Der Chip

Eine Geschichte aus dem Star Wars Universum

Prolog

Cir'Laki beobachtete angespannt die Multiflex-Anzeige.
98,2 Prozent.
Ausgezeichnet! Beim letzten Mal war ihnen das Testgerät schon bei 97,8 Prozent durchgeglüht. Doch dieses Mal hatten sie bereits die 98 überschritten, und die Temperatur war erst im gelben Bereich.
98,8 Prozent.
Jetzt begann die kritische Phase. Selbst die Computersimulationen hatten keinen Aufschluss darüber geben können, ob der Auslösemechanismus die 99 Prozent überstehen würde.
Cir'Laki spürte, wie ihr Mund trocken wurde. Mit einer nervösen Bewegung ließ sie ihre klebrige Zunge an den rauen Lippen entlang gleiten.
Während ihr linkes Auge weiterhin auf die Multiflex-Anzeige gerichtet war, warf sie mit dem rechten einen raschen Seitenblick zu Khark Marghon hinüber. Der Devaronianer starrte regungslos auf die Anzeigen; nur seine geballten Fäuste und die Tatsache, dass er die Doppelreihen seiner Zähne fest zusammen gebissen hatte, verrieten seine Nervosität.
99 Prozent.
Cir'Lakis grüne, fingerartige Klauen wieselten über die Input-Selektoren. Jetzt musste sie auf's Ganze gehen. In wenigen Sekunden würde sich entscheiden, ob sie mit ihrer 17. Versuchsreihe endlich den Durchbruch geschafft oder aber erneut Millionen in den luftleeren Raum hinaus geschleudert hatten. Sie wagte nicht, den Senator anzuschauen, der mit kreidebleichem Gesicht neben der Konsole stand und an seinen Fingernägeln kaute. Der Anblick des hageren, grauhaarigen Menschen hätte sie nur noch nervöser gemacht. Wenn es nach ihr gegangen wäre, dann hätte dieser Politiker nie und nimmer der Demonstration beigewohnt, aber wie hätten sie den Vertreter ihrer Geldgeber zurückweisen können? Wann bekam ein kleines Labor wie ihres schon mal einen Auftrag von einem Ausschuss des Senats der Neuen Republik?
Cir'Laki stieß ein hohes, für Humanoide kaum hörbares Piepen aus.
"Energieschub auf Maximum!" übersetzte der Universaltranslator.
Marghon grunzte ungeduldig.
"Die Temperatur ist auf orange!" rief der Senator erschrocken. "Sie sagten, sie würde erst bei 99,9 Prozent auf gelb gehen!"
Der Devaronianer schnaubte unwirsch. "Senator McAars, bitte! Dr. Cir'Laki weiß schon, was sie tut."
Nur Cir'Laki mit ihren hoch sensiblen Geräuschfühlern nahm die Unsicherheit in der Stimme ihres Kollegen wahr.
99,5 Prozent.
Das Orange der Temperaturanzeige wurde dunkler. Eine der Warnlampen begann zu blinken.
99,7 Prozent.
"Entriegelung der Zündung!" verkündete der Universaltranslator.
99,9 Prozent.
Zwei weitere Warnlampen blinkten.
100 Prozent.
Cir'Laki drückte auf den schwarzen Auslöseknopf.
Augenblicklich verschwanden alle Anzeigen.
"Das war's, Gentlemen", piepte sie. "Kein Systemabsturz, keine Überhitzung."
Sie schaute nacheinander Senator Clivor McAars und ihren Kollegen Khark Marghon an. Dann rieb sich sich die Schuppenwülste über den liedlosen Augen, um sich ein wenig zu entspannen.
"Wann kommen die Ergebnisse?" fragte der Senator nervös.
"Das dürfte noch ein oder zwei Minuten dauern", piepte Cir'Lak. Sie sprang von ihrem Hocker und trippelte zu dem eigens für sie aufgestellten Frischwasserautomaten. Da sie wie alle T'Laks nur knapp 0,6 Standardmeter groß war, wäre es viel zu mühselig für sie gewesen, die Versorgungseinrichtungen des Devaronianers und der übrigen Humanoiden, die als Techniker in diesem Raum-Labor arbeiteten, mit zu benutzen. Im Grunde war es ihr auch ganz Recht, möglichst wenig mit Marghon gemeinsam zu haben. Gewiss, der Devaronianer hatte das Geld aufgetrieben, um das Labor aufzubauen. Und er hatte den Auftrag des Senats an Land gezogen. Aber es war nur allzu deutlich, dass er allein des möglichen Profits wegen hier war. Zu der wissenschaftliche Leistung, die Cir'Laki erbrachte, hatte er weniger Bezug als ein Hutt zur dritten Sternklang-Symphonie von Gharl.
Cir'Laki ließ den Becher voll laufen und nahm einen großen Schluck Frischwasser. Die Flüssigkeit tat ihr gut; sie spürte, wie die Schleimdrüsen in ihren Mundhöhlen zu arbeiten begannen. Sie warf einen Blick auf den Zeitmesser. In gut einer Minute würden sie wissen, ob ihr, Dr. Cir'Laki vom Planeten Ra'aky, die gewaltigste Erfindung seit der Entwicklung des Repulsorantriebs gelungen war. Es war nur ein kleiner, würfelförmiger Chip, den selbst eine T'Lak in ihrer Hand verbergen konnte. Doch seine Wirkung war atemberaubend.
Jedenfalls wenn alles klappte...

Das Ergebnis übertraf selbst die kühnsten Erwartungen.
"Zerstörungsquote 100 Prozent", piepte Cir'Laki. "Alle bekannten Energiequellen und Energiewandler sind ausgefallen. Im Zielgebiet gibt es keinen Strom mehr, keine Pumpen, keine elektrisch getrieben Maschinen, keine Repulsortriebwerke, keinen Schildgenerator, keinen funktionierenden Hyperraumantrieb. Nicht ein einziger Blaster könnte noch abgefeuert werden. Und wenn es dort draußen im Sperrgebiet Turbolifte gäbe, wären die allesamt still gelegt."
Senator McAars bekam leuchtende Augen. "Und die Versuchstiere? Sind sie unversehrt?"
Der Universaltranslator übersetzte sogar den unwischen Tonfall von Cir'Lakis Piepen, als die Wissenschaftlerin antwortete: "Senator, alle Überwachungsgeräte sind natürlich ebenfalls ausgefallen. Jemand muss dorthin und die Tiere einsammeln, um die Resultate zu überprüfen. Aber aus den vergangenen Tests können wir ableiten, dass beim Einsatz des Chips keinerlei organische Lebensformen zu Schaden kommen."
"Also nur die Technik." Der Senator hatte zu sich selbst gesprochen. Er rieb sich nachdenklich das Kinn. Dann grinste er wie ein kleiner Junge.
"Das war's!" meinte er zufrieden. "Keine Flotte kann uns mehr angreifen. Und wenn sie noch so viele Kreuzer oder Zerstörer haben: Wir schicken einfach eine Sonde mit diesem Chip und - schwupps - ist ihre Energie weg. Lahmgelegt. Einfach so. Wir müssen dann nur noch hinfahren und die feindlichen Besatzungen auf unsere Arrestschiffe bringen. Nie hat es einen unblutigeren Krieg gegeben. Ich denke..." Er hielt inne und visierte einen unbestimmten Punkt im Nirgendwo an. "Ich denke, wir werden den Chip 'McAars-Würfel' nennen."
Der Universaltranslator räusperte sich, eine unvollkommene Übertragung von Cir'Lakis Piepser.
"Verzeihung, Sir, aber so weit sind wir noch nicht. Die exakte Auswertung des Tests wird noch Monate dauern."
Der Senator machte ein Gesicht, als habe man ihm soeben die Nachricht einer Wahlniederlage übermittelt.
"Die exakte Auswertung? O ja, sicher. Sie müssen einen ausführlichen Abschlussbericht abliefern. Aber Sie können doch schon jetzt sagen, dass der Test erfolgreich war?"
"Gewiss", antwortete Cir'Laki. "Wir haben den Durchbruch geschafft."
Nun schaltete sich Khark Marghon in das Gespräch ein: "Wie groß ist denn der Durchmesser des Zerstörungsgebietes?"
Cir'Laki sah ihn erstaunt an. Dies war das erste Mal seit Beginn ihrer Forschungsarbeit, dass der Devaronianer Interesse an einem technischen Detail zeigte.
Die Wissenschaftlerin wandte sich der Konsole zu und rief einige Daten ab.
"Der Durchmesser beträgt 0 Komma 4 Lichtjahre. Erst außerhalb des Radius von 0 Komma 2 Lichtjahren reagieren die Testsonden."
"Wie bitte?!" Senator McAars war bleich geworden. "Fast ein halbes Lichtjahr Durchmesser?! Das ist doch zu viel!"
"Das kommt auf den Verwendungszweck an, Senator", entgegnete Cir'Laki. "Wenn Sie nur eine Raumflotte lahm legen wollen, müssen die Chips selbstverständlich noch modifiziert werden."
McAars glotzte sie verständnislos an. "Was glauben Sie denn, was ich damit machen will?!"
Khark Marghon trat einen Schritt vor. "Nun, zum Beispiel einem feindlichen Planeten das Licht ausknipsen. Oder gleich einem ganzen Sonnensystem die Energie abdrehen."
Er öffnete den Wandtresor und holte die beiden anderen Prototypen des Chips heraus. Ganz harmlos, wie Spielwürfel, lagen sie auf seiner Handfläche.
"Mit diesen Chips, Senator, können Sie jeden unbequemen Planeten in die Knie zwingen. Sie brauchen keinen Todesstern mehr, der Unsummen verschlingt und mit Hunderttausenden von Besatzungsmitgliedern durch die Gegend fliegt."
Seine Stimme war kalt und bedrohlich geworden. Cir'Laki spürte, wie sich ihre Rückenschuppen aufrichteten. Khark Marghon war ihr plötzlich unheimlich geworden. Was zog er da für Vergleiche?! Todesstern?!
Der Devaronianer sprach unbeirrt weiter. "Wenn Sie diesen Chip auf, sagen wir, Tatooine einsetzen, wird er nicht viel Schaden anrichten. Die paar Raumhäfen, die es dort gibt, wären lahm gelegt, und die Feuchtfarmer hätten keine funktionierenden Verdunster mehr. Aber die Zivilisation würde überleben. Doch wenn Sie den Chip über Ihrem Heimatplaneten Trexx zünden, was würde wohl passieren?"
Marghons Augen blitzten; seine mächtigen Zähne glänzten im bleichen Kunstlicht des Labors.
Senator McAars trat unwillkürlich einen Schritt zurück.
"Das wäre Wahnsinn", murmelte er tonlos. "Der Planet würde innerhalb von Sekunden in die Steinzeit zurück fallen."
Khark Marghon nickte. "Ganz recht, Senator. Trexx, Corellia, all die schönen Planeten sind nichts mehr wert, wenn Sie diesen Chip einsetzen. Aber das ist noch gar nichts im Vergleich zu der Wirkung, die diese Waffe auf Coruscant haben würde, nicht wahr?"
Cir'Laks schrilles Piepen wurde vom Übersetzer mit dem Entsetzensschrei eines Humanoiden widergegeben.
"Coruscant?!" rief sie. "Wie können Sie an so etwas auch nur denken, Marghon?! Der ganze Planet ist eine einzige hoch technisierte Stadt! Ohne Energie würde alles im Chaos versinken. Milliarden von Lebewesen würde nicht eine Woche überleben!"
"Nicht nur das", pflichtete ihr McAars bei. "Coruscant ist der Kopf der Republik und das Herz dieser Galaxis! Die gesamte Zivilisation, wie wir sie kennen, wäre in Gefahr. Diese Chips dürfen niemals in die falschen Hände geraten!"
Ein teuflisches Grinsen umspielte Khark Marghons Gesicht.
"Sie sind schon in die falschen Hände geraten, Senator."
Lässig zog er einen kleinen Blaster aus der Tasche.
"Ich danke Ihnen für die Finanzierung des Projekts, Senator. Aber Ihre Hilfe wird jetzt nicht mehr benötigt."
Ein Energieblitz peitschte durch den Raum.
Clivor McAars war schon tot, bevor er zu Boden fiel.

Cir'Laki stockte für einen Moment der Atem. Doch dann übernahmen ihre T'Lak-Reflexe die Regie über den kleinen Körper. Blitzschnell ließ sie sich zu Boden sacken und tauchte unter der Computer-Konsole hindurch. Dann huschte sie an dem Energietransmitter vorbei. Blasterschüsse zerfetzten die Blechplatten über ihrem Kopf, als sie hinter eine Stabilisatoreneinheit an der Durastahlwand des Labors kroch.
Es würde einige Sekunden dauern, ehe der große Devaronianer ihr Versteck erreicht hätte. Bis dahin würden ihre Schleimdrüsen genug Saft produziert haben. Das war ihre einzige Chance, eine Flucht war unmöglich.
Die schweren Stiefel von Khark Marghon dröhnten über den Boden. Er kam näher, hielt einen Moment an und sprang dann hinter die Stabilisatoreneinheit.
Den Blaster hielt er schussbereit in der Hand, doch Cir'Laki war schneller.
Sie spuckte.
Der Schleimklumpen flog in Khark Marghons Gesicht.
Mit einem unartikulierten Schrei ließ der Devaronianer Blaster und Chips fallen und presste beide Hände vor den Kopf. Cir'Laki wusste, dass sie ausgezeichnet getroffen hatte. In weniger als fünf Sekunden, so schätzte sie, würde das halbe Gesicht des Devaronianers nur noch eine verätzte und verbrannte Fleischmasse sein.
Zeit genug, um zu verschwinden.
Die Chips aufzusammeln und an Khark Marghon vorbei zu huschen, war eines. Sie wollte sich zur Eingangstür wenden, doch der Überwachungsvisor zeigte ihr Bilder von heran stürmenden Technikern. Einige hielten Blaster, andere Eisenstangen in der Hand. Natürlich hatten die Blasterschüsse im gesamten Raum-Labor Alarm ausgelöst. Diese Leute waren von Khark Marghon angeheuert worden; wie würden sie reagieren, wenn ihr Chef verletzt am Boden lag?
Rasch aktivierte Cir'Laki die Verriegelung der Brandschutztür. Dann kletterte sie wie ein grüner Blitz die Wand zur Luftschacht-Öffnung und verschwand in der Frischluft-Röhre.
Die Rohre waren viel zu eng, als dass Humanoide ihr hätten folgen können. Cir'Laki hoffte, dass die Techniker sich an der verriegelten Labortür noch eine Weile die Zähne ausbissen. In der Zwischenzeit müsste es ihr gelingen, eins der Shuttles zu erreichen, die sie von der Raumstation weg bringen konnten.
Diese Chips dürfen niemals in die falschen Hände geraten! hallte die Stimme des Senators in ihrem Kopf nach.
Cir'Laki wand sich flink durch die verschlungenen Röhren bis zum Shuttle-Hangar. Dort stieß sie das Gitter einer Luftöffnung auf und sprang ins Freie.
Noch bevor sie sich aufrappelte, erblickte sie ein Paar schwarzer Kampfstiefel. Ob sie zu einem Menschen oder zu einem Humanoiden gehörten, konnte Cir'Laki nicht erkennen, denn die Gestalt, die vor ihr stand, war vollständig mit einem Raumanzug bekleidet. Das Visier des Raumhelms war verspiegelt.
Einen Spuckangriff konnte Cir'Laki hier nicht versuchen. Es gab keine Chance, dem schweren Blaster zu entgehen, den die Gestalt in der Hand hielt.
Unwillkürlich musste Cir'Laki an den Satz des Devaronianers denken.
Sie sind schon in die falschen Hände geraten, Senator.
Das Letzte, was Cir'Laki in ihrem Leben sah, war das Mündungsfeuer des Blasters.

 

 

1.

Aus den Hundertausenden von Büro- und Wohntürmen auf Coruscant stach das Mining Corp. Building heraus wie ein Darkstone-Diamant aus einem Haufen von Kieselsteinen. Nicht, dass der Turm höher war als andere; mit seinen knapp 400 Stockwerken gehörte er nicht einmal zu den höchsten Gebäuden des Planeten. Das Einzigartige an ihm war die völlige Transparenz der obersten 100 Stockwerke. Niemals zuvor hatte ein Bauherr es gewagt, derart viel Transparistahl zu verbauen. Von wenigen Durastahlträgern abgesehen ragten die Büroräume der Minengesellschaft in den Himmel von Newport, dem jüngsten Geschäftsviertel von Coruscant, wie eine Kerze aus Kristall. Nachts, wenn der Planet von einem einzigartigen Lichtermeer bedeckt war, stellte der Glanz, den die mächtige Minengesellschaft verbreitete, alles andere in den Schatten. Das Prachtstück des Gebäudes war jedoch der kuppelförmige Saal oben auf dem Dach des Turms. Architekten aus allen Teilen der Galaxis besuchten Coruscant nur aus dem einen Grund, dieses gigantische Transparistahlgewölbe zu bestaunen. Und jeden Tag strömten Tausende von Touristen in die Kuppel, um den Schwindel erregenden Ausblick auf Newport zu genießen. Wer die Kuppel betrat, hatte den Eindruck, im Nichts zu schweben, hoch über allen Stahlkolossen und fernab jeder Bindung an so banale Dinge wie Gravitation oder Bodenhaftung. Dieser Effekt wurde nicht nur durch die Transparenz der Konstruktion erzielt, sondern auch durch winzige, über den gesamten Boden vertreute Repulsoreinheiten, die einem die Illusion vermittelten, als würde man auf einem riesigen Gumminetz stehen.
Doch diese Effekte waren ausschließlich für Touristen gedacht; Spielereien, mit denen die Minengesellschaft ihren ungeheuren Reichtum und ihre Markt beherrschende Position ungeniert und einschüchternd zur Schau stellte. Fanden im Kuppelssal Konferenzen statt, wurden die Repulsoren deaktiviert. Statt dessen beherrschten nüchterne Formstein-Bestuhlung und modernste Übersetzungsstechnik den Raum und sorgten für eine sachlich-geschäftliche Atmosphäre, in der bis zu 1000 Konferenzteilnehmer maßgebliche Weichen für die Zukunft der galaktischen Wirtschaft stellen konnten.
So auch jetzt.

Gastor En'Singhmar hob die rechte Hand mit den sechs wurstartigen kurzen Fingern. Er blickte in die Runde und spürte, dass sämtliche 800 Delegierte ihn anschauten.
"Meine Damen und Herren", begann er mit tiefer, dröhnender Stimme. "In den letzten vier Tagen haben wir alle wesentlichen Aspekte einer möglichen Preisbindung für interstellare Transporte von Erz und Metall erörtert. Das Für und Wider wurde in aller Klarheit dargelegt, und wir sind nunmehr in der Lage, zu einer Entscheidung zu gelangen."
Gastor En'Singhmar machte eine Kunstpause, um seine Worte ein wenig nachwirken zu lassen. Obwohl das unnötig war, wie er wusste. Jeder einzelne Konferenzteilnehmer war sich der Bedeutung des Augenblicks bewusst; jedem im Kuppelsaal war klar, dass er, Gastor En'Singhmar, im Begriff stand, dem galaktischen Handel für die nächsten Jahrzehnte den Stempel der Mining Corp. aufzudrücken. Noch einmal schaute er in die Runde.
"Dankeswerterweise sind die bedeutenden staatlichen Handelsgesellschaften ebenso wie die privaten Föderationen in den elementaren Fragen unseres Abkommens einer Meinung", fuhr er fort. Sein Fünffach-Kinn, auf dem sein massiger Kopf ruhte, wabbelte bei jeder Bewegung seines breiten Mundes. Gut die Hälfte der Anwesenden waren Menschen, und En'Singhmar wusste, dass er nach menschlichen Maßstäben wenig attraktiv wirkte. Allein die ausgeprägten Tränensäcke unter seinen großen runden Augen galten unter Menschen als unschön. Aber niemand hier im Raum hätte ihn nach seinem Äußeren beurteilt. Hier zählten allein Geschäftstüchtigkeit, Durchsetzungsvermögen, Intelligenz. Und natürlich Skrupellosigkeit. Ohne diese Eigenschaften hätte er es wohl kaum als erster Human-Mutant auf den Präsidentensessel der Mining Corp. geschafft.
"Und diese Meinung", sprach er weiter, "deckt sich exakt mit den Interessen der Mining Corp. Dennoch sollten wir, bevor wir zur Abstimmung kommen, auch den Vertretern der kleineren, unabhängigen Handelsgesellschaften das Wort geben." Sein Mund verzog sich zu einem spöttischen Grinsen. Als er weiter sprach, hatte seine Stimme einen leicht mitleidigen Tonfall. "Das gebieten schon Höflichkeit und Gastfreundschaft."
Ein belustigtes Gemurmel quittierte diese Worte. Die Stimmung in der Versammlung war gut, eine Bestätigung für Gastor En'Singhmars ausgezeichnete Verhandlungsstrategie.
"Das Wort hat ein gewisser Mr. Gildorian von Gildorian Enterprises auf... äh... Trexx im H'olk-Sektor."

Obi-Nor Gildorian erhob sich langsam. Seine Miene war betont gleichmütig. Natürlich ärgerte er sich über die herablassende Haltung von Gastor En'Singhmar. Aber er war schon viel zu lange im Geschäft, um sich durch solche Beleidigungen provozieren zu lassen. Auch dass man ihm und Stella Likori, der Verwaltungsdirektorin von Gildorian Enterprises, einen Platz in der letzten Reihe der in konzentrischen Halbkreisen aufgestellten Konferenztische zugewiesen hatte, konnte ihm nur ein müdes Schmunzeln entlocken. Sollte die Mining Corp. ihm nur ruhig deutlich machen, dass er und seine Handelsfirma in ihren Augen ein Nichts war. Ein Verhandlungspartner, der nicht ernst genommen wurde, entpuppte sich nur allzu oft als gefährlichster Widersacher. Genau diese Lektion würde der aufgeblasene Wichtigtuer En'Singhmar jetzt lernen.
"Herr Präsident, meine geschätzten Damen und Herren", begann Obi-Nor. Er musste ein Grinsen unterdrücken, denn mindestens die Hälfte der Anwesenden waren keine Damen und keine Herren, sondern Gangster der übelsten Sorte, die allein aufgrund der Tatsache, dass sie über riesige Wirtschaftsimperien geboten, von Medien, Politikern und planetaren High Societies gleichermaßen hofiert wurden.
"Ich danke für die Gnade, vor diesem erlauchten Kreis meine Stimme erheben zu dürfen."
Wieder drang belustigtes Gemurmel durch den Kuppelsaal. Obi-Nor war sicher, dass ihm jetzt die volle Aufmerksamkeit gehörte. Ein daher gelaufener kleiner Händler, der den mächtigen Gastor En'Singhmar mit einer ironischen Bemerkung herauszufordern versuchte - so etwas hatte es hier noch nie gegeben. Stella nickte ihm aufmunternd zu. Ein halbes Jahr lang hatte sie mit Obi-Nor Tag und Nacht an ihrem Plan gearbeitet. Bis ins kleinste Detail hatten sie Obi-Nors Auftritt in dieser Konferenz besprochen. Es konnte eigentlich nichts mehr schief gehen.
"Jedoch gebe ich zu bedenken, dass ich in diesem Augenblick nicht allein als Vertreter von Gildorian Enterprises zu Ihnen spreche", fuhr Obi-Nor fort. "Ich bin vielmehr der Repräsentant der FTA, der Free Traders Association, einem Verbund freier Handelsgesellschaften. Genauer gesagt, der 1138 Handelsgesellschaften, die sie jetzt in ihrem Datapad finden."
Obi-Nor drückte auf einen Knopf, um die Daten zu übertragen.
"Wie sie leicht feststellen werden, sind es nicht irgendwelche Firmen, die sich hier zusammengetan haben", erläuterte er lächelnd. "Sondern das Besondere an unserem Zusammenschluss ist..."
Obi-Nor brach plötzlich ab und schien zu lauschen. Er zog die Stirn in Falten und starrte auf seinen Tisch. Seine Miene verriet geistige Abwesenheit.
Stella stieß ihn an. "Was ist los, Obi-Nor?" zischte sie. "Reiß dich zusammen!"
Obi-Nor schreckte hoch. "Äh, das Besondere an unserem Zusammenschluss ist... äh, das wird Ihnen jetzt Stella Likori, die Verwaltungschefin von Gildorian Enterprises, erklären."
Stella warf ihm einen Blick zu, der selbst die Jundlandwüste auf Tatooine mit einer Eisschicht überzogen hätte. Dann erhob sie sich lächelnd. Sie aktivierte den im Konferenztisch eingebauten HoloProjektor, und das dreidimensionale Bild einer Karte mit der schematischen Darstellung der wichtigsten Handelsrouten der Galaxis schwebte im Saal.
"Sie sehen hier die Handelsrouten, die im wesentlichen von den staatlichen Handelsgesellschaften und den großen Föderationen kontrolliert werden", begann sie. "Entscheidende Punkte sind, wie Sie wissen, diese Vorsorgungs- und Navigationsstationen an den bedeutenden Schnittstellen der Linien. Fallen diese Stationen aus, bricht der interstellare Erz- und Metallhandel praktisch zusammen."
Eine Unzahl roter und blauer Punkte erschien auf der Karte.
"Meine Damen und Herren", fuhr Stella lächelnd fort. "Sie beherrschen die Handelsrouten, aber wir beliefern diese Versorgungs- und Navigationsstationen. Es tut mir selbst ein wenig weh, die Wahrheit so ungeschminkt auszusprechen, aber ich fürchte, Sie sind auf uns angewiesen."
Sie setzte sich wieder. Im allgemeinen Gemurmel, das auf ihre Rede folgte, ging völlig unter, dass ihre Augen voller Zorn blitzten, als sie sich Obi-Nor zuwandte.
"Entweder du reißt dich jetzt zusammen und konzentrierst dich auf die Verhandlung, oder du kannst für den Rest deiner Tage auf Palm Island Kokosnüsse verkaufen."
Obi-Nor erhob sich. Er war blass geworden, aber schien nun nicht mehr abwesend zu sein.
"Meine Damen und Herren. Wie meine reizende Partnerin" - bei diesen Worten grinste er Stella an, die das nicht im mindesten lustig fand - "Ihnen soeben klar gemacht haben dürfte, beginnen die Verhandlungen über die Preisgestaltung der interstellaren Erz- und Metalltransporte noch einmal ganz von vorn. Jeder konstruktive Vorschlag, der die Interessen der FTA berücksichtigt, ist willkommen. Allerdings sehe ich, dass dem hoch geschätzten Herrn Versammlungsleiter im Moment eher nach einer Pause zumute ist, nicht wahr, Präsident En'Singhmar?"
Der Präsident der Mining Corp. hatte seine Augen zu Punkten verkleinert. Es hatte den Anschein, als wollte er einen Blaster ziehen und Obi-Nor auf der Stelle erschießen.
"Eine halbe Standardstunde Pause", krächzte er statt dessen, bevor er entnervt auf seinem Formsteinsessel zusammensank.

"Was fällt dir eigentlich ein?! Bist du wahnsinnig geworden?! Du setzt ein halbes Jahr Arbeit aufs Spiel, weil du den Faden verlierst?! Wie konnte das nur passieren?!"
Wie das Stakkato einer Blasterkanone prasselten Stellas vorwurfsvolle Fragen auf Obi-Nor ein. Der Händler seufzte. Wenn seine Lebensgefährtin erst einmal ihrem Temperament freien Lauf ließ, gab es kaum einen Weg, sie zu stoppen.
"Yo-Karah ist hier", sagte er statt dessen. "Hier auf Coruscant. Ich habe ihre Präsenz gespürt."
"Ja und?!" schnappte Stella. "Deine Tochter ist doch öfters hier. Als Jedi hat sie doch oft Missionen hier zu erledigen. Kein Grund, dich so aufzuführen!"
"Du verstehst nicht, Stella." Obi-Nor schaute unglücklich drein. "Ich habe ihre Präsenz für einen Moment ganz deutlich gespürt. Sie war nah, hier in Newport. Aber dann war sie plötzlich verschwunden. Als wenn das Band der 'Macht', das uns verbindet, zerrissen wäre. Jetzt spüre ich nur noch eine Art blinden Fleck."
Stellas Miene wurde sanfter. "Das wusste ich nicht, Obi-Nor. Es tut mir Leid. Aber vielleicht ist sie von Coruscant abgeflogen?"
Obi-Nor schüttelte den Kopf. "Nein, das war es nicht. Die Präsenz kam plötzlich und verschwand ebenso abrupt. Ich habe das noch nie erlebt. Stella, ich mache mir Sorgen um Yo."
Stella legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. "Yo-Karah kann auf sich aufpassen, das weißt du doch. Kopf hoch, wenn wir hier fertig sind, suchen wir nach ihr, wenn du willst. Aber jetzt müssen wir uns auf die Verhandlungen konzentrieren. Es geht gleich weiter. Du weißt doch, wieviel auf dem Spiel steht."
Obi-Nor nickte. "Du hast Recht. Wir müssen wenigstens den Aufschub der Entscheidung erreichen."
In der nächsten Stunde kamen sich Obi-Nor und Stella vor wie zwei Ewoks, die den Angriff einer Kompanie Sturmtruppen abzuwehren hatten. Es waren nicht gerade Nettigkeiten, die sie zu hören bekamen. Von Bestechungs- über Erpressungsversuchen bis hin zu nur mühsam verhüllten Gewaltandrohungen war alles dabei, was eine Geschäftsverhandlung unappetittlich machen konnte. Dennoch blieben die beiden unerschütterlich bei ihrer Haltung. Stella aktivierte einmal lächelnd die HoloKarte und ließ die Versorgungs- und Navigationsstationen effektvoll verschwinden, um die Macht zu demonstrieren, über die der Zusammenschluss der freien Händler verfügte. Es war, als spiele einer der Ewoks mit einem Thermo-Detonator.
Obi-Nor mischte in der Debatte mit. In seinen Gedanken aber war er stets bei seiner Tochter. Das Aufflackern und Verschwinden ihrer Präsenz hatte ihn beunruhigt. Ob ihr etwas zugestoßen war?

Yo-Karah Mal'Wan drückte sich in den Schatten der Monumentalstatuen in der geräumigen, ein Dutzend Stockwerke hohen Eingangshalle der Ebene 13 des Büroturmes. Von ihrem Versteck aus konnte sie den Bereich vor vier der insgesamt zwölf Turbolifte ausgezeichnet überblicken, ohne selbst aufzufallen. Alle paar Sekunden öffneten sich die Türen eines der Lifte und spuckten Dutzende von Menschen, Humanoiden und anderer Wesen aus, die sich Richtung Ausgang zu den Shuttle-Anlegeplattformen begaben. Von dort strömten unablässig neue Personen in die große Halle und verteilten sich auf die drei Turbolift-Komplexe.
Yo-Karah ging ein hohes Risiko ein, wenn sie sich auf einen einzigen Lift-Komplex konzentrierte. Zwar führten nur die vier Aufzüge, die sie im Blick hatte, zu den obersten 10 Etagen dieser Ebene empor, wo die Büroräume von 'Lunastar Investors' untergebracht waren. Aber die Person, auf die sie wartete, könnte einen anderen Lift nehmen, nach wenigen Stockwerken aussteigen und zu diesem Liftkomplex wechseln, um etwaige Verfolger abzuschütteln. Oder sie könnte mit einem Speeder oder Shuttle oben auf dem Dach des Gebäudes landen und dann die Notfalltreppe hinab steigen.
Oder die Übergabe fand ganz woanders statt, und man hatte sie hierher in die Irre gelockt, weil man auf ihre Nachforschungen aufmerksam geworden war.
Yo-Karah seufzte. Das alles waren sinnlose Gedankenspiele. Aber dass sie im Geiste diese Möglichkeiten durchspielte, zeigte ihr, wie sehr die letzten Monate an ihren Nerven gezehrt hatten.
"Du bist ganz auf dich allein gestellt", hatte Luke Skywalker ihr gesagt. "Keine Unterstützung, kein Kontakt nach Yavin oder zu anderen Jedi. Niemand wird dir sagen können, wo du anfangen musst zu suchen. Und niemand wird nach dir suchen, falls du bei dieser Mission verschollen gehst. - Möge die 'Macht' mit dir sein."
Der Jedi-Meister hatte sogar abgelehnt, dass Kaya, ihre Schwester und zugleich ihr Padawan, sie begleitete.
"Und zieh auf gar keinen Fall deinen Vater in diese Sache rein", hatte er ihr zum Schluss noch eingeschärft. Eine überflüssige Ermahnung, denn das war das Letzte, was sie getan hätte.
Es war natürlich eine merkwürdige Fügung der 'Macht' gewesen, dass er und Stella ausgerechnet jetzt auf Coruscant weilten. Aber sie hatte ihre Präsenz vor ihrem Vater abgeschirmt; das erste Mal in ihrem Leben, dass dies nötig gewesen war.
Verzeih mir, Vater, dachte sie. Aber es ist besser so.
Yo-Karah schaute auf ihren Zeitmesser.
Der Kurier war nun seit 15 Standardminuten überfällig. Noch kein Grund zur Sorge.
Ihre Suche war komplizierter und langwieriger gewesen als das dynamische HoloPuzzle im Jedi-Tempel, bei dem ganze Gruppen von Padawans regelmäßig verzweifelten. Selbst ein ganz bestimmtes Sandkorn auf Tatooine aufzuspüren, wäre einfacher gewesen.
Aber sie hatte es geschafft.
Yo-Karah gestattete sich ein dünnes Lächeln. Aber noch hatte sie keinen Grund, stolz zu sein. Noch hielt sie den geheimnisvollen Chip nicht in der Hand.
20 Standardminuten über der Zeit. Nun, ein Kurier konnte sich leicht verspäten, wenn er ein öffentliches Shuttle nahm.
Die Übergabe würde heute und in diesem Gebäude statt finden, dessen war sie sich ganz sicher. Es war ganz und gar unwahrscheinlich, dass sie enttarnt worden war.
Ein weiterer Schub Neuankömmlinge strömte in die Halle.
Und dieses Mal spürte Yo-Karah die Präsenz des Mannes, auf den sie gewartet hatte.

Xior Rice hatte gar nicht erst versucht, sich als Geschäftsmann zu verkleiden. Ein solcher Auftritt wäre auch ganz und gar unglaubwürdig gewesen. Natürlich gab es 2,3 Standardmeter große Menschen, die im Bankgeschäft tätig waren. Vielleicht waren auch Männer darunter, auf deren heller Glatze eine rot schimmernde Vibromesser-Narbe prangte. Doch nur wenige Banker hatte in einem Schusswechsel ein Auge verloren und es durch einen Visor ersetzt. Und wie viele Büroangestellte hatte Oberarme mit einem Umfang wie die Oberschenkel einer Twi'Lek-Tänzerin?
Nein, Xior Rice war als das gekommen, was er war: Eine Kampfmaschine auf zwei Beinen. Die schwere Ledermontur endete in schwarzen, fast kniehohen Stiefeln. Yo-Karah wäre jede Wette eingegangen, dass in diesem Schuhwerk mindestens ein Vibromesser und ein Miniblaster versteckt waren. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass der provokativ am rechten Oberschenkel festgeschnallte große Blaster die einzige Waffe war, die Rice bei sich trug.
Die Menge teilte sich, als er einem der Turbolifte zustrebte. Anstelle des sonst üblichen Gedränges machte sich unter den Wartenden respektvolle Zurückhaltung breit. Ein Wookie, der Rice sogar noch ein wenig überragte, heulte unwirsch auf, trat aber auch einen Schritt zurück, um den Menschen durchzulassen.
Yo-Karah verließ ihr Versteck. Langsam schlenderte sie zu der Menge am Turbolift, ganz die elegante Geschäftsfrau auf dem Weg zu einem wichtigen Termin. Das lange Seidenkleid würde sich als äußerst unpraktisch erweisen, wenn es zu einem Kampf kommen sollte, aber bei ihrem Auftrag konnte sie ja schlecht in ihrer braunen Jedi-Kluft hier aufkreuzen.
Die Tür des Turboliftes öffnete sich, etwa 25 Personen strömten aus dem Lift in die Halle. Xior Rice betrat als erster die Kabine und blieb unmittelbar an der Türöffnung stehen, so dass alle übrigen Liftbenutzer sich an ihm vorbei drängen mussten. Yo-Karah nahm ein kurzes Aufflackern von Ärger in der Präsenz der Personen wahr; sichtbar oder hörbar zu protestieren wagte freilich niemand.
Als eine der letzten trat Yo-Karah zum Lifteingang. Doch gerade, als sie die Kabine betreten wollte, wurde sie von der Seite angerempelt.
Ein älterer, untersetzter Mann mit schütterem schwarzen Haar drängelte sich an ihr vorbei.
"Verzeihung Ma'am, ich bin schon zu spät", murmelte er und huschte in die Kabine. Er belegte den letzten freien Platz im Lift. Yo-Karah war zuerst versucht, sich dennoch in die Kabine zu quetschten, aber das wäre vermutlich zu auffällig gewesen.
Xior Rice zuckte die Achseln. "Nehmen Sie den nächsten Lift, Lady", sprach er mit dröhnendem Bass.
Dann schlossen sich die Lifttüren.

Yo-Karah schluckte ihren Ärger hinunter.
"Die Stärke fließt einem Jedi von der 'Macht' zu", rezitierte sie in Gedanken den Satz, den sie in ihrer Ausbildung so oft von Luke Skywalker gehört hatte. "Ärger, Wut, Zorn - diese Gefühle dürfen dein Handeln nicht bestimmen."
Yo-Karah warf einen Blick auf die Anzeigen der anderen Lifte. Alle befanden sie sich zurzeit in den oberen Stockwerken oder waren gerade auf dem Weg nach oben. Auf einen anderen Lift zu warten, hatte also keinen Sinn.
Kurz entschlossen ging sie zur Notfalltreppe. Yo-Karah war sich sicher, dass Xior Rice nicht deshalb im Lifteingang stehen geblieben war, um andere Personen zu provozieren; so etwas hatte er gar nicht nötig. Viel wahrscheinlicher war, dass er beim ersten Halt des Lifts aussteigen wollte, also im 21. Stock dieser Ebene.
Yo-Karah konzentrierte sich einen Moment lang auf die lebendige 'Macht'. Dann raffte sie ihr langes Kleid und begann, die 20 Stockwerke hinauf zu laufen.
Den Worg, der in der Eingangshalle die Szene am Lift beobachtet hatte, bemerkte Yo-Karah nicht.
Als die Jedi die Eingangshalle verließ, aktivierte er seinen Kommunikator.
"Die Menschenfrau, die seit Wochen hinter Rice her ist, ist die Treppe rauf", sprach er mit kehligem Akzent.
Er lauschte auf die Antwort. Dann nickte er mit seinem breiten Schädel.
"Ja, Boss, verstanden. Alarm für alle Einheiten!"

Mit einem letzten Sprung nahm Yo-Karah die obersten Stufen. Dann stand sie vor der Brandschutztür zur 21. Etage dieser Ebene. Sie schloss die Augen und konzentrierte sich einige Sekunden auf die 'Macht', um Atmung und Puls zu beruhigen. Zugleich nahm sie wahr, dass sich unmittelbar hinter der Tür kein Lebewesen befand. Von Xior Rice spürte sie nichts, aber das war auch nicht überraschend angesichtes der Abertausenden von Vernunftwesen, die sich im Büroturm befanden und deren Präsenzen in der 'Macht' wie ein beständiges Hintergrundgemurmel wirkten. Der Turbolift war natürlich schneller gewesen, aber wenn sie sich beeilte, konnte sie den Kurier noch vor der Übergabe des Chips einholen.
Yo-Karah öffnete die Augen. Die Brandschutztür war mit einer simplen, versiegelten Schutzvorrichtung gesperrt. Wenn die Sperre gelöst wurde, gab es mit aller Wahrscheinlichkeit ein Warnsignal in der Sicherheitszentrale dieser Ebene, aber das musste Yo-Karah riskieren.
Sie aktivierte den Mechanismus, schlüpfte unter der nach oben gleitenden Stahltür hindurch - und sprang mit einem Satz wieder in das Treppenhaus zurück. Mehrere Blasterblitze peitschten durch den Flur und lösten einen Funkenregen aus.
Weil diese Etage zu einer Investment-Bank und nicht zu einem Waffentestgelände gehörte, gab es nur eine Schlussfolgerung: Yo-Karah wurde von Xior Rice und seinen Leuten erwartet; ihre Tarnung war aufgeflogen.
Aber diese überhastete Attacke der Blasterschützen kam ihr reichlich merkwürdig vor. Der Flur, das hatte Yo-Karah mit einem Blick sehen können, bot keinerlei Deckung. Wenn Rice und seine Leute gewartet hätten, bis sie sich von der Brandschutztür entfernt hatte, hätten sie sie weitaus besser unter Beschuss nehmen können. Statt dessen wollten sie verhindern, dass sie diese Etage überhaupt betrat.
Unwillkürlich musste Yo-Karah an einen Ausspruch von Admiral Ackbar denken: "Baue ein Bollwerk im Nirgendwo, und der Feind wird genau diese sinnlose Stelle angereifen. Denn er rechnet damit, dass du etwas Wertvolles verteidigen willst."
Die Jedi lächelte. Dieser Rice war clever. Er blockierte die 21. Etage, weil er damit rechnete, dass Yo-Karah versuchen würde, mit Gewalt einzudringen. Er hatte niemals vor gehabt, den Chip auf diesem Stockwerk zu übergeben. Schon die Tatsache, dass er an der Lifttür stehen geblieben war, war offensichtlich ein Bluff gewesen, auf den Yo-Karah auch prompt herein gefallen war.
Aber wo war Rice nun?
Yo-Karah wäre an seiner Stelle zum obersten Stock hinauf gefahren, um von dort aus auf das Dach zu gelangen. Von dort konnte ihn ein Gleiter abholen und zum wahren Übergabepunkt bringen.
Mit einer schnellen Handbewegung verriegelte sie die Tür. Dann machte sie sich auf den Weg, um die restlichen Stockwerke hinauf zu laufen.

Yo-Karah sah auf den ersten Blick, dass sie beinahe zu spät kam. Rice stand am Rand des riesigen Flachdaches; ein Gleiter schwebte über ihm. Als er die Jedi sah, zog er seinen Blaster und begann zu feuern. Yo-Karah wehrte die Schüsse mit ihrem Lichtschwert ab, während sie im Zickzack auf ihn zu lief.
Ein Stahlseil wurde aus den Gleiter hinab gelassen. Rice griff es und ließ sich empor ziehen. Yo-Karah sprang aus dem vollen Lauf. Ihre Levitationskräfte trugen sie auf die gleiche Höhe wie Rice. Die Klinge des Lichtschwertes zog eine leuchtende Spur durch die Luft und durchschnitt das Seil. Die beiden Menschen stürzten auf das Dach.
Yo-Karah rollte sich ab und wehrte zwei Blasterschüsse ab, die aus dem Gleiter kamen. Einen lenkte sie an die Außenhaut des Fahrzeugs zurück, wo er ein Loch hinterließ. Der Gleiter drehte ab.
Mühsam rappelte sich Rice auf. Er schien an der Schulter verletzt zu sein, außerdem hinkte er leicht.
Yo-Karah ging auf ihn zu, das Lichtschwert wie einen Spieß vor sich ausgestreckt.
Rice wich zurück bis an den äußersten Rand des Gebäudes, die Spitze der Lichtklinge nur zwei Zoll von seiner Kehle entfernt.
Seine stechenden grauen Augen verrieten keinerlei Angst, lediglich Respekt.
"Für eine Geschäftsfrau haben Sie bemerkenswerte Fähigkeiten", sagte er grinsend. "Eine Jedi, nehme ich an. Obwohl ich nicht wusste, dass Ihr Orden eine neue Kleiderordnung hat."
"Ich will den Chip, Rice", erwiderte Yo-Karah kühl.
"Und wenn ich Ihnen das Ding nicht gebe? Töten Sie mich dann?" Rice schüttelte den Kopf. "Würde eine Jedi einen Mord begehen?"
"Den Chip, Rice!"
Yo-Karah spürte eine Bewegung in ihrem Rücken. Es mussten Dutzende von Menschen und Worgs sein, die auf das Dach stürmten. Yo-Karah nahm nicht an, dass sie unbewaffnet waren.
Rice lachte. Er hob die linke Hand. Zwischen Daumen und Zeigefinger befand sich der würfelförmige Chip.
"Das hier wollen sie haben? Holen Sie es sich doch!"
Mit diesen Worten warf er den Chip über seine Schulter.
Der hohe Bogen, in dem der Gegenstand vom Dach segelte, war eindeutig ein Fehler von Rice. Denn so dauerte es eine Sekunde, bis er der Chip wieder in Schulterhöhe war.
Zeit genug für Yo-Karah, um zu springen.
Mit dem Chip in der Hand stürzte die Jedi in die Tiefe.

Auf der Jedi-Akademie auf Yavin 4 lernten Padawane nicht nur den Umgang mit der 'Macht'. Sie erfuhren auch alles Wissenswerte über die Galaxis und ihre Naturgesetze. Was sie nicht lernten, war, wie lange ein Mensch brauchte, um 390 Stockwerke in die Tiefe zu stürzen.
Auch Yo-Karah wusste nicht, wann sie auf dem Boden aufschlagen würde.
Sie sah die glitzernde Stahlfassade des Büroturms an sich vorbei rasen. Ob der Magnethaken ihres Stahlseils sich bei dieser Geschwindigkeit festklammern konnte?
Yo-Karah löste den Mechanismus an ihrem Gürtel aus. Der Haken schoss davon und wickelte das Stahlseil ab.
Ein Ruck, und Yo-Karah knallte mit voller Wucht gegen die Fassade.
Einen Moment lang glaubte sie, dass ihre Hüfte zu Knochenbrei zermahlen sei, aber dann realisierte sie, dass sie keinen Knacks gehört hatte.
Plötzlich spürte sie die Präsenz ihres Vaters, als baumelte der Händler unmittelbar neben ihr an der Fassade. Im Schock des Aufpralls hatte sie für einen Moment die Kontrolle über ihre 'Macht'-Präsenz verloren. Sofort schottete sie sich wieder ab.
Yo-Karah schaute hinauf. 30 Fuß über ihr klebte der Magnethaken an der Wand; er sah sicher und stabil aus. Etwa 100 Fuß unter Yo-Karah befand sich eine Andock-Plattform für Shuttles am Gebäude. Leider war sie in der Horizontalen mindestens 50 Standardmeter entfernt, so dass sie keine Chance hatte, dort hinunter zu springen. Soeben glitt ein großes, röhrenförmiges öffentliches Shuttle von der Plattform weg. Das Fahrzeug schwebte parallel zur Fassade, in Richtung der Stelle, an der Yo-Karah am Stahlseil hing.
Nein, entschied Yo-Karah. Ein Sprung reichte ihr für heute. Die Fassade war zwar aus Durastahl, aber dennoch musste es möglich sein, mit dem Lichtschwert ein Loch hinein zu schneiden.
Plötzlich schlug ein Energieblitz knapp oberhalb von Yo-Karah in die Fassade ein und bedeckte die Jedi mit einem Funkenregen. Der Speeder, der Rice hatte aufnehmen wollen, kam näher. Ein Besatzungsmitglied hielt ein Blastergewehr in den Händen. Er feuerte erneut, aber Yo-Karah selbst war nicht sein Ziel. Der Schuss verfehlte das Stahlseil nur um wenige Zoll.
Das Shuttle glitt unter der Jedi vorbei.
Yo-Karah seufzte, klinkte das Stahlseil aus ihrem Gürtel aus und stieß sich von der Fassade ab.

Die Passagiere des Shuttles waren Menschen, Humanoide, Reptiloide und Angehörige einer Spezies, die Yo-Karah noch nie gesehen hatte. Alle hatten sie eines gemeinsam: Sie schrien panisch auf, als sich ein Lichtschwert durch die Dachplatte schnitt und eine Jedi in die Kabine sprang.
"Es ist alles in Ordnung", rief Yo-Karah. Sie hoffte, dass sie überzeugend klang. "Ich hatte nur den Abflugtermin verpasst. Bitte regen Sie sich nicht auf!"
Sie eilte nach vorn, wo sie ein schreckensbleicher Pilot entgeistert anstarrte.
"Ich bin Jedi Mal'Wan", stellte sich Yo-Karah vor. "Bitte entschuldigen Sie mein Eindringen, aber ich muss Ihr Shuttle ausborgen. Nur für einen kleinen Umweg."
Yo-Karah hatte bereits die Kontrollen übernommen und wendete das Fahrzeug, ohne sich um das Gebrüll unter den Passagieren zu kümmern.
Wenn ihre Mission entdeckt war, konnte sie den Chip nicht länger bei sich behalten. Sie wusste aber bereits, wo sie ihn los werden konnte.
Yo-Karah beschleunigte. Die pompöse, wie eine Kristallkerze leuchtende Spitze des Mining Corp. Buildings war in der Dämmerung von Newport nicht zu verfehlen.

"Jaaaaaaaaaaa!!!!"
Natürlich war der Jubelschrei, den Obi-Nor ausstieß, nur in seinem Innern zu hören. Äußerlich setzte er die gleichmütige Miene eines Sabacc-Profis auf.
Zusammen mit Hunderten von anderen Delegierten verließ er den Kuppelssal. Manche knurrten ihn an, andere versuchten ihn allzu offensichtlich zu ignorieren, konnten ihre Wut und ihre Enttäuschung aber nur schlecht verbergen. In dieser Atmosphäre wäre es ganz und gar ungeschickt gewesen, seinen Jubel über den Verhandlungserfolg hinaus zu posaunen wie ein Marktschreier. Ein Seitenblick zeigte ihm, dass Stella ebenfalls ein unbewegtes Gesicht machte. Allerdings waren ihre dunklen Augen von einem Leuchten erfüllt, neben dem selbst ein in der Sonne liegender Darkstone-Diamant wie stumpfe Schlacke gewirkt hätte.
Stella kramte ihren Kommunikator hervor und las ihm Gehen die eingegangenen Nachrichten. Sie runzelte die Stirn und wandte sich Obi-Nor zu.
"Warte doch dort hinten an der Säule auf mich. Ich... äh... muss mal."
Ohne seine Reaktion abzuwarten strebte sie dem Erfrischungsraum für Menschenfrauen zu.
Obi-Nor blieb keine Zeit, sich zu wundern. Ein Schlag auf seine Schulter ließ ihn fast in die Knie gehen.
"Mensch, Obi-Nor, du alter Schurke. Denen hast du es aber ganz schön besorgt!"
Talon Karrdes Gesicht war ein einziges Grinsen. Der Schmuggler gehörte zwar nicht selbst zur Allianz, die Stella und Obi-Nor geschmiedet hatten, war aber im Groben über ihren Plan informiert gewesen.
Obi-Nor rieb sich die Schulter. "Wenn du meine Knochen verschonst, kann ich vielleicht den nächsten Schritt in die Wege leiten. Noch haben wir nicht gewonnen, Talon."
"Pah!" Karrde machte eine wegwerfende Handbewegung. "Ein Jahr Entscheidungsaufschub, was willst du mehr? Wenn sich euer Auftritt hier rumspricht, werdet ihr in ein paar Monaten nicht 1138, sondern 10.000 Handelsunternehmen repräsentieren. Und dann läuft gegen euer Veto gar nichts mehr."
Obi-Nor zuckte die Achseln. "Ehrlich gesagt habe ich jetzt schon die Nase voll von diesen politischen Winkelzügen. Ich bin Händler, ich transportiere Waren von einem Ort zum anderen. Allianzen schmieden, Verhandlungstaktiken besprechen - wie mir das alles zum Halse raus hängt!"
Talon Karrde lachte. "Glaubst du das wirklich? Du hättest dich mal sehen sollen vorhin! Du hast längst Blut geleckt, alter Schmuggler, ob du es wahr haben willst oder nicht."
Karrde ging lachend davon.
Der nächste, der Obi-Nor ansprach, war nicht so gut gelaunt wie Karrde. Gastor En'Singhmar sah vielmehr so aus, als hege er Mordabsichten.
"Diese Allianz ist illegal, Gildorian, das wissen Sie so gut wie ich! Oder kennen Sie unsere Wirtschaftsgesetze so schlecht?"
Obi-Nor musterte den Präsidenten der Mining Corp. kühl. "Falsch, En'Singhmar, diese Allianz bewegt sich sehr wohl im gesetzlichen Rahmen. Es ist ein erlaubter Zusammenschluss zur Abwehr einer Gefahr. Verfassung der Neuen Republik, Artikel 58."
Gastor En'Singhmar schüttelte so heftig den Kopf, dass seine Fleischmassen bedrohlich hin und her wackelten.
"Das bezieht sich auf militärische Zusammenschlüsse im Kriegsfall, Sie Idiot!"
Obi-Nor lächelte. "Hier geht es um einen Wirtschaftskrieg, also dürften auch wirtschaftliche Zusammenschlüsse erlaubt sein. Aber wenn Sie wollen, können Sie vor Gericht ziehen. Ich denke, in fünf Jahren werden wir ein höchstinstanzliches Urteil haben. Aber bis dahin ist unsere Allianz ohnehin überflüssig geworden."

"Hat er gedroht, dich umzubringen?" Stella Likori schaute dem Präsidenten der Mining Corp. grinsend nach, aber ihre Augen flackerten unruhig, und ihre Hände wirkten fahrig und nervös. Ihre Euphorie nach dem Verhandlungserfolg war verschwunden.
Obi-Nor schaute sie prüfend an.
"Nein", wehrte sie seine Frage ab, bevor er sie ausgesprochen hatte. "Lass uns gehen."
Obi-Nor seufzte. Wenn Stella ihm nicht erzählen wollte, was sie bewegte, dann hatte es keinen Sinn nachzubohren. Das hatte er in 22 Jahren Zusammenarbeit mit ihr gelernt.
"Also gut", meinte er. "Es geht weiter wie geplant. Du informierst unsere Kontaktleute auf Bespin und nimmst dann ein Linienschiff nach Trexx. Ich fliege mit der Courier sofort nach Hause."
Stella blieb abrupt stehen. "Äh, lieber würde ich die Courier nehmen. Das macht dir doch nichts aus, oder?"
"Und ob mir das was ausmacht", brummte Obi-Nor. "Wenn du mir nicht sagen willst, was los ist, sehe ich auch keinen Grund, unseren Plan zu ändern."
Stella biss sich auf die Lippen.
"Wie du meinst", antwortete sie wütend.
Sie gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange.
"Bis in einer Woche dann!"
"He, warte!" rief Obi-Nor, als Stella sich anschickte, davon zu eilen. "Ich kann dich doch am Raumhafen absetzen!"
Stella schaute sich kühl um. "Danke, nicht nötig. Ich finde den Weg auch alleine!"
Obi-Nor starrte ihr nach.
"Stures Weib!" murmelte er.

 

 

2.

Duc Bittle betrachtete den endlosen Strom von Atmosphärengleitern, die vor dem Transparistahlfenster seines Büros ihre Bahn zogen. Sie erinnerten ihn an die kleinen roten Insekten seines Heimatplaneten For'Micula IV, die in Erdhügeln lebten und ihre Nahrung unermüdlich auf festgelegten Wegen transportieren. Die einzelnen Tiere hatten nur als Teil des Insektenvolkes ihre Bedeutung. Wie winzige Droiden gehorchten sie blindlings den Befehlen ihrer Königin. Wenn ein rivalisierendes Insektenvolk angriff, so konnten Unmengen von Arbeitsinsekten getötet werden, ohne dass das Volk selbst in Gefahr war. Instinktiv legte die Königin angesichts von Gefahren nämlich doppelt so viele Eier wie in friedlichen Zeiten. Ein angreifendes Insektenvolk hatte nur dann eine Chance, wenn es die Königin tötete und damit die Machtzentrale ausschaltete.
Aber war es bei den so genannten Vernunftwesen anders? War Corucsant nicht geradezu ein Paradebeispiel dafür, dass in dieser Galaxis eine kleine herrschende Elite die Fäden in der Hand hielt, während Millarden und Abermilliarden von Arbeitsinsekten schufteten? Doch die Tage Coruscants als Machtzentrale der Galaxis waren gezählt...
Duc Bittle konnte in der Transparistahlscheibe sein Abbild erkennen. Selbst ein wohlwollender Betrachter hätte die Spuren des Alterungsprozesses nicht übersehen können. Die tiefen Falten an Mund und Augen, das mittlerweile schlohweiße Haar und die leicht gekrümmte Haltung gaben ein beredtes Zeugnis für seine 82 Jahre ab. Nun, er hatte stets abgelehnt, lebensverlängernde Medikamente zu schlucken. Menschen wurden nunmal nicht viel älter als 90 Jahre, damit musste er sich abfinden. Um so mehr musste er sich beeilen, sein Lebenswerk zu vollenden.
Er schwenkte seinen Repulsorsessel herum und schwebte zu seinem Arbeitstisch zurück. Dann musterte er den Mann, der seit einigen Minuten still an der Tür gewartet hatte. Dieser Rice war wirklich ein disziplinierter Bursche. Er ließ sich nicht im geringsten anmerken, ob er wütend war, dass Duc Bittle ihn hatte warten lassen. In ihm steckte offensichtlich mehr als ein Auftragskiller und Kopfgeldjäger, der gut mit einem Blaster umgehen konnte. Nun, wer früher die berüchtigten Elitetruppen von For'Micula befehligt hatte, musste etwas Besonderes sein.
Bittle wies auf einen Formsteinsessel.
"Nehmen Sie doch Platz, Mr. Rice."
Der Angesprochene trat näher, setzte sich aber nicht in den Sessel.
"Wenn es Ihnen nichts ausmacht, Senator: Ich bin gewohnt zu stehen."
Bittle nickte lächelnd. Rice musste nicht erst erwähnen, dass er im Stehen schneller auf einen möglichen Angriff reagieren konnte. Natürlich rechnete der Ex-Offizier nicht mit einer aktuellen Gefahr, aber Wachsamkeit und Vorsicht schienen ihm in Fleisch und Blut übergegangen zu sein.
"Wie Sie wünschen, Mr. Rice. Was haben Sie über diese Jedi herausgefunden, die Ihnen den Chip abgenommen hat?"
Xior Rice steckte den indirekten Tadel ein, ohne mit der Wimper zu zucken. Natürlich wusste auch Duc Bittle, dass niemand damit rechnen konnte, dass es ausgerechnet eine Jedi war, die hinter dem Chip her war, aber diese spitze Bemerkung hatte er sich nicht entgehen lassen können.
"Sie heißt Yo-Karah Mal'Wan, Senator", begann Rice. "Sie ist vor fünfeinhalb Monaten auf Coruscant eingetroffen. Seither gibt es keine nachweisbaren Aktivitäten von ihr. Insbesondere hat sie sich nicht mit der Jedi-Akademie auf Yavin in Verbindung gesetzt."
"Seit fünf Monaten, sagen Sie?" Duc Bittle rieb sich das Kinn. "Eine Jedi reist nach Coruscant, taucht dort ab und läuft später als Geschäftsfrau verkleidet durch die Gegend. Nicht gerade das Verhalten, das ich von Jedi kenne."
"Nein, Senator, das ist es in der Tat nicht. Ich denke, Sie wissen so gut wie ich, dass sie in einem Auftrag hier war, der nur zwei Wochen nach der Labor-Aktion erteilt wurde. Und was das bedeutet, muss ich Ihnen nicht sagen."
Duc Bittle schüttelte den Kopf. Dann bedachte er seinen Besucher mit einem dünnen Lächeln. "Sie haben mir auf nette Art und Weise den Tadel zurück gegeben, Rice. Sie haben sich den Chip abnehmen lassen. Aber in meinem Ausschuss ist eine undichte Stelle. Ein Singvogel, der nichts besseres zu tun hat, als den Jedi-Orden in die Sache hinein zu ziehen. Darum werde ich mich kümmern, während Sie den Chip herbei schaffen. Ich nehme an, diese Mal'Wan hat ihn nicht mehr bei sich?"
"Unwahrscheinlich", bestätigte Rice. "Nach dem Zwischenfall mit dem öffentlichen Shuttle musste sie ihr Versteckspiel ohnehin aufgeben. Aber ich denke, ich weiß, wem sie das Teil gegeben hat. Ihr Vater ist Händler, Obi-Nor Gildorian, ein ehemaliger Schmuggler, wie wir erfahren haben. Er war zur gleichen Zeit im Mining Corp. Building bei einer Konferenz. Zufall oder nicht: Ich wette, dass der Mann den Chip jetzt hat."
"Ein Ex-Schmuggler?" Duc Bittle verzog das Gesicht. "Solche Leute haben ihren Preis. Das dürfte kein Problem sein."
"Da wäre ich mir nicht so sicher." Xior Rice' eisgraue Augen wurden hart. "Die Firma 'Gildorian Enterprises' hat ihren Sitz ausgerechnet auf dem Planeten Trexx."
"Trexx?!" Duc Bittle wäre trotz seines Alters beinahe aus dem Sessel gesprungen. "Der Heimatplanet von Senator McAars. Ein bisschen viele Zufälle, nicht wahr?"
"Ganz recht", nickte Rice. "Die Firma ist erfolgreich. Ich nehme an, Gildorian kannte McAars persönlich. Ich hielt es daher für besser, Liv Cassel mit der Sache zu beauftragen, Senator."
"Gut so." Duc Bittle wiegte zufrieden seinen Kopf. "Liv Cassel ist nicht gerade billig. Aber sie ist zuverlässig. Dieser Gildorian ist ein toter Mann."

"Bitte sehr, Mylord! Ich hoffe, diese Blumen entsprechen Euren Erwartungen."
Der silberne Kammerdiener-Droide GL02 trippelte herbei. In seiner rechten Hand hielt er einen Strauß roter trexxanischer Rosen.
Obi-Nor nickte. "Danke, George. Ich denke, das ist genau das Richtige. Diese Sorte mag sie sehr gern."
Er nahm die Blumen, verließ sein Privathaus und ging hinüber zu den flachen, lang gestreckten Verwaltungsgebäuden von Gildorian Enterprises, die die gesamte Westspitze von Palm Island in Beschlag nahmen. Stella war gestern von Bespin zurück gekommen, genauso nervös und abweisend wie zu dem Zeitpunkt, als sie sich im Gebäude der Mining Corp. getrennt hatten. Obi-Nor hatte deshalb beschlossen, ihr tägliches Management-Briefing zu einer persönlichen Aussprache umzufunktionieren. Es war nur allzu offensichtlich, dass Stellas Geheimniskrämerei weder ihr noch ihm gut tat.
Auf dem Weg zum Direktionsgebäude umschwirrten ihn zahlreiche Mini-P'Elohs. Diese bunten Vögel gaben der tropischen Insel mit ihren betörend duftenden, farbenprächtigen Blumen und den schlanken Queenspalmen erst den exotischen Reiz, den Obi-Nor so sehr mochte. Er war froh, dass er den Firmensitz seiner Handelsgesellschaft vor Jahren hierher verlegt hatte und nicht noch immer in diesem schrecklichen Moloch Coruscant hauste.

Als Obi-Nor sein Büro betrat, kam ihm Palm Island nicht mehr so paradiesisch vor: Stella kauerte in einer Zimmerecke; ein breitschädeliger Worg hielt ihr ein Vibromesser an die Kehle.
"Was...?!"
Obi-Nor kam nicht weiter. Er sah zwar noch eine Bewegung aus den Augenwinkeln, konnte aber dem Schlag mit dem Kolben eines Blastergewehrs nicht mehr ausweichen.
Als er wieder zu sich kam, schaute er direkt in Mündung einer TX3. Am anderen Ende der Waffe befand sich eine unscheinbare Frau von etwa 30 Jahren. Sie hatte schmutzigblondes Haar und blassblaue Augen. Ihre zierliche Figur steckte in einer schäbigen Pilotenmontur. Man hätte sie für eine harmlose, etwas ärmliche Frachterpilotin halten können - wenn da nicht die TX3 gewesen wäre, ein Blastergewehr, das die interstellare Konvention zur Kontrolle von Kriegswaffen erst im vergangenen Jahr geächtet hatte. Obi-Nor hoffte, dass der Finger, den die Frau am Abzug hatte, nicht zitterte. Die TX3 war für ihren empfindlichen Auslösemechnanismus bekannt, und Obi-Nor wollte auf keinen Fall, dass sein Büro mit Abertausend winzigen Partikeln seines Kopfes tapeziert würde.
"Aha, unser Rosenkavalier wird wieder wach." Die Stimme passt gar nicht zu der äußeren Erscheinung der Frau. Sie war eher eine Art akustisches Pendant zur TX3: kalt, schneidend und absolut gefühllos. Immerhin zog sich die Frau, die ganz offenbar eine Kopfgeldjägerin war, einen Schritt zurück, was Obi-Nor gestattete, sich aufzusetzen.
"Du rückst jetzt den Chip raus, Gildorian, sonst tapeziere ich dein Büro mit Abertausend winzigen Partikeln deines Kopfes."
"Sehr originell", brummte Obi-Nor, doch augenblicklich klebte die Mündung des Blastergewehres an seiner Stirn.
"Ich habe keine Zeit für blöde Bemerkungen, Gildorian. Der Chip! Wo ist er?"
Gern hätte Obi-Nor jetzt die Wahrheit gesagt, dass er nämlich nicht die geringste Ahnung hatte, wovon diese Frau eigentlich sprach. Aber es war nur allzu wahrscheinlich, dass sie dies wiederum für eine "blöde Bemerkung" halten würde, und das wollte er lieber nicht riskieren. Obi-Nor schaute Stella an; seine Lebensgefährtin schlug verschämt die Augen nieder. In Geschäftsverhandlungen war dies das vereinbarte Zeichen für die Aufforderung, den Preis in die Höhe zu treiben. Sollte Obi-Nor das jetzt wirklich probieren? Normalerweise hatte er keine Blastermündung an der Stirn, und diese Situation sah eigentlich nicht nach Geschäftsverhandlung aus. Dennoch, Stella schien etwas zu wissen, und wenn sie ihm schon das Zeichen gab...
Obi-Nor grinste. "Sie können den Chip haben, wenn Sie wollen. Es lässt sich doch über alles reden. Ich meine, Sie wollen doch sicherlich wieder heil aus diesem Gebäude raus, oder? Und die Insel wollen Sie doch auch sicher wieder verlass..."
Obi-Nor schrie auf. Jäh fuhren Schmerzen durch seine Nervenbahnen, und bläuliche Blitze tanzten vor seinen Augen. Er wusste nicht, wo die Kopfgeldjägerin den Elektroschock-Impulsor so schnell her hatte, aber er verstand sofort, dass es hier keine Verhandlungen geben würde. Offenbar war Stella der gleichen Meinung.
"Nun gib ihnen doch den Chip!" rief sie, bevor ein Fauchen des Worg sie zum Schweigen brachte.
"Also gut, ich gebe mich geschlagen", keuchte Obi-Nor. Er rappelte sich mühsam auf. "Er ist dort im Wandtresor. Warten Sie, ich hole ihn."
Er schwankte zur Wand und schob eine als Raumschmuck dienende, kunstvoll gravierte Edelgranitplatte zur Seite. Die grau schimmernde Stahltür des Tresors kam zum Vorschein. Obi-Nor tippte den Geheimcode auf der neben dem Safe in die Wand eingelassene Schalttafel ein.
"Halt!" rief die Kopfgeldjägerin, bevor er den Tresor öffnen konnte. "Zur Seite, Gildorian! Ich wette, Sie haben einen Blaster im Safe liegen. Das mache ich lieber selber."
Die Frau trat an den Safe, ohne Obi-Nor aus den Augen zu lassen. Dann öffnete sie die Stahltür.
Ein greller Blitz zuckte den Raum. Die Kopfgeldjägerin schaute ungläubig auf das qualmende Loch in ihrer Brust, bevor sie zu Boden sank. Obi-Nor schnappte sich das Blastergewehr, um den Worg in Schach zu halten, doch Stella hatte bereits ganz Arbeit geleistet. Die Schrecksekunde hatte ihr genügt, um das Vibromesser an sich zu reißen. Nun hatte es der Worg an der Kehle.

"Ich musste sie in dein Büro bringen, Obi-Nor. Ich habe mir schon gedacht, dass die Selbstschussanlage unsere einzige Chance ist. Aber wie hätte ich mit dem zweiten Angreifer fertig werden sollen? Ich musste auf dich warten; deshalb habe ich ihnen erzählt, ich wüsste den Geheimcode nicht." Stella schaute unglücklich drein. "Es tut mir Leid, dass ich dich in die Sache rein gezogen habe. Du willst mir Blumen mitbringen, und ich schleppe dafür zwei Kopfgeldjäger an!"
Obi-Nor winkte ab. Nachdem der Sicherheitsdienst die Leiche der Kopfgeldjägerin abtransportiert und den Worg in einen Lagerraum gesperrt hatte, war die Spannung von ihm abgefallen. "Ich habe schon schlimmere Zwischenfälle erlebt, Stella. Allerdings hätte mich dein Zeichen zur Preistreiberei beinahe den Kopf gekostet!"
"Mein was?!" Stella schaute ihn verständnislos an.
"Na, dein Ich-schau-zu-Boden-weil-ich-mich-schäme-Blick! Ich dachte... was gibt es denn da zu lachen?!"
"Verzeih mir, Obi-Nor", prustete Stella. "Das war kein Zeichen. Ich habe mich geschämt! Deshalb habe ich zu Boden geguckt."
"Wie bitte?!" Obi-Nor starrte sie wütend an, doch dann fiel er in ihr Lachen ein. "Manche Missverständnisse können tödlich sein."
Ernster fuhr er fort: "Du wolltest mich nicht in die Sache rein ziehen, aber das ist dir wohl nicht ganz gelungen. Jetzt erzähle mir erstmal, was 'die Sache' überhaupt ist. Welchen Chip wollten die beiden haben?"
Stella kramte einen würfelförmigen Gegenstand aus der Tasche. Sie gab ihn Obi-Nor, der ihn prüfend von allen Seiten anstarrte.
"Diesen Chip hier wollten sie. Ich habe ihn ständig bei mir getragen, seit wir uns auf Coruscant getrennt haben", erklärte Stella. "Was dieser Chip eigentlich ist, weiß ich selbst nicht so genau. Yo-Karah hat ihn mir im Mining Corp. Building gegeben."
"Yo-Karah?!" fuhr Obi-Nor auf. "Also war sie doch dort! Aber warum habe ich sie nicht gespürt? Und wieso hat sie diesen Gegenstand dir gegeben und nicht mir?"
"Sie wollte dich nicht hinein ziehen", erklärte Stella. "Es schien ihr zu gefährlich zu sein. Deshalb hat sie sich vor dir abgeschirmt."
Obi-Nor lachte höhnisch. "Zu gefährlich?! Aber dich hinein zu ziehen, hatte sie keine Skrupel!"
Er starrte einen imaginären Punkt an der Wand an.
"Ich verstehe Yo-Karah nicht", murmelte er tonlos. "Ich habe das Gefühl, meine Tochter entgleitet mir. Abgeschirmt, sagst du? Sie zerschneidet das Band, dass uns immer verbunden hat."
"Nein, versteh doch!" Stella schaute Obi-Nor beschwörend an. "Sie hatte Angst um dich, Obi-Nor. Sie meinte, ich solle den Chip nach Palm Island schaffen und ihn dann vergessen, bis sie ihn abholt. Du würdest dich damit nicht zufrieden gegen, meinte sie. Sie befürchtete, dass du auf eigene Faust Nachforschungen anstellst."
"Damit hat sie ganz Recht!" grollte Obi-Nor. "Genau das werde ich auch machen. Ich hasse es, wenn Kopfgeldjäger in mein Büro spazieren! Ich werde Helen kontaktieren. Wenn das hier ein Chip ist, wird sie uns am ehesten weiter helfen können."
Helen Moonlight, Obi-Nors Schwester, war eine der angesehensten Computerspezialistinnen in der mittleren Galaxis. Sie war Dozentin an der Akademie der Wissenschaften in Erdres auf Trexx. Obi-Nor hoffte, dass er sie zu Hause erreichen wüde. Er aktivierte das HoloKomm-Gerät, und das Bild seiner Twi'Lek-Sekretärin erschien.
"Cooleesha, schau doch bitte, ob du meine Schwester erreichst; ich würde gern bei ihr vorbei kommen. Und sag Rhysbe, sie soll die Courier startklar machen. Ach ja, George soll nur für eine Person kochen, ich komme nicht zum Essen."
"Er soll das Essen ganz ausfallen lassen", mischte sich Stella ein. "Und Cooleesha: Sage alle meine Termine für heute ab." Zu Obi-Nor gewandt fügte sie hinzu: "Ich komme natürlich mit."

Yo-Karah überprüfte die Abhörsicherheit der Verbindung. Zwar war sie enttarnt worden, und Xior Rice wusste mittlerweile sicherlich, wer die Jedi war, die ihm den Chip abgenommen hatte. Dennoch wollte sie jedes unnötige Risiko vermeiden, wenn sie den Jedi-Tempel auf Yavin 4 kontaktierte.
Das HoloBild Luke Skywalkers erschien. "Sei gegrüßt, Yo-Karah. Du wolltest mich sprechen?"
Yo-Karah verbeugte sich vor dem Jedi-Meister. "Master Skywalker, meine Mission ist zumindest teilweise gescheitert." Dass ihre Tarnung aufgeflogen war, musste sie Luke Skywalker nicht erst erklären. Er konnte ja sehen, dass sie wieder ihre einfache Jedi-Kluft angelegt hatte.
"Ich habe eines dieser... Objekte an mich bringen können. Es befindet sich jetzt an einem sicheren Ort, wie ich hoffe."
Luke Skywalker zog die Stirn in Falten. "Eines dieser Objekte? Gibt es denn mehrere?"
"Davon müssen wir ausgehen."
Yo-Karah rief sich noch einmal die Szene auf dem Dach des Büroturms in Erinnerung. Mit höhnischem Lächeln hatte sich Xior Rice von dem Chip getrennt. Er hatte es riskiert, dass der Gegenstand für immer verloren ging. Gab es dafür eine andere Erklärung als die Vermutung, dass mindestens noch ein zweiter Chip existierte?
"Ich werde deshalb auf Coruscant bleiben, Master Skywalker", sprach sie weiter. "Ich frage mich allerdings, wie es kommt, dass ich enttarnt worden bin." Yo-Karah lächelte. "Ich hoffe, du denkst nicht, dass ich mich für unfehlbar halte."
Auch Luke Skywalker lächelte. Doch dann wurde seine Miene ernst.
"Du vermutest Verrat? Das wäre eine Möglichkeit. Dann ist es das Sinnvollste, du führst deine Nachforschungen unmittelbar im Umfeld des Senats fort. Am besten beim Ausschuss für innovative Militärtechnologie selbst."
Yo-Karah nickte. Der Auftrag zur Entwicklung des Chips war von diesem Ausschuss gekommen. Wenn ihre Mission verraten worden war, dann hatte dieses Gremium höchstwahrscheinlich eine undichte Stelle. Umso wichtiger war es für sie zu wissen, wer den Jedi-Orden um Hilfe gebeten hatte.
Fragend schaute sie den Jedi-Meister an. "Wem kann ich dort vertrauen?"
"Das wirst du mit Hilfe der 'Macht' selbst heraus finden müssen", lautete die Antwort.
Demnach hatte kein Mitglied des Ausschusses mit Yavin Kontakt gehabt, sondern vermutlich Senatorin Leia Organa Solo, Luke Skywalkers Schwester.
Yo-Karah verbeugte sich zum Abschied und deaktivierte die Verbindung.
Sie würde unverzüglich mit den weiteren Nachforschungen anfangen. Eigentlich hatte sie schon lange vor gehabt, Leia, eine alte Freundin ihres Vaters, wieder zu sehen.

Helen Moonlights Wohneinheit lag in einem der wenigen hoch aufragenden Wohntürme von Erdres, in unmittelbarer Nähe der Akademie der Wissenschaften und unweit des Raumhafens für Atmosphären- und Orbitalflüge, wo die Courier III gelandet war. Eigentlich war es eine Ressourcen-Verschwendung gewesen, mit Obi-Nors luxuriöser Privat-Yacht den kurzen Weg von Palm Island zur Planetenhauptstadt zurückzulegen. Doch Rhysbe, die Warlucca-Pilotin, hatte darauf bestanden, Obi-Nor und Stella selbst nach Erdres zu fliegen. Auch jetzt, als die beiden einen Miet-Speeder für die Fahrt von der Landebucht zu Helens Wohnkomplex nahmen, wollte sie sie nicht allein lassen.
"Obi-Norrr, wenn jemand Kopfgeldjägerrr auf dikch angesetzt hat, dann schwebst du in hökchsterrr Gefahrrr", brummte sie mit ihrem rauen Akzent. "Lass mikch mitkommen."
Obi-Nor lächelte. Seit er Rhysbe vor Jahren aus einem Verlies befreit hatte, war sie ihm treu ergeben. Nicht nur als Pilotin, sondern auch als Leibwächterin, wenn es nötig war. Tatsächlich waren die langen Fangzähne in ihrer wolfsähnlichen Schnauze, vor allem aber die sichelförmig gebogene, gut acht Zoll lange rasiermesserscharfe Jagdklaue furchtbare Waffen im Nahkampf, und Obi-Nor fühlte sich immer ein wenig sicherer, wenn Rhysbe an seiner Seite war. Dennoch schüttelte er den Kopf.
"Im Moment besteht keine Gefahr. So schnell können sie unmöglich ein zweites Kopfgeldjäger-Team entsandt haben - wer immer sie sein mögen. Pass auf das Schiff auf, altes Mädchen. Stella und ich kommen schon zurecht."
Rhysbe knurrte grollend und zeigte drohend ihre Fangzähne, gab dann aber doch nach. Widerstrebend öffnete sie die Ausstiegsluke, um die beiden Menschen hinaus zu lassen.
"Seid vorrrsikchtig!" rief sie hinter ihnen her.
Als sie im Gleiter saßen, schüttelte Obi-Nor nachdenklich den Kopf.
"Merkwürdig", sinnierte er. "Alle wollen mich vor irgendeiner Gefahr bewahren. Yo will mich nicht in diese geheimnisvolle Sache hinein ziehen, du sagst mir nichts von diesem Chip. Und jetzt fängt sogar Rhysbe an. Mich würde nicht wundern, wenn Helen nachher ebenso besorgt ist."
"Jetzt hast du die vier Frauen aufgezählt, die dir am nächsten stehen", gab Stella lächelnd zurück. "Ein Mann sollte auf die Frauen in seinem Leben hören, das weißt du doch."
Obi-Nor lachte auf. "Du wirst Rhysbe doch wohl nicht als 'Frau in meinem Leben' bezeichnen wollen!"
Doch dann wurde er ernst. "Vielleicht sollte ich die Besorgnis und die Warnungen nicht einfach so abtun, Stella. Ich habe ein schlechtes Gefühl bei der Sache. Ich fürchte, wir rutschen gerade in eine Angelegenheit hinein, die ein böses Ende nehmen könnte."

Obi-Nor und Stella staunten nicht schlecht, als sie Helen Moonlights Wohnung betraten. Sie waren nämlich keineswegs der einzige Besuch der Computerspezialistin. Ein Mann und eine Frau, beide jenseits der 60, warteten bereits im großen Wohnraum. Es waren Goss Liew, der Außenminister, und Carrie T'Marrel, die Handelsministerin des Planeten Trexx.
Helen wirkte angespannt und müde, als sie ihren Bruder und dessen Lebensgefährtin begrüßte.
"Ich muss die Herrschaften ja nicht miteinander bekannt machen." Sie seufzte. "Obi-Nor, Stella, Ihr beide seid mir immer willkommen. Doch ich wünschte, ihr wärt zu einem anderen Zeitpunkt und aus einem anderen Grund nach Erdres geflogen. Nachdem ihr mich kontaktiert habt, habe ich die Regierung verständigt. Ich denke, Minister Liew wird euch selbst erklären, worum es eigentlich geht."
"Das will ich hoffen", brummte Obi-Nor. "Ich habe nämlich das Gefühl, ein Spielstein auf einem HoloBrett zu sein. Und ich hätte zu gern gewusst, welchen Spiel hier überhaupt gespielt wird!"
"Es ist keineswegs ein Spiel, Mr. Gildorian, sondern eine höchst brisante politisch-militärische Angelegenheit", ergriff Goss Liew das Wort. Der Außenminister musterte Obi-Nor prüfend, als versuche er ihn nach einem verborgenen Kriterienkatalog einzuordnen. Liew war klein und schmächtig, doch seine intelligenten grünen Augen blickten durchdringend und sein Mund hatte einen harten Zug. Er war allgemein als machtbewusster und eiskalter Politiker bekannt. Nicht wenige sahen in ihm den künftigen Präsidenten des Planeten Trexx.
"Bevor ich Ihnen jedoch Näheres erklären kann, bitte ich Sie, mir den Chip auszuhändigen, hinter dem die Kopfgeldjäger her waren."
"Wie bitte?!" rief Obi-Nor und schaute seine Schwester wütend an. Stella biss sich mit finsterem Blick auf die Lippen.
"Es tut mir Leid", seufzte Helen. "Erst kontaktiert ihr mich wegen dieses geheimnisvollen Chips, dann bringen sie in den Planeten-Nachrichten den Überfall auf Palm Island. Ich musste nur eins und eins zusammen zählen..."
"Es war genau die richtige Entscheidung", mischte sich Carrie T'Marrel ein. "Obi-Nor, vertrauen Sie mir! Bitte zeigen Sie Minister Liew den Chip."
Obi-Nor und Stella schauten sich an. Dann zuckte Stella mit den Achseln und zog den kleinen Würfel aus der Tasche.
"Also gut", meinte sie. "Hier ist dieses seltsame Objekt."
Goss Liew nahm den Chip in die Hand und betrachtete ihn von allen Seiten.
"Genau, wie McAars ihn beschrieben hat", murmelte er. Fragend schaute er Helen Moonlight an.
Die Computerspezialistin nickte. "Ich werde ihn untersuchen. Aber das wird seine Zeit dauern."
"Also schön", ergriff Liew erneut das Wort. "Mrs. Likori, Mr. Gildorian, wie Sie wissen, wird Senator McAars seit einem halben Jahr vermisst. Es gibt keine Hoffnung, ihn jemals lebendig wiederzusehen. Ihnen wird auch bekannt sein, dass er Mitglied des Senatsausschusses für innovative Militärtechnologie war. Was Sie nicht ahnen können, ist, dass McAars der Koordinator für die Entwicklung einer Superwaffe war. Ein streng geheimes Projekt, das die Kriegsführung in dieser Galaxis revolutionieren könnte. Die Waffe dient dazu, jegliche, ich wiederhole: jegliche Energiequelle in einem großen Umkreis lahm zu legen. Eine ganze Flotte könnte so außer Gefecht gesetzt werden, ohne das ein einziger Schuss fällt." Liew grinste. "Ohne dass ein einziger Schuss fallen kann."
"Und dieser Chip?" fragte Stella.
Goss Liew drehte den Gegenstand zwischen seinen Fingern hin und her. "Der Chip, Mrs. Likori, ist vermutlich diese Superwaffe."
Obi-Nor setzte ein spöttisches Grinsen auf. "Ah ja, natürlich. Sie spielen soeben mit der absoluten Superwaffe der Galaxis. Dem Todesstern für Spielkinder sozusagen. Tut mir Leid, Herr Minister, aber Sie müssen schon mit einer besseren Geschichte aufwarten. Malen Sie das Teil rot und blau an, dann haben Sie einen erstklassigen toydarianischen Glückswürfel. Aber verschonen Sie mich mit Ihrem Gerede von der Superwaffe."
"Ich weiß, es klingt unglaubwürdig", sagte Helen. "Aber die Regierung hat mich gebeten, die Theorie dieser Waffe zu überprüfen. Und ich glaube, dass sie funktionieren kann - in der Theorie zumindest."
"Du hast was?!" Obi-Nor starrte seine Schwester an. "Du arbeitest im Regierungsauftrag an der Entwicklung einer Superwaffe?"
"Das stimmt nicht ganz", stellte Goss Liew klar. "Ihre Schwester wurde lediglich als unabhängige Gutachterin beauftragt, die Theorie dieses Chips zu bestätigen. Immerhin kostete die Entwicklung ein Vermögen, und der Senator unseres Planeten zeichnete politisch dafür verantwortlich."
"Aber wie kann so ein kleines Ding denn eine ganze Flotte außer Gefecht setzen?" wollte Stella wissen.
Helen räusperte sich. "Tja, also, wie soll ich das erklären? Dieser Chip generiert ein virtuelles neuronales Netzwerk, welches asynchron zum Raum-Zeit-Kontinuum..."
"Oh bitte hör auf!" lachte Stella. "Ich verstehe kein Wort davon. Aber wenn du sagst, es funktioniert, dann glaube ich dir sofort."
"Es ist eine geniale Erfindung", nickte Helen respektvoll. "Ich weiß nicht, ob sie in der Praxis funktioniert. Die Theorie ist jedenfalls überzeugend."
"Also schön", meinte Obi-Nor. "Wir haben eine Superwaffe, einen verschollenen Senator, Kopfgeldjäger und zwei hochrangige Regierungsmitglieder. Keine besonders angenehme Mischung. Helen, ich nehme an, du hast den Herrschaften erzählt, wie wir über Yo-Karah an den Chip gelangt sind? Gut. Dann liegen die Puzzlesteine auf dem Tisch. Fragt sich nur, zu welchem Bild wir sie zusammen setzen."
"Das Forschungslabor, das diese Waffe entwickelte, ist bei einer rätselhaften Explosion zerstört worden", sprach Goss Liew. "Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass Senator McAars bei diesem Vorfall ums Leben kam. Das war nicht das Werk irgendwelcher Gangster, Mr. Gildorian. Wir haben es hier mit einer ernsten Verschwörung in Senatskreisen zu tun. Und wir haben vor, diese Verschwörung aufzudecken. Senator McAars konnte offiziell noch nicht als tot erklärt werden, da sein Leichnam nicht gefunden wurde. Laut Senatstatuten der Neuen Republik kann in einem solchen Fall nach einem halben Standardjahr ein neuer Senator ernannt werden. Nach trexxanischem Recht geht dies aber erst nach einem vollen Jahr. Also haben wir eine halbjährige Übergangsfrist, die wir nutzen können, um der Sache auf die Spur zu kommen. Die Regierung beabsichtigt daher, genau für diese Frist kommissarisch einen Senator zu ernennen, der auf Coruscant die nötigen Nachforschungen anstellt und die Verschwörung aufdeckt."
"Klingt nach einem Selbstmordkommando", brummte Obi-Nor. "Wissen Sie schon, wen Sie schicken wollen?"
Carrie T'Marrel räusperte sich verlegen. "Wir dachten dabei an Sie, Obi-Nor."

Obi-Nor lachte lauthals. "Ich als Senator? Sie haben Humor, das muss ich Ihnen lassen! Braucht ein Senator nicht ein Minimum an Diplomatie und guten Manieren?"
Stella sprang wütend auf.
"Das ist kein bisschen lustig. Und es kommt gar nicht in Frage! Wie können Sie es wagen, Obi-Nor eine derart gefährliche Mission anzuhängen! Sie haben doch selbst gesagt, dass Senator McAars ermordet wurde. Und nun wollen Sie ihn auf dem gleichen Posten sehen? Wir hatten bereits einen Überfall auf Palm Island, schon vergessen?"
Der Außenminister machte eine beschwichtigende Geste. "Nun, gerade dieser letzte Umstand beweist ja, dass Sie selbst hier auf Trexx nicht völlig sicher sind. Außerdem kann man ja wohl Senator McAars und Mr. Gildorian nicht miteinander vergleichen. Ihr Partner war schließlich..."
Liew brach ab, doch Obi-Nor, der sich inzwischen köstlich zu amüsieren schien, setzte den Satz fort: "war schließlich mal ein Schmuggler, der es gewohnt ist, sich den Weg frei zu schießen. Sagen Sie's ruhig, Liew, pardon, Herr Minister, Sie wollen einen Schmuggler in den Senat der Neuen Republik bugsieren."
"Na und?!" konterte Liew gereizt. "Was bleibt uns anderes übrig? Und was finden Sie an der Vorstellung eigentlich so verdammt witzig?"
"Das kann ich Ihnen sagen, wenn Sie's unbedingt wissen wollen - Carrie, hören Sie mal einen Moment weg! Herr Außenminister, was glauben Sie, wie viele Senatsmitglieder ich in der Vergangenheit geschmiert habe, um ihre dreckigen Handelslizenzen zu bekommen? Dieses aufgeblasene Pack widert mich an, und trotzdem muss ich denen die Credits in den Arsch schieben, damit meine Firma überleben kann! Und nun wollen Sie mich zu einem von denen machen?! Das ist absurd!"
Obi-Nor erwartete, dass Goss Liew in ebenso scharfer Weise konterte, doch zu seinem Erstaunen wandte sich der Außenminister lediglich milde lächelnd an seine Kabinettskollegin.
"Sie hatten Recht, Carrie. Diplomatie ist wahrlich nicht seine Stärke."
Die Handelsministerin nickte. "Nein, ist es nicht. Aber er kann es schaffen. Außerdem: Auf dem diplomatischen Parkett kann er Unterstützung bekommen." Und zu Stella gewandt fuhr sie fort: "Jeder Senator kann zwei Berater bestimmen. Wir haben einen routinierten Geheimdienstmajor für den einen der beiden Posten vorgesehen. Wir dachten, dass Sie, Stella, die zweite Beraterin werden."
"Das kommt gar nicht in Frage!" empörte sich Obi-Nor. "Das ist viel zu gefährlich!"
"Aber nicht doch!" Stella grinste, und Abenteuerlust blitzte in ihren Augen. "Minister Liew hat Recht. Selbst auf Trexx sind wir nicht völlig sicher. Da ist es doch besser, wir gehen die Gefahr offensiv an. Außerdem kann ich dann auf dich aufpassen. Ich wollte immer schon mal einen diplomatischen Pass haben..."
Obi-Nor wandte sich Hilfe suchend zu seiner Schwester um, doch die nickte nur. "Zu zweit könnt ihr es schaffen, das habe ich im Gefühl."
"Also abgemacht?" fragte Goss Liew.
Obi-Nor seufzte. "Abgemacht. Aber wundern Sie sich nicht, wenn das Ansehen der Politiker in dieser Galaxis noch tiefer sinkt..."

 

 

3.

"Der Ausschuss für innovative Militärtechnologie?"
Senatorin Leia Organa Solo sprach diese Worte mit grimmiger Miene aus.
"Dieser Ausschuss ist vermutlich das umstrittenste Gremium im Senat. Die einen halten ihn für das geeignete Instrument zur Lösung aller militärischen Probleme, die anderen schlicht für eine Verschwendung von Steuergeldern."
"Und du gehörst zur zweiten Fraktion", sagte Yo-Karah bestimmt.
Leia lächelte. "Einer Jedi bleibt fast nichts verborgen." Sie seufzte. "Ja, du hast Recht. ich halte von diesen militärischen Träumereien nicht viel. Obwohl ich fast mein ganzes Leben lang in die verschiedensten Kriege verwickelt war, habe ich stets mehr auf die Wirkung diplomatischer Lösungen gesetzt."
Yo-Karah musterte die Senatorin. Sie wirkte abgespannt und ausgelaugt. Die Jahre als Präsidentin der Neuen Republik mussten gewaltig an ihren Kräften gezerrt haben. Auch jetzt, nach ihrem Rücktritt als Regierungschefin, gönnte sie sich keine Minute Ruhe. Aber so kannte Yo-Karah die Schwester von Luke Skywalker. Das Bild der rastlosen, starken und mutigen Rebellin im Kampf gegen das Imperium gehörte zu ihren ältesten Kindheitserinnerungen. Dennoch war es ein großer Kontrast zu der müde wirkenden Senatorin in ihrem gediegen eingerichteten Repräsentationszimmer inmitten des Senatskomplexes.
Leia lächelte. "Ich bin alt geworden, nicht wahr? Ich weiß, dass man es mir ansieht. Aber ich kann in meinem Kampf um die innere Einheit der Republik nicht nachlassen, Yo-Karah. Die Zeiten haben sich geändert. Als wir uns gegen äußere Bedrohungen zur Wehr setzen mussten, hat uns das geeint. Was blieb uns auch anderes übrig? Aber nun treten die Unterschiede zwischen den verschiedenen Welten, die sich zur Republik zusammen geschlossen haben, immer deutlicher zum Vorschein."
Ihre Augen wurden hart, und ihre Mundpartie bekam einen bitteren Zug, als sie weiter sprach: "Der Senat ist voller gieriger, geschwätziger Delegierter, die sich nicht um das Gemeinwohl kümmern. Eine schwerfällige Bürokratie erstickt jedes schnelle Handeln. Und schon gedeihen Postenschacherei und Korruption."
Leia zuckte resigniert die Achseln. "Aber wenn es nur das wäre! Ich fürchte, im Senat ist eine Verschwörung großen Ausmaßes im Gange. Deshalb habe ich ja Luke verständigt. Ich weiß nicht, wem ich hier trauen kann. Han ist zu bekannt - und außerdem nicht gerade der Spezialist für diskrete Ermittlungen."
Bei den letzten Worten musste Leia unwillkürlich lächeln.
Auch Yo-Karah lächelte. "Ich habe mich auch nicht gerade als unauffällig erwiesen. Die Entführung des Shuttles war ein gefundenes Fressen für die HoloNachrichten. Ich nehme an, die Tatsache, dass ich nicht verhaftet wurde, habe ich dem Einfluss einer angesehenen Senatorin zu verdanken?"
Leia winkte ab. "Das war das mindeste, was ich tun konnte. Aber ich fürchte, man wird dich ausweisen, Yo-Karah. Ob du noch Gelegenheit hast, deine Nachforschungen fortzusetzen, ist mehr als zweifelhaft."
Yo-Karah machte eine unbestimmte Geste. "Das werden wir sehen. Mein Gefühl sagt mir, dass ich noch länger auf Coruscant bleiben werden. Wie auch immer: Was kannst du mir über den Ausschuss sagen? Dort muss einer der Verschwörer sitzen. Aber vielleicht auch jemand, der mir weiter helfen kann. Denn irgendwoher musst du deine Informationen ja haben, aufgrund derer du den Jedi-Orden um Hilfe gebeten hast."
Leia erhob sich aus ihrem Formsteinsessel und trat zu der Computerkonsole ihres Arbeitstisches. Sie gab eine Datenbankabfrage ein und aktivierte den HoloProjektor. Sofort erschienen die dreidimensionalen Bilder der Ausschussmitglieder im Raum. Es waren sieben Personen: vier Menschen - drei Männer und eine Frau -, ein Bothaner, ein Wookie und ein pelziges Knäulwesen, bei dem Yo-Karah weder Gesicht noch Gliedmaßen erkennen konnte.
"Die interne Bilddatenbank des Senats", erklärte Leia. Sie deutete auf einen auf einen alten, gebeugten Mann. "Das ist Duc Bittle von For'Micula IV, der Ausschussvorsitzende. Ein fähiger, nüchtern denkender Politiker. Er war bereits zu Zeiten des Imperiums im Senat."
Leias Worte waren sachlich formuliert, doch Yo-Karah nahm ein leichtes Flackern in der Aura der Senatorin wahr.
"Du magst ihn nicht", stellte sie fest.
"Meine persönliche Sympathie oder Antipathie spielt keine Rolle."
"Aber du magst ihn trotzdem nicht", insistierte Yo-Karah.
Leia schüttelte den Kopf. "Nein, ich kann ihn nicht leiden. - Aber das hat gar nichts zu sagen."
Yo-Karah erwiderte nichts. Diplomatie war Leia in Fleisch und Blut übergegangen. Jahrzehntelang hatte sie ihre persönlichen Gefühle für Verhandlungspartner hintan stellen müssen. Aber dennoch - oder gerade deswegen - hatte sie ein feines Gespür für die Einschätzung anderer Personen entwickelt. Yo-Karah beschloss, Duc Bittle mit äußerster Vorsicht zu begegnen.
"Der Nächste ist Bor van Toeging, ein recht neues Senatsmitglied aus dem Outer Rim", fuhr Leia fort. "Es ist schon erstaunlich, dass er es so schnell in den Ausschuss geschafft hat. Ich kenne ihn seit der Tribas-Krise. Er vertraut mir. Deshalb hat er mich auch informiert, als Senator McAars plötzlich verschwand."
"Also kommt er als Verschwörer nicht in Frage."
"Nein, sicher nicht. Er wird dir helfen, so gut er kann."
Yo-Karah deutete auf den dritten Menschen.
"Der da ist also Senator McAars."
"Ja, das ist er." Leia betrachtete das Bild nachdenklich.
"Clivor McAars ist ein fähiger Politiker. Oder muss ich schon sagen: war ein fähiger Politiker? Dazu ein wirklich integerer Mann. Er hatte nur einen Fehler: Er konnte schrecklich stur sein." Leia grinste. "Ich fürchte, ich habe dieselbe Schwäche. Wir haben uns einmal schrecklich gestritten, Es ging um den Bau einer orbitalen Medistation hier auf Coruscant. Er war dagegen, ich dafür. Es schien mir, als wollte er die Station mit allen Mitteln verhindern. Dabei ging es doch nur um eine Verbesserung der medizinischen Versorgung."
Kopfschüttelnd fügte sie hinzu: "Wie unwichtig mir die Sache heute vorkommt..."

Leia stellte Yo-Karah noch die anderen Ausschussmitglieder vor: Jive Reshgar, eine herrisch wirkende Senatorin aus dem Middle Rim, Riss'lya, den Senator Bothans, den Wookie Chisleebacc sowie den S'Treego von der Spezies der Furs. Niemand von ihnen wirkte sonderlich vertrauenserweckend.
"Was hast du nun vor?" fragte Leia zum Abschluss ihres Gesprächs.
Yo-Karah dachte einen Moment lang nach. "Ich würde am liebsten sofort Bor van Toeging aufsuchen. Aber ich muss davon ausgehen, dass meine Schritte hier auf Coruscant überwacht werden. Es würde einen schlechten Eindruck machen und obendrein verdächtig wirken, wenn ich den Ausschussvorsitzenden übergehe. Deshalb werde ich vorher Duc Bittle einen Besuch abstatten. Als erstes aber werde ich meinen Vater begrüßen. Ich spüre seine Gegenwart hier im Senatskomplex. Ich nehme an, Stella ist bei ihm. Ich habe ihr einen Gegenstand geliehen, den sie mir sicherlich wieder zurück geben will."
"Ja, ich habe schon gehört, dass Obi-Nor vorübergehend zum Senator ernannt wurde." Leias Stimme bekam einen warnenden Ton. "Bestell deinem Vater herzliche Grüße. Und sag' ihm, er soll vorsichtig sein!"

"Corrruscant ist ein schrrrecklikcher Planet, Obi-Norrr. Lieberrr würrrde ich dikch in einer Wampahöhle auf Hoth absetzen."
Rhysbe setzte die Courier III sanft auf einer der Shuttle-Plattformen des Senates auf. Dann schaute sie hinüber zu Obi-Nor, der auf dem Co-Pilotensitz Platz genommen hatte. "Ikch spürrre Gefahr, Obi-Norrr!"
Der Händler grinste. "Du redest schon wie eine Jedi. Aber ich kann auf mich aufpassen."
Er erhob sich und schickte sich an, das Cockpit zu verlassen. An der Tür drehte er sich noch einmal um.
"Danke, dass du dich um mich sorgst, Rhysbe. Aber ich bin viel lieber hier als in einer Wampahöhle. Hier ist es nämlich nicht so kalt."
Er zwinkerte seiner Pilotin zu und ging zur Ausstiegsluke, wo Stella schon auf ihn wartete. Das Grollen der Warlucca hinter ihm ignorierte er.
Auf der Plattform wartete ein drahtiger blonder Mann von etwa 50 Jahren. Seine stramme Haltung, sein kurz geschorenes Haar, seine stahlharten blauen Augen, einfach alles an ihm wirkte militärisch. Er verbeugte sich knapp.
"Mrs. Likori, Mr. Gildorian, ich bin Major Orlando Bean, trexxanischer Sicherheitsdienst. Ich werde Sie in Ihrer Mission unterstützen und offiziell als zweiter Berater des Senators fungieren."
Stella und Obi-Nor gaben ihm die Hand.
"Sehr erfreut, Major", sagte Obi-Nor. "Ich nehme an, Sie wissen, wo mein künftiges Büro ist, unser Quartier und das alles?"
Major Bean führte sie zu einem kleinen Shuttle, und sie flogen an der riesigen Kuppel des Senates vorbei zu einem der glitzernden Wohn- und Bürotürme, in denen die Senatoren sowie die Administration der Neuen Republik untergebracht waren.

Nachdem sie kurz ihr künftiges Quartier inspiziert hatten - eine luxuriöse Wohnung mit atemberaubenden Blick auf das Senatsgebäude - führte sie ihr erster Weg zum Hauptsitz der Senatsverwaltung, wo sie ihre Akkreditierung in Empfang nehmen sollten. Der Senatssekretär war ein geflügelter, grünschuppiger Pesciranier mit unaussprechlichem Namen, der zunächst mit zischendem Akzent einen höchst umständlichen Vortrag über die Rechte und Pflichten eines Senators hielt. Stella grinste innerlich, als sie sah, wie Obi-Nor vor diesen flatternden Bürokraten hintrat, um den Eid auf die Verfassung zu sprechen. Er versuchte, möglichst gelassen zu wirken, doch Stella spürte seine Aufregung und seinen Stolz. Dieser Senatorenposten bedeutete ihm offenbar mehr, als er sich und anderen eingestehen wollte. Aber Stella ging es nicht viel anders. Immerhin war es ein weiter Weg gewesen von einer ärmlichen N'Carh-Pflückerin auf Ghan zur Senatsberaterin mit diplomatischem Pass.
"... dass ich die Verfassung schützen und die Gesetze achten, den Nutzen und das Allgemeinwohl der Neuen Republik mehren und Schaden von ihr abwenden werde", beendete Obi-Nor soeben die Eidesformel.
Der Senatssekretär überreichte ihm daraufhin das Datapad mit dem Senatsausweis.
"Möge die Macht mit Ihnen sssein, Sssenator Gildorian! Ich nehme an, Sssie wollen Ihre Berater sssofort akkreditieren lassssen?"
"Ganz recht", nickte Obi-Nor. "Als erste Beraterin ist Stella Likori vorgesehen. Hier ist ihr Datapad."
Der Sekretär prüfte das Dokument und bat Stella, dessen Echtheit mit einem Netzhautscan zu bestätigen.
"Sssehr einfach bei Mensssschen", zischte er. "Geht allesss viel sssschneller als bei Wookiesss."
"Und Major Bean hier ist der zweite Berater", fuhr Obi-Nor fort. "Ich... was ist denn da los?!"
Vor der Tür erhob sich ein kleiner Tumult. Plötzlich schwang die Türscheibe nach oben, und eine Frau in der typischen braunen Kluft des Jedi-Ordens kam herein, gefolgt von vier bewaffneten Männer in der schwarzen Uniform des Senatssicherheitsdienstes.
"Yo-Karah!" riefen Stella und Obi-Nor wie aus einem Mund.
Die Jedi deutete lächelnd eine Verbeugung an. "Stella, Vater, ich freue mich, euch zu sehen. Bitte entschuldigt die Störung, aber diese Herrschaften waren nicht davon abzubringen, mich zu begleiten."
"Wasss hat dasss allesss ssszu bedeuten?!" rief der Sekretär mit schriller Stimme. "In diesssem Büro findet sssoeben eine Amtssshandlung ssstatt. Bitte warten Sssie sssolange draussssen!"
Einer der Sicherheitsleute trat hervor. Es war ein kleiner, drahtiger Mann mit dichtem schwarzen Haar und mandelförmigen braunen Augen. Seine auffallend helle Haut und die hohen Wangenknochen ließen auf eine Abstammung vom Planeten N'pon schließen. Stella schätzte ihn auf etwa 30 Jahre.
"Ich bitte die Störung zu entschuldigen", sprach er. "Ich bin Captain Casco Madjere, Sicherheitsdienst des Senats. Ich muss diese Lady leider bitten mitzukommen. Uns liegt ein Ausweisungsbefehl vor." Er wandte sich direkt an Yo-Karah. "Es tut mir Leid, Ma'am, aber ich muss Sie zum Raumhafen nach Eastport geleiten. Dort können Sie ein Schiff in jede beliebige Richtung nehmen. Aber den Planeten müssen Sie sofort verlassen."
"Ausweisung?" fiel Obi-Nor ein. "Ja, sehen Sie denn nicht, dass Sie eine Jedi vor sich haben?"
Captain Madjere wurde sichtlich verlegen. "Doch, das ist mir bekannt, Mr.... äh... Senator..."
"Senator Gildorian vom Planeten Trexx", stellte sich Obi-Nor vor. "Was wird meiner Tochter überhaupt vorgeworfen? Es geht doch wohl nicht immer noch um diese lächerliche Shuttle-Entführung?" Seine Stimme bekam einen drohenden Klang.
"Allerdings, darum geht es", gab Captain Madjere zurück. "Und diese Entführung ist keinesfalls lächerlich! Es..."
"Aber bitte!" warf Yo-Karah lächelnd ein. "Ich werde Ihnen keine Schwierigkeiten machen, Captain. Ich wollte nur meinen Vater begrüßen. Ich hoffe, ich bin noch nicht zu spät?"
"Zu spät?" fragte Obi-Nor verständnislos.
Doch Stella begriff sofort. "Du bist noch nicht zu spät, Yo-Karah."
Dann wandte sie sich an Captain Madjere: "Eine Senatsberaterin könnten Sie nicht ohne weiteres ausweisen, oder? Das gäbe doch bestimmt diplomatische Verwicklungen!"
Nun verstand auch Obi-Nor, worauf Yo-Karah hinaus wollte. "Äh, Herr Sekretär, Major Bean wird doch nicht mein zweiter Berater. Bitte tragen Sie Yo-Karah Mal'Wan ein!"
"Was fällt Ihnen ein?!" schnappte Major Bean. "Gildorian, Sie können mich nicht einfach ausbooten! Es war abgemacht, dass ich Sie unterstütze!"
Obi-Nor lächelte den Geheimdienstoffizier an. "Senator Gildorian, bitte. Wir sollten doch unsere Umgangsformen nicht vernachlässigen!"
Wortlos, aber mit finsterer Miene stapfte Major Bean aus dem Raum.

Captain Madjere schickte sich an, ihm zu folgen. "Sieht so aus, als könnte ich den Ausweisungsbefehl nicht vollziehen", meinte er gleichmütig. Ihm schien es nicht unlieb zu sein, dass es ihm erspart blieb, eine Jedi auszuweisen. Stella wusste, dass der Jedi-Orden in ferner Vergangenheit durch lange Friedensvermittlungen auf dem Planeten N'pon einen katastrophalen Krieg verhindert hatte. Diese Tat war anscheinend noch nicht vergessen.
Als die vier Sicherheitsleute das Büro verließen, eilte Stella ihnen hinterher.
"Captain, ich hoffe, Sie nehmen uns diesen kleinen Trick nicht übel!"
Casco Madjere schmunzelte. "Nein, keineswegs. Sie haben schnell geschaltet vorhin. Ich denke, Sie werden es auf dem politischen Parkett weit bringen, Ma'am - wenn Sie mir diese persönliche Bemerkung erlauben."
"Ich erlaube sie Ihnen, Captain", lächelte Stella. "Und ich schließe zugleich eine Bitte an. Ich weiß nicht, wie Ihre Befehle in einer solchen Situation lauten. Aber könnten Sie Jedi Mal'Wan nicht ein wenig im Auge behalten? Sie wissen so gut wie ich, dass die Entführung des Shuttles in äußerster Notwehr erfolgte! Ich fürchte, sie ist in Gefahr."
Der Offizier überlegte. "Nun, in dieser Situation habe ich einen gewissen Handlungsspielraum. Ich denke, wir werden Jedi Mal'Wan ein wenig beobachten..."
Captain Madjere gab seinen Leuten einen Wink, und die vier Sicherheitsleute zogen ab.
Einen Augenblick später verließen auch Obi-Nor und Yo-Karah das Büro.
Offenbar diskutierten sie die Geschehnisse auf Coruscant vor gut einer Woche.
"Glaub mir, Vater, ich musste meine Präsenz vor dir abschotten!" erklärte Yo-Karah. "Nun sei nicht gleich verletzt! Ich wollte dich nicht in die Sache hinein ziehen!"
Obi-Nor seufzte. "Schon gut, Yo. Lass uns lieber an die Schritte denken, die vor uns liegen."
Er schaute nacheinander Stella und Yo-Karah an. "Ihr seid meine Beraterinnen, was schlagt ihr vor?"
"Ich werde unser Büro beziehen und die Unterlagen von Senator McAars durchsehen", antwortete Stella. "Vielleicht finden sich dort Hinweise auf die Verschwörung."
Yo-Karah nickte. "Gut, dann schlage ich vor, dass wir beide Senator Bittle aufsuchen. Er ist der Vorsitzende des Ausschusses für innovative Militärtechnologie. Bei ihm sollten wir unsere Nachforschungen beginnen."

Duc Bittle starrte das zwei Fuß hohe, über seinem Arbeitstisch schwebende HoloBild von Xior Rice an.
"Sie müssen schon verdammt gute Gründe haben, wenn Sie mich aus einer Besprechung rausholen, Rice."
"Die habe ich, Senator. Hören Sie sich das einmal an."
Rice aktivierte ein Datapad in seiner Hand. Zwei Frauenstimmen waren zu hören. Die eine der beiden erkannte Duc Bittle augenblicklich: Sie gehörte Senatorin Leia Organa Solo, der ehemaligen Präsindentin der Neuen Republik. Die andere Stimme klang jünger, Bittle hatte sie noch nie gehört.
"Jedi Yo-Karah Mal'Wan", kommentierte Rice, ohne dass Bittle hätte fragen müssen.
Offenbar stellte Leia Organa Solo der Jedi die Mitglieder des Ausschusses für innovative Militärtechnologie vor. Soeben gab sie zu, dass sie Duc Bittle nicht leiden konnte. Der Senator musste lächeln. Die Antipathie beruht auf Gegenseitigkeit, meine Liebe, dachte er.
Der Nächste ist Bor van Toeging, ein recht neues Senatsmitglied aus dem Outer Rim, fuhr Organa Solo fort. Es ist schon erstaunlich, dass er es so schnell in den Ausschuss geschafft hat. Ich kenne ihn seit der Tribas-Krise. Er vertraut mir. Deshalb hat er mich auch informiert, als Senator McAars plötzlich verschwand.
Also kommt er als Verschwörer nicht in Frage, stellte die Jedi fest.
Nein, sicher nicht, antwortete Organa Solo. Er wird dir helfen, so gut er kann.
Rice schaltete das Gerät ab.
"Die undichte Stelle wäre damit lokalisiert, Senator."
Bittle nickte bedächtig.
"Gute Arbeit, Rice. Und ein glänzender Gedanke, Senatorin Organa Solo zu überwachen."
Rice macht eine abwehrende Handbewegung. "Das lag auf der Hand, wenn man bedenkt, dass ihr Bruder der Jedi-Meister ist."
Bittle nickte erneut. "Nun gut. - Senator van Toeging ist also ein Problem für uns?"
"Nein", erwiderte Rice lächelnd. "Kein Problem."

"Wahnsinn, eine polymorphe Bey'le-HoloSkulptur!"
Obi-Nor betrachtete das Kunstwerk von allen Seiten.
"Schau mal Yo, wir sind Menschen, deshalb nimmt die Skulptur eine vertikale, etwa sechs Fuß hohe Form an, die sich aufgrund der Messwerte unserer Bioscans in Form und Farbe verändert. Sie spiegelt die unterschwelligen Emotionen der Anwesenden wieder. Harmonie oder Aggressionen, alles kannst du an ihr ablesen."
"Dafür brauche ich keine HoloSkulptur", warf Yo-Karah lächelnd ein.
"Ach, hör auf, Yo. Ihr Jedi lernt eine Menge auf Yavin, aber von Kunst bekommt ihr wohl nicht allzu viel mit. - Ich frage mich, wie die Skulptur aussieht, wenn eine Gruppe ganz unterschiedlicher Spezies im Raum ist."
"Wahrscheinlich wird sie sich teilen und vervielfältigen", antwortete eine Stimme vom anderen Ende des Raumes.
Auf einem Repulsorsessel schwebte Duc Bittle herein. "Es freut mich, dass Ihnen mein kleines Kunstwerk gefällt, Senator Gildorian. Bitte nehmen Sie doch Platz."
Er deutete auf zwei kunstvoll verzierte Formsteinstühle. Nachdem Obi-Nor und Yo-Karah Platz genomen hatte, fuhr er fort: "Kommen wir gleich zur Sache. Ich habe es einrichten können, kurzfristig einen Termin für Sie und Ihre Tochter zu reservieren. Aber meine Zeit ist begrenzt. Was kann ich für Sie tun?"
Obi-Nor deutete eine leichte Verbeugung an. "Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie es einrichten konnten, Senator. Wie Sie sicherlich über das senatsinterne NewsNet mitbekommen haben, bin ich anstelle des vermissten Senators McAars kommissarischer Vertreter meines Planeten Trexx. Ich bin interessiert an allen Informationen, die Aufschluss über den Verbleib von McAars geben können."
Bittle zog eine Augenbraue hoch. "Informationen? Sie stellen Nachforschungen an? Wollen Sie diese Aufgabe nicht lieber den Sicherheitsbehörden überlassen? Soweit ich weiß, sind Sie Handelsunternehmer, kein... Agent oder wen man sonst mit dieser Aufgabe betrauen könnte."
"Oh, Sie verstehen mich völlig falsch", entgegnete Obi-Nor. "Es ist ein rein persönliches Interesse. Ich dachte, als Vorsitzender des Ausschusses, in dem McAars lange Jahre tätig war, könnten Sie uns Informationen geben, welche uns weiterhelfen..."
"Bedaure", unterbrach Bittle. "Was immer der Grund für das Verschwinden von Senator McAars ist, mit dem Ausschuss hat es sicher nichts zu tun."
"Was macht Sie so sicher?" fragte Yo-Karah.
"Ich stehe seit acht Jahren diesem Ausschuss vor, Jedi Mal'Wan. Ich kann ganz gut einschätzen, was die dienstlichen Belange der Ausschuss-Mitglieder angeht." Bittles Stimme wurde kühl. "Wenn das alles ist, was Sie besprechen wollten..."
Obi-Nor erhob sich. "Ich danke Ihnen, Senator. Jetzt wissen wir, dass Senator McAars' Verschwinden nichts mit seiner politischen Arbeit zu tun hat. Wir möchten Sie nicht länger aufhalten. - Oh bitte, bemühen Sie sich nicht. Wir finden allein hinaus."

Als sie in ihrem kleinen Miet-Shuttle saßen, wandte sich Obi-Nor an seine Tochter.
"Und? Was hast du wahrgenommen?"
"Duc Bittle hat eine ungewöhnlich gute Selbstbeherrschung. Aber ich habe einen starken Hass auf dich gespürt, Vater."
Obi-Nor nickte. "Das kann ich mir denken."
"Aber warum? Nur weil du Nachforschungen über McAars anstellst? Er hat uns doch abgefertigt wie kleine Kinder. Warum der Hass? Was hat er zu befürchten?"
"Nun, zumindest ist ihm klar geworden, dass ich über seine Geschäfte mit den Bey'le Bescheid weiß. Das dürfte ihm gar nicht gefallen haben."
"Bey'le?" fragte Yo-Karah. "Du meinst die HoloSkulptur?"
Ihr Vater nickte. "Die Bey'le verkaufen ihre Skulpturen niemals. In den letzten 300 Jahren haben nur fünf Skulpturen den Planeten Bey'l VI verlassen. Vier davon waren persönliche Geschäfte für äußerst wichtige Geschäftsfreunde."
"Und du vermutest, dass wir eine dieser vier Skulpturen gesehen haben? Welche Geschäfte macht man gewöhnlich mit den Bey'le?"
"Nun, du kannst landwirtschaftliche Produkte und Bodenschätze auf Bey'l VI kaufen, aber das ist nichts Besonderes. Nichts, was du nicht auch auf Tausenden von anderen Planeten bekommst. Das Außergewöhnliche an Bey'l VI ist die auf Orbitalstationen spezialisierte Raumwerft. Nicht gerade ein Laden, wo Privatpersonen mal eben einen Einkaufsbummel machen."
"Senator Bittle wird sich wohl kaum privat eine Orbitalstation gekauft haben. Vermutest du illegale Machenschaften bei Regierungsaufträgen? Korruption?"
Obi-Nor zuckte die Achseln. "Ich weiß nicht, Yo. Aber wenn du sagst, du hättest Hass gespürt, dann könnte es durchaus damit zusammenhängen, dass ich ich die Herkunft der Skulptur erkannt habe - und damit mögliche illegale Machenschaften."
Yo-Karah schaute ihren Vater nachdenklich an. "Merkwürdig, dass du auf Orbitalstationen zu sprechen kommst. Leia hat heute eine Auseinandersetzung mit McAars über eine orbitale Medistation hier auf Coruscant erwähnt. Ob es da Zusammenhänge gibt?"
"Das werden wir rausfinden. Jetzt suchen wir erst einmal Senator van Toeging auf."
Yo-Karah setzte das Shuttle in Gang.
Während sie durch die Häuserschluchten glitten, fragte sie: "Was ist eigentlich mit der fünften HoloSkulptur von Bey'l VI? Du sagtest, nur vier seien verschenkt worden."
"Oh, die fünfte ist vor ein paar Jahren aus dem Bey'l-System heraus geschmuggelt worden."
"Geschmuggelt?" fragte Yo-Karah gedehnt. Sie schaute ihren Vater stirnrunzelnd an. "Vater, du hast doch nicht...?"
"Aber Yo, wie kannst du so etwas denken!" Obi-Nor setzte eine empörte Miene auf. "Schließlich bin ich Senator, kein Schmuggler!"

Das Gebäude, in dem Bor van Toeging seine Wohneinheit hatte, lag nur wenige Meilen vom Senatskomplex entfernt. Yo-Karah landete das Shuttle auf einer der Andockplattformen. Dann ging sie zusammen mit ihrem Vater zu einem der Lifte und fuhr drei Stockwerke hinauf zu der Etage, in der der Senator wohnte. Als sie den langen Flur mit den Wohnungstüren zu beiden Seiten betraten, rümpfte Obi-Nor die Nase.
"Etwas schäbig hier. Schau mal, der Boden ist schmutzig und die Textilverkleidung an den Wänden ist abgeschabt. Van Toeging hat wohl kein besonders großes Budget zur Verfügung."
"Er ist aus dem Outer Rim, Vater. Ich denke, viele Planetenvertreter verfügen nicht gerade über Reichtümer."
Obi-Nor nickte. "Und doch sind diejenigen, die schon genug Credits haben, für Bestechung am empfänglichsten. - Hier ist es. Wohneinheit 1138."
Er wollte das Türsignal betätigen, doch Yo-Karah hielt ihn zurück.
"Warte, Vater. Ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache. Ich spüre Gefahr."
Obi-Nor sah seine Tochter erstaunt an. "Ich spüre nichts dergleichen. Gewiss, meine 'Macht'-Fähigkeiten sind nicht die eines Jedi, doch..."
Er brach ab, denn Yo-Karah hatte ihren linken Zeigefinger auf die Lippen gelegt. Mit der rechten Hand löste sie das Lichtschwert vom Gürtel.
"Kannst du den Türcode knacken, Vater?" flüsterte sie.
Obi-Nor schüttelte den Kopf. "Ich bin doch kein Einbrecher", wisperte er zurück.
Yo-Karah verdrehte die Augen. Dann nahm sie wortlos eine Art Datapad aus einer ihrer Gürteltaschen und hielt es vor das metallene Türcode-Einabefeld an der Wand. Eine bunte Reihe von Leuchtdioden blinkte auf, dann signalisierte eine grüne Lampe, dass die Tür entriegelt war. Yo-Karah steckte das Datapad wieder in die Tasche und aktivierte das Lichtschwert.
"Öffne die Tür!" befahl sie flüsternd.
"Nur, wenn du mir hinterher sagst, wo du das Ding her hast," grinste ihr Vater.
Dann aktivierte er den Öffner, und die Tür glitt nach oben.

Als Yo-Karah in den Raum sprang, nahm sie in Sekundenbruchteilen die gesamte Szenerie wahr: mitten im Raum den Leichnam eines Mannes in einer sich ausbreitenden Blutlache, am Fenster die hünenhafte Gestalt von Xior Rice, einen schweren Blaster in der Hand. Und Blasterschüsse, die ihr um die Ohren zischten.
In einer einzigen fließenden Bewegung warf sie sich zu Boden, rollte sich ab und sprang wieder auf die Füße. Dabei schwang sie ihr Lichtschwert und wehrte die Blasterschüsse ab. Rice schwenkte die Waffe herum und feuerte in die Fensterscheibe, die offenbar nur aus einer hauchdünnen Transparistahlplatte bestand. Denn mit lautem Klirren zerbarst die Scheibe in Abertausend winzige Partikel. Rice schwang sich auf das Fensterbrett und sprang hinaus.
Mit drei Sätzen war Yo-Karah am Fenster. Sie sah Rice auf der Andockplattform, drei Etagen tiefer. Er hatte den Sprung gut gemeistert; soeben rappelte er sich auf und lief auf einen Speeder zu.
"Alarmier die Sicherheitskräfte!" rief Yo-Karah ihrem Vater zu. Dann sprang sie ebenfalls aus dem Fenster und landete auf der Plattform.
Ohne auf die Rufe ihres Vaters zu achten, die hinter ihr her hallten, rannte Yo-Karah auf das Mietshuttle zu. Sie startete und nahm die Verfolgung des Speeders auf.
Rice hatte ein viel schnelleres Fahrzeug; rasch gewann er einen Vorsprung. Doch Yo-Karah war nicht gewillt, sich so leicht abschütteln zu lassen. Rice steuerte auf die großen Bürotürme der interstellaren Investmentgesellschaften zu, indem er grob den vorgeschriebenen Flugrouten folgte, auf denen sich ein endloser Strom von Luftfahrzeugen entlang schob. Diese Flugrouten machten einen weiten Bogen um einen Gebäudekomplex. Yo-Karah zog kurz entschlossen den Steuerknüppel zu sich heran und ließ das Shuttle steil in die Höhe schießen. Der kürzeste Weg ist immer noch der Schnellste, dachte sie grimmig. Sie überquerte mehrere Bürotüme, indem sie zwischen den wie riesige Masten aufragenden HoloNet-Empfängern hindurch raste. Dann riss sie das Shuttle erneut herum und schoss senkrecht in die Tiefe. Sie raste in halsbrecherischer Manier mitten durch die Verkehrsströme, konnte zweimal nur um ein Haar einem Speeder und einem öffentlichen Großshuttle ausweichen. Schließlich fing sie den Sturz ab und ging in eine waagerechte Flugbahn über.
Na bitte, das hat geklappt, dachte sie, als sie Rice's Speeder nur eine Viertelmeile vor sich erblickte.
Auch Rice musste sie entdeckt haben, denn plötzlich brach der Speeder nach links aus und raste in eine tunnelähnliche Öffnung zwischen zwei durch mehrere Plattformen verbundenen Bürotürmen.
Als Yo-Karah die Bürotürme erreichte, spürte sie ein Kräuseln in der 'Macht'. Es war das Gefühl, das sie nahezu untrüglich vor einer drohenden Gefahr warnte.
Eine Falle? fragte sie sich. Auf einer der Plattformen zwischen den Türmen sah sie den Speeder stehen. Von Rice war nichts zu sehen. Ob er eines der Gebäude betreten hatte? Und wenn ja, welches? Von der Plattform konnte man in beide Türme gelangen.
Yo-Karah steuerte das Shuttle vorsichtig auf die Plattform und landete neben dem Speeder. Sie stieg aus, das aktivierte Lichtschwert in der Hand.
Plötzlich war die Luft von einem gleißend hellen Blitz erfüllt. Yo-Karah wurde von einem nie gespürten Schock erfasst. Einen Wimperschlag lang hatte sie das Gefühl, als würden sämtliche Nervenbahnen in einer einzigen Stichflamme verbrennen. Dann wurde ihr schwarz vor Augen.
Sie spürte nicht mehr, dass ihr das Lichtschwert aus der Hand glitt, sich automatisch deaktivierte und zu Boden polterte. Sie bekam nicht mit, wie sie taumelte, in die Knie brach und schließlich mit dem Kopf auf die Plattform schlug. Und sie sah nicht die schweren Militärstiefel, die sich ihr näherten.

Rice stieß die Jedi mit der Stiefelspitze an, dann drehte er ihren auf der Seite liegenden Körper mit dem Fuß auf den Rücken. Als er ihre leblos starren Augen sah, breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus.
"Nun, Lady, das war's dann wohl. Endstation. Folgsam wie ein P'eryll-Schaf sind Sie in meine Falle gestolpert. Und genauso geht es jetzt zur Schlachtbank."
Lässig zog er den schweren Blaster aus dem Holster.
"Auf Nimmerwiedersehn, Lady!"
Er richtete die Waffe auf Yo-Karahs Kopf.
Im selben Moment schlug neben ihm ein Blasterblitz ein.
Rice warf sich reflexartig zu Boden und wirbelte herum. Er sah, dass der Schuss von einem herankommenden offenen Shuttle abgefeuert worden war. Vier Männer in den schwarzen Uniformen des Senatssicherheitsdienstes konnte er ausmachen, zwei von ihnen waren mit schweren Blastergewehren bewaffnet.
Erneut schlug ein Blitz neben ihm ein.
Nur ein Selbstmörder hätte es mit vier derart bewaffneten Angreifern aufgenommen. Im Zickzack rannte Rice deshalb auf einen der beiden Bürotürme zu und verschwand im Gebäude.

Das Shuttle hielt direkt neben Yo-Karah. Zwei der Männer sprangen heraus.
"Sollen wir den Kerl verfolgen, Captain?"
Casco Madjere schüttelte den Kopf. "Nein, lassen Sie den. Wir kümmern uns um die Jedi."
Er verzog das Gesicht, als er Yo-Karahs starren Blick sah. Dann warf er einen Blick auf das tragbare Bioscan-Gerät an seinem Gürtel.
"Schwache Lebenzeichen", stellte er fest. "Das Nervensystem scheint in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein. Wir müssen sie so schnell wie möglich in das Medi-Zentrum schaffen."
Seine Männer hoben Yo-Karah in das Shuttle.
"Ob das der Blitz war, den wir vorhin gesehen haben?" fragte einer der Sicherheitskräfte.
Madjere zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung. Ich kann aber kaum glauben, dass ein Mensch eine solche Energieladung überlebt. Wie auch immer, uns bleibt nicht viel Zeit. Sie wird schwächer. Sie braucht sofort medizinische Hilfe - wenn es nicht ohnehin schon zu spät ist."

 

 

4.

Die Arbeitsräume von Clivor McAars waren schlicht, aber funktional eingerichtet. In Stellas Augen entsprachen sie ganz dem Bild des nüchternen, bescheidenen und arbeitsamen Politikers. Nur die demonstrativ auf einer kleinen Säule aufgestellte Büste aus corellianischem Marmor zeigte, dass der verschollene Senator durchaus seine eigene Person ins Blickfeld zu rücken verstand. Ob sie Obi-Nor überreden sollte, diese Idee auch auf Palm Island zu realisieren? Marmorne Köpfe von Obi-Nor und ihr rechts und links des Eingangs zum Verwaltungsgebäude der Gildorian Enterprises? Stella wischte den Gedanken beiseite. Schließlich war sie zum Arbeiten hier, und nicht, um zu träumen. Der Sekretär, ein spindeldürrer dreiäugiger Gaffianer names Gaa'arkh, hatte ihr einen Stapel Datapads mit den Aufzeichnungen aus dem laufenden Bürobetrieb des Senators auf den Tisch gelegt. Ohne große Hoffnung auf interessante Entdeckungen machte sich Stella daran, die Daten abzurufen.

Nach einer Stunde hatte sie genug. Natürlich waren in offen herumliegenden Datapads keine persönlichen Aufzeichnungen oder Regierungsgeheimnisse versteckt. Man musste schon in McAars' private Datenbank eindringen, um relevante Information zu erfahren. Nach einigem Überlegen bat sie Gaa'arkh, eine abhörsichere Verbindung nach Trexx herzustellen.
Sie brauchte nicht lange zu warten. Eine blaue Lampe kündigte das hereinkommende Übertragungssignal an, und wenig später baute sich das HoloBild von Helen Moonlight im Raum auf.
"Stella, schön dich zu sehen. Ich habe schon von eurem ersten Auftreten gehört." Helen grinste. "Die Regierung war nicht gerade erfreut darüber, dass ihr Major Bean ausgebootet habt."
Stella grinste zurück. "Auch die trexxanische Regierung muss einsehen, dass es eine gute Idee war, eine Jedi für diese Mission zu gewinnen. Doch deshalb wollte ich nicht mit dir sprechen. Helen, ich brauche deine Hilfe. Ich muss unbedingt die private HoloDatenbank von Senator McAars einsehen. Aber natürlich kommt man ohne Netzhautscan nicht hinein."
"Und was kann ich da machen?" fragte Helen stirnrunzelnd.
"Nun, ich nehme an, über die Administration des Senats gibt es eine Art Hintertür zu der Datenbank..."
"Das ist sehr wahrscheinlich", antwortete Helen langsam. "Aber dazu musst du erst das Senatsnetz geknackt haben."
"Genau", nickte Stella.
Helen zog sie Stirn kraus. "Du willst, dass ich... Einen Moment mal." Helen verschwand aus dem Sichtbereich der HoloÜbertragung. Nach einigen Sekunden kehrte sie zurück. "Entschuldige, ich will nur überwachen, dass uns wirklich niemand zuhört. Du willst also, dass ich in das Senatsnetz eindringe? Hast du eine Vorstellung, wie lange es dauert, einen Zugang zu finden?"
Stella lächelte. "Ich bin nicht davon ausgegangen, dass du erst jetzt damit anfängst, es zu versuchen. Ich dachte, du hättest vielleicht schon früher einmal versucht hineinzukommen."
Helen schwieg eine Weile mit unbewegter Miene. Dann entspannte sie sich ein wenig. "Also schön. Halte dein Dataterminal eingeschaltet. Stella, wenn das rauskommt, muss ich unter falscher Identität auf Hoth untertauchen. Und du gleich mit!"
Stella nickte. "Dieses Gespräch hat niemals stattgefunden, Helen."
"Natürlich nicht. Ich kenne dich gar nicht."
Helens HoloBild verblasste.
Stella musste über eine halbe Stunde warten, bis die Visoranzeige ihres Dataterminals aufleuchtete. In rascher Folge huschten Zahlen und Buchstaben über den Schirm. Schließlich erschien der Begrüßungstext:
Databank Senator Clivor McAars, Trexx
Sicherheitsstufe Drei - LogIn und Check bestätigt
Letzter Zugriff: T Minus 201 Tage
Guten Morgen, Senator McAars, bitte wählen Sie:
- Terminplanung
- Korrespondenz
- Senatsvorlagen
- persönliche Aufzeichnungen
Danke, Helen, dachte Stella. Mit dem Zeigefinger tippte sie auf "persönliche Aufzeichnungen".

"Das ist ganz eindeutig Senator Bor van Toeging."
Der Arzt, der neben dem Leichnam kniete, blickte auf und sah Obi-Nor an. "Seine Kehle wurde von einem Vibromesser durchschnitten. Ihre Annahme, dass Sie unmittelbar nach der Tat hier eintrafen, scheint zu stimmen, Senator. Genaueres muss freilich die gründliche Untersuchung ergeben."
Obi-Nor winkte ab. "Für den Anfang reicht es. Haben Sie schon eine Erklärung für die Stricke?" Er deutete auf die ledernen Bänder, die neben dem Körper des Senators auf dem Boden lagen.
Der Arzt erhob sich. Er gab den Medi-Assistenten ein Zeichen, den Leichnam abzutransportieren.
"Die Handgelenke des Toten sind wundgescheuert. Ich vermute, er war mindestens zwei Stunden lang gefesselt."
Nun schaltete sich der Offizier der Sicherheitskräfte ein, die zusammen mit dem Mediteam eingetroffen waren.
"Er wurde vor seiner Ermordung gefangen gehalten? Also ein Verhör? Oder sogar Folter?"
Der Arzt schüttelte den Kopf. "Es gibt sonst nicht die geringsten Anhaltspunkte für körperliche Misshandlung, Captain."
"Verstehe ich Sie richtig?" wollte Obi-Nor wissen. "Senator van Toeging wird gefesselt und zwei Stunden lang bewacht, aber nicht angerührt. Und erst unmittelbar bevor wir kommen, wird er ermordet?"
Der Captain rieb sich nachdenklich das Kinn. "Hm, so wie Sie das jetzt erzählen, klingt es fast, als hätte der Mörder auf Sie gewartet. Praktischerweise liegt ja die Andockplattform direkt unter dem Fenster. Er wusste, dass er Gelegenheit hatte zu fliehen."
Obi-Nor starrte ihn an. "Wollen Sie andeuten, dass der Mörder absichtlich so lange gewartet hat, um uns etwas zu demonstrieren?"
"Oder um Ihnen eine Falle zu stellen", versetzte der Captain. "Sie sagten, Ihre Tochter ist dem Mörder gefolgt?"
Obi-Nor wurde blass. "Sie beunruhigen mich, Captain. Ich..."
Ein Piepen unterbrach ihn. Der Arzt fischte seinen Kommunikator aus der Tasche, aktivierte ihn und hielt ihn ans Ohr. Dann nickte er.
Mit ernster Miene wandte er sich an Obi-Nor: "Senator, Ihre Tochter ist soeben ins Medi-Zentrum des Senates eingeliefert worden."

Yo-Karahs Anblick versetzte Obi-Nor einen Schock. Umgeben von medizinischen Überwachungs- und Diagnosegeräten ruhte sie auf einem Repulsorbett. Sie lag auf dem Rücken, die Arme neben ihrem Körper ausgestreckt. Ihr hübsches Gesicht war bleich und starr, die sonst so lebendigen grünen Augen leblos, das braune Haar strähnig.
"Yo", flüsterte Obi-Nor tonlos. Behutsam fasste er ihre Hand.
"Yo, kannst du mich hören?"
Von Yo-Karah kam keine Reaktion. Sie bewegte sich nicht, auch die Überwachungsmonitore zeigten keine Veränderung der Herzfrequenz oder der Gehirnströme an. Selbst mit Hilfe der 'Macht' bekam Obi-Nor keinen Kontakt zu seiner Tochter. Es war, als hätte sie sich wiederum vor ihm abgeschirmt. Doch diesmal wusste er, dass sie es nicht absichtlich tat. Es war, als hätte eine brutale Kraft Yo-Karah und ihn auseinander gerissen und nichts zurück gelassen als Leere und blinde Flecken.
Der Gedanke gab ihm einen Stich ins Herz.
"Yo", flüsterte er erneut. "Yo, ich bin bei dir."
Bilder stiegen in ihm hoch. Er sah ein kleines rotznäsiges Kind mit dreckigem Hemd und frechem Blick, wie es inmitten von Rebellen-Soldaten und Schmugglern spielte. Und ein stolz dreinblickendes Mädchen von zwölf Jahren, das den Jedimeister Luke Skywalker herausfordend anschaute und geradeheraus verlangte, zu einer Jedi ausgebildet zu werden. Er sah eine junge Frau, die mit leuchtenden Augen das Lichtschwert ihrer ermordeten Mutter in Empfang nahm. Und er hörte Luke Skywalker sagen: Deine Tochter wird einmal eine mächtige Jedi werden, Obi-Nor.
Sollte dies alles jetzt vorbei sein? Sollte ihr Weg im Medi-Zentrum des Senates enden?
Yo-Karah war 27 Jahre alt. Sie kam jetzt langsam in das Alter, in dem bei menschlichen Jedi die 'Macht'-Begabung ihre ganze Fülle entfaltete.
Yo-Karahs Gesicht verschwamm, als sich Obi-Nors Augen mit Tränen füllten.
"Ich bin bei dir, Yo", wollte er flüstern, doch seine Stimme brach.

Obi-Nor wusste nicht, wie lange er am Bett seiner Tochter gesessen hatte. Irgendwann war Stella hinzugekommen, hatte ihn stumm umarmt und mit ihm zusammen bei Yo-Karah gewacht. Schließlich wurden sie von einem Medidroiden gebeten, das Zimmer zu verlassen. Yo-Karah hatte sich die gesamte Zeit über nicht einmal gerührt.
Vor dem Krankenzimmer erwartete sie der wachhabende Arzt. Er wirkte etwas verlegen.
"Wir tun, was wir können, Senator. Ihr Zustand hat sich stabilisiert. Akute Lebensgefahr besteht nicht mehr. Aber das Nervensystem... Ich weiß nicht, ob sie noch einmal aufwacht. Es ist ein Wunder, dass sie überhaupt noch lebt. Ihre Tochter hat eine fast übermenschliche Konstitution."
Obi-Nor schaute ihn aus müden Augen an. "Danke, Doktor. Ich weiß, dass Sie Ihr Bestes tun. Aber dort im Zimmer liegt nicht meine Tochter. Das ist nur ihre körperliche Hülle. Die Person, die Yo-Karah Mal'Wan einst war, gibt es nicht mehr."
Stella legte Obi-Nor die Hand auf die Schulter. "Das darfst du nicht sagen. Als ich damals so schwer verletzt war, hat auch niemand mehr geglaubt, dass ich aufwache. Niemand außer dir!"
Obi-Nor fuhr sich mit der Hand über die Augen. "Verzeih mir, Stella. Du hast Recht. Es ist nur... Ich fühle mich schuldig. Wenn ich nicht Senator geworden wäre, dann wäre Yo längst zurück auf Yavin und..."
"Hör auf damit! Yo-Karah wollte hier bleiben. Du kannst sie nicht mehr beschützen. Sie ist erwachsen, begreif das doch. Wir alle haben uns auf diese Sache freiwillig eingelassen. Du genauso wie ich. Und wie Yo-Karah."
Obi-Nor nickte. "Ich weiß, Stella. Aber glaub mir, wenn ich mit Yo tauschen könnte, ich würde es sofort tun." Er atmete tief durch. "Aber vielleicht wacht sie wieder auf. Die 'Macht' ist stark in ihr. Wir können nur hoffen."
Captain Casco Madjere trat auf sie zu. Ihm folgten zwei Männer vom Sicherheitsdienst.
"Wir werden das Zimmer von Jedi Mal'Wan Tag und Nacht bewachen lassen", erklärte er. "Wer immer für die Tat verantwortlich war, er könnte es erneut versuchen."
Obi-Nor nickte müde. "Danke Captain. Ich weiß, ich kann mich auf Sie verlassen."

"Sie haben die Jedi also außer Gefecht gesetzt, aber sie hat überlebt?" Duc Bittle rieb sich nachdenklich das Kinn. "Sie haben Captain Madjere erkannt, sagen Sie? Dieser Kerl ist mir schon lange ein Dorn im Auge."
Das HoloBild von Xior Rice nickte. "Nicht nur Ihnen, Senator. Aber wie soll ich weiter vorgehen? Ich kann in das Medi-Zentrum eindringen und sie endgültig beseitigen. Allerdings scheint mir ihr Vater das dringendere Problem zu sein."
"Ganz Recht. Das sehe ich genauso. Dieser Gildorian muss verschwinden."
"Kein Problem. Das ist schon so gut wie erledigt, Senator. Diesmal kümmere ich mich selbst darum."
Bittle hob abwehrend die Hände. "Nein, Rice. Schicken Sie jemand anders. Sie begeben sich zur Station und bereiten alles vor."
Xior Rice ließ sich nicht im geringsten anmerken, ob er überrascht war. "Also geht es los, Senator?"
"Ja. Jede weitere Verzögerung erhöht nur das Risiko. Wir haben schon zu lange gewartet. Ja, Rice, es geht los."

Stella und Obi-Nor legten den Weg zum Senatskomplex schweigend zurück. Erst als sie die öffentliche Lounge betraten, von wo aus ein gläserner Gang zu ihrem Wohnturm abzweigte, ergriff Stella das Wort.
"Bevor ich ins Medizentrum gerufen wurde, habe ich übrigens Senator McAars' persönliche Aufzeichnungen durchgesehen."
"Ach ja?" antwortete Obi-Nor zerstreut. Dass Stella sich den Zugang illegal verschafft hatte, schien er gar nicht in Betracht zu ziehen.
"Ja, und weißt du, was mir aufgefallen ist?" sprach Stella weiter. "Er schreibt viel mehr über eine orbitale Medistation als über den Ausschuss. Dabei ist das Gesundheitswesen doch gar nicht sein Ressort gewesen."
Obi-Nor blieb abrupt stehen. "Was hast du da gesagt? Orbitale Medistation? Stella, seit wir hier auf Coruscant angekommen sind, höre ich andauernd was über Orbitalstationen. Yo hatte gleich den Verdacht, dass dies wichtig für uns sein könnte. Wir sollten uns die Unterlagen einmal genau anschauen."
"Dann geh du schon mal rüber zur Wohnung. Ich hole rasch die Datapads und komme gleich nach."
Stella eilte davon.
Noch bevor Obi-Nor sich den Weg zu ihren Wohnturm machen konnte, wurde er von einer dröhnenden Stimme gestoppt.
"Gildorian! Sieh an, der Wirtschaftsrebell ist Senator geworden!"
Obi-Nor drehte sich herum und sah sich Gastor En'Singhmar, dem Präsidenten der Mining Corp., gegenüber.
"Ihr kleiner Aufstand von mickrigen Zulieferern reicht Ihnen wohl nicht, was? Sie müssen unbedingt in den Senat, um ihre Intrigen auf politischem Parkett weiterzuspinnen!"
"Hören Sie, En'Singhmar", antwortete Obi-Nor gereizt. "Der Konflikt um die Handelstarife ist im Moment so ziemlich das Letzte, was mich interessiert."
En'Singhmars Augen verengten sich drohend. "Wem wollen Sie denn dieses Märchen auftischen, Gildorian? Kaum sind Sie vereidigt, da führt Ihr erster Weg zu meinem größten Widersacher hier auf Coruscant. Offensichtlicher geht es gar nicht."
"Wovon reden Sie überhaupt?" Obi-Nor starrte den Human-Mutanten verständnislos an.
Der ließ ein schallendes Lachen ertönen. "Sie scheinen es wirklich nicht zu wissen! Ja, war Ihnen denn nicht bekannt, dass Senator Duc Bittle die Mining Corp. hinter den Kulissen bekämpft, wo es nur geht? Bekommt man da draußen auf Trexx so wenig mit von den Senatsangelegenheiten? Wie haben Sie es nur geschafft, eine Vereinigung freier Händler gegen uns aufzubringen, wenn Sie so ahnungslos sind?"
Obi-Nor runzelte die Stirn. "Senator Bittle bekämpft die Mining Corp.? Das ist mir in der Tat neu. Er ist doch gar kein Wirtschaftspolitiker."
"Darum geht es ihm doch gar nicht." En'Singhmar machte eine abfällige Handbewegung. "Im Grunde ist ihm die Wirtschaft egal. Aber die Mining Corp. ist in seinen Augen ein Symbol für den Zentralismus in dieser Galaxis. Wenn es nach ihm ginge, wäre Coruscant längst nicht mehr der politische und wirtschaftliche Mittelpunkt der Republik, sondern nur eines unter vielen kleinen Zentren."
"Also darum geht es ihm." Obi-Nor schüttelte den Kopf. "Davon wusste ich wirklich nichts. Glauben Sie mir, En'Singhmar, bei meinem Besuch ging es nicht um die Mining Corp. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte."

Während Obi-Nor die Lounge durchquerte, ging ihm das Gespräch mit Gastor En'Singhmar durch den Kopf. Wenn Duc Bittle wirklich ein Gegner der Mining Corp. war, warum hatte er nicht wenigstens indirekt signalisiert, dass Obi-Nor in ihm einen potenziellen Verbündeten hatte? Warum dann der Hass? Und welch einer absurden Idee hing Bittle an, dass er die zentrale Bedeutung Coruscants innerhalb der Galaxis Frage stellte! Als ob man das Rad zurückdrehen und die Zustände der Vor-Raumfahrt-Ära wieder herstellen konnte! Coruscant konnte man nicht wieder in die Reihe der übrigen Planeten einreihen. Coruscant konnte man allenfalls...
vernichten!
Obi-Nor schwankte, von einem plötzlichen Schwindel ergriffen.
Es war absurd, einfach lächerlich. Aber doch war Obi-Nor davon überzeugt, dass er Recht hatte:
Duc Bittle wollte mit Hilfe des geheimnisvollen Chips auf einen Schlag jegliche Energiequelle auf diesem Planeten ausschalten. Das wäre das Todesurteil für Coruscant und Milliarden von Lebewesen.
Etwas Hartes bohrte sich in Obi-Nors Rücken.
"Schön ruhig bleiben, Senator", zischte eine Stimme. "Wir wollen doch kein Aufsehen erregen, oder? Das, was Sie in ihrem Rücken spüren, ist eine Blastermündung. Also Sie drehen sich langsam um und folgen mir brav auf die Plattform zu meinem Gleiter."
Obi-Nor tat, was der Unbekannte von ihm verlangte. Als er sich herum drehte, sah er einen Devaronianer, dessen rechte Gesichtshälfte wie nach einem Säureattentat verätzt war. Er wirkte dadurch umso gefährlicher. Was bin ich doch für ein Idiot! schalt Obi-Nor sich, als er auf die Plattform trat. Ich hätte mir doch denken können, dass die Attentäter nicht nur Yo-Karah im Visier hatten!
"Da vorne, der Gleiter!" unterbrach der Devaronianer seine Gedanken. "Sie setzen sich an den Steuerknüppel, los!"
Das Gefährt war ein offenes Minishuttle, wie sie zu Tausenden im Senatsbezirk verkehrten, um Passagiere zwischen den Wohn- und Bürotürmen hin und her zu transportieren. Obi-Nor setzte sich auf den Pilotensitz, sein Entführer nahm hinter ihm Platz.
"Wo soll ich hinfahren?" fragte Obi-Nor.
"Dort drüben auf den Drillingsturm zu!" lautete die Antwort.
Obi-Nor atmete zunächst einmal durch. Wenn der Devaronianer mit ihm eine Fahrt unternehmen wollte, hatte er augenscheinlich nicht vor, ihn auf der Stelle zu töten. Das verschaffte ihm ein wenig Zeit. Doch sein Gefühl relativer Sicherheit währte nicht lange.
"Stop!"
Obi-Nor hielt an. Das Fahrzeug schwebte in der Luft. Um sie herum rauschte der beständige Strom von Atmosphärenfahrzeugen durch den Abendhimmel von Coruscant. Ein kleines Shuttle glitt langsam über sie hinweg.
"Das war's, Gildorian. Sie steigen aus."
"Wie bitte?!" Obi-Nor warf einen Blick über den Bordrand. Der Boden unter ihnen war mindestens eine Meile entfernt. Dann drehte er sich um. "Sie machen wohl Witze! Ich werde ganz bestimmt nicht rausspringen!"
"Auch gut", meinte der Devaronianer mit kaltem Lächeln. "Dann knall ich Sie eben ab und werf sie raus."
Er richtete den Blaster auf Obi-Nors Kopf. In diesem Augenblick plumpste ein Körper aus dem Shuttle über ihnen in den Gleiter. Ein mit zotteligem Fell bedeckter Arm schlug dem Devaronianer den Blaster aus der Hand. Dann sauste eine rasiermesserscharfe, sichelförmig gebogene Jagdklaue durch die Luft.
Obi-Nor wandte sich rasch ab. Diese Blutorgie wollte er nun wirklich nicht sehen.

"Ikch habe dirrr dokch gesagt, dass es hierrr zu gefährrrlikch ist!"
Sie waren in ihrer Wohnung. Rhysbe hatte ihr Fell vom Blut des Devaronianers gesäubert und stand nun zähnefletschend vor Obi-Nor. Stella, die mit finsterer Miene in einem Formsteinsessel saß, nickte grimmig. "Ich fürchte, Rhysbe hat Recht. Wir haben uns auf etwas eingelassen, was uns über den Kopf wächst."
"Möglicherweise habt ihr Recht." Obi-Nor seufzte. "Aber ich fürchte, wir können gar nicht mehr zurück. Haltet mich nicht für verrückt, aber ich befürchte, Duc Bittle plant einen Anschlag auf Coruscant."
Rhysbe grollte leise. Stella starrte Obi-Nor mit offenem Mund an. "Auf den gesamten Planeten?!"
"Das nehme ich an. Dafür soll diese Wunderwaffe wohl eingesetzt werden. Wenn ich nur wüsste, wie sie den Chip aktivieren können!"
"Sie benutzen dazu vielleicht die Orbitalstation," mutmaßte Stella. "Ich kontaktiere Leia. Sie kann uns bestimmt Näheres über die angebliche Medistation sagen."
In diesem Augenblick kam GL02, Obi-Nors Kammerdiener-Droide, in den Salon. "Mylord, eine Übertragung vom Planeten Trexx. Es ist der Außenminister. Und mit Verlaub, er wirkt nicht gerade freundlich."

Kaum hatte Obi-Nor den HoloProjektor in seinem Arbeitszimmer aktiviert, kam Minister Goss Liew zur Sache.
"Was fällt Ihnen ein?" herrschte er den Händler an. "Wir stellen Ihnen eigens einen der erfahrensten Geheimdienstoffiziere zur Seite, und Sie weisen seine Hilfe ab?"
"Es tut mir Leid, Herr Minister", antwortete Obi-Nor kühl. "Aber Sie werden doch einsehen, dass die Hilfe einer Jedi..."
"Darum geht es nicht!" unterbrach Liew. "Hier geht es nicht allein um Major Bean. Ihm steht ein mobiles Eingreifkommando zur Seite. Glauben Sie, wir lassen Sie zu zweit oder zu dritt gegen eine Verschwörerbande antreten?"
"Wieso wusste ich davon nichts?" Obi-Nors Augen blitzten zornig. "Das hätten Sie mir sagen müssen, Minister Liew!"
Doch der Außenminister winkte ab. "Die Entsendung eines Eingreifkommandos musste so diskret wie möglich erfolgen. Wir wollen keine diplomatischen Verwicklungen mit der Republik. Deshalb ist Major Bean offiziell gar nicht im Dienst. Aber wie auch immer: Es ist nunmal so gelaufen. Ich habe den Major angewiesen, mit seinen Leuten dennoch bereit zu stehen, wenn Sie seine Hilfe brauchen."
Obi-Nor deutete eine Verbeugung an. "Ich danke Ihnen, Herr Minister. Vielleicht werde ich diese Hilfe viel früher in Anspruch nehmen müssen, als Sie denken."

Als Obi-Nor in den Salon zurückkehrte, hatte Stella bereits eine Verbindung mit Leia hergestellt. Leia erklärte ihr soeben, was sie über die Orbitalstation wusste.
"Der Bau der orbitalen Medistation war vor zwei Jahren ein Politikum, Stella. Merkwürdigerweise hat nicht der Gesundheitsausschuss ihn gefordert, sondern eine seltsame Allianz von verschiedenen Senatoren - mit Duc Bittle an der Spitze."
"Und du hast damals dafür gestimmt?"
"Natürlich." Leia zuckte die Achseln. "Wie hätte ich auch ahnen können, dass das Projekt die teuerste Bauruine in der Geschichte dieses Planeten werden würde?"
"Wieso Bauruine?" mischte sich Obi-Nor ein. "Ist die Station nicht fertig gestellt worden?"
"Das schon", gab Leia zurück. "Aber sie wurde immer noch nicht in Betrieb genommen. Die Steuerungstechnik ist fehlerhaft, heißt es. Der Senat kocht die Angelegenheit auf kleiner Flamme. Offen gestanden haben wir zurzeit andere Probleme als eine nicht funktionierende Medistation."
"Wenn du dich da mal nicht täuscht", murmelte Obi-Nor.
Stella wandte sich erneut an Leia: "Yo-Karah sagte, Senator McAars sei damals gegen das Projekt gewesen. Weißt du Näheres über die Hintergründe seiner Ablehnung?"
Die Senatorin schüttelte den Kopf. "Nein, Stella. Es schien mir damals, als ob er Zugang zu Informationen hatte, über die er sich ausschwieg. Denn anders konnte und kann ich mir seine Haltung nicht erklären. Vielleicht wusste er, dass die Technik fehlerhaft war?"
"Oder er witterte ein falsches Spiel", mutmaßte Stella. "Danke, Leia. Dein Hinweis, dass die Station noch nicht in Betrieb genommen wurde, bringt uns weiter."
"Keine Ursache", wehrte Leia ab. "Wir sehen uns spätestens übermorgen im Senatssaal."
"Senatssaal?" fragte Obi-Nor. "Was..."
"Du bist Senator, hast du das vergessen?" fragte Leia mit spöttischer Miene. "Für übermorgen sind mehrere Abstimmungen angesetzt. Einige äußerst interessante Anträge gilt es zu behandeln. Du hast die Tagesordnung doch sicherlich schon gelesen? Das solltest du jedenfalls vorher tun."
Mit einem Lachen deaktivierte sie die Verbindung.
Obi-Nor schüttelte den Kopf. "Ich hatte beinahe vergessen, dass ich unseren Planeten vertreten muss. Dabei habe ich nicht die geringste Vorstellung, worum es eigentlich geht."
"Darum kannst du dich später noch kümmern", meinte Stella entschieden. "Jetzt müssen wir erst einmal entscheiden, was wir mit dieser seltsamen Medistation machen. Am liebsten würde ich rauffliegen und nachschauen, ob ich etwas Verdächtiges finde."
"Genau das werden wir auch tun, Stella. - Ja Rhysbe, du kommst mit", fügte er mit einem Seitenblick auf seine Warlucca-Pilotin hinzu. "Zusätzlich bekommen wir noch andere Unterstützung. Major Bean hat ein Eingreifkommando zur Verfügung. Er ist angewiesen, uns zu helfen. Stella, bitte nimm Kontakt mit ihm auf. Ich fahre noch einmal zu Yo-Karah ins Medi-Zentrum. Morgen früh geht es los!"

Xior Rice musste nicht lange warten, bis das HoloBild von Duc Bittle erschien. Im Senatskomplex unten auf dem Planeten war es jetzt mitten in der Nacht, aber der alte Mann war ganz offensichtlich noch wach.
"Was gibt es, Rice?" knurrte er.
"Eine unvorhergesehene Wendung der Ereignisse, Senator. Wir haben einen HoloKontakt aus dem Büro von Senatorin Organa Solo aufgezeichnet. Gildorian und diese Likori erkundigten sich eingehend nach der Station. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie hier heraufkommen."
Duc Bittle sagte nichts. Seine Miene blieb unbewegt. Es schien, als horchte er in sich hinein oder meditiere er.
"Brechen Sie ab!" meinte er schließlich. "Das Risiko ist zu hoch."
Rice nickte. "Welche Ausweichmöglichkeiten haben wir? Und was wird aus der Station?"
"Zunächst einmal bringen Sie mir den Chip, Rice. Das ist das Wichtigste", entgegnete Bittle. "Dann verfahren Sie mit der Station nach Option Omega."
Rice nickte bedächtig. "Wie Sie wünschen, Senator. Welche Befehle haben Sie für die Worgs?"
Er hob den Kopf und schaute durch eine Transparistahlscheibe in einen angrenzenden Raum. Es war die große kreisrunde Schaltzentrale, das Herzstück der Orbitalstation. Etwa ein Dutzend Worgs stapelten Metallkisten aufeinander.
"Die Worgs?" Duc Bittle schnaubte verächtlich. "Sie machen sich Gedanken um diese breitschädeligen Humanoiden?"
"Ich bin ihr Befehlshaber, Senator."
"Wir befinden uns im Krieg, Rice! Und Krieg fordert nunmal Opfer. Auch auf der eigenen Seite. Die Worgs sollen die Station bewachen. Wenn Gildorian auf Widerstand stößt, wirkt Option Omega viel überzeugender. Ich habe mich doch klar ausgedrückt?"
Rice nickte. "Sehr klar, Senator", antwortete er kühl.
Er schaltete die Verbindung ab. Er war viel zu sehr Profi, um die Worgs wirklich zu bedauern. Es war nicht das erste Mal, dass er eigene Leute opfern musste, um Erfolg zu haben. Und Erfolg würde er haben. Dieser Gildorian konnte mit Hilfe seiner pelzigen Pilotin einen Stümper wie diesen Devaronianer Khark Marghon übertölpen. Aber sollte er tatsächlich hier herauf kommen, würde er diese Station niemals lebend verlassen. Dafür würde er, Xior Rice, schon sorgen.
Option Omega, dachte er grinsend.

 

 

5.

Major Beans Eingreifkommando bestand aus 20 durchtrainiert wirkenden und mit einer hochtechnisierten Spezialausrüstung ausgestatteten Männern. Obi-Nor registrierte nicht nur schwere Blaster, tragbare Schutzschilde und Nachtsicht-Visoren, sondern auch komplizierte Computerkommunikatoren und BioScan-Geräte. Ein Medi-Droide gehörte ebenfalls zu Crew. Orlando Bean, der Befehlshaber, behandelte Obi-Nor und Stella korrekt, aber betont kühl und distanziert, was nach der Szene im Akkreditierungsbüro des Senates nicht weiter verwunderlich war. Rhysbe ignorierte er vollständig.
Der Flug zur Orbitalstation verlief in konzentriertem Schweigen. Als sich ihr Shuttle näherte, konnte Obi-Nor aus dem Sichtfenster die Konstruktion der Station erkennen. Sie sah aus wie ein prähistorisches trexxanisches Speichenrad aus der Vor-Raumfahrt-Ära. Den Mittelpunkt bildete eine Kugel, von der acht Röhren strahlenförmig abgingen. Sie verbanden die Kugel mit einem äußeren Ring, auf den einzelne kleine Kuppeln und Andockplattformen aufgesetzt waren. Insgesamt hatte die Station einen Durchmesser von gut einer Meile.
"Sieht völlig verlassen aus", murmelte Stella. "Aber auch wenn es sich tatsächlich um eine Medi-Station handelt, die nicht in Betrieb ist, muss es doch eine Überwachung und Instandhaltung geben?"
"Zumindest die Lebenserhaltungssysteme dürften funktionieren", mutmaßte Obi-Nor. "Sonst hätte man das Ding längst demontiert. Aber ich traue der Ruhe ohnehin nicht."

Der Pilot steuerte eine der Andockplattformen an und setzte das Shuttle sanft auf der kreisrunden Stahlfläche auf.
"Die Sensoren melden eine intakte künstliche Atmosphäre", gab er durch. "Kein Anzeichen, dass wir gescannt wurden. Auf Kontaktversuche hat niemand geantwortet. Die Station scheint verlassen zu sein."
Major Bean starrte aus dem Fenster.
"Ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache", meinte er mit einem grimmigen Seitenblick zu Obi-Nor. "Das wirkt mir alles ein bisschen zu ruhig und zu einladend. Ich glaube fast, Sie haben Recht mit Ihrer Vermutung, dass hier was nicht stimmt. - Was gibt der BioScan her?" fragte er in seinen Kommunikator.
Die Antwort des Piloten ließ nicht lange auf sich warten. "Nichts, Sir. Die Station muss einen Scan-Blocker aktiviert haben."
Bean runzelte die Stirn. "Sie halten das Shuttle für einen Notstart bereit."
Er schaltete den Kommunikator ab und schaute seine Leute an, die im langgstreckten Passagierraum des Shuttles warteten. "Wir gehen zu sechst rein. Sergeant Meers, Pitik, Coorkh, Agello, Da'Graana, Sie kommen mit mir. Wir sondieren die Lage. Die anderen halten sich in Bereitschaft."
"Ich komme auch mit", entschied Obi-Nor.
"Das ist zu gefährlich, Senator", entgegnete Bean. "Ich kann nicht auch noch auf Sie aufpassen, wenn ich da rausgehe."
Rhsybe grollte drohend.
Obi-Nor schüttelte den Kopf. "Major, ich habe die Verantwortung für diese Mission. Ich kann schon auf mich selbst aufpassen. Außerdem kommt meine Leibwächterin mit."
Bean warf einen kritischen Blick auf Rhysbe, zuckte dann aber mit den Achseln. "Wie Sie wünschen, Senator. Sie haben Recht: Das ist Ihr Ding hier."
"Und mich willst du einfach hier lassen?" protestierte Stella.
Obi-Nor hob beschwichtigend die Hände. "Du kommst nach, sobald wir die Lage sondiert haben, Stella. Versprochen."

Die sieben Menschen und die Warlucca gingen über die Ausstiegsrampe hinunter zur Plattform. Ihnen folgte schwebend ein kopfgroßer, kugelrunder Droide, der mit drei Visoren und zwei kurzen Multifunktionsarmen ausgestattet war. Einer der Soldaten überprüfte die Personenschleuse.
"Verriegelt! P2Q, sieh mal, ob du die Tür aufkriegst."
Mit einem hohen Pfeifton quittierte der Droide die Anweisung. Dann schwebte er zur Türsteuerung und steckte einen seiner Multifunktionsarme in den Computerlink. Mit einem Zischen öffnete sich die Tür.
"Major, die Kommunikation zum Shuttle ist unterbrochen!" warnte einer der Männer.
"Schon registriert, Pitik", antwortete Bean. Er machte einige Handzeichen zum Cockpit. Dann deutete er auf die Türöffnung.
"Ein mit der Tür gekoppelter automatischer Komm-Blocker vermutlich. Aber wir gehen trotzdem rein. Senator, wenn Sie schon mitkommen, dann gehen Sie wenigstens am Schluss."
Sergeant Meers ging voran, ein schweres Blastergewehr in den Händen. Bean folgte als zweiter, danach betraten die übrigen vier Soldaten die dunkle Öffnung. Obi-Nor und Rhysbe folgten zuletzt. In der Öffnung drehte sich Obi-Nor noch einmal um und bedeutete Stella, die ihm durch eines der Fenster nachschaute, mit der Hand, dass alles in Ordnung sei. Seine Lebensgefährtin blickte drein, als würde sie ihn nie wiedersehen.

Hinter der Türöffnung führte eine langgestreckte Rampe hinab zu einem leicht gekrümmten breiten Gang, der sich in weitem Bogen nach links und rechts erstreckte. Dämmriges Licht, offenbar eine Art Notbeleuchtung, empfing sie. Sie befanden sich in der äußeren, kreisförmigen Röhre. Der Gang bildete augenscheinlich deren Mitte, denn zu beiden Seiten waren in regelmäßigem Abstand verschlossene Türöffnungen zu sehen.
"Wir müssen einen der Querstrebe finden, um zur Mittelkuppel zu gelangen", sagte Major Bean. "Dort dürfte sich das Kontrollzentrum befinden. Gehen wir links herum, das müsste der kürzeste Weg sein."
Die Gruppe machte sich auf den Weg. Nun ging Bean an der Spitze, während Sergeant Meers den Schluss bildete. Obi-Nor war es gar nicht unlieb, auf diese Weise abgeschirmt zu sein. Nicht, dass er sich gefürchtet hätte, aber die Spezialisten vom trexxanischen Geheimdienst waren nun einmal für den Fall eines Hinterhalts besser ausgebildet.
Ein Feuerschott versperrte ihnen nach etwa 50 Schritten den Weg. Diesmal war es nicht nötig, den kugelförmigen Droiden vorzuschicken, der Öffnungsmechanismus war nicht blockiert. Als das Feuerschott zur Seite glitt, sprang überall im Gang die volle Beleuchtung an.
"Deutlicher konnten wir uns nicht ankündigen," brummte der Soldat, der Da'Graana hieß. "Wenn hier irgendwo jemand ist, dann haben wir ihm soeben ganz laut 'Hallo' gesagt."
"Wenn hier irgendwo jemand ist, dann beobachtet er uns sowieso schon die ganze Zeit", erwiderte Sergeant Meers und deutete auf einen kleinen Punkt an der Decke. "Wenn das kein Überwachungsvisor ist, lasse ich mich zurück in den Streifendienst versetzen."

Sie mussten noch zwei weitere Feuerschotts passieren, bis sie zu der Stelle kamen, an der die Verbindungsröhre zur Zentralkuppel nach links abzweigte. Auch diese Röhre war durch eine massive Panzertür verschlossen, ebenso wie die Fortsetzung des ringförmigen Ganges.
"Hier ist ein Computerlink!" Sergeant Meers deutete auf einen Multifunktionsanschluss an der Stahlwand. "Los, P2Q, versuche, in den Zentralcomputer einzudringen!"
Der Droide schwebte zur Wand und stellte mit seinem Arm den Kontakt zum Zentralcomputer her. Meers kontrollierte die Aktion auf seinem Datapad.
"Er ist drin", kommentierte er. "P2Q, versuche, den BioScan-Blocker zu deaktivieren!"
Obi-Nor schaute sich um. Der Raum, in dem sie sich befanden, maß in der Grundfläche etwa zehn mal zehn Schritte. An drei Seiten befanden sich Panzertüröffnungen. Eine der Türen schloss die Röhre ab, die den äußeren Ring mit der zentralen Kuppel verband, die beiden anderen führten zu dem ringförmigen Gang. Obi-Nor starrte die Panzertür an, hinter der sich die äußere Röhre fortstetze. Ein merkwürdiges Kribbeln kroch seinen Rücken hinauf. Er zog den Blaster.
"Spürrrst du etwas, Obi-Norrr?" knurrte Rhysbe leise.
"Ich weiß nicht", antwortete Obi-Nor, ohne den Blick von der Tür zu lassen. "Ich habe so ein komisches Gefühl, als ob da hinter der Tür irgendwas ist."
"BioScan-Blocker deaktiviert", meldete Sergeant Meers.
"Sir, der BioScan zeigt Lebensformen an", rief Soldat Agello. "Mindestens ein Dutzend. Es sind..."
In diesem Moment öffneten sich beide Panzertüren mit einem zischenden Geräusch.
"... Worgs!"
Obi-Nor starrte in die Mündung eines Blastergewehres. Reflexartig schlug er den Lauf zur Seite. Der Schuss traf die Stahlwand. Obi-Nor wollte seinen eigenen Blaster hochreißen, doch ein Schlag fegte ihn zur Seite. Schmerzhaft prallte er gegen die Wand. Der Worg legte sein Blastergewehr an, doch da hatte Rhysbe ihn schon gepackt. Ihre Fangzähne gruben sich in seinen Arm. Der Humanoide stieß einen Schrei aus und schlug der Warlucca seine mächtige Faust auf den Kopf. Rhysbe ließ von ihm ab und taumelte zurück. Obi-Nor schoss dem Worg in die Brust.
Erst jetzt realisierte Obi-Nor, dass der gesamte Raum von Blasterblitzen erfüllt war. Zwei Soldaten und fünf Worgs lagen leblos auf dem Boden.
"Die Panzertüren schließen und blockieren!" rief Major Bean. Krachend fielen die großen Stahlplatten zu Boden und verschlossen die Türöffnungen.
"Eine Falle", kommentierte der Offizier grimmig. "Zurück zum Shuttle. Agello, was ist mit Pitik und Da'Graana?"
"Sie sind tot, Sir", antwortete der Soldat.
"Major!" Sergeant Meers starrte mit bleicher Miene auf sein Datapad. "P2Q meldet, dass die Station vermint ist. Die Sprengladungen müssen jeden Augenblick hoch gehen!"
"Kann der Droide die Sprengung stoppen?"
"Er ist dabei, Sir. Die meisten Ladungen sind bereits entschärft. Aber..."
Meers kam nicht weiter. Einer der Panzertüren zerbarst mit einem lauten Knall. Obi-Nor wurde zu Boden geschleudert. Durch dichten Rauch zischten Blasterblitze in den Raum.
"Rückzug!" rief Major Bean.
Obi-Nor stolperte in den Gang, durch den sie gekommen waren und verbarg sich hinter einer der Stahlrippen, die der röhrenförmigen Konstruktion Stabilität verliehen. Zu seiner Erleichterung sah er Rhysbe hinter einer anderen Rippe kauern. Auch die anderen hatten sich verschanzt und erwiderten das Feuer auf die Worgs.
"Meers, hat P2Q alle Sprengladungen entschärfen können?" fragte Major Bean.
Der Sergeant hob einen zerfetzten Multifunktionsarm hoch. "Nein, Sir. Ich fürchte, das Feuerwerk beginnt jeden Moment."

Stella sah Obi-Nor missmutig nach, wie er in der dunklen Türöffnung verschwand. Sie kam sich nutzlos vor. Außerdem war ihr nicht gerade wohl bei dem Gedanken, dass ihr Lebensgefährte zusammen mit dem Sondierungstrupp womöglich schnurstracks in eine Falle tappen würde. Und schließlich war sie doch nicht mitgekommen, um tatenlos an Bord des Shuttles zu warten!
Das Piepen ihres Kommunikators riss sie aus ihren Gedanken. Sie nahm das Gerät von ihrem Gürtel und schaute auf die Anzeige. Es war eine verschlüsselte Sprach-Übertragung vom Planeten Trexx.
"Helen?"
"Ja, Stella, hier ist Helen. Ich hoffe, ihr kommt auf Coruscant gut voran. - Was Neues von Yo-Karah?"
"Nein, Helen. Sie ist noch nicht wieder bei Bewusstsein. Aber ich kann im Moment nicht gut reden, weißt du?"
Die Geheimdienstleute kümmerten sich zwar nicht um sie, aber Stella wollte dennoch nicht, dass die gesamte Eingreiftruppe ihr Gespräch mit anhörte.
"Also gut, dann hör zu, es ist wichtig", sprach Helen weiter. "Ich habe den Chip untersucht, den ihr hier gelassen habt. Ich glaube, ich weiß jetzt so ungefähr, wie er gezündet wird."
"Bin ganz Ohr, Helen."
"Na ja, hundertprozentig habe ich es noch nicht raus", relativierte die Computerspezialistin. "Ich muss noch eine Testreihe drüberlaufen lassen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sich der Chip in einem Serilium-Feld befinden muss, um aktiviert zu werden."
"Serilium? Bist du sicher?" staunte Stella. "Das müsste dann eine ziemlich starke Energiequelle sein, nicht wahr?"
"Allerdings", bestätigte Helen. "Mit einem EnergieScan kannst du jedes Serilium-Feld problemlos lokalisieren. Deshalb habe ich dich auch schon jetzt kontaktiert, obwohl ich die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen habe. Ich dachte, die Information könnte bei eurer Suche nützlich sein."
"Und ob sie das ist! Danke, Helen!"
Stella unterbrach die Verbindung. Sie dachte einen Moment nach. Major Bean oder Obi-Nor konnte sie nicht erreichen, da die Kommunikation zwischen der Gruppe und dem Shuttle blockiert war. Aber war es nicht ohnehin an der Zeit, ihre Untätigkeit zu beenden?
Sie schnappte sich ein EnergieScan-Gerät und wandte sich an den Mann, der in der Abwesenheit des Majors den Befehl führte.
"Sergeant, ich habe soeben wichtige Informationen erhalten. Ich muss runter in die Station. Wenn Sie drei oder vier Mann entbehren könnten?"
"Kommt nicht in Frage, Ma'am. Wir bleiben hier, bis wir Nachricht vom Sondierungsteam erhalten. Befehl des Majors."
Stella nickte. "Das habe ich mir schon gedacht. Aber ich unterliege ja nicht dem Befehl von Major Bean."
Sie öffnete die Ausstiegsluke.
"Wenn Sie mich entschuldigen würden..."
Bevor sie der Unteroffizier zurückhalten konnte, war Stella schon die Rampe hinunter gelaufen und durch die Türöffnung im Innern der Station verschwunden.

Über eine schiefe Ebene gelangte Stella in einen röhrenförmigen Gang. Das musste der äußere Ring um die Station sein. Stella wunderte sich, dass der Gang hell erleuchtet war. Entweder hatte das Sondierungsteam für Licht gesorgt, oder die angebliche Medi-Station war überhaupt nicht verlassen.
Sie aktivierte den EnergieScanner. Tatsächlich zeigte er ein seriliumspezifisches Feld an. Es war etwa eine Viertelmeile entfernt, rechts von ihr. Sie war sich sicher, dass das Sondierungsteam links herum gegangen war, denn dort war der nächstgelegene Querstreb zur Zentralkuppel. Nun, um die anderen konnte sie sich jetzt nicht kümmern. Sie kontrollierte die Energiezelle ihres Blasters und eilte mit dem Scanner in der Hand den Gang entlang.
Abgesehen von der hellen Beleuchtung schien die Station völlig ausgestorben. Stella begegnete keinerlei Anzeichen von Leben. Mehrfach musste sie Feuerschotts passieren, doch die Panzertüren ließen sich problemlos öffnen. Schließlich zeigte ihr der Scanner an, dass sich die Serilium-Quelle in unmittelbarer Nähe befand. Links von ihr war eine massive Stahltür. Sie schien wesentlich stabiler zu sein als die anderen Türen, die sie auf ihrem Weg passiert hatte. Stella versuchte, sich das Bild zu vergegenwärtigen, das die Station bei ihrem Anflug geboten hatte. Ja, es konnte passen: Wahrscheinlich lag hinter dieser Panzertür eine der Kuppeln, die auf den äußeren Ring gesetzt waren.
Ohne große Hoffnung betätigte Stella die Schaltung neben der Türöffnung. Natürlich passierte nichts. Wenn der geheimnisvolle Chip wirklich in der Kuppel war, dann würde man ihn bestimmt nicht ohne Absicherung dort lagern. Ohne Geheimcode war die Tür nicht zu öffnen. Jetzt wäre ein Astromech-Droide von Nutzen, dachte Stella. Oder ein hübsches kleines Einbrecher-Werkzeug...
Grinsend holte sie ein kleines Datapad aus der Tasche. Sie hatte es eingesteckt, als Obi-Nor und sie Yo-Karahs persönliche Gegenstände im Medi-Zentrum in Empfang genommen hatten. Obi-Nor hatte das Ding verflucht, weil es in der Wohnung des ermordeten Senators die Tür zu Yo-Karahs Attentäter geöffnet hatte, aber Stella war sogleich der Meinung gewesen, dass ihr eine Art Universalschlüssel einmal nützlich werden könnte.
Es dauerte nur drei Standard-Sekunden, dann hatte sie die Verriegelung gelöst, und die Tür glitt nach oben.

Schon bevor Stella die etwa 100 Fuß hohe Kuppel betrat, wurde sie von den goldenen Serilium-Kristallen beinahe geblendet. Staunend ging sie in die Kuppel hinein. Das gesamte Gewölbe war mit den seltenen und extrem teuren Energiekristallen gleichsam vertäfelt. Diese Kuppel musste ein Vermögen gekostet haben, sicherlich mehr als die ganze übrige Station. Nein, für eine Medi-Station brauchte man einen derartigen Aufwand nicht zu betreiben. Dieser Raum diente dazu, den Chip, diese todbringende Wunderwaffe, zu aktivieren, dessen war sich Stella ganz sicher.
Sie riss ihren Blick von den glitzernden Kuppelwänden los und ging auf einen großen Metallblock zu, der in der Mitte des Raumes auf dem Boden stand. Es war ein Behälter, mindestens 20 Fuß lang und etwa halb so breit. Er reichte Stella bis zur Schulter. Der Deckel war offensichtlich aufklappbar, denn Stella entdeckte eine Öffnungsautomatik und ein Eingabefeld zur Aktivierung des Geheimcodes.
Stella schaute den Behälter an. Ob in diesem Container der Chip lag? Aber warum brauchte man eine so großen Kiste für einen derart kleinen Chip? Nun, sie würde es gleich erfahren. Erneut benutzte sie Yo-Karahs Türcode-Knacker.
Mit einem surrenden Geräusch klappte der schwere Deckel auf. Stella blickte hinein - und erstarrte.
Im Container lag kein Chip.
Beinahe der gesamte Behälter war angefüllt mit Thermodetonatoren.
Ein kleiner Teil der Kiste war abgeteilt. Dort befand sich der Auslöser. In einem komplizierten Drahtgewirr war eine Anzeige zu sehen. Es war der Countdown, und die Zahl bewegte sich rasch auf Null zu.
20, 19, 18, 17, 16...
Ein gewaltiger Adrenalinschub jagte durch Stellas Körper und riss sie aus ihrer Erstarrung.
Sie wirbelte herum, um zu fliehen.
Doch schon nach wenigen Schritten hielt sie an. Sie würde es nie schaffen, rechtzeitig den Explosionsbereich der geballten Ladung zu verlassen. Die Detonation würde den äußeren Ring der Station auf mehreren Hundert Standardmetern zerfetzen.
Hastig sprang sie zurück zu dem Behälter.
12, 11, 10, 9, 8...
Stellas Herz pochte bis zum Hals. Konnte sie den Countdown nicht aufhalten? Irgendwo musste es doch die Möglichkeit geben, die Sprengung zu verhindern! Ratlos blickte sie in das Drahtgewirr. Ob sie einfach eines der Kabel durchschneiden sollte? Aber welches? Mit wachsendem Entsetzen starrte sie auf die Anzeige.
5, 4, 3, 2...
Voller Panik riss Stella den Blaster von ihrem Gürtel und feuerte auf den Auslöser.

Die Explosion ließ die gesamte Station erzittern. Obi-Nor musste sich an der Stahlrippe festhalten, um nicht ins Schussfeld der Worgs zu taumeln. Ein heulender, auf- und abschwellender Alarmton ertönte.
"Verdammt! Rückzug!" schrie Major Bean. Er warf eine Nebelbombe in den Gang, feuerte in Richtung der Worgs und bedeutete den anderen, zurückzulaufen.
Obi-Nor hastete ein paar Schritte zurück, während ihm Blasterschüsse um die Ohren peitschten. Dann kauerte er sich erneut hinter eine Stahlrippe. Die Worgs konnte ihre Gegner nicht sehen, schossen aber auf Verdacht in ihre Richtung.
Bean warf eine zweite Rauchbombe, und in ihrem Schutz gelang es dem Sondierungsteam, sich zurückzuziehen.
"Zurück zum Shuttle", befahl Bean.
Obi-Nor nickte. "Eine Falle. Die Worgs sind nur Lockvögel, die kaltblütig geopfert werden sollten."
Sergeant Meers nickte grimmig. "Es war nur eine Ladung, die hoch ging. Wenn P2Q die übrigen nicht entschärft hätte, wäre von uns nichts mehr übrig."
Im Laufschritt eilten sie durch den Gang zurück. Sie hatten die Rampe zur Landeplattform fast erreicht, da begann dicker schwarzer Rauch aus den Lüftungsöffnungen zu quellen.
"Wird Zeit, dass wir wegkommen", kommentierte Bean. Nicht mehr lange, und hier unten kann allein schon wegen des Sauerstoffmangels nichts und niemand überleben."
Hastig rannten die Männer die Rampe hinauf ins Shuttle.
"Wir starten sofort!" keuchte Major Bean. Er deutete auf den äußeren Ring, aus dem hohe Flammen schlugen.
"In der künstlichen Atmosphäre breitet sich das Feuer schnell aus. Wir müssen weg sein, bevor die ersten Energiezellen explodieren."
"Sir, wo sind Pitik und Da'Graana?" wollte einer der Soldaten wissen.
Beans Miene wurde finster. "Sie sind tot, Sergeant Watres. Wir konnten sie nicht mitnehmen."
Sergeant Watres biss sich auf die Lippen. "Diese schwarze Frau hat es dann offenbar auch nicht mehr geschafft."
"Stella?!" rief Obi-Nor. "Verdammt, sagen Sie nicht, Stella ist runter in die Station!"
"Äh, tut mir Leid, Senator, ich wollte sie aufhalten, aber..."
Obi-Nor achtete nicht auf ihn. Mit einen Satz war er an der Ausstiegsschleuse und öffnete die Außentür des Shuttles. Der Pilot war soeben gestartet, die Raumfähre befand sich 10 Fuß über der Plattform. Als der Pilot merkte, dass die Ausstiegsluke offen war, hielt er das Fahrzeug in der Schwebe.
"Was machen Sie da!" Major Bean fasste Obi-Nor an der Schulter. "Wir können nicht wieder in die Station. Es ist viel zu gefährlich!"
"Lassen Sie mich los, Bean!" herrschte ihn Obi-Nor an. "Ich lasse Stella nicht zurück!"
"Verdammt, Gildorian, ich habe Verantwortung für meine Männer. Ich schicke sie nicht auf ein Selbstmordkommando!"
"Das brauchen Sie auch nicht, Bean. Das hier ist meine Sache!"
Obi-Nor sprang hinab auf die Plattform. Unmittelbar darauf plumpste ein zweiter Körper neben ihm auf.
"Rhysbe, was soll das?! Du hast doch den Major..."
Eine Drohgebärde der Warlucca-Fangzähne ließ Obi-Nor verstummen.
"Also los", seufzte er. "Wir müssen Stella finden."

Der Gang war mittlerweile voller Rauch. Obi-Nor riss einen Streifen von seiner Tunika ab und presste ihn vor Mund und Nase. Dennoch bekam er kaum Luft. Rhysbe zerrte ihn zur Wand und deutete auf ein Absperrgitter dicht über dem Boden. Obi-Nor nickte. Der Rauch quoll nur aus den oberen Lüftungsgittern. Dieses Absperrgitter hingegen musste zu einem Schacht führen, der noch passierbar war.
Ein Blasterschuss riss das Gitter aus der Wand.
Obi-Nor schob Rhysbe in die Öffnung, dann kroch er hinterher.
Ein enger Schacht führte nach unten und mündete in einem drei Fuß hohen Versorgungsröhre, die direkt unter dem großen Gang verlief.
Obi-Nor hustete und spuckte, konnte aber endlich wieder durchatmen.
"Stella muss nach rechts gegangen sein", sagte er. "Sonst wäre sie uns ja begegnet."
"Obi-Norrr, meinst du, Stella hat die Explosion überrrlebt?" Rhysbes Stimme klang skeptisch.
Obi-Nor antwortete nicht. Diese Frage stellte er sich selbst schon die ganze Zeit.
In der Röhre war es dunkel. Rhysbe aktivierte ein Leuchtkristall, wie es auf dem Planeten Warlucc als Lichtquelle benutzt wurde. Im matten Schein dieses Kristalles krochen die beiden die niedrige Versorgungsröhre entlang.
Sie bewegten sich offenbar geradewegs auf den Brandherd zu, denn es wurde von Meter zu Meter wärmer. Nachdem sie etwa eine Achtelmeile zurückgelegt hatten, war es in der Röhre unerträglich heiß.
"Wir kommen hier nicht weiter", brummte Obi-Nor. "Aber hier drunter muss es doch noch eine weitere Ebene geben. Wir sind doch gerade an einem anderen Schacht vorbeigekommen. Probieren wir den mal."
Sie krochen ein Stück zurück, bis sie zu einer in den Boden eingelassenen Klappe kamen. Sie öffneten sie, und Rhysbe leutete mit dem Leuchtkristall hinein. Der Boden befand sich gut zehn Fuß unter ihnen.
Obi-Nor schwang sich in die Öffnung und ließ sich hinunter fallen.
Als er sich wieder aufrichten wollte, wurde ihm ein Blaster ins Genick gedrückt, und eine Stimme zischte: "Keine Bewegung, sonst drücke ich ab!"

Die Explosion ließ die Station erbeben. Stella schwankte und musste sich an dem Container festhalten, um nicht zu stürzen. Ungläubig blickte sie auf die Countdown-Anzeige. Das Display zeigte die Ziffer "1".
Sie atmete tief durch. Eine Standardsekunde später, und sie wäre in lauter Einzelteile von der Größe ihrer Ohrringe zerlegt worden. Doch dann durchfuhr sie ein schrecklicher Gedanke. Irgendwo auf dieser Station war eine Sprengladung explodiert. Was, wenn nun Obi-Nor...
Stella eilte zum Ausgang der Kuppel und öffnete die Tür.
Die Hitze, die ihr entgegenschlug, ließ sie beinahe zurücktaumeln. Dichter Rauch quoll aus den Lüftungsschlitzen in der Decke des Ganges. Trotzdem sprang sie hinaus und rannte hustend und keuchend den Weg zurück, den sie gekommen war.
Vor dem ersten Feuerschott hielt sie an. Die Luft schien hier sehr viel wärmer zu sein. Sie aktivierte den Energie-Scanner und überprüfte die Umgebung auf Hitzequellen.
Kein Zweifel, hinter dem Schott musste es lichterloh brennen. Der Weg war ihr versperrt.
Kurz entschlossen öffnete sie ein Absperrgitter an der Wand und ließ sich durch einen Schacht zwei Etagen hinab in einen Versorgungs- oder Wartungsgang. Dort tastete sie sich unter dem Brandherd hindurch. Es war stockdunkel, und bald hatte Stella das Gefühl verloren, wie weit sie inzwischen gegangen war.
Plötzlich blieb sie wie angewurzelt stehen. Vor ihr schimmerte ein Lichtschein. Eine Klappe an der Decke war geöffnet worden, und eine menschliche Gestalt ließ sich in den Gang hinab.
Lautlos sprang sie darauf zu, presste der Gestalt den Blaster ins Genick und zischte: "Keine Bewegung, sonst drücke ich ab!"
Und eine Stimme, die sie nur allzu gut kannte, gab zur Antwort:
"Stella, nimm deinen Finger ganz vorsichtig vom Abzug! Hier gibt es jede Menge Worgs, auf die du schießen kannst, aber verschone mich bitte."

Obi-Nor lagen viele Fragen und noch mehr Vorwürfe wegen Stellas Alleingangs auf der Zunge, doch ihm blieb keine Zeit, auch nur einen einzigen Satz zu sagen. Denn mit einem tiefen Grollen sprang Rhysbe zu ihnen hinunter.
"Das Feuerrr frrrisst sikch in die Rrröhrrre überrr uns!"
Im gleichen Moment hörten sie metallisches Knirschen und ein lautes Bersten. Eine Feuerwand rollte durch den engen Gang über ihnen wie durch einen Kamin. Die drei warfen sich zu Boden und schützten ihre Gesichter vor der brennenden Hitze.
"Wir müssen auf dieser Ebene bleiben!" keuchte Obi-Nor. "Bestimmt können wir auch hier zurück zur Landeplattform."
Rhysbe grollte. "Was machen wirrr dann da, wenn das Shuttle weg ist?"
Obi-Nors Kommunikator piepte.
"Nanu, die Kommunikation ist doch blockiert", wunderte sich Obi-Nor. Dann beantwortete er den eingehenden Ruf.
"Senator? Major Bean hier. Wie Sie sehen, haben wir den Komm-Blocker deaktivieren können. Passen Sie auf, wir haben Sie auf dem Bio-Scan. Zwei Menschen, eine Warlucca. Demnach ist Mrs. Likori in Ordnung?"
"Ja, es geht ihr gut", antwortete Obi-Nor. "Wir machen uns auf den Weg. Ist die Landeplattform noch stabil?"
"Die Plattform ja, aber Sie kommen dort nicht mehr durch. Sie müssen in die andere Richtung. Wir haben vielleicht eine Möglichkeit, Sie da raus zu holen!"
Irgendwo in der Nähe explodierte eine Energiezelle mit dumpfem Knall. Rauch drang in ihren Gang ein.
"Nichts wie weg hier!" rief Obi-Nor.

In gebückter Haltung rannten sie den Gang entlang. Dank Rhysbes Leuchtkristall konnten sie sich relativ schnell fortbewegen.
Major Bean meldete sich erneut über den Kommunikator: "Schneller! Das Feuer breitet sich aus. Der äußere Ring wird instabil!"
Eine Serie dumpfer Detonationen bestätigte seine Worte.
"Noch etwa 30 Schritte, dann können Sie wieder hoch auf den Hauptgang! Beeilen Sie sich!"
Die drei erreichten die Stelle, von der Major Bean gesprochen hatte, und machten sich an den Aufstieg.
"Halt, warten Sie!" erscholl es aus dem Kommunikator. "Über Ihnen sind fünf Worgs. Sie ... verdammt!"
"Was ist los, Major?" fragte Obi-Nor.
"Über Ihnen ist eine Technik-Kuppel mit einer steuerfähigen Minikapsel und einem Dutzend Rettungssonden für Humanoide. Da wollte ich Sie hinlotsen. Die einzige Chance für Sie, von der Station wegzukommen. Aber die Worgs fangen an, die Anlage zu zerstören. Warum retten sie sich statt dessen nicht selbst?"
"Vermutlich weil sie wissen, dass Sie mit dem Shuttle noch in der Nähe sind und sie sowieso nicht entkommen lassen", entgegnete Obi-Nor. "Außerdem haben Worgs andere Vorstellungen von Ehre und Pflichtgefühl als wir, Major. Sie opfern sich, um uns mit in den Tod zu reißen."
"Wir müssen was tun!" drängelte Stella.
Obi-Nor nickte. "Du hast Recht. Ich geh als erster rauf. Stella, du als zweite. - Nein Rhysbe, du hast keinen Blaster, du gehst zuletzt."

Vorsichtig lugte Obi-Nor durch das Absperrgitter. Zwei Worgs standen mit Blastergewehren bewaffnet am Eingang zur Technikkuppel. Lautlos schraubte Obi-Nor das Gitter ab und zielte.
Zwei Schüsse, und die Worgs brachen zusammen.
Rasch schob sich Obi-Nor aus der Öffnung und zog Stella heraus. Die anderen drei Worgs kamen aus der Kuppel. Sie schossen sofort.
Stella und Obi-Nor ließen sich zu Boden fallen und rollten zur Seite. Blasterfeuer spritzte über sie hinweg.
Hinter einer Stahlrippe kauerten sie sich nieder und erwiderten das Feuer.
Einer der Worgs rannte über den Gang und versteckte sich ebenfalls hinter einem Stahlvorsprung. Die anderen beiden befanden sich noch im Eingang zur Kuppel.
Zwei dumpfe Explosionen erschütterten die Station. Die Stahlkonstruktion schwankte und knirschte.
"Verdammt, bald bricht hier alles auseinander", fluchte Obi-Nor.
Die beiden Worgs aus der Kuppel rannten wild feuernd auf Stella und Obi-Nor zu. Obi-Nor schoss zurück, verfehlte sie aber. Einen Moment später waren die Worgs schon wieder in Deckung.
"Sie wollen uns im Nahkampf überwältigen", meinte Stella grimmig. "Das wird ihnen aber..."
Ein ohrenbetäubender Knall übertönte sie. Eine Stahlwand barst, und Dutzende von Metallsplittern zischten wie spitze Geschosse durch den Gang. Zugleich hüllte dicker schwarzer Rauch alles ein.
"Pass auf, Stella!" rief Obi-Nor, doch in diesem Augenblick tauchte ein Worg neben ihm auf. Obi-Nor hatte keine Zeit mehr, seinen Blaster herum zu reißen. Mit seinem Kopf rammte er den Leib des Humanoiden. Ein Schlag von der gewaltigen Pranke, und der Händler stürzte zu Boden. Bevor der Worg nachsetzen konnte, schoss ihn Stella in den Kopf.
Im selben Moment brach sie selbst zusammen, getroffen von einem Hieb des zweiten Worgs. Obi-Nor zog sein Vibromesser aus dem Stiefel und schleuderte es auf den Worg.
Der große Humanoide starrte auf die Messer in seiner Brust. Er zog es hinaus, betrachtete das Blut an der Klinge, starrte nochmals auf seine Wunde. Dann sank er langsam zu Boden.
Aus den Augenwinkeln sah Obi-Nor den letzten Worg heranstürmen, doch er kam nur bis zur Schachtöffnung.
Ein sichelförmige Jagdklaue schnellte heraus und brachte den Worg zu Fall.
Obi-Nor beugte sich über Stella. Der Schlag auf den Kopf hatte sie bewusstlos gemacht, aber sie war aber am Leben.
"Rhysbe! Los, hilf mir, Stella in die Kuppel zu bringen!"
Zu zweit trugen sie Stella in die Kuppel mit den Rettungskapseln.

Der Anblick ließ sie einen Moment vor Schreck erstarren. Ein Bild der Verwüstung bot sich ihnen. Die runde Rettungskapsel war völlig zerstört. Auf den ersten Blick waren auch die schmalen, länglichen Rettungssonden unbrauchbar.
Wieder ließ eine dumpfe Explosion den Boden erbeben.
"Los, schauen wir nach, ob noch eine Rettungssonde intakt ist!" rief Obi-Nor.
Sie legten Stella vorsichtig auf den Boden und untersuchten die Sonden.
Eine einzige war nicht von den Worgs zerstört worden.
"Die hierrr funktionierrrt noch!" sagte Rhysbe. "Legen wirrr Stella hinein."
Die Rettungssonde war eine gut acht Fuß lange und vier Fuß im Durchmesser schmale Röhre, gedacht für den Transport eines einzelnen Menschen oder Humanoiden über eine kurze Strecke hinweg. Man konnte insbesondere Verletzte aus Wracks und havarierten Raumschiffen retten. Ein Minirepulsor und eine Impulsrakete konnten die Sonde antreiben, eine Steuerung gab es hingegen nicht. Wenn Sonden dieser Art im Weltraum eingesetzt werden mussten, wurden sie üblicherweise von einem Lazarettschiff mit einem Fangstrahl "eingesammelt".
Vorsichtig legten sie Stella in den Innenraum der Sonde. Stella stöhnte leise, bald würde sie aus ihrer Bewusstlosigkeit erwachen.
Obi-Nor aktivierte den Kommunikator.
"Major Bean, eine Rettungssonde ist noch intakt. Wir schicken sie Ihnen raus. Stella Likori ist an Bord. Fischen Sie sie auf. In der Zwischenzeit überlegen wir, wie Sie uns hier rausholen."
Als Orlando Bean antwortete, klang seine Stimme äußerst besorgt.
"Wir haben den Überwachungsvisor angezapft und sehen Sie auf dem Schirm. Das Feuer erreicht jeden Moment den Hauptreaktor. Ihnen bleibt keine Zeit mehr, Senator. Gibt es nur noch diese eine Sonde?"
"Ja, alle anderen sind zerstört."
"Verdammt. Gildorian, diese Sonde ist die letzte Chance. Eine andere haben Sie nicht."
Obi-Nor starrte den Kommunikator an, dann die Sonde.
"Okay, Rhysbe. Du quetscht dich zusammen mit Stella rein. Irgendwie wird's schon passen. Los, rein mit dir!"
Die Warlucca ließ ein drohendes Grollen erklingen. "Ikch lasse dikch nicht zurrrück, Obi-Norrr. Geh du in die Sonde."
"Red' keinen Unsinn, Rhysbe. Rein mit dir!"
Eine gewaltige Explosion drang durch die Station. Die Boden neigte sich mit einem Schlag um 45 Grad. Rhysbe und Obi-Nor stürzten zu Boden. Die Stahltür zum Gang sprang aus der Halterung, und sogleich schlugen Flammen in die Kuppel.
"Verdammt, Gildorian! Handeln Sie! Es geht um Sekunden!" rief Major Bean über den Kommunikator.
Obi-Nor sprang auf und zerrte Rhysbe hoch.
Eine Serie weiterer Detonationen warf sie erneut zu Boden.
"Du quetscht dich jetzt in diese Sonde, du stures Zottelvieh!"
Die Warlucca öffnete drohend ihre Fangzähne. Dann griff sie nach einem Metallbolzen und schlug ihn Obi-Nor auf den Kopf.
Bewusstlos sackte der Händler in sich zusammen.

 

 

6.

Mit dröhnendem Kopf erwachte Obi-Nor. Ihm war, als ob sein Hinterkopf in eine Schraubzwinge geraten sei. Vorsichtig öffnete er die Augen. Ein verschwommenes Bild von Stellas Gesicht tauchte auf. Obi-Nor wurde schwindlig.
"Bleib liegen", sprach Stella. "Der Medi-Droide gibt dir noch eine Spritze, danach geht es dir wieder besser."
Obi-Nor spürte einen Stich im linken Arm, dann schlief er wieder ein.

Als er das nächste Mal die Augen aufschlug, waren die Kopfschmerzen wie weggeblasen. Das Schwindelgefühl war verschwunden, sein Blick war klar. Er registrierte, dass er auf einer Pritsche lag. Stella saß neben ihm, im Hintergrund stand Major Bean.
Stella strich ihm sanft über die Stirn, sagte aber nichts. In ihren Augen standen Schmerz und Trauer.
Ruckartig setzte Obi-Nor sich auf.
"Rhysbe! Was ist mir ihr?"
Stellas Blick wurde noch eine Spur trauriger. Sie schüttelte den Kopf.
"Sie hat es nicht geschafft, Obi-Nor", sprach sie. "Rhysbe war noch in der Station, als diese auseinanderbrach."
"Oh nein!" flüsterte Obi-Nor. "Ich ... wir..."
Orlando Bean räusperte sich. "Wir haben gesehen, was geschehen ist, Senator. Die Warlucca hat sich selbst geopfert, um Sie zu retten."
Er trat näher an das Bett heran. In seiner Hand hielt er eine von Rhysbes Jagdklauen. Er reichte sie Obi-Nor. "Das hier hat sie in die Rettungssonde gelegt, Senator. Es ist wohl ein Abschiedsgeschenk für sie."
Obi-Nor nahm die sichelförmige Klaue. "Das... das ist alles, was von ihr geblieben ist?"
Stella legte ihre Hand auf seine. In ihren Augen schimmerten Tränen.
"Obi-Nor, Rhysbe wollte es so. Sie hat dich gerettet. Dich... und mich."
Sie wischte sie sich die Tränen weg.
"Es tut mir Leid, Obi-Nor. Es tut mir alles so schrecklich Leid."
Major Bean wandte sich zum Gehen. "Ich lasse Sie jetzt allein. Wenn Sie die Visor-Aufzeichnung sehen wollen, Senator, können Sie sie aus Ihrer Büro-Databank abrufen."
An der Tür drehte er sich noch einmal um. "Lassen Sie mich noch eines sagen. Unsere Analyse hat ergeben, dass Mrs. Likori die entscheidende Sprengladung entschärft hat. Wäre die Serilium-Kuppel explodiert, hätte das die Station auf einen Schlag zerrissen. Und wir alle wären jetzt tot."

Obi-Nor konnte später nicht sagen, wo er den nächsten halben Tag verbracht hatte. Nur lückenhaft waren seine Erinnerungen an sinnlose Speederfahrten kreuz und quer durch die Häuserschluchten Coruscants, an minuten- oder stundenlanges Starren ins Leere, an das Gefühl völliger emotionaler Taubheit.
Schließlich ertappte er sich dabei, wie er im interplanetarischen Raumhafen von Eastport vor seiner Yacht, der Courier III, stand.
Er öffnete die Schleuse und ging an Bord. Sein Weg führte ihn ins Cockpit. Dort setzte er sich in den Pilotensessel. Hier hatte Rhysbe jahrelang die Courier gesteuert, eine geniale Pilotin, die den zur Privatyacht umgebauten Modulfrachter beherrschte wie kein anderes Wesen. Vorsichtig holte er die Jagdklaue aus seinem großen Lederbeutel. Dann betrachtete er die Steuerungsinstrumente des Raumschiffs.
Nach menschlichen Maßstäben wirkten Warlucca wie Raubtiere, Beutelbären vergleichbar. Obi-Nor hatte auf Tatooine einmal gesehen, wie Rhysbe eine sechs Fuß große Wompratte mit einem Hieb erlegte und sofort roh verzehrte. Andererseits hatte sie das schwere Raumschiff einmal durch ein Asteroidenfeld gesteuert, wie es sonst nur Han Solo hätte fertig bringen können. Mehr als einmal hatte sie für Obi-Nor ihr Leben riskiert. Und nun hatte sie sich für ihn und Stella geopfert.
Obi-Nor schaltete den Visor-Schirm ein und rief die Aufzeichnung von der Raumstation ab.
Er sah sich selbst und Rhysbe, wie sie die bewusstlose Stella in die Kuppel mit den Rettungssonden trugen. Rhysbe deutete auf eine der Sonden, und sie legten Stella hinein. Dann stritten sie sich. Eine Explosion warf sie zu Boden. Als sie sich aufrappelten, griff Rhysbe nach einem Metallbolzen und schlug damit Obi-Nor auf den Kopf. Mit ihren kräftigen Armen hob sie den Händler auf und legte ihn ebenfalls in die Sonde. Flammen schlugen in die Kuppel, und eine weitere Detonation ließ das Bild wackeln. Rhysbe fuhr beide Jagdklauen aus. Mit der linken schnitt sie die rechte Klaue von ihrer Hand und legte sie auf Obi-Nor. Dann verschloss sie die Sonde und betätigte den Zündmechanismus. Die Sonde schoss davon. Das letzte Bild zeigte Rhysbe inmitten eines Flammenmeeres, wie sie ihre verletzte Hand hielt. Danach brach die Übertragung ab.
Nach einer Schwarzblende von einer halben Sekunde zeigte eine Aufnahme aus dem Shuttle, wie die Station in mehrere Teile zerbrach und in einem Feuerball verglühte. Die Sonde durchstieß trudelnd die Ausläufer der Explosion und bewegte sich rasch auf das Shuttle zu.
Dann wurde das Bild dunkel.
Obi-Nor starrte bewegungslos auf den schwarzen Schirm. Tränen rannen seine Wangen hinab.
Er bewegte sich auch nicht, als die Außenschleuse der Courier geöffnet wurde und er Schritte hörte, die sich dem Cockpit näherten.
Es war Stella.
"Ich habe mir gedacht, dass du hier bist. Vergrab dich nicht, Obi-Nor. Friss den Schmerz nicht in dich hinein - und lass mich nicht allein."
Obi-Nor umarmte sie. "Ich bin froh, dass du da bist, Stella. Es ist nur - ich fühle mich schuldig, weil sie für mich gestorben ist."
Stella nickte. "Was soll ich denn sagen? Ihr habt euer Leben riskiert, um mich zu retten. Ich bin schuld, dass..."
"Nein, Stella! Mach dir keine Vorwürfe. Du hast doch gehört, was Major Bean gesagt hat. Ohne dich wären wir jetzt alle tot." Obi-Nor seufzte. "Es hat keinen Sinn, dass wir uns quälen. Du hast im Medi-Zentrum gesagt, dass wir alle hierher gekommen sind, weil wir es so wollten. Du und ich, Yo-Karah und Rhysbe."
"Und unsere Aufgabe ist noch nicht beendet", bestätigte Stella. Sie löste sich aus Obi-Nors Umarmung. "Ich habe das Gefühl, wir sind von Anfang an dem Pfad gefolgt, den der unbekannte Gegner für uns angelegt hat. Das Attentat auf Yo-Karah, die Station - wir tappen von einer Falle in die andere. Warum weiß die andere Seite so gut über unsere Schritte Bescheid?"
"Ich weiß es nicht, Stella. Vielleicht werden wir belauscht. Vielleicht sind wir nichts weiter als Spielsteine auf einem Holobrett."
Stella nickte. "Vielleicht treffen alle drei Überlegungen zu. Aber der Gegner muss konkrete Informationen über unsere Pläne haben. Wir... Was hast du, Obi-Nor?"
"Hm, was?" Obi-Nor schreckte hoch. "Entschuldige, Stella, ich war gerade... Yo-Karah! Ich spüre ihre Präsenz." Er straffte sich. "Stella, ich glaube, Yo-Karah ist aus der Bewusstlosigkeit erwacht."

Duc Bittle hieb mit der Faust auf den Tisch.
"Sie haben versagt, Rice! Die Station ist explodiert, aber Gildorian ist entkommen! Wie konnte das nur passieren?!"
Xior Rice stand kerzengerade vor dem alten Senator. Seine Miene war wie versteinert.
"Ich habe keine Erklärung, Sir", presste er zwischen schmalen Lippen hervor. "Es war Glück, unverschämtes Glück."
"Papperlapapp!" Bittle wischte die Erklärung mit einer abfälligen Geste beiseite. "Sie unterschätzen den Gegner, das ist das Problem. Sie dachten wohl, es reicht, die Jedi aus dem Verkehr zu ziehen. Verdammt, Rice, uns läuft die Zeit davon!"
Bittle schwebte mit seinem Repulsorsessel zur Transparistahlwand und starrte hinaus. Nach einer Weile drehte er sich um. Sein Zorn schien verraucht zu sein.
"Vergessen Sie's", sprach er in ruhigem, aber entschlossenem Ton. "Sie haben getan, was zu tun war. Wenn es nicht gereicht hat, war es nicht Ihre Schuld. Doch jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die letzte Karte auszuspielen."
Bittle fuhr mit seinem Sessel wieder hinter seinen Arbeitstisch. Er legte die Hände auf die beiden Armlehnen und hob seinen Kopf. Seine Haltung hatte etwas herrschaftliches, als er verkündete: "Noch heute wird der Chip auf Coruscant gezündet!"
"Noch heute?" Rice war es gewohnt, eine undurchdringliche Sabacc-Miene aufzusetzen, doch nun konnte er seine Überraschung nicht verbergen. "Senator, es gibt nur eine Möglichkeit, den Chip heute zu zünden. Wir haben sie früher bereits verworfen."
Bittle nickte. "Das war früher, als uns noch andere Optionen offen standen. Jetzt habe ich nur noch diese eine Möglichkeit. Und ich werde sie nutzen. Heute noch werden wir den Sieg einfahren!"
"Aber was nützt Ihnen der Sieg, wenn Sie ihn selbst nicht überleben?"
Bittle zögerte einen Moment mit der Antwort. Er schien in sich hinein zu horchen. Schließlich sagte er: "Kennen Sie keine Situation, in der ein Soldat sich selbst opfern muss, um seiner Seite den Sieg zu bringen? Sehen Sie, Sie verstehen, was ich meine. Ich bin auf meine Art auch ein Soldat. Es geht hier nicht um mich, Rice, es geht um die Zukunft der Galaxis. Ich werde dieser Republik ein neues Gesicht geben, und es wird eine Zeit kommen, da wird man mich als den Architekten der Neuen Welt feiern. Mir bleibt ohnehin nicht mehr viel Zeit. Wenn ich sie abkürze, um unserer Sache zum Sieg zu verhelfen - ist es das nicht wert?"
Rice nickte bedächtig. "Also gut, Senator, ich werde Sie begleiten."
"Nein, das werden Sie nicht tun!" Bittle hob abwehrend die Hände. "Das hier ist nicht Ihr Kampf, Rice. Sie verschwinden von hier. Machen Sie, dass Sie von Coruscant wegkommen. Kehren Sie zurück nach For'Micula IV. Ihre Aufgabe ist vorbei."
"Sir, wir wissen nicht, wieviel dieser Gildorian über die Herkunft der Station inzwischen rausgefunden hat. Sie brauchen womöglich einen Leibwächter."
Duc Bittle drückte auf einen Knopf, und zwei humanoide Wesen traten in den Raum. Ihr schuppiger Körper maß gut sieben Fuß. Die gelben Reptilienaugen, die langen Klauen und ein großes Gebiss voller messerscharfer Zähne - alles an ihnen wirkte furchteinflößend. Obwohl ihre massigen Körper schwer sein mussten, bewegten sie sich mit der tödlichen Anmut von Raubkatzen.
"Slicks!" kommentierte Rice erstaunt.
"Ganz Recht. Es sind Slicks. Die beiden werden mich begleiten", lächelte Bittle. "Wie Sie sehen, Rice, habe ich vorgesorgt."
Ein Handbewegung von ihm, und die beiden Gestalten verschwanden wieder.
Rice trat einen Schritt vor. "Sir, wenn Sie fest entschlossen sind, diesen Schritt zu tun... Ich werde Coruscant nicht verlassen. Das hier ist ebenso meine Mission wie Ihre. Ich werde Sie begleiten!"
Bittle nickte nachdenklich. "Also gut, Rice. Bringen wir es hinter uns."

Obi-Nor und Stella eilten im Laufschritt durch die Gänge des Medi-Zentrums. Vor der Tür zu Yo-Karahs Zimmer stand Captain Casco Madjere vom Sicherheitsdienst.
"Es gab hier keine besonderen Vorkommnisse, Senator", berichtete Madjere. "Leider hat sich auch der Zustand Ihrer Tochter nicht geändert."
"Das werden wir sehen, Captain."
Der Captain trat beiseite und ließen Obi-Nor und Stella eintreten.
Yo-Karah lag unverändert. Ihr Gesicht war blass, ihre Augen geschlossen.
Obi-Nor trat an ihr Bett.
"Yo, kannst du mich hören? Ich habe deine Präsenz gespürt. Ich dachte..." Er stockte, weil seine Tochter keinerlei Reaktion zeigte. Sanft legte er seine Hand auf ihre Stirn. "Ich dachte, du wärst aufgewacht", flüsterte er.
"Das bin ich auch, Vater." Yo-Karah schlug die Augen auf und lächelte. "Du hast mich nur soeben in einer 'Macht'-Meditation gestört."
Obi-Nor schloss die Augen und atmete tief durch. Als er seine Augen wieder öffnete, blinzelte er eine Träne weg. "Yo, ich bin so froh..."
Seine Tochter nickte lächelnd. Doch dann wurde ihre Miene ernst. "Ich spüre Trauer und Zorn in dir, Vater. Trauer um... Rhysbe. Sie ist tot, nicht wahr?"
Obi-Nor nickte. "Ja, Yo. Sie ist tot."
"Aber du lebst wenigstens, Yo-Karah", schaltete sich Stella ein. "Und du bist wieder aufgewacht! Du bist bestimmt noch schwach. Wenn du Ruhe brauchst...?"
"Nein", wehrte Yo-Karah ab. "Ich fühle mich zwar noch schwach, aber ihr müsst mir berichten, was in der Zwischenzeit geschehen ist. Ich bin dem Mörder Van Toegings gefolgt. Ich bin sicher, es war Xior Rice, dem ich auf Coruscant schon einmal begegnet bin. Er hat mich in eine Falle gelockt. Aber was ist dann passiert? Und was ist mit Rhysbe geschehen?"
"Wir werden dir alles erzählen", antwortete Stella. "Aber zuerst sollten wir Captain Madjere informieren, dass du nicht mehr bewusstlos bist. Er war es, der dich gerettet hat, und der seitdem mit seinen Leuten vor deiner Tür gewacht hat."

Zehn Standardminuten später saßen sie zu viert schweigend im Krankenzimmer. Yo-Karah war aufgestanden und hatte ihre Jedi-Kleidung wieder angelegt. Sie war bleich und hatte dunkle Ringe unter den Augen, schien sich aber rasch zu erholen.
Nachdenklich starrte sie zu Boden. Dann legte sie Obi-Nor die Hand auf die Schulter und schaute ihn mitfühlend an.
"Rhysbe gehörte für mich fast schon zur Familie. Vater, ich kann mir vorstellen, was ihr Tod für dich bedeutet. Aber wir müssen nun nach vorn schauen. Hier sind Verbrecher am Werk, die nicht davor zurück schrecken, einen ganzen Planeten zu vernichten. Wir müssen diese Leute stoppen!"
Captain Madjere räusperte sich. "Dass es eine Geheimwaffe gibt, die ein vollständiges Sternensystem von jeglicher Energieversorgung abschneiden kann, ist schon erschreckend genug. Aber dass dieser Chip ausgerechnet hier auf Coruscant eingesetzt werden sollte..." Er schüttelte den Kopf. "Können diese Gangster ihren Plan nach der Zerstörung der Station noch weiterverfolgen? Benötigen Sie dafür nicht eine neue Station? Der Bau würde Jahre dauern."
"Vermutlich haben sie vorerst keine Chance", bestätigte Obi-Nor. "Das verschafft uns Zeit, um in Ruhe den Drahtzieher der Verschwörer ausfindig zu machen."
"Ja", nickte Stella. "Bis sie so viel Serilium herbeigeschafft haben, um eine neue Kuppel zu bauen, dürfte einige Zeit vergehen."
"Wieso Serilium?" wollte Yo-Karah wissen.
"Oh, das habe ich ja vorhin gar nicht erzählt. Nun, Helen hat herausgefunden, dass sich der Chip in einem Serilium-Feld befinden muss, um aktiviert zu werden. Wie der Zünder genau funktioniert, weiß ich nicht, aber... Was haben Sie, Captain Madjere? Ist Ihnen nicht gut?"
Der Captain war kreidebleich geworden. Als er sprach, war seine Stimme nur ein Krächzen.
"Der Senat. Die Plenarkuppel ist ein einziges Seriliumfeld. Die Repulsoraggregate der Schwebeplattformen werden mit Serilium gespeist. Sie können den Chip jederzeit im Senat zünden."

Die glitzernden Fassaden der Bürotürme rasten an ihnen vorbei. Casco Madjere holte die größtmögliche Geschwindigkeit aus dem kleinen Speeder heraus, in den sie sich gequetscht hatten. Aber ob sie rechtzeitig ankommen würden? Obi-Nor dachte an den Plenartermin des Senates. Leia hatte ihn vorgestern noch darauf aufmerksam gemacht. Wenn Senator Bittle wirklich hinter den Anschlägen steckte, dann wäre eine Senatsversammlung die beste Gelegenheit für ihn, den Chip zu zünden. Vorausgesetzt, er war bereit, sich selbst zu opfern. Denn auch wenn organische Lebensformen nicht unmittelbar von der Wirkung des Chips bedroht waren, drohte den meisten Wesen auf diesem von der Technik durch und durch abhängigen Planeten ein rascher Tod. Keine Turbolifte oder Kühlaggregate, keine künstlichen Lichtquellen und Atmosphärenfilteranlagen, keine Frischwasserpumpen und Lebensmittelautomaten - und keine Chance, Coruscant zu verlassen. Wenn nach drei oder vier Tagen die ersten Evakuierungsschiffe eintreffen würden: Wie viele Tote wären dann bereits zu beklagen? Obi-Nor dachte an Duc Bittle. War er fanatisch genug, sich selbst zu opfern?
Yo-Karah wandte sich Obi-Nor zu.
"Wenn Bittle den Chip im Senat zündet, wird er sich selbst umbringen, Vater. Hälst du das für möglich?"
"Ich habe soeben selbst daran gedacht, Yo." Obi-Nor zuckte die Achseln. "Ich weiß es nicht. Wir wissen noch nicht einmal mit Sicherheit, ob Bittle wirklich dahinter steckt."
"Er ist der Drahtzieher. Das spüre ich."
Obi-Nor nickte. "Ja, du hast Recht."
Madjere steuerte den Speeder mit abenteuerlichem Flugstil durch die endlosen Ketten von Atmosphärengleitern. In der Ferne tauchte die riesige Kuppel des Senatsgebäudes auf.
Einem Impuls folgend, aktivierte Obi-Nor seinen Kommunikator.
"Leia? Hier ist Obi-Nor. Hat die Versammlung schon begonnen?"
Leias Stimme klang kühl. "Allerdings, Senator. Selbst wenn du in anderer Mission hier bist, verlangt deine jetzige Funktion doch, dass du an der Abstimmung teilnimmst. Auch wenn der Antrag lächerlich ist, geht es doch um den Zukunft der Republik."
Obi-Nor kümmerte sich nicht um die Zurechtweisung. "Ist Senator Bittle da?"
"Aber natürlich. Wo denkst du hin? Er ist schließlich der Antragsteller!"
"Antragsteller?" Obi-Nor runzelte die Stirn. "Worum geht es denn eigentlich?"
"Du wärest gut beraten gewesen, dich etwas vorzubereiten. Es geht um eine Dezentralisierung der Republik. Coruscant soll nicht länger politisches Zentralsystem der Galaxis sein, eine lächerliche Vorstellung. Der Antrag wird mit Sicherheit mit 99% Gegenstimmen abgeschmettert. Bittle weiß das auch. Er rechnet nicht damit, dass der Senat seinem Antrag zustimmt. Aber er meinte vor der Sitzung zu mir, die Republik würde ihr eigenes Grab schaufeln, wenn sie gegen ihn votieren würde."
Obi-Nor warf Yo-Karah, die den Dialog mit angehört hatte, einen Blick zu.
"Wann ist die Abstimmung?" fragte Obi-Nor in das Gerät.
"Gleich. Du kommst wahrscheinlich zu spät."
"Halt sie auf, Leia! Ich kann es dir nicht erklären, aber du musst unbedingt diese Abstimmung verhindern!"
"Wieso? Ich..."
"Verdammt, Leia! Tu, was ich sage! Es geht um Leben und Tod! Diese Abstimmung darf nicht stattfinden! Ich bin gleich im Senat. Verzögere es so lange!"
"Also gut, Obi-Nor, ich hoffe, du weißt, was du tust. Ich werde den Senat durch Verfahrensfragen behindern."
Obi-Nor deaktivierte die Verbindung.
"Er will wohl erst die Abstimmung abwarten, um die moralische Rechtfertigung für den Schlag gegen Coruscant zu haben", mutmaßte er. "Wenn sich die Republik gegen ihn entscheidet, empfindet er es wohl als gerechtfertigt, seinen Angriff zu starten."
"Es gibt noch eine andere Möglichkeit", überlegte Yo-Karah. "Die Abstimmung erfolgt auf elektronischem Weg. Vielleicht ist die Technik manipuliert und mit dem Zündmechanismus gekoppelt."
Obi-Nor nickte. "Das wäre in der Tat möglich. Ich habe mich nämlich schon gefragt, wie Bittle den Chip tatsächlich aktivieren will."

Madjere stoppte den Speeder vor dem Senat, und die vier eilten in das Gebäude.
"Welche Nummer hat die Schwebeplattform von Trexx, Senator?" wandte sich Madjere an Obi-Nor.
"1138 - glaube ich." Obi-Nor lächelte verlegen. Er wünschte sich, dass er sich tatsächlich mehr um diese Dinge gekümmert hätte.
"Dann hier entlang!" sagte Madjere und wies auf einen der Turbolifte.
Um zum Lift zu gelangen, mussten sie eine Waffenscanner-Schleuse passieren. Ein durchdringender Summton alarmierte einen bewaffneten Wachposten.
"Es tut mir Leid, aber Angriffswaffen sind im Senat verboten", sagte der Wachmann mit Blick auf Obi-Nors Blaster. Zu Madjere gewandt fügte er hinzu: "Das gilt selbstverständlich nicht für Sie, Sir."
Madjere wurde zornig. "Wir müssen ein Attentat verhindern. Senator Gildorian hat eine Verschwörung aufgedeckt. Sie müssen ihn durchlassen!"
Der Wachposten war sichtlich verlegen, blieb aber standhaft.
"Ich bedaure, Sir. Sie kennen doch die Vorschriften. Wir müssten eine Sondergenehmigung beantragen. Ich kann den Major benachrichtigen, wenn Sie es wünschen."
"Nein, dazu haben wir keine Zeit", schaltete sich Obi-Nor ein. Er händigte dem Wachmann seinen Blaster und sein Vibromesser aus. Stella tat es ihm gleich.
Als Yo-Karah die Schleuse passierte, ertönte der Warnton erneut.
"Verzeihung, Ma'am. Darf ich mal sehen? Was ist das?"
"Ein Lichtschwert", antwortete Yo-Karah. "Das ist keine Angriffswaffe."
Nur eine leichte Bewegung ihrer rechten Hand deutete an, dass sie diese Worte mit Hilfe der 'Macht' verstärkte.
"Ich verstehe, es ist keine Angriffswaffe", wiederholte der Wachmann.
"Sie dürfen mich passieren lassen."
"Ich darf Sie passieren lassen."
Mit einem Lächeln betrat Yo-Karah den Turbolift.

Der Anblick des Senatssaales war atemberaubend. Er war eine gewaltige Kuppel mit Tausenden und Abertausenden von Schwebeplattformen, die an Wandnischen angekoppelt waren und der Kuppel das Aussehen eines Bienenstocks voller Waben verliehen. Die Plattform des Planeten Trexx befand sich in schwindelerregender Höhe. Obi-Nor sah tief unter sich die Säule, auf der der Sitz des Präsidenten der Neuen Republik angebracht war. Vier Plattformen schwebten mit Hilfe ihrer Repulsoraggregate im Innern der Kuppel, alle übrigen befanden sich in ihren Wandnischen. Eine Reihe von kugelförmigen HoloNet-Aufzeichnungsgeräten schwebten durch die Kuppel und fingen das Geschehen für die Zuschauer in der gesamten Galaxis ein. Soeben schien eine heftige Diskussion über den Fortgang der Verhandlungen im Gang. Die klare Stimme Leia Organa Solos erfüllte die Kuppel.
"... selbstverständlich fällt der Antrag unter § 14 der Senatsordnung. Eine Abstimmung ist nur unter Einhaltung der zweimonatigen Ladungsfrist statthaft."
"Unsinn!" konterte eine kehlige Stimme, die Obi-Nor nicht identifizieren konnte. "Dieser Paragraph gilt allein für Verfassungsänderungen. Sie wollen doch nicht im Ernst behaupten..."
Obi-Nor hörte nicht mehr hin. "Wo ist Bittle?" fragte er seine Gefährten. Er schaute sich um. Wie sollte man sich angesichts der unglaublichen Anzahl von Plattformen überhaupt orientieren?
"Ich habe ihn lokalisiert!" rief Stella. Sie deutete auf ihr Datapad. "For'Micula IV: Plattform-ID 1860. Dort drüben. Sie schwebt dort hoch über der Präsidenten-Säule." Sie deutete auf eine Plattform, in der vier Gestalten zu erkennen waren. Weithin leuchtete das weiße Haar von Duc Bittle. Hinter ihm stand ein großer Mann, Xior Rice, wie Obi-Nor vermutete. Außerdem saßen in der Plattform noch zwei in weite graue Kapuzengewänder gehüllte Gestalten.
"Was nun?" fragte Captain Madjere. "Ich kann Bittle nicht einfach im Senatssaal festnehmen - abgesehen von seiner diplomatischen Immunität haben wir keinen konkreten Beweis, der dieses Vorgehen rechtfertigen würde."
Obi-Nor starrte auf die Plattform des Planeten For'Micula IV. Wie würde der Chip aktiviert werden?
Stella stieß ihn an. "Leia ist mit Ihrer Verzögerungstaktik gescheitert!"
Obi-Nor wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Debatte zu.
"Also kommen wir jetzt zur Abstimmung", entschied einer der Senats-Administratoren, ein grünhäutiger Humanoide.
Reflexartig aktivierte Obi-Nor die Stimmübertragung.
"Einspruch!" rief er, während er die Plattform zugleich aus der Wandnische schweben ließ. "Wir dürfen nicht abstimmen!" Sofort kam eine Aufzeichnungskuppel angeflogen und nahm die Plattform ins Visier.
Gemurmel wurde im weiten Rund laut. Obwohl Obi-Nors 'Macht'-Fähigkeiten nur schwach ausgeprägt waren, spürte er dennoch eine Welle von Unmut und Zorn. Mit lauter, entschlossener Stimme sprach er weiter: "Das Parlament von Trexx pflichtet der ehrenwerten Abgeordneten Organa Solo bei. Diese Abstimmung ist verfassungswidrig."
Inzwischen hatte er ihre Plattform nahe an die von Bittle herangebracht. Bei der Erwähnung des Namens "Trexx" zuckte der alte Senator zusammen. Er starrte wutentbrannt zu Obi-Nor herauf, der sich immer noch rund 30 Schritt schräg über ihm befand. Dann zischte er etwas zu Rice.
Der Administrator bemühte sich vergeblich um Ordnung: "Der ehrenwerte Vorsitzende hat dem Senator von Trexx nicht das Wort erteilt!"
"Das ist auch nicht nötig!" gab Obi-Nor zurück. "Hier geht es nicht mehr um Geschäftsordnungen, sondern um Leben und Tod. Wir müssen einen Anschlag auf den Senat verhindern!"
Einen Augenblick herrschte verblüffte Stille im Senat
Dann brach das Chaos aus.

Flinker als eine Katze zog Xior Rice einen Blaster aus dem Gürtel und zielte auf Obi-Nor. Yo-Karah riss ihren Vater zu Boden. Ein Blasterblitz peitschte über seinen Kopf hinweg und traf eine entfernte Plattform.
"Verdammt, wie hat der den Blaster reinschmuggeln können!" rief Obi-Nor, doch seine Stimme ging im allgemeinen Geschrei und Gebrüll unter. Angehörige der unterschiedlichsten Spezies schrien und kreischten durcheinander. Der Administrator brüllte: "Ein Anschlag auf den Senat!", aber niemand kümmerte sich um ihn.
Captain Madjere zog seinen Blaster und duckte sich hinter die niedrige Bordwand der Plattform. Doch bevor er etwas unternehmen konnte, schoss Rice erneut. Aber diesmal zielte er nicht auf die Menschen, sondern auf die unter der Plattform angebrachten Antriebszellen.
Der Schuss löste eine kleine Explosion aus, und die Plattform kippte augenblicklich zur Seite. Madjere stürzte über die Bordwand. Im letzten Moment konnte Obi-Nor ihn am Arm packen.
"Ich ziehe Sie rauf!" rief er. Aus den Augenwinkeln sah er, wie Bittle mit seiner Plattform näher kam.
Wieder blitzte ein Blasterschuss auf. Casco Madjere ließ seine Waffe mit einem Schmerzenschrei fallen.
Die Klinge von Yo-Karahs Lichtschwert zischte gleißend durch die Luft.
"Stella, hilf mir!" keuchte Obi-Nor. Gemeinsam wuchteten sie Madjere an Bord.
"Ein Armschuss!" konstatierte Stella. "Nicht bewegen!"
Madjere stöhnte. Mit schmerzverzerrter Miene keuchte er: "Kümmern Sie sich nicht um mich. Ich werde es überleben."
Obi-Nor schaute auf. Yo-Karah stand aufrecht in der Schwebeplattform und wehrte mit ihrem Lichtschwert die Blasterschüsse von Rice ab. Bittle rief etwas, und Rice stellte sein Feuer ein. Er zog statt dessen einen Drahtwerfer vom Gürtel und feuerte den Haken in eine der über ihm schwebenden Plattformen. Mit Hilfe der automatischen Rolle zog er sich hoch zur Plattform. Yo-Karah nutzte ihre Levitationskräfte und sprang mit einem einzigen Satz hinauf.
"Ich greife mir Bittle!" rief Obi-Nor. Die beiden Plattformen waren nur noch zwei Standardmeter voneinander entfernt. Obi-Nor sprang hinüber. Die beiden verhüllten Gestalten hatten sich die ganze Zeit über nicht bewegt. Sekretäre oder Berater, dachte Obi-Nor, kümmerte sich aber nicht weiter um sie. Er baute sich drohend vor Duc Bittle auf.
"Ihr Spiel ist vorbei, Bittle!" zischte er.
"Irrtum, Gildorian", grinste der alte Mann und entblößte dabei eine Reihe schlechter Zähne. "Nicht mein Spiel, sondern Ihr Leben ist vorbei."
Eine stahlharte Krallenhand packte Obi-Nor an der linken Schulter und schnitt ihm tief ins Fleisch. Er wurde herumgewirbelt und erkannte entgeistert, dass die verhüllten Gestalten keineswegs harmlose Bürokraten waren, sondern mit Krallen und Klauen bewehrte Reptiloide.

Stella sah zu ihrem Entsetzen, wie Obi-Nor von zwei Reptilwesen attackiert wurde. Sie hatten schrecklich lange Zähne und gefährliche Krallen. Eine Krallenhand hatte sich in Obi-Nors Schulter gebohrt und zwang ihn in die Knie. Obi-Nor versuchte verzweifelt, die Hand abzuschütteln. Vergebens.
Mit einem Wutschrei sprang Stella auf die andere Plattform. Sie klammerte sich an eines der Reptilwesen und schlug auf seinen Kopf ein. Ein sinnloses Unterfangen angesichts der harten Schuppenpanzerung.
Das Reptilwesen grunzte nur und schleuderte Stella beiseite.
Sie schlug hart auf dem Boden der Plattform auf. Mühsam rappelte sie sich auf. In diesem Augenblick plumpste ein Gegenstand von oben herab, direkt vor Stellas Füße. Sie traute ihren Augen nicht, als sie Yo-Karahs Lichtschwert erkannte. Im ersten Moment gab ihr der Anblick einen Stich.
"Yo-Karah!" hauchte sie. War die Jedi etwa... tot?
Doch ihr blieb keine Zeit, sich Gedanken darüber zu machen. Ein Reptiloid beugte sich über sie, die Zähne gefletscht. Rasch griff Stella nach dem Lichtschwert, aktivierte es und schlug dem Wesen den Kopf ab.

Mit einem Sprung war Yo-Karah in der oberen Plattform. Rice musste auf die Jedi gewartet haben, denn bevor sie reagieren konnte, feuerte er ein anderes Stahlband ab. Es schlang sich wie eine peitschende Fessel um Yo-Karahs Beine. Ein Ruck, und sie wurde zu Boden geschleudert. Erneut hob Rice eine Waffe, aber diesmal war es kein Blaster, dessen Schüsse Yo-Karah mit dem Lichtschwert abwehren konnte. Diesmal war es ein Elektroschock-Impulsor. Yo-Karah schrie auf, als sie von blauen Blitzen durchzuckt wurde. Die Schmerzen drangen bis in jede Faser ihres Körpers. Für einen Moment wurde ihr schwarz vor Augen.
Als sie wieder klar sehen konnte, hing sie halb über der Bordwand. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass in der Plattform unter ihnen zwei Reptilwesen mit Obi-Nor und Stella kämpften. Stella wurde soeben zu Boden geschleudert. Ohne zu zögern warf sie ihr Lichtschwert der Lebensgefährtin ihres Vaters vor die Füße.
"Sieh mal an", höhnte Xior Rice. "Du wirfst deine Waffe freiwillig weg."
Er hob den Blaster.
"Diesmal entkommst du mir nicht. Das ist dann - das Ende."
In diesem Moment geriet eine der HoloNet-Aufzeichnungskugeln aus der Bahn und rammte wie von Geisterhand gesteuert Rice mit voller Wucht. Der Schuss ging fehl, Rice taumelte.
"Unterschätze niemals die 'Macht'!" sagte Yo-Karah. Sie machte eine Bewegung mit der Hand, und Rice wurde über die Bordwand geschleudert. Mit einem langgezogenen Schrei stürzte er in die Tiefe.

Obi-Nor keuchte. Vor Schmerz standen ihm Tränen in den Augen. Es war unmöglich, sich aus dem eisernen Griff des Reptiloiden zu befreien. Und doch wusste er, dass sein Angreifer nur mit ihm spielte. Ein Schlag mit der Krallenhand, und Obi-Nor wäre erledigt gewesen.
Der Reptiloide blickte erwartungsvoll über Obi-Nors Kopf hinweg, wo Duc Bittle stand.
"Mach ihn fertig", befahl der alte Senator. "Bring ihn um!"
Plötzlich zischte eine Lichtschwertklinge in die Luft, und einer der Reptiloiden brach zu sammen. Obi-Nors Angreifer ließ für einen Moment von seinem Opfer ab und wandte sich um.
Stöhnend kam Obi-Nor auf die Füße.
"Hey, du Echse!" rief er.
Der Reptiloid drehte sich wieder um.
Trotz seiner Schmerzen gelang Obi-Nor ein Grinsen. "Du glaubst wohl, du hättest scharfe Krallen, was? Meine sind schärfer!"
Bei diesen Worten schnellte eine sichelförmige Warlucca-Jagdklaue durch die Luft und traf den Reptiloiden genau am Hals. Mit aufgerissener Kehle sackte er in sich zusammen.
Den Schmerz so gut es ging ignorierend, wandte sich Obi-Nor an Bittle.
"Das ist das Ende Ihrer größenwahnsinnigen Träume, Senator. Ich weiß nicht, wie viele Jahre Ihnen noch bleiben. Ich weiß nur, dass Sie kein einziges mehr in Freiheit verbringen werden."
Duc Bittle war bleich geworden. Er ließ die Schultern hängen. Ein paar Mal öffnete er den Mund, brachte aber keinen Ton raus.
Stella trat neben Obi-Nor. "Wir müssen deine Wunde versorgen! Und was ist mit Yo-Karah. Ist sie..."
"Nein", lächelte Obi-Nor. "Yo-Karah geht es gut. Das Band der 'Macht' zwischen uns ist stärker als je zuvor."

 

 

Epilog

"Oh! Gelbe corellianische Rosen! Meine Lieblingsblumen!"
Stella Likoris Augen leuchteten. "Die sind hier auf Coruscant so schwer zu bekommen. Was hast du nur dafür bezahlt?"
Obi-Nor grinste breit. "Für eine 'Retterin der Galaxis' ist mir nichts zu teuer."
Er wusste genau, dass sich Stella über diese pathetische Bezeichnung, die verschiedene HoloNews-Sendungen aufgebracht hatten, ärgerte.
"Komm, reg dich ab", meinte er beruhigend. "Ein Anschlag auf den Senat vor laufenden HoloNet-Aufzeichnungsgeräten - das ist doch ein gefundenes Fressen für diese Geier. Jedenfalls für den Augenblick. In ein paar Wochen redet niemand mehr darüber."
"Du hast Recht", antwortete Stella. "In ein paar Wochen sind wir wieder auf Palm Island und schlagen uns mit konkurrierenden Handelsunternehmen herum."
"Ja, in der Tat." Obi-Nors Stimme ließ offen, ob er dies bedauerte oder sich darüber freute.
Stella nahm die Rosen und stellte sie in eine Vase.
"Als du weg warst, hat sich übrigens Außenminister Liew gemeldet. Er wollte uns für die rasche und erfolgreiche Arbeit danken."
"Aha", brummte Obi-Nor. "Hat er sonst noch was gesagt?"
"Ja, er bittet dich, bis zum Ende der sechsmonatigen Übergangsfrist Senator zu bleiben. Also fast noch ein halbes Jahr."
"Wirklich? - Und was hast du geantwortet?"
Stella schaute Obi-Nor in die Augen.
"Ich habe ihm gesagt, du bist kein Politiker, sondern Händler. Du hasst diesen Planeten und möchtest so schnell wie möglich nach Palm Island zurück. Außerdem haben wir eine Firma, um die wir uns kümmern müssen."
Obi-Nor nickte.
"Ganz genau", bestätigte er, aber es klang wenig überzeugend.
Stella runzelte die Stirn. "Das ist doch, was du willst, oder? So schnell wie möglich nach Hause?"
"Ja, schon", antwortete Obi-Nor gedehnt. "Obwohl..."
"Obwohl was?"
"Ach, ich weiß ja noch gar nicht, wie es ist, Senator zu sein. Wir haben doch noch gar nichts mitbekommen vom politischen Leben hier. Und es wäre ja nur für ein halbes Jahr..."
"Du genießt es, nicht wahr? Vom Schmuggler zum Senator der Neuen Republik - das gefällt dir doch!"
Obi-Nor seufzte. "Ja, ehrlich gesagt, schon. Dir etwa nicht?"
Stella grinste über das ganze Gesicht. In ihren Augen blitzte der Schalk.
"Doch, ich genieße das hier auch, Obi-Nor. Deshalb habe ich dem Außenminister gesagt, du würdest ganz sicher als Senator hierbleiben."
Obi-Nors Augen blitzten für einen Moment wütend: "Du hast mich reingelegt!"
Aber dann grinste er auch.
"Du kennst mich inzwischen ziemlich gut, Stella. Ich glaube, die nächsten Monate werden uns sehr gefallen."

Träge schob sich die rote Scheibe des Gasplaneten Yavin über den Horizont des bewaldeten Mondes und spendete ein mattes, aber warmes Licht. Langsam erwachte die Natur. Die ersten Blütenkelche öffneten sich, bunt gefiederte Vögel stimmten ihren Morgengesang an.
Yo-Karah öffnete die Augen.
Um diese Zeit, zwischen Planeten- und Sonnenaufgang, beendete sie üblicherweise ihre 'Macht'-Meditation in der freien Natur auf Yavin 4, die sie stets mitten in der Nacht begann. Sie genoss das stundenlange Einswerden mit der 'Macht' ohne die störende Präsenz von Menschen in unmittelbarer Nähe. Und nach ihrem monatelangen Aufenthalt auf dem überbevölkerten Planeten Coruscant hatte sie sich ganz besonders darauf gefreut. Doch dann war die Meditation völlig anders verlaufen als Yo-Karah gedacht hatte. Anstatt tief in den alle Gedanken auslöschenden Strom der 'Macht' einzutauchen, hatte sie immer wieder Bilder von Coruscant vor ihrem inneren Auge gesehen: Bürotürme, Fahrzeuge, den Senat, Captain Madjere, den Kampf mit Xior Rice sowie ihren Vater und Stella. Und sie hatte immer wieder an ihre eigenen Handlungen gedacht. Hatte sie überlegt und angemessen agiert oder war sie zu impulsiv vorgegangen, als sie in Xior Rice' Falle geraten war? War sie wirklich bereit für den nächsten Schritt?
Ein Padawan näherte sich über den schmalen Dschungelpfad. Er blieb von Yo-Karah stehen und verneigte sich in respektvoll.
"Sie erwarten dich, Yo-Karah."
Yo-Karah erhob sich und zum Jedi-Tempel zurück.

Im großen Versammlungsraum saßen zwölf Jedi, Menschen und Humanoide, im Kreis. Yo-Karah trat in ihre Mitte und verbeugte sich vor Luke Skywalker.
Der Jedi-Meister sagte nichts, sondern schaute Yo-Karah schweigend an. Yo-Karah spürte, wie seine Sinne auf sie ausgerichtet waren, wie er ihr Inneres abtastete, erforschte.
"Yo-Karah", sprach er schließlich. "Ich kenne dich seit deiner Geburt. Ich habe dich als kleines Mädchen ebenso erlebt wie als Padawan und später als ausgebildete Jedi. Die 'Macht' ist ungewöhnlich stark in dir. Du hast mehr Fähigkeiten, die lebendige 'Macht' im Hier und Jetzt zu verstehen als die meisten anderen Jedi, die ich kenne."
Yo-Karah neigte den Kopf als Zeichen des Dankes.
"Gleichwohl bist du sehr ungeduldig und impulsiv", fuhr Luke Skywalker fort. "Diese Eigenschaften ziehen sich wie ein roter Faden durch dein Leben, und du hast sie bis jetzt nicht ablegen können." Und nach einer kleinen Pause fügte er hinzu: "Es steckt noch zu viel von deinem Vater in dir."
Yo-Karah lächelte. Sie wusste, dass Luke Skywalker diesen Satz selbst häufig anhören musste, als er bei Pflegeeltern auf dem Planeten Tatooine aufgewachsen war. Als er erfuhr, dass sein Vater der berüchtigte Darth Vader war, hatte er lernen müssen, mit diesem Erbe zu leben. Seine entscheidende Prüfung war, anders als sein Vater der dunklen Seite der 'Macht' zu widerstehen.
"Master Skywalker", entgegnete Yo-Karah lächelnd. "Du hast Recht, es steckt viel von meinem Vater in mir. Aber dieses Schicksal teilen noch andere mit mir. Und ich kenne Jedi, die auf ihr väterliches Erbe weniger stolz sein können als ich."
Ein Vibrieren in der 'Macht' zeigte ihr, dass die anderen Jedi im Raum mit solchen Worten nicht gerechnet hatten und sich vermutlich fragten, ob Master Skywalker die Äußerung als Respektlosigkeit wertete.
Doch der Jedi-Meister lächelte erneut. "Deine Zunge ist schärfer als dein Lichtschwert, Yo-Karah. Aber du sprichst die Wahrheit."
Luke Skywalker schloss die Augen und konzentrierte sich.
Bist du bereit, Yo-Karah?
Dann öffnete er die Augen und schaute sie prüfend an.
"Bist du bereit, Yo-Karah?" fragte er laut.
Yo-Karah hielt seinem Blick stand.
"Ja, ich bin bereit, Master Skywalker."
Luke Skywalker nickte.
"So hat auch der Rat entschieden. Wir haben deinen Weg als Jedi sorgsam verfolgt. Die Mission auf Coruscant war der letzte Prüfstein. Heute erheben wir dich in den Rang einer Meisterin. Es ist ein Schritt, der dir viel Verantwortung abverlangt. Sei dir dieser Verantwortung stets bewusst. Und denke immer daran, dass du auch als Meisterin weiterhin bestrebt sein musst, das Geheimnis der 'Macht' tiefer zu durchdringen. Möge die 'Macht' mit dir sein, Jedi Master Mal'Wan."

Obi-Nor