückte. Aber Isaphàn
war entschlossen, bei Kaya, die ebenso wie sie eine Dathomir-Hexe war, keine
Ausnahme zu machen. Sie würde sie kurz und schmerzhaft besiegen wie alle
anderen Trainingspartner an diesem Morgen.
Beide Frauen auf dem Trainingsplatz nahmen wieder Kampfhaltung ein. Die Lichtschwerter
brummten unheildrohend. Kaya war jetzt vorsichtiger. Der Treffer bei ihrer ungestümen
Attacke schien ihr eine Lehre zu sein. Auch Isaphàn wartete ab, lauerte,
taxierte ihre Gegnerin, tänzelte leicht auf der Stelle, hielt Kaya mit
ihrem doppelseitigen Lichtschwert nur auf Distanz. Beide Jedi umkreisten einander,
keine wollte den ersten Angriff unternehmen.
Isaphàn spürte Kayas innere Spannung und Aufregung. Aber die Schülerin
war so diszipliniert, dass sie ihre Nervosität unter Kontrolle hielt.
Nun gut, dachte Isaphàn. Wie du willst. Wir haben nicht ewig Zeit.
Mit einem Satz sprang sie vor und deckte Kaya mit einem Hagel von Schlägen
ein. Die jüngere Jedi-Hexe hatte alle Mühe zu parieren, doch gelang
es ihr stets, die Klinge rechtzeitig hoch zu reißen.
Isaphàn versuchte eine Rechts-Links-Dublette, riss dann das Bein hoch
und trat Kaya in den Bauch, so dass diese zurück taumelte. Isaphàn
setzt nach, führte einen Schlag von oben, ließ sich scheinbar erfolgreich
abblocken, wirbelte um die eigene Achse und stieß mit der Klingenspitze
zu.
"Zweiter tödlicher Treffer Kaya", bemerkte Yo-Karah trocken.
Die anwesenden Jedi und Schüler raunten vor Bewunderung und Respekt.
Jetzt spürte Isaphàn Kayas Reaktion noch deutlicher. Es war aber
eher die Frustration über den neuerlichen Treffer als körperlicher
Schmerz. In Kayas Blick gewahrte sie zunächst Ärger, dann aber kalte
Entschlossenheit. Gut so, dachte Isaphàn. So geziemt es sich für
eine Kriegerin von Dathomir.
Bevor der Kampf von neuem beginnen konnte, wurde die schwere Stahltür der
Trainingshalle geöffnet, und ein weiterer Jedi kam herein. Auch ohne dass
Isaphàn zum Eingang schauen musste, wusste sie, wer der Neuankömmling
war. Luke Skywalkers Präsenz konnte selbst der neueste und unerfahrenste
Schüler auf Anhieb erkennen. Der Jedi-Meister setzte sich in eine Ecke
des Raumes und nickte den beiden Frauen auf dem Trainingsplatz zu.
Als der Kampf von neuem los ging, griff Isaphàn sofort an. Doch Kaya
war nun besser auf der Hut. Sie parierte die Schläge mit Leichtigkeit und
ging sogar zum Gegenangriff über. Sie schlug mächtige Diagonalhiebe,
streute aber immer wieder schnelle, fließende Stichbewegungen ein. Isaphàn
wurde ernsthaft in die Defensive gedrängt, entzog sich aber dem Angriff
ihrer Trainingspartnerin durch einen raschen Sprung zur Seite. Als Kaya nachsetzte,
schlug Isaphàn einen Salto und landete im Rücken der Schülerin.
Doch diesmal war Kaya auf dieses Manöver gefasst. Sie stieß Isaphàn
mit einem kräftigen Tritt zur Seite und wirbelte zugleich mit ihrem Lichtschwert
herum. Die Klinge zischte gleißend durch die Luft und traf Isaphàns
rechtes Handgelenk. Die Jedi ließ ihr Lichtschwert fallen. Kaya holte
zum entscheidenden Schlag aus, doch plötzlich erstarrte sie.
Direkt vor dem Herzen drückte Isaphàn mit ihrer linken Hand einen
Messergriff an Kayas Brust. Die "Klinge" der Übungswaffe war
in den Schaft zurück geglitten. Im Ernstfall hätte sie in Kayas Herz
gesteckt.
Wieder ertönte Yo-Karahs sachliche Stimme: "Erster schwerer Treffer
Isaphàn. Dritter tödlicher Treffer Kaya. Der Kampf ist zu Ende."
Die beiden Trainingspartnerinnen verbeugten sich stumm vor einander, wie es
der Brauch vorschrieb.
Doch dann hielt es Kaya nicht mehr aus.
"Wo hast du nur so schnell das Messer her gehabt?" Sie starrte die
Ältere mit ungläubigem Blick an.
Isaphàn lächelte hintergründig. "Konzentriere dich nicht
nur auf die offensichtlichen Waffen, Kaya. Manch ein Gegner verzichtet freiwillig
auf eine Hand oder einen Arm, nur um den Gesamtsieg zu erringen. Und manch ein
Gegner hat noch andere versteckte Waffen als ein Vibromesser."
Kaya murmelte etwas Unverständliches und ging mit den anderen Schülern
hinaus. Isaphàn streckte sich. Sie merkte nun doch, dass die Kämpfe
sie angestrengt hatten.
Yo-Karah schaute sie prüfend an. "Du hast dein Handgelenk vorhin doch
nicht absichtlich geopfert! Kaya hat dir einen ernsten Treffer beigebracht.
Den einzigen an diesem Morgen."
"Du hast Recht", gab Isaphàn zu. "Deine Schülerin
ist wirklich gut. Ich musste mich schon sehr anstrengen. Es war eine gute Übung
für einen Kampf gegen einen wirklich guten Gegner, gegen Master Luke zum
Beispiel."
Die letzten Worte waren so laut gesprochen, dass der Jedi-Meister sie hören
konnte.
Luke Skywalker erhob sich und trat herbei.
"Du kannst schon morgen gegen mich kämpfen, wenn du willst. Es sei
denn, du übernimmst eine Mission, um die mich das 'Blue Office' gebeten
hat."
"Der Geheimdienst der Marine hat sich an den Jedi-Orden gewandt?"
Isaphàn runzelte die Stirn.
"Es ist in der Tat ungewöhnlich", nickte Luke Skywalker. "Ich
denke, wir sollten es drüben im kleinen Versammlungsraum besprechen."
Der kleine Raum im uralten Tempel, der dem Jedi-Orden als Ausbildungsakademie
diente, war angenehm kühl. Isaphàn empfand es als wohltuend, dass
die schwüle Hitze des Dschungelplaneten ausgesperrt war. Hier im kleinen
Versammlungsraum hatten sie schon oft diskrete und gefährliche Missionen
besprochen. Sie war gespannt, worum es diesmal ging. Zurzeit waren nur wenige
ausgebildete Jedi auf Yavin 4 anwesend, dennoch überraschte es Isaphàn,
dass Luke Skywalker nur sie und Yo-Karah zur Besprechung gebeten hatte. Dass
Ta'Charghiuss nicht anwesend war, konnte nur eines bedeuten. Sie wollte soeben
darauf aufmerksam machen, doch Yo-Karah kam ihr zuvor: "Es geht um einen
Auftrag, bei dem du nur menschliche Jedi einsetzen möchtest, Master Luke?"
"Ja", bestätigte Luke Skywalker. "Es geht um den Planeten
Naboo. Einheimisch sind dort nur Menschen und Gungans. Da wir keinen Gungan
unter uns haben, möchte ich einen Menschen entsenden. Ich weiß nicht,
ob die Gleichheit der Spezies entscheidend ist, aber da es um eine Geheimdienst-Anfrage
geht, scheint mir eine gewisse Diskretion und Unauffälligkeit angemessen."
Die beiden Frauen nickten. Sie kannten die Vorliebe des Jedi-Meisters für
möglichst unauffällige Missionen.
"Das 'Blue Office' hat mich gebeten, einen ihrer Offiziere zu unterstützen",
fuhr Luke Skywalker fort. "Es ist eine heikle Sache mit schwerem Kompetenzgerangel
hinter den Kulissen der militärischen Führungsstäbe. Es gibt
Gerüchte, dass gewaltige Geldmittel aus den Zeiten von Imperator Palpatine
auf Naboo lagern. In den letzten Wochen sind mehrere Personen ermordet worden,
die offenbar von der Sache wussten. Alles deutet auf professionelle Arbeit hin.
Jedenfalls sollen diese Geldmittel - es scheint sich um eine Art Schatz zu handeln
- geborgen werden. Die Leitung der Aktion hat eine Pionier-Truppe. Der Geheimdienst-Offizier
soll wohl als Beobachter der Marine fungieren."
"Oh je", seufzte Isaphàn. "Pioniere sind den Bodentruppen
unterstellt. Und die Konkurrenz zwischen Bodentruppen und Marine ist hinlänglich
bekannt. Was soll der Jedi-Orden tun? Zwischen den Miltärs schlichten?"
"Nun, so schlimm ist es wohl nicht", lächelte Luke Skywalker.
"Es ist wohl eher so, dass die Marine um die Sicherheit der Aktion besorgt
ist. Man befürchtet, dass irgendein Machthaber eines Planeten oder eines
Sonnensystems für die Morde verantwortlich ist und nun versuchen will,
den Schatz in die Finger zu bekommen."
"Um damit irgendwelche regionalen Eroberungsfeldzüge zu finanzieren",
vermutete Yo-Karah. "Das klingt logisch. Also wird man eine kleine Flotte
entsandt haben, um die Bergungsaktion vor Überfällen zu schützen."
"Eben nicht", entgegnete Luke Skywalker. "Genau das ist das Problem.
Das 'Blue Office' fürchtet, dass die Sicherheitsvorkehrungen ungenügend
sind. Sie haben diesen Offizier entsandt, um den befehlshabenden Colonel zu
überzeugen, dass mehr Schutz vonnöten ist. Und eine von euch soll
Major Crowe dabei unterstützen."
Isaphàns Herz setzte für einen Moment aus. Major Crowe!
Sie hatte Nees Crowe vor einem Jahr bei einem Einsatz seines mobilen Enterkommandos
kennen gelernt. Bei der Aktion war sie schwer verletzt worden. Major Crowe hatte
sie des öfteren im Medizentrum besucht. Isaphàn spürte, wie
ihr Herz klopfte. Nees Crowe war nicht nur ein äußerst fähiger
Soldat und Geheimdienstagent. Er war auch ein attraktiver Mann. Ein sehr
attraktiver Mann, der sogar das Herz einer Dathomir-Hexe schneller schlagen
ließ.
"Ich könnte den Einsatz übernehmen", bot Yo-Karah mit Unschuldsmiene
an. "Ich könnte Kaya mitnehmen, sie erscheint mir reif für eine
derartige Mission."
Isaphàn warf ihrer Freundin einen vernichtenden Blick zu. Sie hatte Lust,
sie auf der Stelle zu einem Lichtschwert-Duell heraus zu fordern.
"Ich könnte den Einsatz auch übernehmen", sagte sie statt
dessen. "Mir tut es gut, eine Weile etwas anderes zu tun als nur angehende
Jedi im Fechten zu unterrichten."
Yo-Karah grinste über das ganze Gesicht. "Wie du meinst, Isaphàn,
ich will dir nicht im Wege stehen ..."
"Damit ist es entschieden", sprach Luke Skywalker lächelnd. Ihm
war die kleine Stichelei zwischen den beiden Frauen natürlich nicht entgangen.
"Du fliegst heute noch, Isaphàn. Möge die 'Macht' mit dir sein!"
Nees Crowe starrte missmutig vor sich hin. Die Behauptung, er hätte schlechte
Laune, wäre die Untertreibung des Jahres gewesen. Tatsächlich stank
ihm die ganze Situation gewaltig. Ihm war richtig übel, wenn er an seine
Machtlosigkeit dachte.
Da schickte man ihn, den Major des Marine-Geheimdienstes und Spezialisten für
Überfalle und Enterkommandos auf diesen erbärmlichen Planeten, nur
damit er sich bei dem starrsinnigsten Offizier der Bodentruppen eine blutige
Nase holte! Prose Terloffson war nicht nur arrogant und offensichtlich unfähig,
er war auch ein Intimfeind der Marine und - er war Colonel. Das war eindeutig
der höhere Dienstgrad. Und er war der Leiter der Aktion. Wieso hatte Nees
auch nur eine Sekunde geglaubt, der 60-jährige Pionier-Offizier würde
den Rat des über 25 Jahre jüngeren Majors der Marine annehmen?
Nun gut, dachte Nees. Einen letzten Versuch mache ich noch. Danach verfasse
ich eine Notiz an das Blue Office.
Nees verließ seine winzige Schlafeinheit im Wohncontainer und ging quer
über den Platz. Wider Willen musste er anerkennen, dass das Pionierteam
ganze Arbeit geleistet hatte. Von der technischen Seite ihrer Bergungsaktion
verstanden sie offenbar eine Menge.
Sie befanden sich mitten im Sumpfland von Naboo. Die Pioniere hatten eine Fläche
von 600 auf 300 Fuß von Strauchwerk und krüppeligen Bäumen gerodet.
An den Ecken hatten sie auf Repulsorscheiben Energiestrahl-Träger aufgestellt,
die ein Durastahl-Drahtgeflecht hielten. Auf dieses Drahtgeflecht wiederum hatte
man Blechplatten gelegt. Auf diese Weise befanden sie sich auf festem Boden,
der etwa drei Fuß über dem trügerischen Sumpf schwebte. Neben
den Wohncontainern hatten die Pioniere allerlei technisches Gerät mitgebracht,
dessen Funktion Nees zumeist nicht kannte. Lediglich zwei Dinge konnte er ohne
weiteres identifizieren: das Lasergeschütz oben auf einem der Wohncontainer
und den Traktorstrahlgenerator, der den geheimnisvollen Container bergen sollte.
Sie hatten den Behälter mit Scannern eindeutig lokalisiert. Er befand sich
in über 1000 Fuß Tiefe. Das Sumpfland und damit der "feste"
Boden war etwa 200 Fuß dick. Darunter erstreckte sich die Tiefe des Ozeans,
der im Grunde den gesamten Planeten beherrschte und auf dem die Landmassen wie
Inseln schwammen. Nees war sofort klar geworden, warum Darth Vader gerade diese
Stelle gewählt hatte. Sie befanden sich über einem unterseeischen
Gebirge, das bis 800 Fuß unter die Landmasse hinaufreichte. Der Container
war hier einerseits jedem Zugriff der Einheimischen entzogen, lagerte andererseits
aber nicht in unerreichbaren Tiefen.
Nees beobachtete, wie die meisten Pioniere, etwa 20 Männer, vor dem Traktorstrahlgenerator
standen und offenbar technische Details diskutierten. Dann sah er Colonel Terloffson
auf sich zukommen.
Das Gesicht des Leiters der Bergungsaktion war voller Spott. "Nun, Major,
genießen Sie Ihren Urlaub in der Wildnis?"
"Mit allem gebotenen Respekt, Colonel, ich bin nicht auf Urlaub, sondern
habe einen Auftrag, den auch Sie ernst nehmen sollten."
"Tue ich, Major. Nun regen Sie sich mal ab. Sie sehen doch unser Lasergeschütz.
Und jeder meiner Männer ist mit einem Blastergewehr bewaffnet. Wir sind
durchaus auf einen Überfall eingestellt."
"Ja, auf einen Überfall von Bodentruppen! Was ja sehr wahrscheinlich
ist angesichts der sumpfigen Landschaft!" Nees hörte, wie seine Stimme
einen ungewollt scharfen ironischen Klang annahm. Er musste sich bremsen, wenn
er überhaupt etwas erreichen wollte. "Also gut, Colonel. Wenn ein
Gegner mit Landgleitern oder Speedern angreift, sind sie vorbereitet. Doch was
machen Sie bei einem Angriff aus der Luft?"
"In welcher Welt leben Sie eigentlich?" gab Colonel Terloffson scharf
zurück. "Es passt euch Marine-Jungs wohl nicht, dass wir keinen Bürgerkrieg
mehr gegen den Imperator oder Großadmiral Thrawn führen? Jetzt müsst
ihr ominöse lokale Machthaber erfinden, die mit ihrer Planetenflotte hier
einfallen!"
"Verzeihung, Colonel, aber die These vom feindlichen Regenten ist nur eine
Vermutung, nichts weiter. Tatsache ist jedoch, dass in den letzten Wochen
eine Menge Personen, die von dem Container wussten, ermordet worden sind. Sogar
unser Agent Gark Helfrin, der uns überhaupt erst die Information von dem
angeblichen Schatz übermittelt hat, wurde erschossen. Und das war keine
beliebige Cantina-Schießerei, das war professionelle Auftragsarbeit. Irgend
jemand ist hinter diesem Schatz her. Und er lässt sich kaum davon abhalten,
wenn Sie ein Schild aufstellen: 'Bedaure, Fundstelle ist besetzt'!"
Colonel Terloffson lief rot an. "Mäßigen Sie sich, Major! Was
wollen Sie tun? Wollen Sie ein Energie-Schutzschild rund um unser Lager aufbauen?"
"Das wäre nicht die dümmste Idee, Colonel. Aber Sie dürften
die notwendigen Schildgeneratoren kaum dabei haben, oder? Ich möchte wenigstens
Sensoren aufstellen, als eine Art Frühwarnsystem. Das werden Sie mir wohl
nicht verwehren!"
Der Colonel nickte. "Tun Sie das, Major. Stellen Sie Ihre Sensoren auf.
Es trägt tatsächlich zu unserer Sicherheit bei. Und außerdem
stehen Sie dann meinen Männern nicht im Wege. Denn wir haben eine Menge
Arbeit. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen wollen ..."
Der Colonel stapfte davon. Nees schüttelte den Kopf. Den Mann zeichnete
eine gefährliche Kombination aus Arglosigkeit und Überheblichkeit
aus. Das waren keine guten Voraussetzungen für ihre Aufgabe. Nees hatte
ein ganz mieses Gefühl bei der Sache. Immerhin sollte morgen die Jedi eintreffen.
Dieser Gedanke munterte Nees sogleich etwas auf. Denn es war, wie er gehofft
hatte: Isaphàn Dera Sh'sandrò, die Dathomir-Hexe, würde den
Einsatz übernehmen. Er hatte sie seit ihrem Aufenthalt im Medizentrum nur
selten gesehen. Aber jedes Mal hatte ihn ihre Präsenz und ihre Ausstrahlung
beeindruckt.
Blödsinn, dachte er. 'Beeindruckt', was für eine Formulierung! Gib's
doch zu, forderte er sich selbst auf, diese rothaarige Hexe hat dir den Kopf
verdreht!
Er grinste. Vielleicht würde dieser Einsatz doch nicht nur frustrierend
werden.
Shri Mandras nippte an einem Drink, wobei sie affektiert eine ihrer Klauen abspreizte.
"Hervorragende Arbeit", meinte sie in wohlwollend-herablassendem Tonfall.
"Du bist dein Geld wirklich wert, Ren."
Die Kopfgeldjägerin verzog keine Miene. Ihre pferdegesichtige Auftraggeberin
mochte eine aufgeblasene Zicke sein, aber für eine Hippotamierin war sie
erstaunlich herrschsüchtig, kaltblütig und reich. Damit hatte sie
eigentlich genau die richtigen Eigenschaften, um immer wieder einmal lukrative
Jobs für Kopfgeldjäger vergeben zu müssen.
"Du hast die gesamte Liste abgearbeitet, alle Achtung - Ist es nicht so,
Teeko?"
Der Rodianer nickte. "Alle umgelegt, Shri. Wenn man vom Wirt auf Crispin
III absieht."
"Ja, aber wir hatten uns doch darauf geeinigt, ihn zu verschonen. Ein Barkeeper
hört eine Menge Erzählungen, Abenteuer-Stories und Hirngespinste.
Er stellt sicherlich keine Gefahr dar."
"Also ist mein Auftrag ausgeführt", stellte Ren Te'Nison fest.
"Der bisherige Auftrag ja", stimmte Shri Mandras zu. "Der vereinbarte
Betrag ist bereits auf dein Konto überwiesen. Aber ich fürchte, ich
benötige deine Dienste noch länger."
"Worum geht es?" fragte Ren Te'Nison kühl und geschäftlich.
"Zielobjekt? Zeitplan? Besondere Anweisungen?"
"Nun, so einfach ist das nicht", wiegelte die Hippotamierin ab. "Es
ist leider so, dass uns jemand zuvor gekommen ist. Ein offizielles Bergungsteam
der Neuen Republik hat die Fundstelle in Beschlag genommen. Sie sind uns im
Wege, verstehst du?"
"Wie viele?"
"Nun, etwa 20. Aber du musst die Sache nicht allein oder mit Cir erledigen.
Ich habe sechs schwer bewaffnete Frachter samt Besatzungen hier in der Nähe.
Innerhalb von drei Stunden können sie in Naboo sein."
"Ich soll also den Angriff koordinieren?"
"Du hast es erfasst, Ren. Führe meine Leute an und puste diese Pioniere
in den Sumpf. Dann kannst du Urlaub machen und dich auf deinen Credits ausruhen."'
Sie wurden durch ein Piepen unterbrochen. Teeko nahm seinen Kommunikator vom
Gürtel, aktivierte ihn und sprach leise hinein. Dann hörte er eine
Weile zu. Schließlich steckte er das Gerät wieder weg.
"Ich denke, wir haben noch ein Zielobjekt", meinte er, als er sich
den anderen wieder zuwandte.
Shri Mandras schaute ihn fragend an.
"Der Händler Obi-Nor Gildorian ist mit seiner Privatyacht auf Naboo
gelandet. 'Gildorian Enterprises' hat keine Geschäftsbeziehungen zu Naboo,
und auf Erholungsreise wird er nicht sein."
"Gildorian?" Shri Mandras stieß ein wieherndes Lachen aus. "Dieser
Nichtsnutz will mir den Schatz wegschnappen? Nun, wenn er auf Naboo gelandet
ist, begibt er sich entweder direkt zur Fundstelle, was ich aber für unwahrscheinlich
halte. Oder er kommt früher oder später hier rauf. So oder so, er
entkommt uns nicht."
"Also die Pioniere und dieser Gildorian?" fragte Ren Te'Nison. "Dann
sollten wir uns aufteilen. Cir wird die Pioniere übernehmen. Sie nimmt
unsere Z-13 und zwei deiner Frachter, das wird genügen. Und ich warte hier
auf diesen Händler."
"Einverstanden." Shri Mandras warf einen Blick aus dem Sichtfenster.
Hier oben aus dem Orbit sah der Planet Naboo schön und friedlich aus. Irgendwo
dort unten ging ein Bergungskommando dem sicheren Tod entgegen. Und aller Wahrscheinlichkeit
nach kam schon bald die Courier III hier hoch zur Raumstation und brachte
Obi-Nor Gildorian mit.
Shri Mandras bleckte zufrieden ihr gewaltiges Gebiss. Die Dinge entwickelten
sich ausgezeichnet.
Obi-Nor steuerte den Landgleiter durch die
Straßen von Theed, der Hauptstadt des Planeten Naboo. Er konnte sich gar
nicht satt sehen an der herrlichen Architektur. Von grün schimmernden Kuppeln
überkrönte Bauwerke, deren Fassaden von Säulen und Spitzbögen
verziert wurden, beherrschten die Szenerie. Die sandfarbenen Steine der Häuser
passten harmonisch zur Landschaft, die breiten, teilweise von grünen Laubbäumen
gesäumten Straßen und Plätze luden zum Flanieren und Verweilen
ein. Nirgendwo waren hässlich glitzernde Stahlfassaden zu sehen, nirgendwo
reckten sich Wohntürme in unerreichbare Höhen, nirgendwo herrschte
das einfallslose Diktat des rechten Winkels, wie Obi-Nor erfreut bemerkte. Doch
nicht allein die Architektur war begeisternd, auch die Lage der Stadt trug erheblich
zu ihrem Zauber bei. Theed war am Rand eines weiten Plateaus gelegen; die Wohnhäuser,
aber auch der ausgedehnte königliche Palast reichten bis unmittelbar zu
den senkrechten abfallenden Felswänden. Zahlreiche kleine Flüsse stürzten
mitten in der Stadt in rauschenden Wasserfällen in die Tiefe und untermalten
so bildlich und akustisch eine traumhafte Stadtkulisse.
Obi-Nor fragte sich unwillkürlich, wie hoch die Immobilienpreise in Theed
sein mochten. Ein hübsches Stadthäuschen mit Blick auf den königlichen
Palast würde ihm durchaus gefallen. Doch der neben ihm sitzende Droide
GL02 riss ihn unsanft aus seinen Träumereien.
"Laut HoloStadtplan ist die zentrale Datathek dort drüben in dem pilzförmigen
Turm, Mylord."
Obi-Nor lenkte den Gleiter zum angegeben Gebäude. Der fensterlose, etwa
50 Standardmeter hohe Turm erinnerte tatsächlich entfernt an einen Pilz.
Normalerweise waren große Datatheken in flachen, oft unterirdischen Gebäuden
untergebracht. Doch der felsige Untergrund und auch die relative Knappheit an
Baugrund hatte wohl keine andere Bauweise zugelassen.
Obi-Nor stellte den Gleiter ab und ging mit seinem Droiden zum Eingang. Erleichtert
registrierte er, dass die Datathek öffentlich zugänglich war.
Eine alte, grauhaarige Frau saß am Empfangsschalter.
"Ihre ID bitte!"
Obi-Nor gab ihr seine interstellar gültige ID-Card. Sie schob sie in einen
Kartenleser und gab sie ihm zurück.
"Ihr Droide darf die Datathek nur in Ihrer Begleitung benutzen. Wir schließen
um fünf. Angenehmen Aufenthalt, Sir."
Obi-Nor wandte sich zum Gehen, drehte sich aber noch einmal um.
"Noch eine Frage, Ma'am", begann er. Er war ziemlich plump, der einfachen
Bediensteten mit der Höflichkeitsanrede zu schmeicheln, aber es schien
zu funktionieren. Zumindest lächelte sie eine Spur freundlicher. "Ich
interessiere mich für eine bestimmte Epoche aus der Geschichte Naboos.
Es geht um die Zeit des Imperiums im Jahr der Schlacht von Endor. Wo finde ich
die entsprechenden Daten?"
Obwohl er seine 'Macht'-Sensitivität nie systematisch trainiert hatte,
erkannte Obi-Nor augenblicklich das innere Erstaunen der Frau. Noch bevor sie
die Stirn runzeln konnte, wusste er, dass er eine Erinnerung bei ihr ausgelöst
hatte.
"Geben Sie im Terminal den Code 'THX 1138' ein. Dann finden Sie eine Übersicht
über die historischen Datenbanken."
"Ich bin nicht der erste, der nach dieser Epoche fragt, nicht wahr?"
Es war ein Schuss ins Blaue, aber Obi-Nor hätte 1.000 Credits gesetzt,
dass das Erstaunen der Frau daher rührte, dass vor ihm bereits jemand nach
diesem Zeitraum gefragt hatte.
"Nein, Sir, Sie sind der Dritte. Ich verstehe gar nicht, warum sich so
viele Fremde plötzlich für die Geschichte Naboos interessieren. Im
Grunde ist doch alles schon seit Jahren lückenlos erforscht."
Obi-Nor verzog das Gesicht. Der Dritte? Also waren ihm schon zwei Schatzsucher
zuvor gekommen.
"Ach wissen Sie, ich bin Ehrenmitglied in der Akademie der Wissenschaft
auf Trexx. Und es gibt jedes Jahr diesen Forschungswettbewerb zur Geschichte
der Galaxis. Ich würde doch zu gerne einmal den ersten Preis gewinnen."
Er lächelte freundlich und sandte der Frau mit Hilfe der 'Macht' freundliche
Gefühle zu. "Wenn mich Gorko Toys schon wieder schlägt, könnte
ich das nur schwer ertragen. - Er war nicht zufällig einer von denen, die
vor mir da waren? Ein großer, dunkelhaariger Mann mit einem Glasauge."
Die Frau schüttelte den Kopf. "Es waren ein Rodianer und ein grauhaariger
Mensch. Ehrlich gesagt, der Mensch sah eher aus wie ein Soldat, nicht wie ein
Forscher. Aber das bleibt doch unter uns?"
Sie zwinkerte. Natürlich durfte sie Obi-Nor nicht die ID verraten, aber
der Händler ging jede Wette ein, dass es sich um einen Offizier der Streitkräfte
der Neuen Republik gehandelt hatte, der wahrscheinlich wichtigtuerisch mit seiner
Militär-ID herumgefuchtelt hatte.
Nun zwinkerte auch Obi-Nor. "Ma'am, Sie können sich ganz auf mich
verlassen. Ich werde bestimmt nichts verraten."
Mit diesen Worten ging er ins Innere der Datathek.
Für die Benutzer der Datathek stand ein kreisrunder Saal voller Terminals
zur Verfügung. An einem halben Dutzend Arbeitstischen hatten sich Menschen,
aber auch zwei nichtmenschliche Humanoide niedergelassen und plagten sich offenbar
mit Forschungsarbeiten ab. Obi-Nor war froh, dass er nie eine Akademie der Wissenschaften
hatte besuchen müssen. Zum Glück hatte er sich alle notwendigen Kenntnisse
für seinen Beruf selbst beigebracht; jahrelang in irgendwelchen Datatheken
zu versauern, wäre gewiss nichts für ihn gewesen. Er setzte sich vor
ein Terminal. Es gab einen Monitor, aber auch einen Datenadapter für Droiden.
Obi-Nor seufzte. "Jetzt könnte ich einen Astromech-Droiden gebrauchen.
Nichts gegen dich, George, aber mit deinen Kammerdiener-Fähigkeiten kommen
wir hier kaum weiter. Uns bleibt wohl nichts übrig, als alle Daten zu lesen.
Das kann Tage dauern ..."
"Verzeihung, Mylord, aber da muss ich widersprechen. Einer meiner Vorbesitzer,
der Laird of Evermore, nannte die größte private Datathek des Outer
Rim sein eigen. Er hat mir einen Datenadapter einbauen lassen. Wenn Ihr gestattet
..."
GL02 schraubte mit der linken Hand die Finger seiner rechten Hand ab. Zu Obi-Nors
Verblüffung kam ein Multifunktionsadapter zum Vorschein. Der Droide schloss
ihn an das Terminal an.
"Code THX 1138 ist sehr umfangreich, Mylord, aber die Epoche gegen Ende
des Imperiums ist ... oh, das ist merkwürdig!"
"Was ist los?" Obi-Nor beugte sich unwillkürlich nach vorn, obwohl
der Monitor schwarz blieb.
"Hier ist eine Lücke. Ganz offensichtlich sind Daten gelöscht
worden, Mylord!"
Obi-Nor nickte grimmig. "Genau das sind die Daten, die wir suchen. Weißt
du, welche Art von Daten es waren?"
"Nun, es ging wohl um eine Kartographierung des Planeten. Augenscheinlich
fehlt ein Verzeichnis der militärischen Sperrgebiete. Aber ich kann mich
selbstverständlich irren."
"Nein, nein, das passt schon. Es ist völlig logisch: Das Container-Versteck
ist als Sperrgebiet ausgewiesen worden, damit der Ort unentdeckt bleibt. - Gibt
es keinerlei Karten mehr, auf denen Sperrgebiete verzeichnet sind?"
"Doch, Mylord. Eine aus der Zeit unmittelbar nach der Schlacht bei Yavin.
Aber das war doch vor Darth Vaders Aktion!"
"Spielt keine Rolle. Kopiere die Daten. Wenn wir uns eine Karte der Sperrgebiete
nach dem Verstecken des Containers beschaffen können, brauchen wir
nur zu vergleichen: Ich wette, es ist nur ein einziges Gebiet hinzugekommen."
"Aber woher sollen wir diese Information bekommen, Mylord?"
"Tja, gute Frage." Obi-Nor kratzte sich nachdenklich am Kinn. "Sag
mal, kannst du feststellen, wer wann Zugriff auf diese Daten hatte?"
"Das ist technisch kein Problem, Mylord."
"Und moralisch?" Obi-Nor kannte seinen Droiden genau.
"Nun, es ist illegal."
"George, das hier ist eine öffentlich Datathek. Die Löschung
der Daten war illegal. Wir besorgen uns nur die Informationen, die zu bekommen
wir ein Recht haben."
"Das klingt überzeugend, Mylord. Ich werde sehen, was ich tun kann."
Obi-Nor seufzte. Wer immer diesen Droiden programmiert hatte, musste ein Anhänger
verlogener Doppelmoral gewesen sein. Sonst hätte sich der angeblich streng
moralische Droide kaum so bereitwillig auf den illegalen Datenhack eingelassen.
"Zwei Zugriffe von diesem Terminal", vermeldete GL02. "Oh, und
ein Zugriff von außerhalb."
"Was, noch ein Zugriff?" Langsam wurde es Obi-Nor zu viel.
"Ja, aber anscheinend sind die Daten bei diesem dritten Zugriff nicht gelesen,
sondern nur gelöscht worden."
"Von wo erfolgte dieser Zugriff?"
Der Droide blieb eine Weile stumm, während seine Prozessoren lautlos arbeiteten.
"Von einer Raumstation im Orbit dieses Planeten, Mylord."
Obi-Nor lächelte. Da hatte jemand die brisanten Daten gelöscht, zugleich
aber eine breite Spur gelegt. Wahrscheinlich ein Informationshändler, der
sich ausrechnete, dass jeder Schatzsucher früher oder später die Raumstation
aufsuchen und die fehlenden Daten kaufen würde.
Kein Problem, dachte Obi-Nor. Für diese Information lasse ich gern ein
paar Credits springen.
"Was gibt's, Teeko?" Shri Mandras schaute den Rodianer fragend an.
"Wir hatten gerade einen Zugriff in der Datathek, Code THX 1138."
Seine tapirähnliche Schnauze öffnete sich schmatzend, das rodianische
Gegenstück eines menschlichen Grinsens.
"Und hat er die Spur bis zu uns verfolgt?"
"Selbstverständlich. - Meinst du wirklich, ich soll ihm eine Kopie
des echten Verzeichnisses anbieten?"
"Dieser Gildorian ist ein widerwärtiger Kerl, aber kein Dummkopf.
Wir haben nicht die Zeit für eine überzeugende Fälschung. Verkauf
ihm ruhig die echten Daten, sie werden ihm ohnehin nichts nützen."
Bei diesen Worten blickte sie Ren Te'Nison an.
Die Kopfgeldjägerin nickte. "Gildorian wird diese Station nicht lebend
verlassen."
Das Comlink auf Stella Likoris Arbeitstisch piepte. Es war eine hausinterne
Verbindung, wie Stella an der gelb blinkenden Lampe sah.
"Ja?" meldete sie sich kurz.
"Hier ist Cooleesha. Entschuldige die Störung, Stella. Aber ich habe
hier eine HoloNet-Botschaft von Talon Karrde für Obi-Nor. Ich finde es
merkwürdig, weil sie doch zusammen auf Ord Mandrell sind."
Stellas Augen verengten sich zu Schlitzen.
"Gib's rüber", antwortete sie mit gefährlich leiser Stimme.
Sie deaktivierte die Verbindung und schaltete den HoloProjektor an. Das Bild
Talon Karrdes erschien über dem Arbeitstisch.
"Hallo Obi-Nor, altes Haus. Schade, dass du dieses Jahr nicht dabei sein
kannst. Ohne dich ist es nur der halbe Spaß. Sieh bloß zu, dass
es nächstes Mal klappt, okay?! Aber warum ich dich kontaktiere: Ras Kolnik
hat erzählt, im Frilo-Sektor werden die Handelslizenzen für Erzfrachter
neu vergeben. Das wär doch was für dich? Hey, wenn du dort im Geschäft
bist, vergiss nicht, wer dir den Tipp gegeben hat. So, ich muss Schluss machen.
Grüße Stella von mir. Sieht sie immer noch so gut aus? Mann, du hast
vielleicht ein Glück! Eine solche Verwaltungschefin brauche ich auch noch!
Aber die Dame ist leicht reizbar, nicht wahr? Sieh bloß zu, dass du ihr
keinen Grund gibst, auf dich sauer zu sein, Alter!"
Die Übertragung brach ab.
Sieh bloß zu, dass du ihr keinen Grund gibst, auf dich sauer zu sein.
Stella war nicht sauer. Sie kochte.
Obi-Nor hatte sie angelogen. Er war gar nicht nach Ord Mandrell gereist. Einen
Moment lang hatte Stella das Bild Obi-Nors vor Augen, wie er sich in den Armen
irgendeiner Weltraumschlampe vergnügte.
Sie aktivierte das Dataterminal auf ihrem Tisch. Die Navigationsdaten der Courier
wurden automatisch verschlüsselt auf den zentralen Computer von 'Gildorian
Enterprises' übertragen. Obi-Nor hatte derart viel Geld in die luxuriöse
Innenausstattung seiner nach außen hin unscheinbaren Yacht gesteckt, dass
er stets damit rechnete, dass das Schiff eines Tages von Piraten gestohlen wurde.
Nur er und Stella kannten den Code, mit dessen Hilfe man den Weg des Schiffes
jederzeit verfolgen konnte. Bislang hatte Stella von dieser Möglichkeit
nie Gebrauch gemacht, aber jetzt erwies es sich als notwendig. Nach wenigen
Augenblicken hatte sie die Information, die sie brauchte. Die Courier
war zunächst zu den Cer'Desso-Schiffswerften auf Carnis Delta geflogen.
Einen Tag später war sie nach Naboo gereist.
Stella runzelte die Stirn. Cer'Desso war seit langem ihr Partner, wenn es um
Wartung und Instandhaltung der Frachterflotte ging. Kurzentschlossen aktivierte
sie ihr HoloCom.
Es dauerte eine Weile, bis Stella den vielbeschäftigten Leiter der Raumwerften
selbst zu Gesicht bekam.
Er war freundlich wie immer, seine Tentakel wedelten respektvoll durch die Luft.
"Oh, Mistress Likori! Was kann ich für Sie tun?"
"Hallo Cer'Desso, Obi-Nor war bei Ihnen. Lassen Sie es mich ohne Umschweife
sagen: Ich will wissen, was er bei Ihnen gemacht hat."
"Oh, Mistress Likori, das ist etwas heikel ..."
"In der Tat, Cer'Desso, das ist es. Aber noch heikler ist, dass ich
die Raumwerft für unsere Flotte aussuche und nicht Obi-Nor ..."
Die großen Augen Cer'Dessos weiteten sich erschrocken. "Ah ja, ich
verstehe. Ich bin selbstverständlich an einer weiteren Zusammenarbeit mit
'Gildorian Enterprises' interessiert. Nun, er hat ein zusätzliches Frachtmodul
in die Courier einbauen lassen."
Ein Frachtmodul? Die Frau Stella Likori war erleichtert. Es ging Obi-Nor
ganz sicher nicht um ein amouröses Abenteuer. Aber die Geschäftsfrau
Stella Likori wurde umso wütender. Obi-Nor plante hinter ihrem Rücken
eine geschäftliche Transaktion!
"Was war in dem Frachtmodul?"
"Nun, hauptsächlich Container. Ich kann Ihnen wirklich nicht sagen,
was darin war. Sie trugen die Aufschrift 'CMC'. Sagt Ihnen das etwas?"
Und ob das Stella etwas sagte! Wenn Obi-Nor für seine geheime Sache auf
die Hilfe der 'Calrissian Mining Corporation' zurück griff, handelte es
sich mit Sicherheit um ein Projekt, das bestenfalls am Rande der Legalität
angesiedelt war.
"Sie haben mir sehr geholfen. Danke, Cer'Desso!"
"Gern geschehen. - Ach, es geht mich nichts an, Mistress Likori, aber ich
fühle mich etwas unwohl angesichts dieser Heimlichtuerei. Wäre es
nicht sinnvoll, wenn Sie sich mit Obi-Nor einmal aussprechen würden?"
Stella nickte grimmig. "Ich werde ihm schon die passenden Worte sagen,
darauf können Sie sich verlassen!"
Stella beorderte einen Pilotendroiden zum kleinen Raumhafen am Firmensitz von
'Gildorian Enterprises' und gebot, ihre private Fähre startklar zu machen.
Dann schloss sie ihren Wandsafe auf. Sie entnahm ein Datapad mit integriertem
Peilsender für die Courier und einen Blaster.
Sie würde Obi-Nor nicht nur ein paar passende Worte sagen. Sie würde
ihn an den wenigen Haaren packen und eigenhändig nach Trexx zurück
schleifen!
Er sah genauso aus, wie Isaphàn ihn
in Erinnerung hatte. Einfach umwerfend.
Er war einen Kopf größer als sie. Sein durchtrainierter, muskulöser
Körper strahlte Dynamik und Kraft aus. Seine festen, scharf konturierten
Gesichtszüge gaben ihm eine Aura von Willensstärke und Durchsetzungsvermögen.
Die wachen grünblauen Augen signalisierten Reaktionsschnelligkeit. Das
dunkle Haar war militärisch kurz geschnitten, und die kleine Narbe auf
seiner Nase zeugte von Nahkämpfen. Er war mehr als ein Soldat oder Geheimdienstagent.
Er war mehr als ein harter Bursche. Er war - ein Krieger.
Doch Nees Crowe hätte Isaphàn nicht andeutungsweise so fasziniert,
wäre dies der einzige Aspekt seiner physischen Erscheinung gewesen. Es
gab noch eine andere, weichere Seite. Seine Augen, seine Mundpartie, das hinreißende
Lächeln - all das strahlte Zärtlichkeit, Wärme und auch schalkhaften
Humor aus. Dieser Krieger, dessen war sich Isaphàn sicher, war in der
Tiefe seiner Seele ein Romantiker. Und vielleicht auch ein ebenso leidenschaftlicher
wie zärtlicher Liebhaber. Dass er beide Seiten vereinte, die harte kriegerische
und die weiche zärtliche, machte ihn für Isaphàn zum attraktivsten
Mann zwischen Coruscant und Tatooine.
"Hallo Major Crowe", lächelte sie. "Ich freue mich, Sie
wiederzusehen."
"Nicht weniger freue ich mich, Sie hier zu sehen", entgegnete
er. "Mit Ihrem Erscheinen fühle ich mich gleich ein wenig sicherer."
Isaphàn spürte einen leisen Hauch von Enttäuschung aufsteigen.
Sie hoffte, dass sie für Nees Crowe nicht allein aus Sicherheitsgründen
von Bedeutung war. Aber sie ließ sich nichts anmerken. Schließlich
hatte sie eine wichtige Mission zu erfüllen.
"Welche Schutzmaßnahmen hat man hier getroffen? Ich meine abgesehen
von der Laserkanone, auf die Colonel Terloffson so stolz ist."
Der Colonel hatte Isaphàn bei ihrer Ankunft recht kühl begrüßt
und ihr zu verstehen gegeben, dass er lieber auf sein kleines Geschütz
als auf die Fähigkeiten einer Jedi vertraute.
"Kommen Sie, ich zeige Ihnen etwas", entgegnete Nees Crowe. "Am
besten, wir nehmen zwei Speeder-Bikes. Mit denen kommen wir am schnellsten durch
diese Wildnis."
Nees lotste Isaphàn zur ersten Sensorboje, die er eine Meile von der
Plattform entfernt befestigt hatte. Auf dem Weg dorthin grinste er zufrieden.
Die Jedi hatte ihm einen funkelnden Blick zugeworfen, obwohl sie scheinbar völlig
unberührt mit ihm gesprochen hatte. Es war ein verheißungsvoller
Auftakt.
Die schwebende Boje war am höher gelegenen Rande des Sumpfes angebracht.
Der Boden war hier fester, die Vegetation dichter.
"Rund um das Lager habe ich acht solcher Sensoren angebracht", erläuterte
Nees. "Ein effektives Sicherheitsnetz bieten sie aber erst, wenn sie optimal
aufeinander abgestimmt sind. Ich schaffe das nicht allein. Würden Sie den
Scanner ausrichten, während ich unten im Lager die Peilung vornehme?"
Isaphàn nickte. "Der rote Drehknopf regelt die Ausrichtung, der
blaue Schiebeschalter die Intensität des Scanners, nehme ich an."
"Alle Achtung, Miss Sh'sandrò. Sie scheinen sich gut auszukennen."
"Wir Jedi sitzen nicht nur auf der Erde und meditieren", gab diese
lächelnd zurück. "Aber seien Sie doch nicht so förmlich,
nennen Sie mich 'Isaphàn'!"
"Nur, wenn Sie 'Nees' zu mir sagen. - Also gut, ich fahre zurück ins
Lager. Offen gesagt werde ich mich erst wohler fühlen, wenn wir das Sensorfeld
richtig installiert haben."
Zwei Stunden später hatten sie es fast geschafft. Isaphàn justierte
soeben die letzte Sensorboje.
Nees saß auf der Lagerplattform und las die Peilwerte ab.
"Drei Grad nach Norden", wies er die Jedi an. "Jetzt vier Prozent
drosseln, nein, das war zu viel! Drei Prozent reichen."
"Stimmt es jetzt?" ertönte Isaphàns Stimme aus dem Comlink.
"Nun müsste es optimal sein. Ich aktiviere jetzt das Feld. Wenn sich
dann ein Gleiter oder Raumschiff nähert, wird das System eine durchdringende
Alarmsirene ertönen lassen, die auch Terloffson und seine Leute nicht überhören
können."
Er aktivierte die Sensoren - und das System ließ eine durchdringende Alarmsirene
ertönen.
Zuerst dachte Nees an eine Fehlfunktion. Doch dann war er wie ein Baumläufer
auf den Beinen.
"Alarm!" schrie er in den Sirenenton hinein. "Wir werden angegriffen!"
In diesem Moment hörte er bereits das Donnern von Sublicht-Triebwerken.
Und Sekunden später brach das Inferno aus.
Der erste Laserblitz traf den Traktorstrahl-Generator und hinterließ nur
rauchenden Schrott. Ein zweiter Laser schoss, und mit einem Feuerball explodierte
der Energiewandler. Ein dritter Treffer zerfetzte einen Wohncontainer.
Durch den Rauch und die glühenden Wrackteile liefen, stolperten, taumelten
die Pioniere. Sie hatten nicht den Hauch einer Chance.
Nees registrierte, dass sie von zwei Frachtern und einem Z-13-Kopfjäger
angegriffen wurden. Mit präzisem Feuer töteten sie die Besatzung und
vernichteten die Ausrüstungsgegenstände, ohne die Repulsorstützen
und damit die Plattform selbst zu gefährden.
Colonel Terloffson rannte wild gestikulierend auf das Lasergeschütz zu.
Die Z-13 raste über die Plattform hinweg und feuerte. Wo soeben noch der
Colonel gewesen war, klaffte nur noch ein rauchendes Loch über dem Sumpf.
Nees warf sich flach auf den Boden und robbte unter das Wrack eines umgestürzten
Materialcontainers. Sein Speeder-Bike war gut 30 Schritte entfernt. Wenn er
schnell war ...
Er führte den Gedanken nicht zu Ende, denn in diesem Augenblick ging sein
Gefährt in Flammen auf.
Die Pioniere wurden von Panik erfasst. Einige feuerten sinnlose Salven aus ihren
Blastergewehren ab - und lenkten doch nur feindlichen Laserbeschuss auf sich.
Besonders die Z-13 nahm einzelne Soldaten ins Visier, als würde der Pilot
eine persönliche Todesliste führen. Ein paar Männer brausten
in wilder Hast mit einem Landgleiter davon. Sie kamen nicht einmal 200 Standardmeter
weit. Eine Lasersalve zerriss das Gefährt und die Insassen in tausend Stücke.
Zwei Männern gelang es, das Lasergeschütz auf dem Wohncontainer in
Position zu bringen. Sie feuerten auch ein paar Schüsse ab, die jedoch
von den Schilden der Frachter absorbiert wurden. Dann zerfetzte ein Laserblitz
auch diese Verteidigung.
Erbarmungslos flogen die Schiffe Angriff um Angriff. Ihre Laserschüsse
pflügten Wrackteile um, rissen glühende Löcher in die Plattform,
ließen Funkenregen auf den Sumpf niedergehen und töteten die wenigen
überlebenden Pioniere. Der letzte Soldat sprang blindlings in den Sumpf,
nur um schreiend von der klebrigen Masse in die Tiefe gezogen zu werden.
Dann traf ein Laserschuss das Wrack, unter dem sich Nees verkrochen hatte. Die
Hitzewelle lähmte ihn beinahe, als zerfetzte Stahlteile durch die Gegend
flogen. Er rollte sich zur Seite und blickte sich gehetzt nach einem anderen
Versteck um, wohl wissend, dass es auf dieser Plattform keine sichere Zuflucht
mehr gab.
Dann sah er Isaphàn.
Ihr Speeder-Bike raste in hektischem Zickzack heran, verfolgt von der wild feuernden
Z-13. Nees sah einen heran kommenden Frachter aus den Augenwinkeln und sprang
mit gewaltigem Satz zur Seite. Ein Laserstrahl verwandelte die Stelle, an der
er eine Sekunde zuvor noch gestanden hatte, in ein Loch mit glühend gezackten
Stahlrändern.
Er sprang auf und rannte auf den Rand der Plattform zu. Isaphàn lenkte
das Speeder-Bike dicht an ihm vorbei, bremste nur für den Bruchteil einer
Sekunde ab und beschleunigte sofort wieder. Doch da hatte sich Nees mit seinem
beherzten Sprung bereits auf das Bike gerettet. Er saß hinter Isaphàn
und klammerte sich an ihren Körper.
Mit voller Energie jagte das Bike mit den beiden Personen davon.
Cir nickte anerkennend. Die rothaarige Frau in ihrer merkwürdigen braunen
Robe und der Mann waren Gegner, die offensichtlich nicht zu unterschätzen
waren. Cir hätte jeden Betrag darauf gesetzt, dass der Mann der Geheimagent
der Marine war, von dem ihre Informanten auf Coruscant berichtet hatten. Dann
war die Frau mit Sicherheit die Jedi, die ihn unterstützen sollte.
"Frachter zwei, nehmen Sie die Verfolgung auf. Wie viele Speeder-Bikes
haben Sie an Bord?"
"Vier", erwiderte der Pilot. "Und meine Jungs brennen schon darauf,
es den beiden zu besorgen!"
"Positiv, Frachter zwei! Wir übrigen gehen runter und schauen uns
die Plattform an. Nicht auszuschließen, dass sich noch ein paar Soldaten
in den Trümmern versteckt halten."
Die Kopfgeldjägerin steuerte die Z-13 zur Plattform. Einer der beiden Frachter
schwenkte ab, um die Verfolgung des Bikes aufzunehmen. Gern hätte Cir das
selbst erledigt. Aber die Bestätigung, dass die Plattform "leer gefegt"
war, wollte sie ihrer Partnerin Ren selbst geben.
Mit voller Energie jagten sie davon. Ness schaute sich um und sah die rauchenden
Trümmer der Plattform. Wenn Isaphàn ihn nicht gerettet hätte,
läge auch er zerfetzt zwischen den Wracks. Erst jetzt registrierte er ihre
physische Nähe unmittelbar vor ihm auf dem Bike. Ihr feuerrotes Haar, den
leicht herben Duft ihres Parfüms und ihren weichen Körper. Vor allem
ihren weichen Körper.
Er blickte sich noch einmal um. Ein Frachter hatte sich von den anderen Raumschiffen
gelöst und nahm die Verfolgung auf.
"Isaphàn, sie kommen hinter uns her!" rief er.
"Ich weiß", gab sie zurück. "Wenn wir den dichten
Wald erreichen, können sie uns mit dem großen Frachter nicht mehr
folgen!"
Tatsächlich hielt sie auf einen Wald zu. Kurz bevor sie die ersten Bäume
erreichten, riss sie das Bike in einer scharfen Kurve herum. Unmittelbar darauf
schlug neben ihnen ein Laserblitz ein.
Als wenn sie den Schuss sieht, bevor er abgefeuert wird! dachte Nees.
Ein zweiter Laserstrahl pflügte den Boden neben ihnen um. Dann hatten sie
den Wald erreicht.
Nees schaute sich noch einmal um. Was er sah, ließ ihn daran zweifeln,
dass sie die Verfolger abgehängt hatten. Der Frachter landete und spuckte
vier Speeder-Bikes aus, die sofort in höchster Geschwindigkeit auf den
Wald zurasten.
Isaphàn stoppte abrupt, als sie den Ruf "Vier Speeder-Bikes!"
hörte.
"Übernimm du den Lenker!" rief sie und sprang ab.
Nees rutschte nach vorn. Isaphàn setzte sich hinter ihn, allerdings mit
dem Rücken zur Fahrtrichtung.
Das Bike schoss davon, im Zickzack-Kurs zwischen den Bäumen hindurch.
Als der erste Verfolger in Sicht kam, richtete sich Isaphàn auf und aktivierte
ihr Lichtschwert.
"Hey, was machst du da!" rief Nees
"Kümmere dich nicht um mich!" gab Isaphàn zurück.
Der Verfolger kam heran. Der Fahrer war ganz offensichtlich ein wilder Bursche,
fast geeignet für ein Podrennen. Aber Isaphàn überraschte das
nicht. Der Angriff auf die Plattform war in der Hauptsache von Frachtern durchgeführt
worden. Also steckte nicht irgendein Machthaber, sondern eine Schmugglergang
oder Verbrecherorganisation hinter der Sache. Und Schmuggler waren nun mal Draufgänger.
Isaphàn versenkte sich ganz in die 'Macht'. Sie konnte nicht sehen, wohin
Nees lenkte, aber sie spürte jede Bewegung des Speeder-Bikes, noch bevor
sie ausgeführt wurde. Mit leichten, fließenden Bewegungen glich sie
jeden Schlenker aus und hielt unerschütterlich die Balance.
Der Verfolger kam heran und feuerte mit dem in das Bike eingebauten Blaster.
Isaphàn wehrte die Schüsse mit blitzartigen Bewegungen ab und lenkte
schließlich einen Blasterschuss auf den Angreifer zurück. Mit einem
klaffenden Loch in der Brust kippte er vom Bike.
Plötzlich zischten ihr von der Seite Schüsse um die Ohren. Eines der
Bikes hatte einen Bogen geschlagen und griff von rechts an. Wieder wehrte Isaphàn
die Schüsse ab. Nees beschleunigte und raste in selbstmörderischem
Tempo durch die dicht stehenden Bäume. Das andere Bike verfolgte sie mühelos.
Offenbar war der Fahrer brilliant. Er schoss aus voller Fahrt, doch Isaphàn
blockte erneut die Blitze ab. Einen Blasterschuss lenkte sie an das Bike zurück.
Das Gefährt geriet ins Trudeln und krachte gegen einen Baum.
Nun waren noch zwei Verfolger übrig.
Isaphàn sah sie heran kommen. Sie schossen nicht, also konnte Isaphàn
mit ihrem Lichtschwert nichts ausrichten. Plötzlich bemerkte sie, wie Nees
in seine Gürteltasche griff. Er zog einen runden Gegenstand hervor und
warf ihn über den Kopf nach hinten.
Der Thermodetonator explodierte genau zwischen den beiden Bikes. Sie wurden
von der Druckwelle aus der Bahn geworfen und prallten gegen die dicht stehenden
Bäume.
Isaphàn atmete auf. Sie waren entkommen.
Die Station im Orbit des Planeten Naboo war
ein stark frequentierter Umsteigeraumhafen für Passagiere und ein lukrativer
Umschlagplatz für Waren. Naboo war vor einigen Jahren zum Hyperraumknoten
für drei Sektoren des Outer Rim bestimmt worden. Seitdem sammelte sich
hier ein Großteil des Waren- und Personenverkehrs von und zum Middle Rim
und den Kernwelten. Der Bau der Raumstation ersparte den Passagierschiffen zeitraubende
Flüge durch die Atmosphäre bis zur Oberfläche des Planeten, nur
um einige Hundert Fahrgäste abzusetzen oder aufzunehmen. Ein reger Shuttlebetrieb
stellte die Verbindung zwischen Verkehrsknoten und Planet her. Derartige Stationen
waren in den letzten Jahren an vielen Stellen des Outer Rim entstanden. Stets
waren sie ein Ort, an dem man Schmuggler, Spione, Kriminelle, aber auch Händler
aller Art treffen konnte. Sogar Händler, die nichts anderes in ihrem Warensortiment
hatten als Informationen.
Obi-Nor hatte beim Anflug der Courier das Gewirr aus Wohnkuppeln, Lagersilos,
Verbindungsröhren und Landungsdocks betrachtet. Es war eine kleine autarke
Welt, die sie ansteuerten, fast so etwas wie ein Mikrokosmos. Und doch war alles
an dieser Welt künstlich: Die Außenhaut aus Durastahl, die von Generatoren
erzeugte Atmosphäre, die Schwerkraft, die mittels Gravitoren aufrecht erhalten
wurde. Obi-Nor, der schon viele Raumstationen betreten hatte, fühlte sich
angesichts dieser Unnatürlichkeit aus Stahl und Technik nie besonders wohl.
Doch jetzt verspürte er mehr als ein ungutes Gefühl; es war wie die
Vorahnung einer Gefahr, die ihm den Rücken hinauf kroch.
Rhysbe, die Warlucca-Pilotin, riss ihn aus seinen Gedanken. "Schiff an
Landebukcht eis-null-drrrei festgemakcht."
Obi-Nor löste seinen Sitzgurt. "George, du bleibst an Bord. Lass keinen
ungebetenen Gast rein, klar?! Rhysbe, du kommst mit mir."
"Errrwarrrtest du Ärrrgerrr?"
"Ich weiß nicht, ich habe da ein mieses Gefühl. Halte einfach
die Augen offen - und mir den Rücken frei!"
Sie passierten die Raumschleusen und ließen sich von einem Laufband zur
zentralen Aufenthaltskuppel fahren. Dort steuerten sie das Cantina-Deck an.
Es war ein kreisrunder Raum von mindestens 100 Standardmetern Durchmesser und
etwa 50 Metern Höhe. In der Mitte befand sich rings um einen künstlichen
Wasserfall eine freie Aufenthaltsfläche. Um ihn herum gruppierten sich
zahlreiche Cantinas, die mit lauten Bands und teuren Getränken um Gäste
warben. Das war genau der richtige Ort, um einen Informationshändler zu
treffen.
Obi-Nor stellte sich absichtlich auffällig und anfängerhaft an. Er
fragte jedes halbwegs humanoide Wesen, das Basic zu sprechen schien, ganz offen
nach Auskünften über kartographische Daten des Planeten Naboo. Er
vertraute darauf, dass sich seine Neugier rasch herumsprach und sehr bald den
Informationshändler auf den Plan rief. Er hätte sich gar nicht so
viel Mühe geben müssen. Denn er stand seit dem Betreten der Station
unter Beobachtung.
"Sie haben soeben die zentrale Kuppel betreten", meldete Ren Te'Nison
per Comlink. "Gildorian läuft durch die Cantinas und quatscht jeden
auf die Daten an."
"Ja, ich sehe ihn", antwortete Shri Mandras. "Aber wo ist dieses
Pelzvieh?"
"Ich habe sie", mischte sich Teeko ein. "Schau mal zur kleinen
würfelförmigen Bühne mit der Jizzband. Dort am Rand steht sie.
Sie hat Gildorian fest im Blick."
Die drei hatten sich taktisch klug auf dem Deck verteilt. Keine Bewegung des
Händlers oder seiner an eine Beutelbärin erinnernden Pilotin konnte
ihnen entgehen.
"Soll ich ihn ansprechen?" fragte Teeko.
"Nein, warte noch!" gebot Shri Mandras. "Gildorian ist ganz in
meiner Nähe. Ich werde ihm 'Guten Tag' sagen. Das ist ein herrlicher Spaß,
den ich mir gönne."
"Ich halte das für keine gute Idee!" sagte Ren Te'Nison mit scharfer
Stimme, doch Shri Mandras hatte sich bereits in Bewegung gesetzt.
"Na, wen sehe ich denn da!" rief sie mit gespieltem Erstaunen. "Obi-Nor
Gildorian! Und du läufst frei herum? Ich dachte, du verfaulst in irgendwelchen
Zollgefängnissen!"
"Hallo Shri. Die Überraschung ist ganz auf meiner Seite. Ich war mir
sicher, du seiest damals bei der Havarie der Golden Hippo draufgegangen."
Shri verzog ihr längliches Maul. Dass dieser Kerl ausgerechnet auf ihre
größte Niederlage anspielen musste, als er ihr nach einem Missgeschick
kostbare Schmuggelware vor der Nase weggeschnappt hatte! Es war lange her, beide
gehörten damals noch zur Stammklientel von Smugglers' Den. Doch gleichgültig,
wie viele Jahre seitdem vergangen sein mochten - der Stachel der Demütigung
saß immer noch tief. Plötzlich hatte sie keinen Spaß mehr daran,
mit diesem Gildorian zu reden. Aber es half nichts, sie musste gute Miene zum
bösen Spiel machen.
"Wie ich sehe, ist deine Kleidung teuer. Du bist also ein Emporkömmling
geworden, Obi-Nor!"
"Besser ein Emporkömmling als eine Versagerin wie du. Hör mal,
Shri, wenn du mich anpumpen willst, geh doch lieber zur Bank, okay? Oder frag
deine Freunde in Smugglers' Den - wenn du da noch Freunde hast!"
Die große Augen der Hippotamierin blitzten vor Zorn.
"Obi-Nor, irgendwann kommt mal ein Gauner und stopft dir deine teure Tunika
in die Fresse, dass du daran erstickst!" Mit diesen Worten trampelte sie
davon.
"Dann hätte ich immer noch was Besseres zu kauen als du!" rief
Obi-Nor ihr noch hinterher, doch sie reagierte nicht mehr darauf. Sie kochte
vor Wut. Warum nur hatte sie sich auf dieses verdammte Rededuell eingelassen?
Egal, bald würde Gildorian tot am Boden liegen, und sie würde über
ihn triumphieren.
Sie trat auf Ren Te'Nison zu. "Mach's sofort! Puste ihn um! Ich will ihn
tot sehen, jetzt gleich!"
Die Kopfgeldjägerin schüttelte den Kopf. "Bleib ruhig, Shri.
Wenn ich hier eine Schießerei anfange, haben wir die Sicherheitsleute
auf dem Hals. Ich werde es lautlos und unauffällig tun."
Ren wartete, bis Shri Mandras voller Wut gegangen war. Mit ihrem rechten, dem
organischen Auge beobachtete die Kopfgeldjägerin den Händler, während
ihr Visor in der linken Augenattrappe die Warlucca im Bild hatte.
Ren sah, wie Gildorian von Teeko angesprochen wurde. Beide setzten sich an einen
Tisch und winkten einen Servierdroiden herbei. Der runde, oben mit einer tablettartigen
Plattform versehene Droide nahm die Bestellung auf und rollte zur Bar. Er nahm
einen Becher Tinf-Ale und einen Jink-Saft entgegen und wollte wieder zum Tisch
zurückrollen. Ren stellte sich ihm in den Weg.
"Hör mal, Droide, ich sitze schon eine halbe Stunde am Tisch dort
hinten, und habe immer noch keine Bestellung aufgeben können!" Sie
zeigte zu einem abgelegenen Tisch im Grenzbereich zweier Cantinas.
"Verzeihung, Ma'am, aber ich weiß nicht, ob Ihr Platz zu meinem Sektor
gehört. Welchen Tisch meinen Sie genau?"
"Dort, siehst du den Devaronianer? Dahinter der Tisch, den meine ich."
"Bedaure, aber da müssten Sie sich bei meinem Kollegen beschweren.
Für Ihren Tisch bin ich nicht zuständig."
Ohne ein weiteres Wort abzuwarten, rollte der Droide davon.
Ren lächelte zufrieden. Sie hatte den Droiden genügend ablenken können,
um das tödliche Gift in den Becher mit Jink-Saft zu schütten.
"10.000 Credits?!" Obi-Nor starrte den Rodianer entgeistert an. "Mit
diesem Betrag kann ich eine eigene kartographische Gesellschaft gründen,
Mann!"
"Bitte, wie Sie wollen, dann tun Sie das doch!" Der Rodianer machte
Anstalten zu gehen, doch Obi-Nor drückte ihn wieder auf seinen Sitz. Es
war das uralte Spiel zwischen Händler und Käufer. Der Rodianer war
gewiss mit 3.000 Credits zufrieden, Obi-Nor würde auch 20.000 zahlen. Doch
sie würden sich irgendwo bei 7000 oder 8000 Credits einigen. Und beide
würden mit einem guten Gefühl von dannen ziehen.
"Ich muss mich erst vergewissern, ob die Daten was taugen", warf Obi-Nor
ein.
"Und ich weiß nicht, ob Sie kreditwürdig sind", konterte
der Rodianer.
Anstelle einer Antwort warf Obi-Nor einen silbern schimmernden Credit-Chip auf
den Tisch.
Die Ohren des Rodianers drehten sich wie Peilantennen, als er den Betrag erkannte.
"Sie haben 4000 Credits bar in der Hosentasche?!" Er holte seinerseits
ein Datapad hervor. "Okay, hier können Sie die Daten überprüfen.
Aber keine Tricks, verstanden?"
Ein Anfänger, dachte Obi-Nor enttäuscht. Er war immer ein wenig geknickt,
wenn er so viel Geld unerfahrenen Newcomern in den Rachen werfen musste. Andererseits
hatte er auch einmal so angefangen.
Er aktivierte das Datapad. Ohne auf die Einzelheiten zu achten, stellte er fest,
dass 104 militärische Sperrgebiete ausgewiesen waren. In den Daten, die
sie von der zentralen Datathek von Naboo bekommen hatten, waren nur 103 verzeichnet.
Es war also tatsächlich nur ein einziges Gebiet dazu gekommen.
Obi-Nor deaktivierte das Datapad und schob es dem Rodianer wieder zu. Dann steckte
er seinen Credit-Chip wieder ein.
"So, jetzt steigen wir in die Preisverhandlung ein", meinte er.
Der Kellner-Droide rollte heran und stellte ihre Drinks auf den Tisch. Der Rodianer
hob seinen Ale-Becher.
"Auf eine gute Verhandlung", sprach er und trank.
Auch Obi-Nor setzte seinen Becher an die Lippen. Der Jink-Saft ergoss sich in
seinen Mund.
Die Galactic Dream sprang aus dem Hyperraum. Der Planet lag direkt vor
ihnen.
"Wir haben Naboo erreicht", kommentierte der Piloten-Droide überflüssigerweise.
Stella aktivierte sofort den Peilsender für die Courier.
"Sie sind dort drüben in der Raumstation", teilte sie dem Droiden
mit. "Dann wollen wir ihnen doch mal einen Besuch abstatten ..."
In der Raumstation nahm Stella das Laufband zur zentralen Kuppel, dem Umschlagplatz
für alle Verhandlungen und Geschäfte. In dem Gewühl der Menschen,
Humanoiden und Wesen verschiedenster anderer Spezies irrte sie zunächst
etwas verloren herum. Doch mit einem Mal erblickte sie Obi-Nor. Er sprach mit
einer Hippotamierin. Die beiden schienen sich nicht sehr zu mögen. Die
pferdegesichtige Humanoidin stapfte wütend davon. Zuerst wollte Stella
auf Obi-Nor zugehen und ihm gehörig die Meinung sagen, doch dann ging sie
neugierig der Hippotamierin hinterher. Sie wollte zu gerne wissen, mit wem Obi-Nor
gesprochen hatte. Die Humanoidin trat auf eine kleine Menschenfrau zu. Stella
lief es bei ihrem Anblick kalt den Rücken hinunter. Obwohl sie relativ
jung war, allenfalls 30 Jahre alt, hatte sie schlohweißes Haar. Ihre Haut
war unnatürlich bleich. Und sie strahlte mit ihrer gesamten Körperhaltung
etwas Bedrohliches aus.
Die beiden trennten sich. Während sich die Hippotamierin entfernte, blieb
die weißhaarige Frau wie lauernd stehen. Stella drehte sich weg, um nicht
aufzufallen, doch sie schaute die Frau immer wieder heimlich an. Sie konnte
sich einfach nicht von dem Anblick losreißen.
Wie Stella bemerkte, hatte sich Obi-Nor inzwischen mit einem Rodianer an einem
der Tische niedergelassen. Sie schienen irgendeine Verhandlung zu beginnen.
Als Stella wieder einmal zu der weißhaarigen Frau hinschaute, gewahrte
sie, dass diese auf einen Kellner-Droiden zu ging. Sie deutete zu einem entfernten
Tisch, schüttete aber gleichzeitig ein Pulver in einen der Becher auf dem
Serviertablett. Stella durchfuhr es heiß und kalt, als sie sah, dass der
Droide zu dem Tisch rollte, an dem Obi-Nor saß.
Stella rannte los.
Sie war zu weit entfernt, um zu rufen, beim Lärm der Bands hätte Obi-Nor
sie sowieso nicht gehört.
Entsetzt sah Stella, wie Obi-Nor den Becher hob und an die Lippen setzte.
Sie riss ihren Blaster heraus. Sie wusste, es war Wahnsinn, es konnte gar nicht
klappen. Aber sie musste dennoch versuchen, Obi-Nor aus einer Entfernung von
30 Schritten den Becher aus der Hand zu schießen.
Stella feuerte.
Sie hatte Recht mit ihrer Skepsis. Es klappte nicht.
Selbst ein Meisterschütze eines Marine-Enterkommandos hätte auf diese
Entfernung wohl kaum den Becher zwischen der Hand und dem Mund weg schießen
können, ohne Obi-Nor zu verletzten. Aber ein Meisterschütze wusste
um seine Grenzen und hätte einen derartigen Schuss gar nicht erst versucht.
Stella Likori dagegen war vermutlich die schlechteste Blasterschützin auf
dem Planeten Trexx. Natürlich traf sie nicht den Becher. Immerhin schoss
sie derart weit daneben, dass sie auch Obi-Nors Kopf um mindestens fünf
Standardmeter verfehlte. Der Blasterblitz ging weit an dem Tisch vorbei und
traf die Durastahl-Transportkiste einer Jizzband. Von dort wurde er abgelenkt
und zischte fast senkrecht in die Höhe. Er traf einen von der Decke herab
hängenden Lichtstrahler. Die Lampe fiel herunter und krachte zwischen Obi-Nor
und dem Rodianer auf den Tisch.
Zu Tode erschreckt spuckte Obi-Nor den Jink-Saft wieder aus.
In der Kuppel brach das Chaos aus, und Obi-Nor hatte Mühe, das Geschehen
im Nachhinein zu rekonstruieren. Einige Bands hörten auf zu spielen, Gäste
brüllten wild durcheinander. Der Rodianer war einen Augenblick wie vom
Donner gerührt, dann sprang er auf und rannte in Richtung Ausgang.
Sicherheitsleute eilten an Obi-Nors Tisch. Zwei hielten Stella mit festem Griff
gepackt.
"Sir, diese Frau, hat versucht, Sie zu erschießen!" rief einer
von ihnen.
"Stella?!" Obi-Nor war verdattert. "Was machst du denn hier?"
"Äh, Sie kennen sich?" Der Sicherheitsmann wusste nicht, was
er sagen sollte.
"Ja, und gewiss wollte sie mich nicht erschießen - hoffe ich jedenfalls
..."
"Blödsinn, Obi-Nor", stieß Stella hervor. "Dein Drink
war vergiftet. Ich wollte dich retten. Ich habe dich gerettet!"
"Vergiftet?" Obi-Nor spürte die Reste des Jink-Saftes auf der
Zunge. Rasch griff er zu den Getränken auf den Nachbartischen und spülte
damit seinen Mund aus.
In diesem Moment hörten sie vom anderen Ende der Kuppel einen Tumult.
Rhysbe beobachtete Obi-Nor und den Rodianer. Diese Wesen mit der grünen
Stachelhaut konnten sehr gefährlich werden, aber Rhysbe rechnete nicht
damit, dass hier, mitten in der belebtesten Kuppel der Raumstation, jemand ein
Attentat auf Obi-Nor verübte. Ein Servierdroide rollte an den Tisch, und
plötzlich zischte ein Blasterschuss durch den Rundbau. Eine Lampe krachte
von der Decke, direkt auf Obi-Nors Tisch.
Rhysbe rannte los. Sie sah, wie der Rodianer die Flucht ergriff und einen der
Ausgänge ansteuerte.
Die Warlucca wühlte sich durch die Menge, indem sie ihre dolchartigen Fangzähne
zeigte und die sichelförmige, rasiermesserscharfe Jagdklaue aufblitzen
ließ. Jeder, der sie sah, machte ihr augenblicklich Platz. Sie kam dem
Ausgang rasch näher. Mit Sicherheit würde sie ihn vor dem Rodianer
erreichen.
Doch dann gewahrte sie aus den Augenwinkeln eine kleine weißhaarige Menschenfrau,
die einen Blaster in der Hand hielt.
Die Warlucca waren ein Jagd- und Räubervolk und verfügten über
einen ausgeprägten Gefahreninstinkt sowie eine blitzschnelle Reaktion.
Obwohl Rhysbe mit ihren 153 Jahren schon zu den älteren Warlucca zählte,
warf sie sich mit katzenartiger Schnelligkeit zur Seite.
Nicht schnell genug.
Sie konnte dem Blasterschuss nicht völlig ausweichen. Der Blitz schoss
ihr durch die linke Schulter und schleuderte sie zu Boden.
Rhysbe brüllte vor Wut. Sie richtete sich mühsam auf, doch die Menschenfrau
und der Rodianer waren verschwunden. Dann erst realisierte sie den Schmerz und
das Blut. Sie presste ihre Pfote auf die linke Schulter und sank zu Boden.
"Rhysbe!"
Obi-Nor kniete sich neben seine Pilotin.
"Ein Medipack, schnell!" rief er der umstehenden Menge zu, aber eine
Sicherheitsfrau hatte bereits eines der weißen Päckchen aufgerissen.
Obi-Nor legte es der Warlucca auf die Schulter.
"Ein glatter Durchschuss", stellte Stella fest. "Rhysbe, du musst
sofort in eine Medistation!"
Die Verletzte zeigte ihre Fangzähne und stieß ein kehliges Knurren
aus, eine deutliche Geste des Missfallens.
"Doch, du musst auf eine Medistation", pflichtete Obi-Nor Stella bei.
"Du wirst dich hier gesund pflegen lassen und dann ... Stella, du bist
doch gewiss mit der Galactic Dream gekommen?"
Stella nickte.
Obi-Nor nahm den Faden wieder auf. "Also, wenn die Ärzte dich wieder
hingekriegt haben, fliegst du mit Stellas Fähre nach Trexx zurück.
Keine Widerrede!"
Rhysbe knurrte, doch dann nickte sie. "Gut, ikch gehe in die Medistation.
Dann muss Stella auf dikch aufpassen. Was makcht Stella eigntlikch hierrr?"
"Sie schießt auf mich", antworte Obi-Nor trocken.
Eine Stunde später gingen Obi-Nor und Stella an Bord der Courier.
"Oh, Lady Stella, bin ich froh, Euch zu sehen. Nun hat diese Heimlichtuerei
endlich ein Ende ..."
"Danke, George", brummte Obi-Nor. "Diese Bemerkung war jetzt
sehr hilfreich!"
"Verzeihung Mylord, ich dachte nur, Ihre Ladyschaft hätte von Anfang
an ..."
"Ihre Ladyschaft wird jetzt mit mir unter vier Augen sprechen wollen. Wir
brauchen dich nicht mehr."
GL02 trippelte davon.
Obi-Nor schaute Stella verlegen an. "Nun, Eure Ladyschaft, heraus mit der
Schimpftirade!"
"Ach, du Idiot!" Stella fiel ihm um den Hals. "Ich habe einen
solchen Schrecken gekriegt, als ich sah, wie diese Frau das Gift in den Becher
mischte!"
"Tut mir Leid, Stella. Du ... du hast mir das Leben gerettet!"
Stella stieß Obi-Nor zurück. Ihre Augen blitzten zornig. "Ja,
und das wäre nicht nötig gewesen, wenn du nicht einfach heimlich weggeflogen
wärst! Was machst du hier überhaupt? Ich habe die Heimlichkeiten endgültig
satt!"
Obi-Nor seufzte. "Ich mache das alles nur, um dich zu überraschen,
Stella. Ich wollte dir eine Freude bereiten. Halte mich nicht für verrückt,
aber ich bin auf Schatzsuche."
Stella starrte ihn entgeistert an.
"Was bist du? Sag mal, wie alt bist du eigentlich?! Bist du 20 Jahre
und ein Abenteurer? Oder ein seriöser Geschäftsmann, der eine Handelsgesellschaft
leitet?"
Obi-Nor zuckte nur mit den Schultern. Was sollte er darauf schon antworten?
"Es scheint außerdem viel zu gefährlich zu sein", fuhr
Stella fort. "Rhysbe ist verletzt, und du wärst beinahe vergiftet
worden. Wie stellst du dir das jetzt weiter vor?"
Das war eine gute Frage. Obi-Nor hatte das Datapad mit der Karte der Sperrgebiete
nicht bekommen. Und ohne diese Information kamen sie nicht weiter.
"Du hast die Giftmischerin beobachtet. Wie sah sie aus?" wollte Obi-Nor
wissen.
Stella schüttelte sich. "Gefährlich und bedrohlich. Sie ist etwa
30 Jahre, hat weißes Haar und bleiche Haut. Ihre Augen sehen ... irgendwie
tot aus."
"Hm, die Beschreibung kommt mir bekannt vor." Obi-Nor dachte nach.
"Es könnte eine von den Te'Nison-Zwillingen sein. Wenn das stimmt,
dann sind wir wirklich in Gefahr."
"Te'Nison-Zwillinge? Sind das bekannte Verbrecherinnen?"
"Sie sind Kopfgeldjägerinnen", erklärte Obi-Nor. "Ich
dachte allerdings, dass sie in den Kernwelten operieren. - Egal, wir sollten
von der Raumstation verschwinden."
"Ja", nickte Stella. "Wir fliegen nach Hause."
Obi-Nor schüttelte den Kopf. "Das meinte ich nicht. Wir sollten runter
zur Planetenoberfläche. Dort ist der Schatz versteckt. Entweder finden
wir eine Möglichkeit, das Versteck aufzuspüren ..." Stella wollte
protestieren, aber Obi-Nor stoppte sie mit einer abwehrenden Handbewegung. "...
Oder wir informieren zumindest die Sicherheitsbehörden. Wir können
schließlich nicht zulassen, dass sich irgendwelche Gangster den Schatz
unter den Nagel ... - Moment mal!"
Stella sah ihn fragend an. "Was ist?"
"Aber natürlich!" Obi-Nor schnippte mit dem Finger. "Die
Te'Nison-Zwillinge stehen bestimmt auf der Auftragsliste von Shri Mandras. Ich
habe mich schon gefragt, was diese Gaunerin hier zu suchen hat ..."
"Shri Mandras?"
"Ach, das ist eine Hippotamierin, die ich noch von Smugglers' Den kenne."
Stella nickte. "Ich habe sie gesehen. Sie hat mit der Kopfgeldjägerin
gesprochen."
"Also auf zum Planeten", brummte Obi-Nor grimmig. "Dieser Verbrecherin
gönne ich nicht einen einzigen Darkstone-Diamanten aus dem Schatz!"
Mit einem Male leuchteten Stellas Augen - fast wie die dunklen Edelsteine, die
Obi-Nor soeben erwähnt hatte.
"Sagtest du Darkstone-Diamanten?" Ihr Blick bekam etwas Lauerndes.
"Sagte ich das?" Obi-Nor tat ahnungslos. Dann grinste er. "Klar,
der Schatz besteht aus einem Container voller Edelsteine."
"Ja, warum hast du das nicht gleich gesagt?!" rief Stella. "Auf
zur Planetenoberfläche!"
Obi-Nor ließ sich im Pilotensitz nieder, Stella nahm den Co-Piloten-Sitz.
"Ist schon lange her, dass ich die Courier ohne Rhysbe geflogen
habe", sagte der Händler kopfschüttelnd. "Na, das alte Mädchen
wird sicher bald gesund sein. Warlucca sind hart im Nehmen."
"Der Medi-Droide meinte, dass man ihr vielleicht nicht einmal ein Bio-Implantat
einsetzen müsse", bestätigte Stella. "In zwei, maximal drei
Wochen kann sie nach Trexx zurück."
Obi-Nor löste die Verbindung zum Landedock und schaltete die Triebwerke
an. Er ließ die Courier um die eigene Achse schwenken und gab halben
Schub.
"Ziemlich viel Betrieb hier." Er deutete auf die Lichtpunkte im Navigationsdisplay.
Eine Reihe von Raumschiffen verließ die Station oder bereitete sich soeben
auf die Landung vor.
Stella schaltete dass Visordisplay ein. "Sag mal, Obi-Nor, ist das eigentlich
normal, dass diese Frachter so dicht herankommen?"
Obi-Nor starrte auf die Anzeige. Ein Frachter flog auf gleichem Wege hinter
ihnen her. Drei kamen ihnen entgegen. Sie waren der Courier mittlerweile
recht nahe.
"Nein, das ist nicht normal. Entweder die haben den falschen Anflugvektor
oder ... Blende die IDs ein! Ich habe auf einmal ein ganz mieses Gefühl!"
Stella gab den Befehl ein. "Keine Schiff-IDs angezeigt, Obi-Nor! Was hat
das zu bedeuten?"
"ID-Unterdrückung! Die wollen uns auflauern", knurrte er und
verstärkte die Deflektorschilde.
Fast unmittelbar darauf wurde die Courier von einem Laserschuss getroffen.
Obi-Nor überlegte fieberhaft, ob er den Frachtern ausweichen konnte, aber
die vier Angreifer hatten sich inzwischen gut verteilt. Es blieb ihm keine Wahl.
"Übernimm das Steuer!" rief er. "Ich gehe ans Lasergeschütz!"
Stella starrte ihn erschrocken an. "Ich soll die Courier fliegen?!"
"Willst du etwa ans Geschütz?!" blaffte Obi-Nor zurück.
"Du triffst ja nicht mal mit dem Blaster!"
Erneut wurde die Courier von einem Schuss erschüttert.
Obi-Nor sprang auf und rannte aus dem Cockpit.
Stella blieb nichts anderes übrig, als die Kontrollen zu übernehmen.
Sie begann zu schwitzen. Natürlich konnte sie durchaus ein Raumschiff steuern,
aber die Courier war ein ganz besonderer Fall. Obi-Nor hatte für
'Gildorian Enterprises' vor Jahren das Konzept der Modulfrachter entwickelt,
um flexiblere Einsatzmöglichkeiten für ihre Raumschiffe zu haben.
Der Standard-Modulfrachter bestand aus dem Steuermodul mit Cockpit, Navigationtechnik,
den einfachen Unterkünften für die Besatzung sowie der Bewaffnung
mit einem schweren Zwillingslasergeschütz und einer Torpedobatterie. Daran
schlossen sich vier bis sechs Großraum-Frachtmodule oder bis zu zwölf
Module mit kleinerer Ladekapazität an. Das Ende bildete das Antriebsmodul
mit dem Hyperantrieb und den mächtigen NSV-Biturbo-Sublichttriebwerken.
Für seine Privatyacht hatte Obi-Nor kurzerhand verschiedene Teile dieser
Modulfrachter neu zusammengestellt: Auf das Cockpit-Modul folgte ein kleineres
Frachtmodul, dahinter schloss sich ein umgebautes zweites Frachtmodul an, in
dem die Gästekabinen und der luxuriöse Eignertrakt untergebracht waren.
Das Antriebsmodul bildete den Abschluss. Diese Bauweise hatte zwei Effekte.
Zum einen machte die Courier nach außen nicht viel her. Sie wirkte
wie einer der Frachter von 'Gildorian Enterprises'. Zum anderen waren die für
Großraumfrachter vorgesehenen Triebwerke für die Yacht völlig
überdimensioniert. Die Courier war dadurch äußerst schnell.
Aber die Steuerung hatte mit Fingerspitzengefühl und Samthandschuhen zu
erfolgen. Selbst jetzt, da die Cer'Desso-Raumwerften ein zusätzliches Frachtmodul
eingebaut hatten, reagierte das Schiff so empfindlich auf die Kontrollen wie
ein Mouse-Droid mit Podracer-Motor.
Stella gab mehr Schub und wurde augenblicklich in ihren Sitz gepresst.
Sie hörte Obi-Nor über Kopfhörer fluchen. "Hey! Nicht so
ruckartig!"
Rasch drosselte sie den Schub, doch auch diese Korrektur war zu heftig.
"Sanfter, Stella! Sanfter!" rief Obi-Nor, doch Stella ignorierte ihn.
Vielleicht war es gar nicht so schlecht, unorthodox zu fliegen? Vielleicht verwirrte
es die Gegner?
Als mehrere Lasereinschüsse die Belastbarkeit der Schutzschilde auf die
Probe stellten und Obi-Nor immerzu fluchte, dass er sein Ziel nicht anvisieren
könne, sah sie ein, dass ihr Gedanke doch reichlich naiv gewesen war.
Ein Frachter kam von Steuerbord ins Schussfeld, doch zischte er wie ein TIE-Jäger
an der Courier vorbei. Obi-Nor fluchte. Konnte Stella nicht etwas gleichmäßiger
fliegen? Wie sollte er auch nur einen gezielten Schuss abgeben?
Wieder kam ein Frachter ins Blickfeld. Obi-Nor feuerte mehrere Salven ab und
jagte zwei Lenktorpedos hinterher.
"Nach Steuerbord!" rief er Stella zu. Das Schiff schwenkte herum,
und Obi-Nor bekam den Frachter erneut ins Visier. Wieder feuerte er mit dem
Lasergeschütz. Der Zielcomputer meldete ihm schwere Treffer an den feindlichen
Deflektorschilden. Eine weitere Lasersalve, und die Schilde brachen zusammen.
Obi-Nor schoss erneut zwei Torpedos ab, und der Frachter explodierte in einem
sich rasch verzehrenden Feuerball.
Unmittelbar darauf wurde die Courier heftig erschüttert.
"Wir haben ein Deflektorschild verloren!" rief Stella.
"Welches?" fragte Obi-Nor, nahm aber zugleich einen weiteren Frachter
unter Beschuss. Der Zwillingslaser der Courier war den Waffen der Gegner
offenbar überlegen, denn die Schilde des Frachters brachen zusammen.
"Achtern Steuerbord!" meldete Stella.
"Kein Problem, so lange die sich uns nicht ans Heck heften!"
"Aber wir haben zwei am Heck!" rief Stella verzweifelt.
"Weich aus! Tu was!"
Obi-Nor ließ den angeschossenen Frachter aus den Augen und versuchte die
Laserkanone nach achtern auszurichten. Es war unmöglich, denn Stella hatte
den Steuerknüppel offenbar derart heftig herumgerissen, dass die Courier
ins Trudeln geriet. Obi-Nor wurde schwindlig, als sich das gesamte Schiff unkontrolliert
um die eigene Achse drehte. Mit halbem Ohr hörte er ein metallisches Scheppern
und einen Aufschrei des Droiden. Dann fluchte er ins Comlink.
"Gegensteuern! Mensch Stella, fang das Trudeln auf!"
Aber dann registrierte er, dass Stella unbeabsichtigt das Richtige getan hatte.
Die beiden Verfolger versuchten nämlich, das Manöver nachzuvollziehen,
aber die Piloten saßen nicht in Sternenjägern, sondern in Frachtern.
Viel zu schwerfällig waren ihre Bewegungen, als dass sie Stellas unfreiwillige
Flugakrobatik hätten nachahmen können. Sie kollidierten miteinander
und trieben schwer beschädigt davon.
Jetzt war nur noch ein Gegner übrig.
"Der da vorn hat keine Schilde mehr!" rief Stella. "Den ramme
ich! Der wird zerschmettert!"
Sie beschleunigte.
"Okay", antwortete Obi-Nor. "Maximale Energie auf die Frontaldeflektoren!"
Stellas Antwort bewirkte für den Bruchteil einer Sekunde bei Obi-Nor eine
völlige Lähmung. Dann schoss ein gewaltiger Adrenalinstoß durch
seinen Körper. Das Echo von Stellas Stimme gellte ihm in den Ohren, jedes
einzelne Wort und jede einzelne Nuance ihrer in ahnungslosem Ton vorgebrachten
Frage.
"Frontaldeflektoren? Wo stellt man das hier ein?"
"Da vorn ist Theed." Nees Crowe deutete auf die Häuser am Rande
des Felsplateaus.
Isaphàn seufzte innerlich. Sie hatte es die letzten drei Stunden genossen,
dicht hinter Nees auf dem Speeder-Bike zu sitzen und sich an ihm festzuhalten.
Laut sagte sie: "Wenn du das Blue Office informieren willst, kannst du
meine Fähre benutzen. Ihre Kommunikationssysteme verfügen über
ausreichende Verschlüsselungsmöglichkeiten."
Nees nickte. "Gute Idee. Also zuerst zum Raumhafen."
Isaphàn hatte eine der modifizierten Lambda-Fähren genommen, die
dem Jedi-Orden auf Yavin 4 zur Verfügung stand. Sie war sehr unauffällig,
ideal für diskrete Operationen. Von außen sah man ihr nicht an, dass
sie mit modernster Kommunikations- und Navigationstechnik vollgestopft war.
Nees setzte sich an das Comgerät.
Isaphàn wollte das Cockpit verlassen, um ihn ungestört Kontakt mit
seinen Vorgesetzten aufnehmen zu lassen, doch Nees hielt sie zurück.
"Es kann sein, dass man mich auf der Stelle zurückbeordert",
meinte er. "Die Bergungsaktion der Neuen Republik ist gescheitert. Vielleicht
muss ich schnellstens nach Coruscant zurück, um persönlich Bericht
zu erstatten."
Er schaute ihr in die Augen. "Du sollst wissen, dass ich noch nicht zurück
will. Ich ..." Er suchte nach Worten. "Ich genieße deine Nähe,
Isaphàn. Und nicht nur, weil ich mich in deiner Anwesenheit sicherer
fühle."
Isaphàn erwiderte seinen Blick. "Ich will auch nicht, dass du gehst.
Ich habe mich darauf gefreut, dich wiederzusehen. Und nun sind wir noch nicht
einmal einen Tag zusammen ..."
Und nicht einmal eine Nacht, ergänzte sie im stillen.
Nees ergriff ihre Hand. In seinem Blick lag eine aufregende Mischung aus Zärtlichkeit
und Leidenschaft. Die erotische Spannung zwischen ihnen war mit Händen
zu greifen.
"Lass mich mit ihnen reden, Isaphàn. Ich werde sie überzeugen,
dass ich auf Naboo bleiben muss. Wenn es mir gelingt, haben wir hier noch einen
Job zu erledigen. Aber wenn der vorbei ist, lasse ich mir mit der Rückkehr
einfach ein wenig länger Zeit ..."
Das Gespräch mit Coruscant dauerte über eine halbe Stunde. Als Nees
aus dem Cockpit kam, hatte er einen entschlossenen Glanz in den Augen.
"Ich bleibe hier, Isaphàn. Ich habe den Auftrag, die Identität
der Angreifer herauszufinden. - Und dich zu bitten, mir dabei zu helfen",
fügte er mit einem Grinsen hinzu.
Isaphàn verbeugte sich lächelnd. "Es ist mir eine Ehre, Major
Crowe. - Wir sollten uns in der zentralen Datathek umsehen. Wenn Colonel Terloffson
dort den entscheidenden Hinweis gefunden hat, haben vielleicht auch die Schmuggler,
Piraten oder wer immer in diesen Frachtern saß, dort herum gestöbert."
"Gute Idee", pflichtete Nees ihr bei. "Ich hoffe, meine Hacker-Fähigkeiten
haben nicht allzu sehr nachgelassen."
20 Minuten später betraten Isaphàn und Nees den pilzförmigen
Turm.
Eine alte, grauhaarige Frau saß am Empfangsschalter.
"Ihre ID bitte!"
Sie gaben ihr ihre interstellar gültigen ID-Cards. Sie schob sie in einen
Kartenleser und gab sie ihnen zurück.
"Wir schließen um fünf. Angenehmen Aufenthalt!"
"Geh ruhig schon hinein", meinte Isaphàn zu Nees. "Ich
komme gleich nach."
Der Major verschwand Richtung Terminal-Saal.
"Haben Sie hier viele Besucher?" fragte Isaphàn die Bedienstete.
Die Frau schüttelte den Kopf. "Zurzeit hält es sich in Grenzen.
Wenn die Akademie der Wissenschaften ihren Lehrbetrieb wieder aufnimmt, ist
es ein ständiges Kommen und Gehen. Aber jetzt ist es wirklich ruhig."
"Bestimmt kommen aber doch auch Besucher von außerhalb?" hakte
Isaphàn nach.
Die Alte nickte. "In den letzten Wochen haben wir einige Gäste von
anderen Planeten gehabt. Machen Sie etwa auch beim Forschungswettbewerb zur
Geschichte der Galaxis mit?"
"Forschungswettbewerb?" Isaphàn zog die Augenbraue hoch. "Das
klingt interessant. Erzählen Sie mich doch mehr davon."
Eine leichte Handbewegung begleitete die Worte der Jedi-Hexe.
Nees braucht nur fünf Minuten, um festzustellen, dass die Daten über
die kartographische Erfassung der Sperrgebiete manipuliert worden waren. An
die Zugriffsprotokolle zu gelangen, war schon schwieriger. Aber für einen
Offizier des Geheimdienstes stellten die Datenschutzvorkehrungen einer öffentlichen
Datathek kein unüberwindliches Hindernis dar. Als Nees die Daten herausgefiltert
hatte, pfiff er leise vor sich hin.
Der erste Zugriff war von Colonel Terloffson, dessen war er sich sicher. Die
Daten stimmten mit seinen Informationen zum Zeitplan des Einsatzes der Pioniertruppe
überein. Dann erfolgte ein weiterer Zugriff und noch am selben Tag die
Datenlöschung. Und erst gestern hatte erneut jemand versucht, an die Daten
heranzukommen. Nees stellte fest, dass die Angaben zu den militärischen
Sperrgebieten von der orbitalen Raumstation aus gelöscht worden waren.
Wenn der Hacker nicht ein absoluter Stümper gewesen war, hatte er diese
Spur absichtlich gelegt, um andere Schatzsucher zur Station zu locken. Entweder
wollte er die gesuchten Informationen verkaufen. Oder aber missliebige Konkurrenten
ausschalten. So oder so: Einer hatte gestern vermutlich den Köder geschluckt.
Nees schaltete zufrieden das Terminal ab und ging zum Ausgang. Isaphàn
unterhielt sich immer noch mit der Angestellten.
"Wir können gehen", meinte er. "Ich habe die Informationen,
die ich brauche."
Draußen grinste er. "Während du dich nett mit der Bediensteten
unterhalten hast, habe ich die Spur aufgenommen. Wir müssen zur orbitalen
Raumstation."
"Ich weiß", lächelte Isaphàn zurück. "Die
Daten sind von dort gelöscht worden. Ich kann dir aber noch mehr sagen:
Der Händler Obi-Nor Gildorian ist gestern hier gewesen. Ich wette, er ist
jetzt ebenfalls oben in der Station."
Nees starrte sie mit offenem Mund an. "Woher weißt du das alles?"
Isaphàns Lächeln wurde eine Spur breiter. "Manchmal lohnt es
sich, sich 'nett mit Bediensteten zu unterhalten'. Man muss die Zugriffsprotokolle
nicht immer gleich hacken. Zuweilen werden sie einem ganz einfach gezeigt."
Sie fuhren zum Raumhafen zurück und machten die Fähre startklar. Isaphàn
führte einen umfassenden Sicherheitscheck durch.
"Keine Peilsender, kein unbefugtes Eindringen, kein Einbruchsversuch ins
Kommunikationssystem", stellte sie fest.
Nees nickte anerkennend.
"Ich wusste gar nicht, dass sich der Jedi-Orden diese technischen Geräte
leisten kann", feixte er. "Aber immerhin scheinen die Schatzräuber
deine Fähre noch nicht im Visier zu haben."
Isaphàn zündete die Sublicht-Triebwerke, und die Fähre hob
ab.
Nach kurzer Zeit hatten sie den Planeten verlassen und steuerten auf die Raumstation
im Orbit Naboos zu.
"Das ist ja ein reger Shuttle-Verkehr", brummte Nees. "Wenn die
Station so stark frequentiert wird, ist sie das ideale Versteck für einen,
der sich den Container unter den Nagel reißen will. - Aber was ist denn
dort drüben los?"
Auch Isaphàn hatte die merkwürdige Konstellation von Frachtern entdeckt.
Es schien fast so, als ob ein Schiff von mehreren anderen eingekreist wurde.
"Schiff-IDs?" fragte sie.
Nees gab den entsprechenden Abfragebefehl an der Konsole ein.
"Das Schiff in der Mitte ist die Courier III vom Planeten Trexx.
Die anderen haben ID-Unterdrückung aktiviert."
"Obi-Nor!" rief Isaphàn grimmig. "Er ist ihnen in die
Falle gegangen."
In diesem Moment zuckten die ersten Laserschüsse über das Sicht-Display.
Isaphàn beschleunigte, aber nicht einmal mit einem X-Wing hätte
sie schnell genug in den Kampf eingreifen können.
"Die Courier ist ein starkes Schiff", sagte Nees, der schon
einmal bei einem Einsatz seines Enterkommandos mit Obi-Nors Privatyacht geflogen
war. "Aber ob sie gegen vier Frachter besteht?" setzte er seinen Gedanken
fort.
Der erste gegnerischer Frachter zerbarst in einer gewaltigen Explosion. Dann
fiel die Courier in ein wildes Trudeln. Als sie abgefangen wurde, waren
zwei Verfolger kollidiert und trieben schwer beschädigt davon.
"Donnerwetter", staunte Nees. "Gildorian hat doch diese Warlucca-Pilotin.
Ich wusste ja, dass die gut ist, aber ein solches Manöver hätte selbst
Wedge Antilles nicht besser hingekriegt."
"Schau mal", warf Isaphàn ein. "Sie wollen den letzten
Frachter rammen. Hoffentlich haben sie starke Frontaldeflektoren."
"Frontaldeflektoren? Wo stellt man das hier ein?"
Dieser Satz gellte Obi-Nor noch in den Ohren, als er längst den Geschützstand
mit einem Sprung durch die Bodenluke verlassen und auf dem darunter liegenden
Gang gelandet war. Er hetzte mit langen Schritten die wenigen Meter zum Cockpit,
riss die Tür auf, nahm mit halbem Auge das sich rasend schnell vergrößernde
Bild des Frachters wahr und hechtete zur Steuerkonsole.
Noch im Sprung drückte er den Knopf für die maximale Aktivierung der
Frontaldeflektoren.
Die Schilde fuhren auf volle Leistung hoch.
Und eine Sekunde später rammte die Courier den Frachter, der in
zwei Teile zerbrach.
Stella wurde beim Aufprall von ihrem Gurt festgehalten.
Obi-Nor krachte mit seinem Kopf hart gegen die Konsole.
Aber am schlimmsten erwischte es GL02. Das metallische Scheppern mischte sich
mit einem Aufschrei. Einige Einzelteile rollten bis ins Cockpit.
"Autsch!"
Obi-Nor verzog schmerzhaft das Gesicht. "Ist das ein Medipack oder ein
Folterpack?!" brummte er.
"Glaub mir, das ist ein sehr effektives Medipack" antworte Stella.
"Es desinfiziert, schließt die Wunde und beseitigt mögliche
Narben-Spuren. Die neueste Entwicklung, frisch von Coruscant importiert."
Sie tupfte ihm noch einmal die klaffende Wunde an der Stirn ab. Diesmal war
es schon weniger schmerzhaft.
Dennoch grummelte Obi-Nor weiter. "Das ist eine Erfindung für geplagte
Ehemänner, deren Frauen nicht mit Raumschiffen umgehen können!"
"Na hör mal!" rief Stella entrüstet. "Erstens sind
wir gar nicht verheiratet. Und zweitens hat doch alles prima geklappt! - Wenn
man von George absieht."
Die Metallteile des Droiden lagen sauber aufgestapelt in der Ecke des Cockpits.
Beim Anblick seines Kammerdieners wurde Obi-Nor plötzlich ernst. "Du
hattest Recht, Stella. Es ist zu gefährlich. Wir kehren umgehend nach Trexx
zurück. Ich will dich nicht in Gefahr bringen."
"Was?!" Stella schaute ihn empört an. "Kommt gar
nicht in Frage. Innerhalb von ein paar Stunden hat jemand zweimal versucht,
dich umzubringen. Das war ein schwerer Fehler, denn ich lasse es nicht zu, dass
dir jemand ein Haar krümmt! Wer auch immer hinter diesen Angriffen steckt,
bekommt es mit mir zu tun!"
Das lodernde Feuer in Stellas Augen war für Obi-Nor eine bessere Medizin
als die neuesten Medipacks von Coruscant. Stella wirkte in diesem Moment nicht
wie eine Verwaltungsdirektorin, sondern wie eine hungrige Löwin in den
weiten Steppen ihres Heimatplanten Ghan. Nie war Obi-Nor deutlicher bewusst
gewesen, was er für diese Frau fühlte.
"Ich liebe dich, Stella!"
"Ja, ich weiß."
Das Comlink piepte.
"Courier III, hier ist Raumfähre Mikata. Obi-Nor, kannst
du mich hören?"
Stella sah Obi-Nor fragend an, doch der zuckte nur mit den Schultern. "Hier
Courier III. Wer ist denn da?"
"Ich bin's, Isaphàn. Major Nees Crowe vom Marine-Geheimdienst und
ich haben euren Kampf beobachtet. Alles in Ordnung bei euch?"
Obi-Nor befühlte seine Stirnwunde. "Den Umständen entsprechend,
würde ich sagen. Ich nehme an, ihr seid nicht hier, um Urlaub zu machen.
Vielleicht haben wir ein - äh - gemeinsames Ziel. Sollten wir nicht in
Ruhe darüber sprechen?"
"Wollte ich gerade vorschlagen", antwortete Isaphàn. "Aber
gewiss nicht hier auf einem Schlachtfeld. Lass uns zum Planeten hinunter."
Schon beim Landeanflug bot die Operationsplattform der Bergungsexpedition einen
traurigen Anblick. Aufgerissene Metallplatten, verbogene Stahlträger und
rauchgeschwärzte Containerteile lagen in einem wirren Durcheinander verstreut.
Als die Raumschiffe unmittelbar über der Plattform schwebten, bemerkte
Obi-Nor mehrere große dunkle Flecken auf den Blechplatten. Plötzlich
durchzuckte ihn die Erkenntnis, um was es sich dabei handelte: getrocknete Blutlachen.
"Es muss grauenhaft gewesen sein", sprach er ins Comlink.
"Das war es", erwiderte Nees Crowe. "Ein Massaker. Ich habe mich
noch nie so hilflos gefühlt."
Sie hatten sich auf dem Flug von der Raumstation gegenseitig in aller Kürze
über ihre Erlebnisse informiert. Aber die in dürre Worte gekleidete
Schilderung des Angriffs auf das Pionierteam war etwas anderes gewesen als der
visuelle Eindruck der beschossenen Plattform.
"20 Männer. Und alle sind tot". Obi-Nors Gesicht wurde hart.
"Wenn Shri Mandras hinter diesem Angriff steckt, dann ist sie sehr viel
skrupelloser als ich dachte."
Nun meldete sich Isaphàns Stimme aus dem Comlink: "Die Repulsorstützen
sehen unbeschädigt aus. Auch der Energie-Scan ist positiv verlaufen. Wahrscheinlich
haben sie darauf geachtet, die Plattform nicht im Sumpf zu versenken."
"Sie wollen den Container schließlich selbst raufholen", bekräftigte
Stella.
"Also gut, ich lande die Mikata", sagte Isaphàn entschlossen.
Die Fähre setzte auf der Plattform auf. Die gesamte tragende Konstruktion
schien tatsächlich noch in Ordnung zu sein. Isaphàn und Nees stiegen
aus und kontrollierten die Repulsorstützen. Dann winkten sie zur Courier
hinauf, und Obi-Nor setzte seine Privatyacht neben die Lambda-Fähre.
Nachdem Stella und Obi-Nor ausgestiegen waren, hielten sich die vier nicht lange
mit der persönlichen Begrüßung auf, wenngleich Nees für
Isaphàns Geschmack Stella ein etwas zu freundliches Lächeln schenkte.
Rasch lenkte sie das Gespräch auf den Grund ihrer Begegnung.
"Ihr wollt also den Container bergen, richtig? Zu zweit werdet ihr das
wohl kaum schaffen."
Obi-Nor schüttelte den Kopf. "Natürlich nicht. Aber eine Crew
von Spezialisten von der 'Calrissian Mining Corporation' wartet auf Nas Gordo,
also nur einen Hyperraumsprung von zwei Stunden entfernt. Ich kann sie sofort
herbeordern."
"Vergessen Sie's", ging Nees dazwischen. "Sie können wohl
keine Bergungsgenehmigung vorweisen, oder?"
"Wollen Sie mich an der Operation hindern?" gab Obi-Nor mit scharfer
Stimme zurück. "Sie dürften kaum von der Regierung Naboos dazu
autorisiert sein."
"Nein, aber von der Neuen Republik. Und die wird sich blitzschnell mit
der lokalen Regierung verständigt haben!"
"Ha! Das glauben Sie doch selbst nicht! Wenn der Königspalast in Theed
von dem Container erfährt, werden einheimische Bergungstrupps losgeschickt.
Dann haben Sie eine Niete gezogen, Freundchen!"
Nun wurde auch Nees Crowes Stimme schneidend: "Ich dachte, Sie sind ein
loyaler Bürger der Neuen Republik, Mister Gildorian. Und nicht so ein gesetzloser
Schmuggler und Gangster, wie die Dame auf der Raumstation, die sie umbringen
lassen wollte."
Obi-Nor bekam einen roten Kopf. "Von Ihnen lasse ich mich nicht beleidigen!
Ich bin Steuerzahler und guter Republikaner. Sie können Ihr Gehalt nur
einstreichen, weil Leute wie ich es mit unseren Steuergeldern finanzieren!"
Die beiden Männer standen sich wie Kampf-Torks gegenüber.
Isaphàn fand es an der Zeit einzuschreiten.
"Wollt ihr euch duellieren? Oder schlagt ihr euch einfach nur die Köpfe
ein?"
Sie lächelte. "Lasst uns doch vernünftig darüber reden.
Ich sehe die Sache so: Nees hat das Recht und Obi-Nor die Bergungscrew auf seiner
Seite. Sollte da nicht ein Kompromiss möglich sein? Zumal der Schatz angeblich
Dimensionen hat, die einen mittleren Staatshaushalt sanieren können."
Obi-Nor entspannte sich. "Ich bin immer für Verhandlungen zu haben.
Aber uns bleibt wohl nicht viel Zeit, irgendwelche prozentuale Beteiligungen
auszuhandeln."
"Ich mache einen Vorschlag", warf Stella ein. "Wenn wir den Container
geborgen haben, gehen Obi-Nor und ich als erstes rein. Wir dürfen uns die
Taschen vollstopfen, okay? Den Rest kriegt die Neue Republik."
Obi-Nor starrte sie wütend an. So leicht hatte er nicht nachgeben wollen.
Nees dagegen nickte. "Darauf kann ich mich einlassen; ich muss diesen Deal
ja nicht unbedingt in meinem Bericht erwähnen."
"Nun gut" erwiderte Obi-Nor. "Wir können nicht ewig verhandeln.
Und außerdem" - nun gestattete er sich die Andeutung eines Lächelns
- "außerdem hat meine Hose sehr große Taschen ..."
Shri Mandras fuhr mit ihrer Klaue durch die Mähne, so wie sie es immer
tat, wenn sie sehr angespannt war.
"Unsere Bilanz ist bestenfalls durchwachsen, wenn nicht schlecht",
grollte sie. "Das Pionierteam haben wir beseitigt, aber dieser Gildorian
ist entkommen." Vorwurfsvoll blickte sie Ren Te'Nison an.
"Niemand konnte ahnen, dass er diese Frau als zweite Sicherung mitgenommen
hatte", verteidigte sich die Kopfgeldjägerin. "Und dass sie eine
derart tollkühne Pilotin ist, damit konnten wir nicht rechnen."
Ren blieb äußerlich ruhig, doch innerlich kochte sie. Sie war sich
sicher gewesen, dass sie die Courier erwischt hätte, doch einer
von Shri Mandras' Piloten war mit dem Frachter, den sie anstelle der Z-13 hatte
nehmen müssen, kollidiert. Es war entwürdigend gewesen, hilflos im
Raum zu treiben, bis Shri Mandras sie mit ihrer persönlicher Yacht geborgen
hatte.
"Gildorian ist zwar für den Moment entkommen, aber er entgeht uns
nicht", sprang ihr Cir bei. "Er ist bereits auf der Bergungsplattform
eingetroffen. Die Jedi und der Geheimdienstmajor sind übrigens auch dort."
Cir lächelte überlegen. "Es hat sich gelohnt, die Mini-Visoren
anzubringen. Nun sind wir über jeden ihrer Schritte informiert."
Shri Mandras wieherte. "Und das Beste ist: Wir lassen sie die Arbeit verrichten!
Wir schlagen erst zu, wenn sie den Container geborgen haben."
Ren nickte. "Der einzige Schönheitsfehler, den wir noch haben, ist,
dass die Warlucca überlebt hat. Ich würde am liebsten zur Station
zurück und ihr das Licht ausblasen."
"Oh nein!" Teeko hob abwehrend die Arme. "Nach dem Raumkampf
kannst du unmöglich zurück. Ich bin froh, dass wir alle unentdeckt
auf Naboo gelandet sind."
Ren verzog den Mund. "Schon klar. Aber es geht gegen meine Berufsehre."
"Vergiss es", meinte nun auch ihre Schwester. "Du kannst deinen
Frust abreagieren, wenn wir die beiden reizenden Pärchen von der Plattform
pusten."
Rens Mundwinkel deuteten ein Lächeln an. "Ich freue mich schon darauf."
Das Bergungsteam der 'Calrissian Mining Corporation' war eine kleine, aber hoch
spezialisierte Mannschaft. Vince Rotino, ein glatzköpfiger, schnauzbärtiger
Mittfünfziger und einer von drei Menschen in der Crew, leitete das Team.
Die beiden anderen Menschen waren Reek Markins, ein blasser, kaum erwachsener
Jüngling, der die Energieversorgung und -regelung sowie die Computerkonsolen
zu kontrollieren hatte. Und die rothaarige und sommersprossige Sheena McVie,
kaum älter als Markins. Sie steuerte den Magnetstrahl-Hubkran, der den
Container aus Meer und Sumpf heraufbefördern sollte. Unterstützt wurde
sie von Teke, einer kleinen Chadra-Fan mit überdimensionierten Echolot-Ohren,
die die Sonarüberwachung bediente. Der Wookie Chocnacc komplettierte das
Team. Er schien der "Mann fürs Grobe" zu sein, denn beim Entladen
und Aufbauen der Ausrüstung war er überall und nirgends und schuftete
für drei.
Nees Crowe bekam kaum mit, wie die Crew den Hubkran über dem kreisrunden
Loch in der Mitte der Plattform aufbaute. Er interessierte sich mehr für
das, was Obi-Nor ihm zu zeigen hatte. Nachdem das Bergungsteam eingetroffen
war, führte ihn der Händler zu dem zusätzlichen Frachtmodul der
sich über die gesamte Breite der Plattform erstreckenden Courier.
"Das dürfte nach Ihrem Geschmack sein", meinte er, als er die
Luke öffnete.
Nees erkannte die Ladung mit einem Blick. Im Innern befanden sich ein großer
Generator und etwa 100 Energiewandler und Energiefeldwerfer.
Er nickte anerkennend. "Damit können wir genau den Schutzschild aufbauen,
den Colonel Terloffson mir nicht genehmigen wollte. Alle Achtung, dass Sie dieses
Zeug mitgebracht haben, spricht für Ihre Umsicht."
"Danke", antwortete Obi-Nor. "Ich wusste, dass Sie es zu schätzen
wissen. Ich finde übrigens, wir sollten unseren Zwist beilegen."
Er bot dem Geheimdienstler die Hand an.
Ness ergriff sie. "Schwamm drüber. Ich wollte nur nicht, dass Sie
sich die ganze Beute unter den Nagel reißen, Mister Gildorian."
Der Händler nickte. "Schon okay. - Ich heiße übrigens Obi-Nor."
Sie begannen, die Energiewandler auf einen der beiden Schwebegleiter zu laden,
die Obi-Nor mit der Courier nach Naboo gebracht hatte.
Nees betrachtete eines der Zubehörteile prüfend.
"Ich hoffe, du hast die Sachen nicht aus Marinebeständen gestohlen."
Ein Zwinkern signalisierte Obi-Nor, dass diese Bemerkung scherzhaft gemeint
war. Doch zur Verblüffung des Geheimdienstlers erwiderte der Händler
ernsthaft: "Sie stammen tatsächlich aus Marinebeständen. Aber
ich habe sie ganz legal erworben. Und zwar auf einem Planeten, der kein formales
Mitglied der Neuen Republik ist. Ich habe also nicht gegen das republikinterne
Kriegswaffenkontroll-Gesetz verstoßen."
Nees zuckte mit den Schultern. Im Moment war ihm völlig egal, woher Obi-Nor
das Zeug hatte; Hauptsache, sie konnten sich vor einem erneuten Luftangriff
schützen. Dennoch konnte er sich eine weitere Bemerkung nicht verkneifen.
"Wenn du das Material in das Territorium der Republik eingeführt hast,
musstet du da nicht Einfuhrzoll bezahlen? Ich wette, du kannst keine entsprechenden
Papiere vorweisen."
"Nein, natürlich nicht", erwiderte Obi-Nor trocken. "Die
Einfuhr von gestohlenem Marinematerial ist illegal. Und auf illegale Importe
werden keine Zölle erhoben."
Zwei Stunden später waren alle Energiefeldwerfer auf ihren Schwebebojen
befestigt, und Nees startete den Schutzschildgenerator. Mit einem Knistern baute
sich die milchig-transparente Kuppel auf.
"Ausgezeichnet", meinte Vince Rotino. "Jetzt können wir
beruhigt an die Arbeit gehen."
Teke richtete mit Markins Hilfe die Sonargeräte aus. Der Computer zeigte
den Echolot-Scan zuerst des Sumpfes und später des Meeres auf einem Bildschirm,
aber Teke lauschte zumeist der akustischen Übertragung. Nur von Zeit zu
Zeit warf sie einen Blick auf den Monitor, um ihre Wahrnehmung mit den Analysen
des Computers abzugleichen.
Die Sonne war bereits untergegangen, und einige helle Solgas-Leuchten tauchten
die Plattform in fahles Licht, da begann Teke mit einem Male aufgeregt zu zwitschern.
"Wir haben was geortet!" rief Markins.
Die Crew drängte sich dicht um den Monitor, selbst die vier Technik-Laien
versuchten, einen Blick auf den Bildschirm zu erhaschen.
"Kannst du etwas erkennen?" raunte Isaphàn Nees zu.
"Nein. Auf diesem Bild würde ich niemals einen Felsen von einem großen
Fisch unterscheiden können - oder von einem Container."
"Kiste Metall", zwitscherte die Chadra-Fan mit ihrer hohen Stimme.
"Eine Kiste?" Stella schaute skeptisch zu Obi-Nor hinüber.
Aber bevor dieser etwas erwidern konnte, kommentierte Sheena McVie: "Teke
hat einen eingeschränkten Wortschatz in Basic. Eine 'Kiste' kann auch ein
riesiger Container für ein mobiles Medi-Zentrum sein."
Dann wandte sie sich an die Chadra-Fan: "Tshiiliehrtyy quiiebn?"
"Twiirydiier bhlimyyr, gyymiillviiren wyfiirnie!"
"Zehn Körperlängen lang, fünf Körperlängen breit",
übersetzte McVie.
Chocnacc stieß ein singendes, leises Brüllen aus.
"Nein, keine Wookie-Körperlängen", antwortete McVie. "Teke
meint Chadra-Fan-Längen."
"Also etwa 14 Standardmeter lang und sieben Standardmeter breit",
rechnete Rotino um. "Nicht schlecht für eine Schatzkiste."
Isaphàn schaute den Teamleiter überrascht an. "Ich bewundere
Ihre kühle Sachlichkeit, mit der Sie von dem Schatz sprechen, Mister Rotino.
Andere wären längst vom Schatzfieber ergriffen." Sie warf Obi-Nor
einen Blick zu, doch der setzte eine bemüht gelangweilte Miene auf, als
ob er gar nicht wusste, wovon Isaphàn sprach.
"Ach wissen Sie", erwiderte Rotino gleichmütig. "Wir machen
hier unseren Job. Und wir werden ordentlich bezahlt. Für unsere Freizeitinteressen
- ein paar Wetten beim Bantharennen, ein paar Drinks mit guten Freunden in der
Cantina - reicht unser Gehalt allemal. Was sollen wir mit Schätzen? Letztlich
ist das alles doch nur Geld. Nichts weiter."
"Sie haben ihn an der Angel." Ren Te'Nison setzte ein falsches Lächeln
auf. "Jetzt erfasst sie das Schatzfieber. Jetzt denken sie, sie sind reich."
"Holen sie ihn schon rauf?" wollte Cir wissen.
"Ja, diese McVie zieht ihn soeben hoch."
"Okay, dann aktiviere ich unsere Schleichkatze." Die Kopfgeldjägerin
grinste. "Sie haben einen Schutzschild errichtet, um sich gegen Luftangriffe
zu verteidigen. Wirklich clever!"
Ihre Schwester stimmte in ihr Grinsen ein. "Regel Nummer eins: Nicht der
Gegner, der noch kommt, ist der gefährlichste. Sondern der, der bereits
da ist ..."
Sheena McVie saß an der Hubkran-Steuerung und ließ den vom Magnet-Strahl
erfassten Container Meter für Meter höher gleiten. Als der große
Behälter die Sumpfschicht erreichte, verstärkte sie die Energie.
"Teke, wie sieht's aus? Alles im grünen Bereich?" Sheena fand,
die Formulierung war ein hübsches Wortspiel, weil der Sumpf grünlich
aussah. Aber der Chadra-Fan entging diese sprachliche Feinheit natürlich.
"Chyyliimly bmyligyyr mryylkyriies!"
"Bist du sicher?" Sheena runzelte die Stirn.
Ein schrilles, empörtes Quieken war die Antwort.
"Schon, schon gut, ich glaube dir ja."
Sie aktivierte ihr Comlink.
"Reek, komm mal her. Wir haben ein technisches Problem."
Der Computerspezialist kam herbei geeilt. "Sag nicht, die Delta-Analyse
spuckt die falschen Werte aus!"
"Nein, so schlimm ist es nicht", beruhigte ihn Sheena. "Aber
Teke behauptet steif und fest, dass das Sonargerät ein Rauschen produziert."
"Ein Rauschen?" Reek dachte nach. "Das hatten wir zuletzt, als
wir einen Ultrafrequenz-Peilsender in der Nähe hatten. Könnte sein,
dass uns hier jemand reinfunkt."
Er deutete auf die beiden Raumschiffe Mikata und Courier.
"Ist es noch im Toleranzbereich, Teke? Oder sollen wir die Bergung unterbrechen?"
Die Chadra-Fan schüttelte den Kopf. "Okay."
"Nun gut", entschied Sheena. "Machen wir weiter."
Sie wollte soeben den Hubkran wieder in Gang setzen, da stieß Isaphàn
zu ihnen.
"Sie sehen aus, als gäbe es Probleme. Kommen Sie nicht voran?"
"Doch, alles im grünen Bereich", entgegnete Sheena. "Aber
irgendein Ultrafrequenz-Sender funkt uns in die Übertragung der Sonaranalyse.
Wahrscheinlich von einer Ihrer Raumfähren."
"Ein Ultrafrequenz-Sender?" Isaphàn hatte auf einmal ein ganz
mieses Gefühl.
Nachdenklich verließ sie die Mitglieder des Bergungsteams und suchte Nees.
Sie fand ihn an einer Ecke der Plattform, wo er routinemäßig die
Repulsorstütze kontrollierte.
Er sah ihr sofort an, dass etwas nicht stimmte.
"Was ist los, Isaphàn? Warum machst du so ein ernstes Gesicht?"
"Die Techniker meinten gerade, hier in der Nähe wäre ein Ultrafrequenz-Sender.
Er stört ihre Computeranalyse. Nees, ich fürchte, wir kriegen Besuch."
Er blickte zur Schutzschild-Kuppel über ihnen. "Solange der Schild
hält, können sie uns nicht überraschen. Und durch den Sumpf wird
wohl niemand kommen. Die einzige Möglichkeit wäre ..."
"... ein Maulwurf hier auf der Plattform", ergänzte Isaphàn
seinen Gedanken.
Nees aktivierte sein Comlink. "Obi-Nor, Stella, kommt doch bitte zur Südwest-Ecke
der Plattform."
"Ein Maulwurf von Shri Mandras hier auf der Plattform?" Obi-Nor blickte
mehr als skeptisch drein.
"Wie gut kennst du das Team der 'Calrissian Mining Corporation'?"
fragte Nees.
"Na ja - eigentlich gar nicht." Obi-Nor hob abwehrend die Hände.
"Aber ich traue ihnen. Lando hat sie mir bestens empfohlen, und für
Lando würde ich meine Hand ins Feuer legen."
"Auch Lando könnte getäuscht worden sein", gab Stella zu
bedenken.
Isaphàn pflichtete ihr bei. "Wir sollten in jedem Falle die Augen
offen halten."
"Vor allem sollte sich niemand vom Bergungsteam in der Nähe des Schutzschildgenerators
aufhalten" ergänzte Nees.
Niemand von ihnen ahnte, dass der Gegner, den sie suchten, der "Maulwurf",
direkt unter ihren Füßen lauerte: eine P16-Sonde, die wegen ihrer
beiden an Katzenaugen erinnernde Visoren auch "Schleichkatze" genannt
wurde. Sie schwebte in dem Raum zwischen Bodenplatten und Sumpf, war bereits
aktiviert und stand in ständigem Ultrafrequenz-Kontakt mit dem Kontrollgerät
der Kopfgeldjägerinnen.
Sie musste nur noch in Bewegung gesetzt werden.
"Wir haben ihn!"
Sheena McVies Ruf trommelte alle Anwesenden auf der Plattform zusammen.
Tatsächlich: Mit einem hässlichen Gurgeln und Schmatzen erhob sich
der Container aus dem Sumpf. Er schwebte durch die kreisrunde Öffnung in
den Bodenplatten und hing schließlich einen Meter über dem Niveau
der Plattform in der Luft.
"Säubern und sichern!" wies Vince Rotino an.
Chocnacc und Reek spritzten den Container mit starkem Luft- und Wasserstrahl
ab und befreiten ihn von dem eklig stinkenden breiigen Überzug, der sich
im Sumpf an ihm festgesetzt hatte. Danach befestigten sie mehrere Antigrav-Stützen
am Boden des Containers.
Rotino wandte sich an Obi-Nor. "Das wär's von uns aus gewesen, Mister
Gildorian. Wir sollten das Ding raufbringen, wir haben es raufgebracht."
Obi-Nor hatte einen aufgeregten Glanz in den Augen. "Danke, Mister Rotino.
Ich danke Ihnen allen. Jetzt wollen wir doch mal sehen, was Lord Vader hier
einst in den Sumpf geworfen hat."
An einer Schmalseite des Containers war eine Öffnungsklappe in der Größe
einer kleinen Tür angebracht. Mit einem Thermo-Schneidgerät bohrte
Obi-Nor zunächst ein armdickes Loch hinein. Sofort drang ein Strahl Wasser
heraus.
"Wasserdicht war das Ding also nicht", brummte er. Immerhin wurden
keine Edelsteine mit fortgespült, wie er zufrieden registrierte. Er schnitt
die gesamte Tür heraus. Wie er sich gedacht hatte, war der Container begehbar.
Ein etwa zwei Meter breiter Mittelgang teilte Reihen von Stahlschränken
und Schubfächern.
"Also, Stella, gehen wir rein."
Die beiden schalteten Handlampen an und betraten den Container.
Nees hatte nur ein halbes Auge und ein halbes Ohr für die Bergung und Öffnung
des Containers. Zugleich beobachtete er aufmerksam die Bergungscrew. Und er
warf immer wieder dem Schutzschildgenerator im offenen Frachtmodul der Courier
einen Blick zu.
Obi-Nor und Stella betraten den Container. Nees schaute zu Isaphàn hinüber.
Auch sie wirkte angespannt und wachsam. Sie schien in sich hinein zu horchen.
Oder sich in die 'Macht' zu versenken, wie es die Jedi nannten.
Mit einem Male zwitscherte die Chadra-Fan laut auf.
"Vidiirii glydiiry!"
"Was ist los?" fragte Nees alarmiert.
"Metallfisch!" rief die Chadra-Fan jetzt auf Basic.
"Teke meint damit eine Sonde", erläuterte Sheena McVie. "Wo
ist diese Sonde, Teke?"
"Unter Füße!" Teke deutete dabei auf den Boden.
"Verdammt!" rief Nees. "Wo genau? Kannst du sie orten?"
Teke zeigte auf die Südwestecke der Plattform.
"Da kommt!"
In der Tat: Eine zylindrische Sonde etwa in der Größe der Chadra-Fan
mit zwei auffälligen Visoren schwebte über die Plattform und näherte
sich rasch dem Schutzschildgenerator.
Nees riss den Blaster aus dem Gürtel und rannte einige Schritte auf die
Sonde zu. Doch der Metallzylinder hatte den Generator bereits erreicht.
Nees stoppte abrupt und warf sich zu Boden.
"In Deckung!" schrie er.
Stella spürte, wie ihr Herz bis zum Hals klopfte. Im Container war es dunkel.
Der modrig-muffige Gestank von Jahrzehnten nahm ihr den Atem. Es war feucht,
der Boden glitschig. Aber das alles ignorierte sie. Mit zittrigen Fingern öffnete
sie den ersten Stahlschrank.
Er beinhaltete Regale voller Kisten. Mit ihrem Messer brach Stella die erste
Kiste auf.
Der Anblick war überwältigend.
Der Strahl ihrer Handlampe reflektierte das Funkeln Hunderter Edelsteine: Garrh-Kristalle,
Bergoni-Perlen, Flatstone-Opale.
Aus der nächsten Kiste leuchtete ihr der grüne Glanz geschliffener
Jade-Steine entgegen. Und eine weitere enthielt bläulich glänzende
To'Sinh-Saphire.
Allein dieser Schrank barg ein Vermögen, wie es wohl keine einzige Person
auf dem Planeten Trexx besaß. Wahrscheinlich verfügte niemand im
gesamten H'olk-Sektor über so viel finanzielle Mittel.
Leicht benommen öffnete Stella einen zweiten Schrank. Auch hier füllten
Kisten die Regale.
Als sie den ersten Behälter aufbrach, setzte ihr Herzschlag für einen
Moment aus.
Darkstone-Diamanten!
Der Anblick raubte ihr den Atem. Sie nahm einen der Edelsteine in die Hand.
Das dunkle Feuer, das in ihm glühte, verzauberte sie. Wieviel mochte dieser
eine Stein wert sein? 10.000 Credits? Darunter wäre er auf dem freien Markt
sicher nicht zu haben gewesen. Der Schliff war perfekt, und Darkstones waren
die kostbarsten Diamanten, die es gab. Nur die legendären Corusca-Gemmen
waren wertvoller.
Kurz entschlossen stopfte sie sich die Taschen ihres Overalls mit den Darkstone-Diamanten
voll. Ihr wurde leicht schwindlig, als sie im Kopf überschlug, dass sie
soeben das Firmenkapital der 'Gildorian Enterprises' um mindestens 30% aufgestockt
hatte und ein Millionenvermögen in ihrer Kleidung trug. Eine Handvoll Diamanten
steckte sie zusätzlich in ihren Ausschnitt. Es war zwar von "Taschen
vollstopfen" die Rede gewesen, aber Nees Crowe würde sicherlich keine
Leibesvisitation vornehmen.
Sie schaute sich nach Obi-Nor um. Der kauerte im hinteren Teil des Containers
und mühte sich mit einem Schloss ab.
"Was machst du da?" rief sie.
"Ich will dieses Schloss hier aufkriegen", gab er zurück. "Es
muss doch eine Bedeutung haben, dass dieser Schrank der einzige ist, der eigens
abgeschlossen ist."
Bevor Stella antworten konnte, zerriss eine gewaltige Explosion die Luft. Der
Container schwankte bedrohlich, und Stella hatte Mühe, sich auf den Beinen
zu halten.
"Was war das?" keuchte sie.
Sie wankte hinaus.
Das erste, was sie realisierte, war, dass der Schutzschild verschwunden war.
Sie kamen mit drei offenen Kampf-Speedern. Shri Mandras hatte es strikt abgelehnt,
mit Raumschiffen anzugreifen wie beim ersten Mal. Das Risiko, den Container
zu treffen und damit den Schatz zu vernichten, war ihr zu groß erschienen.
Ren schaute hinüber zu den anderen beiden Speedern. Shri Mandras und Teeko
saßen in dem einen, den anderen hatte eine Frachtercrew genommen: zwei
Menschen und ein Aqualishaner. Sie selbst saß neben ihrer Zwillingsschwester
Cir im dritten Speeder.
Mit voller Fahrt jagten sie auf die Plattform. Blasterfeuer empfing sie, doch
die Schüsse zischten über sie hinweg oder prallten wirkungslos an
der Panzerung der Speeder ab.
Cir steuerte ihr Gefährt hinter ein provisorisch errichtetes Materiallager,
nicht weit vom Magnet-Hubkran entfernt. Es war abgesprochen, dass die beiden
Kopfgeldjägerinnen Kran und Container unter Kontrolle bringen sollten.
Die beiden anderen Speeder hielten auf die Lambdafähre zu. Sie sollten
das Bergungsteam in Feuergefechte verwickeln und möglichst vom Container
ablenken.
Cir und Ren sprangen aus dem Speeder.
"Von zwei Seiten um das Lager herum!" sagte Ren.
Sie wartete nicht einmal eine Antwort ab, sondern schlich sofort nach rechts
die Stahlwand des Materiallagers entlang.
Vorsichtig lugte sie um die Ecke. Ein blass aussehender Jüngling rannte
auf sie zu, offenbar auf der Suche nach einem Versteck. Er sah sie, stoppte
abrupt, drehte sich um und wollte in die entgegengesetzte Richtung fliehen.
Ren schoss ihn in den Rücken.
"Reek! Oh nein!"
Die rothaarige Frau, die geschrien hatte, sprang aus ihrem Hubkran-Führerstand
und brachte sich hinter einem Kistenstapel in Sicherheit.
Ren rannte geduckt auf der anderen Seite um den Hubkran herum, um sich in den
Rücken der Kranführerin zu schleichen. Dabei sah sie aus den Augenwinkeln,
wie eine dunkelhäutige Frau sich hinter eine andere, etwa eineinhalb Meter
hohe Metallkiste kauerte.
Sieh an, dachte Ren, die Dame, die mir auf der Raumstation die Tour vermasselt
hat.
Katzengleich huschte sie zu der Kiste hin, sprang hinauf und hielt der Frau
von oben den Blaster an den Kopf.
"Das war's dann", sagte Ren kalt.
Und drückte ab.
Obi-Nor fand, dass der Container kein schlechtes Versteck war. In seinem Inneren
war es dunkel, während die Plattform in hellem Tageslicht lag. Er konnte
also ungesehen auf der Lauer liegen. Zwar spürte er den starken Drang hinauszustürzen
und nach Stella zu suchen, doch als draußen das Feuergefecht losging,
wollte er nicht blindlings durch die Gegend laufen. Dann sah er, wie sich Stella
hinter einer Kiste zusammenkauerte.
Gut, dachte Obi-Nor. Dort ist sie in Sicherheit. Doch mit einem Male sprang
eine kleine Frau mit kurzen weißen Haaren auf die Kiste und hielt Stella
ihren Blaster an den Kopf.
Obi-Nor schoss sofort. Er traf den Blaster, und Ren Te'Nisons Schuss ging an
Stellas Kopf vorbei. Mit einem Schmerzensschrei ließ die Kopfgeldjägerin
die Waffe fallen, sprang von der Kiste hinab und griff im Fallen mit ihrer anderen
Hand an den Gürtel. Mit einer blitzschnellen Bewegung schleuderte sie einen
runden Gegenstand in den Container.
Obi-Nor sah die Kugel an sich vorbei sausen und hörte sie hinter sich auf
den Boden poltern. Es durch fuhr ihn heiß und kalt.
Ein Thermodetonator!
Mit einem Satz war er aus dem Container, rannte zwei, drei Schritte und warf
sich zu Boden.
Die gewaltige Explosion schleuderte Fetzen von Metallschränken mitsamt
Edelsteinen durch die offene Tür. Die größte Wucht der Druckwelle
traf jedoch die Containerwände. Der Boden riss auf, und halb zerstörte
Schränke fielen zusammen mit Tonnen von Edelsteinen durch das Loch in der
Plattform in den Sumpf.
Obi-Nor bekam die Vernichtung des Schatzes nur mit einem Auge mit, denn noch
bevor er sich aufgerappelt hatte, war die Kopfgeldjägerin über ihm.
Ihr Stiefel traf seine rechte Schulter, ein weiterer Tritt seine Rippen.
Obi-Nor blieb die Luft weg. Eher instinktiv als bewusst rollte er sich herum,
um ihr auszuweichen. Doch die Angreiferin war schneller.
Obwohl ihre Hand durch den Blasterschuss leicht verletzt war, hielt sie eine
Stahlband in Händen. Sie schlang es um Obi-Nors Hals und zog es erbarmungslos
zu.
Hilflos, hektisch, panisch versuchte Obi-Nor, seine Finger zwischen das Band
und seinen Hals zu bekommen - vergebens.
Er röchelte, bekam keine Luft mehr.
Er spürte, wie ihn seine Kräfte verließen.
Und die Kopfgeldjägerin zog das Band nur noch fester zu.
Nees feuerte mit seinem Blaster-Gewehr auf die heran rasenden Speeder, doch
die Fahrzeuge waren offenbar gepanzert. Seine Schüsse prallten wirkungslos
von den Metallplatten ab. Auch Chocnacc, der neben ihm hockte, richtete mit
seinem Blitzwerfer nichts aus.
Die Speeder teilten sich. Einer hielt auf den Hubkran zu, die beiden anderen
steuerten die Lambdafähre ganz in ihrer Nähe an.
"Wir nehmen die bei der Fähre!" zischte Nees, und der Wookie
ließ ein zustimmendes Heulen ertönen.
"Gut, gib mir Feuerschutz!" Nees rannte auf einen nahe gelegen Wohncontainer
zu, während die Schüsse von Chocnaccs Blitzwerfer von hinten an ihm
vorbei zischten. Er brachte sich hinter der Stahlwand in Sicherheit, zog seine
Jacke aus und knüllte sie zusammen. Dann hob er das Bündel hoch und
zeigte es Chocnacc. Der Wookie gab ein Zeichen, dass er verstanden hatte, was
Nees vorhatte.
Er warf das Bündel aus seinem Versteck. Sofort wurde es von Blasterschüssen
getroffen. Geschmeidig beugte sich Nees um die Ecke des Containers und feuerte.
Zugleich stürmte der Wookie heran.
Energieblitze durchschnitten die Luft.
Bei den Angreifern stürzten der Aqualishaner und ein Mensch tödlich
getroffen zu Boden. Der zweite Mensch traf Chocnacc am Arm, bevor Nees' Schuss
ihn durchbohrte.
Nees rannte zu Chocnacc. Die Wunde sah ernst aus, aber nicht lebensgefährlich.
Der Wookie brüllte Schmerz und Zorn aus sich heraus.
Nees angelte ein Medi-Pack aus der Tasche.
"Hier, drück das auf die Wunde. Ist zwar für Menschen gedacht,
müsste aber auch bei Wookies helfen."
In diesem Augenblick wurde seine Aufmerksamkeit abgelenkt. Er sah Isaphàn.
Die Jedi war offensichtlich in Gefahr.
Er sprang in den verlassenen Kampfspeeder und raste davon.
Isaphàn rannte auf den Hubkran zu. Ihr war klar, dass dort der Hauptangriff
erfolgen würde. Plötzlich spürte sie eine bedrohliche Präzens
hinter dem Materiallager. Sie aktivierte ihr Lichtschwert und wandte sich dem
Lager zu.
In diesem Moment sprang eine weißhaarige Frau hervor. Sie war unverkennbar
eine Kopfgeldjägerin. Auf dem Rücken trug sie eine große Waffe,
in der Hand hielt sie einen Blaster, mit dem sie das Feuer eröffnete. Isaphàn
wehrte die Schüsse mit ihrem Lichtschwert ab. Die Angreiferin steckte den
Blaster in ihr Holster zurück und nahm die große Waffe zur Hand.
Erst jetzt erkannte Isaphàn mit Schrecken, dass es sich um einen tragbaren
Raketenwerfer handelte.
Mit Hilfe 'Macht' sprang die Jedi in hohem Bogen auf die Kopfgeldjägerin
zu, während die Rakete unter ihr hindurchzischte und einen Wohncontainer
in einen Schrotthaufen verwandelte. Isaphàn landete unmittelbar vor ihrer
Gegnerin.
Die Kopfgeldjägerin verfügte über blitzschnelle Reflexe. Sie
hatte bereits ihren Blaster erneut gezogen, doch Isaphàn hieb mit ihrem
Lichtschwert den Lauf ab. Aber die Frau konterte augenblicklich. Sie schlug
Isaphàn den Raketenwerfer gegen den Kopf. Die Jedi taumelte benommen
einige Schritte rückwärts.
Plötzlich tauchte von der Seite ein weiterer Gegner auf, ein Rodianer.
Isaphàn konnte zwei Blasterschüsse mit ihrem Lichtschwert abwehren,
doch dann trat ihr die Kopfgeldjägerin die Waffe aus der Hand. Das Lichtschwert
schlitterte über die Bodenplatten davon.
Isaphàn war nun völlig unbewaffnet. Sie sah aus den Augenwinkeln,
wie der Rodianer erneut zielte. Rasch streckte sie die Hand aus und schleuderte
ihn mit einem 'Macht'-Stoß zu Boden.
Die Kopfgeldjägerin war inzwischen auf ihren Speeder gesprungen und holte
einen weiteren Blaster hervor. Isaphàn setzte hinterher. Sie sprang zu
ihr auf das Schwebefahrzeug und gab ihr einen Stoß. Ihre Gegnerin wurde
gegen die Steuerung geschleudert und verlor den Blaster. Zugleich setzte sich
der Speeder in Bewegung und fuhr auf den Sumpf zu.
Shri Mandras und Teeko bewegten sich vorsichtig auf den Magnetstrahl-Hubkran
und den darunter schwebenden Durastahlcontainer zu.
"Gib mir Deckung!" flüsterte die Hippotamierin. "Ich schleiche
mich hier rechts herum ..."
Der Einschlag einer Vibrorakete unterbrach sie. Sie sahen Cir Te'Nison etwa
50 Schritte von ihnen entfernt. Sie kämpfte mit der Jedi.
"Ich helfe Cir!" rief Teeko und verschwand.
"Nein, bleib hier!" versuchte Shri Mandras ihn noch aufzuhalten, aber
der Rodianer war bereits fort.
Doch dann erfolgte eine viel größere Explosion.
Fassungslos sah die Hippotamierin, wie der Boden des Containers mitsamt dem
Schatz in den Sumpf fiel.
"Neeeeeiiiin!"
Shri Mandras wurde schwindlig. Regungslos, wie betäubt stand sie einen
Moment.
Sie wurde erst wieder lebendig, als eine Menschenfrau auf sie zu sprang und
sie von den Beinen riss. Es war diese schreckliche Person von der Raumstation,
die den ekelhaften Gildorian vor der Vergiftung bewahrt hatte.
Shri Mandras machte mit ihr kurzen Prozess. Natürlich war sie als Hippotamierin
viel stärker als diese Menschenfrau. Sie packte sie und schleuderte sie
kurzerhand in das Loch im Boden der Plattform, wo soeben der Schatz versunken
war. Wenigstens wurde diese Frau jetzt zusammen mit den kostbaren Edelsteinen
im Sumpf begraben!
Teeko wurde vom 'Macht'-Stoß zu Boden geschleudert. Als er sich wieder
aufraffte, befanden sich Cir und diese Jedi auf dem Speeder. Er hatte keine
Chance mehr einzugreifen. Er schaute sich um. Nicht weit von ihm sah er eine
kleine Chadra-Fan und eine rothaarige Menschenfrau in ein Materiallager huschen.
Sieh an, dachte er. Ihr wollt wohl superschlau sein. Aber ihr entkommt mir nicht!
Er packte seinen Blaster und lief zur Tür des Materiallagers.
Mit einem Satz sprang er hinein.
Aber er sah weder die Menschenfrau noch die Chadra-Fan.
Sondern einen glatzköpfigen Mann mit Schnauzbart.
Und eine riesengroße Blastermündung.
Shri Mandras registrierte zufrieden, dass Ren Te'Nison mit Gildorian ohne Probleme
fertig wurde. Also wandte sie sich zu der Stelle, wo Teeko hingegangen war.
Sie hatte gerade das Materiallager erreicht, als sie aus dem Inneren einen Blasterschuss
hörte.
Der Rodianer wurde heraus geschleudert. In seiner Brust klaffte ein riesiges
Loch.
Shri Mandras wich zurück. Sie hatte die Tür des Materiallagers genau
im Visier ihres Blasters. Niemand würde dort herauskommen können.
Aber sie hatte ja nicht nur ihre Handfeuerwaffe dabei. Auch sie führte
einen Thermodetonator mit sich.
Sie löste die Granate von ihrem Gürtel. Aber bevor sie sie entsichern
konnte, stürzte sich ein schleimiges grünes Wesen auf sie.
Stella versank rasch im Sumpf. Bis zur Hüfte, bis zur Brust.
Panik stieg in ihr auf. Sie schrie um Hilfe, aber niemand hörte sie. Sie
war auf sich allein angewiesen.
Ein paar Meter über ihr schwebten die Reste des Containers. Der Boden fehlte,
die Seitenwände waren aufgerissen. Einige Metallteile ragten zur Seite
wie Streben.
Rasch löste sie den Enterhaken-Werfer vom Gürtel.
Es konnte klappten, das Stahlband war lang genug. Aber sie musste genau zielen,
schließlich hatte sie nur einen Versuch.
Sie ließ den Enterhaken hochschnellen. Er wickelte sich um eine Metallstrebe,
und Stella konnte sich mit Hilfe der kleinen elektrischen Winde aus dem Sumpf
ziehen.
Sie schwang sich auf die Plattform. Beim Materiallager wurde ein Blaster abgefeuert.
Die stinkende, breiige grüne Sumpfschicht auf ihrem Körper ignorierend
lief sie in diese Richtung.
Als Stella sah, dass Shri Mandras mit einem Thermodetonator herum hantierte,
packte sie die kalte Wut.
Sie stürzte sich auf die Hippotamierin.
Die pferdegesichtige Humanoidin versuchte sich zu wehren, aber Stella entwickelte
ungeahnte Kräfte. Sie packte Shri Mandras an ihrer Mähne und schlug
ihren Kopf wieder und wieder auf die Stahlplatten.
Stella hörte erst auf, als Vince Rotino ihr in den Arm fiel.
"Es reicht!" meinte er. "Diese Hippotamierin ist doch schon ohnmächtig.
Helfen Sie mir lieber, ihr Stunner-Fesseln anzulegen. Sie soll doch schön
ruhig sein, wenn sie wieder aufwacht."
Obi-Nor bekam keine Luft mehr.
Er gab die vergeblichen Versuche auf, das Stahlband mit seinen Fingern lockern
zu können. Seine rechte Hand glitt an seinem Bein entlang in seinen Stiefelschaft.
Mit letzter Kraft gelang es ihm, das versteckte Vibromesser zu ziehen. Blindlings
stieß er zu.
Sofort lockerte sich der Druck an seinem Hals. Er fiel vornüber. Endlich
konnte er das Stahlband vom Hals nehmen.
Keuchend wandte er sich um. Die Kopfgeldjägerin bot einen grausigen Anblick.
In ihrem linken Auge steckte die Klinge.
Aber - sie lebte noch!
Sie war lediglich ein paar Schritte zurück getaumelt. Und voller Entsetzen
musste Obi-Nor mit ansehen, wie sie das Messer aus ihrem Auge zog.
Ihr Mund verzog sich zu einem grimmigen, tödlichen Lächeln.
"Du hast das falsche Auge erwischt, Gildorian. Das rechte Auge ist das
organische. So hast du nur meinen Visor zerstört. Aber das reicht schon.
Jetzt mache ich dich fertig."
Sie kam auf Obi-Nor zu.
Der Händler schnappte immer noch nach Luft. Ein aberwitziger Gedanke schoss
durch sein Gehirn. Er hatte in seinem Leben bislang erst eine Auseinandersetzung
mit einem Kopfgeldjäger gehabt: mit einem gewissen Joraam Malgur. Malgur
hatte ihn besiegt, und Obi-Nor konnte von Glück sagen, dass der Kopfgeldjäger
damals den Auftrag hatte, den Händler nur zu entführen, nicht zu töten.
Dennoch, in seiner persönlichen Bilanz gegen Kopfgeldjäger lag Obi-Nor
0:1 zurück.
Es ist Zeit auszugleichen, dachte er.
Mit der Klinge in der Hand kam Te'Nison auf ihn zu.
Obi-Nor hatte nach der Begegnung mit Joraam Malgur seinen Handgelenk-Communikator
auf ganz spezielle Weise präpariert. Er schnellte vor und aktivierte einen
kleinen Schaltknopf.
Ein Elektroblitz fuhr aus dem Gerät in den Körper der Kopfgeldjägerin.
Sie prallte zurück, wankte betäubt.
Obi-Nor setzte nach und knallte ihr seine Faust ins Gesicht.
Ein hässliches Knacken und ein stechender Schmerz ließ ihn einen
Moment lang befürchten, dass er sich die Hand gebrochen hatte. Doch dann
sah er, wie aus dem blutenden Mund der Kopfgeldjägerin abgebrochene Zahnstümpfe
ragten. Erneut schlug er zu, traf ihr Kinn.
Sie sackte zusammen.
Unmittelbar neben ihnen befand sich ein großer Behälter, den die
Bergungscrew nur die "Waschanlage" nannte. Er hatte der Reinigung
der geborgenen Edelsteine dienen sollen: Mit Hilfe von leistungsstarken ultrakurzen
Energiewellen sollten alle organischen Partikel, die sich im Meer oder im Sumpf
auf die Steine gelegt hatten, aufgelöst werden.
Auch Kopfgeldjägerinnen bestehen aus organischem Material, überlegte
Obi-Nor.
Er nahm die benommene Frau und warf sie in den Behälter. Dann stellte er
die Maschine auf volle Leistung.
Der Speeder hatte inzwischen die Plattform verlassen und bewegte sich über
den Sumpf.
Isaphàn wollte sich auf ihre Gegnerin stürzen, doch da traf sie
ein Tritt am Oberschenkel. Ein stechender Schmerz durchfuhr sie. Erst jetzt
gewahrte sie, dass aus der Stiefelspitze der Kopfgeldjägerin ein fingerlanger,
messerscharfer Dorn ragte.
Isaphàn ignorierte den Schmerz in ihrem Oberschenkel. Sie wichen einem
erneuten Tritt aus. Aus den Augenwinkeln sah sie einen anderen Speeder heran
rasen. Sie spürte Nees' Präsenz.
Die Kopfgeldjägerin angelte nach ihrem Blaster, doch Isaphàn gab
ihr erneut einen 'Macht'-Stoß, der sie vom Speeder hinunter in den Sumpf
schleuderte. Noch im Fallen aktivierte sie einen Mechanismus an ihrem Armband.
Ein Metalldraht schoss hervor und wickelte sich um Isaphàns Füße.
Die Jedi verlor das Gleichgewicht und wurde über Bord gerissen.
Ein Blasterschuss durchtrennte den Draht, und Isaphàn spürte, wie
sie an ihrer Tunika gepackt wurde.
Während die Kopfgeldjägerin hilflos versank, schwebte Isaphàn
höchstens zwei Fuß über der tückischen Oberfläche
des Sumpfes.
Hoffentlich ist Nees stark genug, dachte sie. Und hoffentlich reißt meine
Tunika nicht!
Offenbar hatte Nees ähnliche Gedanken, denn er meinte trocken: "Jetzt
ist wohl kaum der richtige Zeitpunkt, dir die Kleider vom Leib zu reißen
..."
Er wuchtete sie an Bord seines Speeders und legte sie auf den Boden.
"... Obwohl der Gedanke an sich durchaus reizvoll ist", fügte
er mit einem Grinsen hinzu. Dann entdeckte er die Wunde an ihrem Oberschenkel.
Er nahm ein Medi-Pack von der Ausrüstung des Speeders und legte es auf
Isaphàns Bein.
"Hast du starke Schmerzen?" fragte er besorgt.
"Nein, es geht schon", entgegnete Isaphàn. Dann zog sie ihn
zu sich herunter.
"Na los, du Held! Du hast deine Liebste gerettet, nun küsse sie auch
gefälligst!"
Nees ließ sich das nicht zweimal sagen.
Doch abrupt unterbrach er den Kuss. Er grinste über das ganze Gesicht.
"Was deine Tunika angeht: Jetzt besteht ja keine Gefahr mehr, dass du in
den Sumpf fällst, oder ...?"
"Obi-Nor!" Stella rannte auf ihren Lebensgefährten zu, als wollte
sie ihm um den Hals fallen, stoppte aber noch rechtzeitig ab.
"So kann ich dich wohl nicht umarmen, wie?"
Obi-Nor rümpfte die Nase. "Lass es mich so sagen: Du bist in der Wahl
deiner Kosmetika schon anspruchsvoller gewesen ..."
"Idiot!" zwinkerte Stella. Sie schaute sich um. "Wo bleiben eigentlich
Isaphàn und Nees? Die sind ja immer noch da draußen?"
Obi-Nor schaute durch den Fern-Visor.
"Sie ... äh ... werten den Einsatz aus, würde ich sagen."
Stella starrte Richtung Speeder, aber mit bloßem Auge konnte sie keine
Einzelheiten erkennen.
"Und sie brauchen bestimmt keine Hilfe?" fragte sie.
"Glaub mir, Stella. Sie wollen gewiss nicht, dass wir ihnen dabei
helfen ..."
Nees schaute aus dem Transparistahl-Fenster. Hell erleuchtete, glitzernde Fassaden
aus Stein und Stahl türmten sich wie Canyon-Wände auf. Ein endloser
Strom von Atmosphärengleitern zog in verschiedenen Bahnen am Himmel entlang.
Coruscant, die immer belebte, allzeit geschäftige planetenweite Stadt schlug
ihn jedes Mal in den Bann. Was trieb all die Abermillionen Wesen an, die wie
Ameisen durcheinander wuselten oder auf ihren Straßen hin und her eilten?
Welche Lebensziele verfolgten sie? Gab es eine gemeinsame Kraft, die all die
unterschiedlichen Spezies und Völker vereinte?
Nees seufzte. Er wurde philosophisch. Oder melancholisch?
Gegen seinen Willen musste er lächeln. Wenn er den Unterschied zwischen
beidem nicht mehr erkennen konnte, war er urlaubsreif.
Oder rettungslos verliebt.
Er hätte es sich nicht träumen lassen, dass es auch ihn eines Tages
erwischen würde. Ihn, den coolen, abgebrühten Profi, die Personifizierung
des Geheimdienst-Offiziers, ihn, den - Krieger.
Und doch war es so.
Er liebte Isaphàn Dera Sh`sandrò, die Jedi-Hexe von Dathomir.
So, wie er nie eine Frau geliebt hatte und, dessen war er sich sicher, nie eine
andere lieben würde.
Nees wandte sich vom Fenster ab. Er aktivierte den HoloProjektor und schaute
sich noch einmal die Botschaft an, die er Isaphàn schicken wollte.
"Isaphàn", begann sein HoloBild. "Ich schicke dir diese
Nachricht, um dir zu sagen, dass ich dich vermisse. Coruscant ist der am dichtesten
bevölkerte Planet in der Galaxis, aber ohne dich erscheint er mir schrecklich
leer. Ich liebe dich, Isaphàn. Wir haben beide Aufgaben, die uns oft
voneinander trennen. Doch sei gewiss: Wann immer wir getrennt sind, wirst du
ein Teil von mir sein. Du gehörst zu meinem Leben. Egal wie oft du dich
von mir trennst, ich weiß, wir werden wieder zusammen sein. Du hast mein Leben
verändert. Ich hatte das Glück, dich retten zu dürfen, ebenso wie
du mich gerettet hast. Glaube mir, Isaphàn: Du bist das einzige, wofür
es sich zu kämpfen lohnt. Ich dachte nicht, dass ich je eine solche Liebe für
einen Menschen empfinden würde. Bis ich dich getroffen habe. Isaphàn,
wo auch immer du sein wirst, mein Herz wird bei dir sein, denn du hältst es
in der Hand."
Das HoloBild verblasste.
Nees nahm den Datachip aus dem Projektor und legte es in das Eilkurier-Paket
für Yavin 4.
Isaphàn würde es übermorgen bekommen. Und wenn alles gut lief,
würde er Ende der Woche Urlaub bekommen. Dann könnte er selbst nach
Yavin fliegen.
GL02 trippelte in Obi-Nors privates Arbeitszimmer.
"Ich hoffe, Eure Lordschaft sind mit mir zufrieden?"
"Donnerwetter, George, du siehst ja aus wie neu!"
In der Tat: Der Droide war nicht nur neu zusammengesetzt worden. Er hatte auch
eine völlig neue Außenhülle erhalten. Nun glänzte er silbern
wie zu dem Zeitpunkt, da Obi-Nor ihn auf einem abgelegenen Asteroiden namens
NSV 84494 gekauft hatte.
"Danke, Mylord. Ich bin froh, dass Ihr mit mir zufrieden seid."
"Ja", nickte Obi-Nor. "Jetzt haben wir sogar Aussicht darauf,
den interstellaren Kammerdiener-Wettbewerb 'Droid & Master' auf Corellia
zu gewinnen. Rhysbe brennt ohnehin darauf, die Courier wieder fliegen
zu können."
"Dann hat sich die Schatzsuche Eurer Meinung nach gelohnt?"
Obi-Nor schüttelte den Kopf. "Ich weiß nicht, George. Stella
hat jede Menge Klunker mit nach Hause gebracht. Wir können unsere gesamte
Frachterflotte modernisieren, und die Firma kann erneut expandieren. Aber es
hat einfach zu viele Tote gegeben. Vielleicht ist es ganz gut, dass der Großteil
des Schatzes für immer im Sumpf verschwunden ist."
"Ich verstehe, Mylord. Mister Vince Rotino von 'Calrisian Mining' hat sich
heute morgen im übrigen gemeldet. Er hat sich bedankt, dass Ihr die Familie
von Reek Markins, seinem erschossenen Mitarbeiter, großzügig unterstützt."
"Das ist doch wohl das mindeste, was wir tun können. Lebendig macht
es den Jungen aber auch nicht. - Gibt es sonst noch was, George?"
"Ach ja, ich hätte es fast vergessen: Shri Mandras ist zu 20 Jahren
Haft verurteilt worden. Sie sitzt auf Naboo ein, aber es haben sich bereits
andere Planeten gemeldet, die sie nach Verbüßung der Haftstrafe anklagen
wollen."
"Sehr gut", antworte Obi-Nor grimmig. "Dann ist diese Hippotamierin
erst einmal aus dem Verkehr gezogen."
"Zweiter tödlicher Treffer Isaphàn", kommentierte Yo-Karah
sachlich.
Isaphàn atmete tief durch. Nun hatte es sie doch zum zweiten Mal erwischt.
Aber es war kein Wunder, schließlich kämpfte sie bereits seit eineinhalb
Stunden. Kraft und Konzentration ließen allmählich nach. Sie wischte
sich den Schweiß aus dem Gesicht. Die Tunika klebte ihr wie ein nasses
Tuch am Körper. Sie sehnte sich nach einem Bad im Erfrischer und nach einem
Ruhelager. Aber der Kampf war noch lange nicht vorbei. Immerhin: Ihrem Trainingsgegner
ging es auch nicht besser. Luke Skywalker atmete genauso schwer wie sie. Auch
bei ihm rann der Schweiß in Strömen.
Sie waren in jeder Hinsicht ungleiche Gegner. Isaphàn war jünger,
dynamischer, kraftvoller. Sie kämpfte schnell, tänzelte zwischen Attacke
und Parade leichtfüßig vor und zurück. Sie schlug viel härter
zu. Und sie focht allein schon wegen ihres doppelseitigen Lichtschwertes mit
einer für die Jedi-Akademie ungewohnten Technik.
Der wesentlich ältere Jedi-Meister kämpfte ruhiger, gelassener, tiefer
in der 'Macht' versunken, mit leichteren, fließenderen Bewegungen. Dennoch:
Bei aller Unterschiedlichkeit stand es unentschieden. Isaphàn hatte zwei
"tödliche" Treffer einstecken müssen, Luke einen "tödlichen"
und drei "schwere" Treffer, was in der internen Zählweise der
Akademie auf das gleiche hinauslief. Der nächste "tödliche"
Treffer würde den Kampf entscheiden.
"Nehmt den Kampf wieder auf", gab Yo-Karah das Zeichen. Isaphàn
spürte die Aura intersiver Anspannung und Konzentration bei den versammelten
Jedi und Padawanen. Dieser Kampf, das stand schon jetzt fest, würde in
die Geschichte der Akademie eingehen.
Bevor sie das Gefecht wieder aufnehmen konnten, öffnete sich die Tür.
Der Padawan, der Präsenzdienst in der Kommunikationszentrale der Akademie
hatte, betrat die Trainingshalle.
Luke wandte sich ihm zu. "Was gibt es?"
"Verzeiht die Unterbrechung, aber Isaphàn hat Besuch. Ein Major
Crowe von Coruscant ist soeben gelandet."
"Nees?!" Isaphàns Herz klopfte schneller. Eine heiße
Welle voller Vorfreude, Verliebtheit und Erregung flutete durch ihren Körper.
Nees hatte also nicht nur das Holo mit seiner Liebeserklärung geschickt,
sondern war persönlich gekommen!
Luke Skywalker lächelte. "Möchtest du den Kampf abbrechen, um
ihn zu begrüßen?"
Isaphàn verspürte tatsächlich den unbändigen Drang, das
Lichtschwert fortzuwerfen, um Nees entgegen zu eilen. Doch sie schüttelte
den Kopf.
"Wenn Major Crowe mich liebt, wird er sicherlich bereit sein, ein wenig
auf mich zu warten. Im übrigen habe ich so einen Anreiz, dich rasch zu
besiegen, Master Luke."
"Mich besiegen?" Lukes Lächeln wurde breiter. "Du kannst
mich nicht besiegen, Isaphàn. Wenn du mich niederstreckst, werde ich
mächtiger sein, als du es dir auch nur im entferntesten vorstellen kannst."
Nun lächelte auch Isaphàn. Luke hatte Worte zitiert, die allgemein
seinem alten Meister Obi-Wan Kenobi zugeschrieben wurden. Angeblich hatte er
sie bei seinem legendären Lichtschwert-Duell mit Darth Vader gesagt. Aber
Isaphàn wusste, dass Luke nicht einfach nur einen Scherz machen wollte.
Es war tatsächlich so: Wenn Isaphàn den Jedi-Meister besiegen konnte,
war dies der Beweis für die hervorragende Ausbildung, die sie bei ihm genossen
hatte. So oder so - Luke würde als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen.
Isaphàn verbeugte sich leicht. "Wenn dies die Macht ist, nach der
du strebst, kann ich dir dazu verhelfen."
Mit diesen Worten aktivierte sie ihr Lichtschwert und griff an.
Obi-Nor nahm die Flasche Rotwein in die Hand. Es war ein 67er Galil, der edelste
Tropfen, der in seinem Weinkabinett auf Palm Island lagerte. Drei Stunden zuvor
hatte er die Flasche geöffnet und in den kleinen privaten Speiseraum gestellt,
damit er richtig "atmen" konnte. Nun goss er den Wein vorsichtig in
die Kristallkaraffe. Normalerweise war dies die Aufgabe seines Kammerdieners,
doch Obi-Nor hatte George heute abend frei gegeben. Genauer gesagt hatte er
ihm eingeschärft, sich auf keinen Fall blicken zu lassen. Dieser Abend
sollte allein ihm und Stella gehören.
Er schaute über den Tisch. Es war perfekt. Die romantische Kerzenbeleuchtung,
die erlesenen kalten Speisen, darunter die süßen Craa-Datteln, die
er eigens von Ghan, Stellas Heimatplaneten, hatte einfliegen lassen. Und natürlich
der Rotwein. Es war genau das richtige Ambiente für die Überraschung,
die er Stella bereiten wollte.
Er aktivierte das Comlink. "Stella? Ich bin fertig. Du kannst kommen."
Stella sah atemberaubend aus. Sie hatte sich ganz in weiß gekleidet: Das
luftige, fast schon gewagte Sommerkleid, die Riemensandalen, sogar die Orch-Blüte
in ihrem Haar und die Fingernägel hatten die Farbe frisch gefallenen Schnees
auf den Migdol-Bergen. Dazu umwehte sie ein leichter Duft von corellianischen
Rosen. Ihre Augen strahlten jugendliche Lebendigkeit und Frische aus.
"Du siehst einfach bezaubernd aus", sagte Obi-Nor.
"Danke", strahlte Stella. "Aber nun sag mir endlich, was diese
Geheimnistuerei soll? Dieses tolle Essen und - oh, Galil-Rotwein!"
"Nun, eigentlich wollte ich es dir erst nach dem Essen sagen, aber du lässt
mir ja doch keine Ruhe. Hast du dich eigentlich schon einmal gefragt, warum
ich dir noch nie Schmuck geschenkt habe?"
"Nun ja, offen gestanden schon ..."
"Tja, bislang hatte ich einfach nicht das Passende gefunden. Aber heute
kann ich dir endlich das Stück schenken, das dir angemessen ist."
Obi-Nor zog eine Kette mit einem Medaillon hervor.
"Man nennt es das 'Auge des Universums'. Es ist einzigartig. Genau wie
du."
Er reichte Stella das Schmuckstück.
Stella blieb die Luft weg. Der Anblick des schwarzen, von einem fast übernatürlichen
Lichtglanz erfüllten großen Steins in der Mitte des Medaillons jagte
ihr einen Schauer über den Rücken. Erst auf den zweiten Blick gewahrte
sie, dass der Stein von zwei Dutzend Darkstone-Diamanten umgeben war.
"Das ... das ... Ich weiß nicht, was ich sagen soll", stotterte
Stella. "Das ist für mich? Woher hast du das?"
Obi-Nor lächelte triumphierend. "Es war in dem Schatz-Container. In
dem verschlossenen Stahlschrank. - Ja, es ist für dich."
Stella war sprachlos. Mit einer nervösen Geste strich sie sich durchs Haar.
"Ich weiß nicht, was ich sagen soll", wiederholte sie. "Ich
habe nicht einmal etwas passendes anzuziehen."
"Wer sagt denn, dass du dazu etwas anziehen musst?" fragte Obi-Nor.
Sein Mund zog sich in die Breite.
Stella kicherte. An einem Abend wie diesem verzieh sie ihm sogar ein dreckiges
Grinsen.
Obi-Nor