"Nennen wir es Bildungsurlaub, Mylord!"

Eine Geschichte aus dem Star-Wars-Universum

1. NSV 84494

Es war eine blöde Idee. Geradezu idiotisch.
Gab es denn nichts anderes, was die Angestellten eines galaxisweit operierenden Handelsunternehmens ihrem Chef zu seinem 40. Geburtstag schenken konnten? Musste es unbedingt "zwei Wochen Rekreation auf dem Asteroiden NSV 84494" sein?
Erst hatte ich das Geschenk gar nicht annehmen wollen.
Rekreation! Lächerlich.
Ich hatte meine Firma "Gildorian Enterprises" nicht von einer kleinen, sagen wir es offen: Schmugglergang zu einer profitablen interstellaren Gesellschaft entwickelt, indem ich mir Urlaub gegönnt hatte. Eigentlich wusste ich gar nicht, was das war. Es stimmte schon, die letzten Jahre waren besonders anstrengend gewesen. Die ursprünglich auf Lebensmittel-Lieferungen für Coruscant spezialisierte Firma konnte ich durch den Einstieg in das Erztransport-Geschäft beträchtlich erweitern. Den Firmensitz hatte ich vor kurzem auf meinen Heimatplaneten Trexx verlagert. Und mit meinem seit einigen Jahren erfolgreich erprobten Modulfrachter-Konzept war es mir gelungen, in mehreren Sektoren den Multifunktionsfrachter-Markt zu erobern. Es war ein gewaltiger Kraftakt gewesen. Klar, dass mich gelegentliche Kreislaufschwächen und Schlafstörungen heimsuchten. Aber Urlaub? Wenn ich einmal nicht für den Unternehmenserfolg arbeitete, dann durchstreifte ich die Galaxis auf der Suche nach dem verschollenen Lichtschwert der toten Jedi Wala Mal'Wan, der Mutter meiner Tochter Yo-Karah. Ich hatte Yo-Karah versprochen, es zu finden und ihr zu schenken. Doch alle viel versprechenden Hinweise und vertraulichen Tipps in Cantinas und diversen Schmuggler-Treffs führten ebenso in die Irre wie Recherchen in den angesehensten HoloBibliotheken der Gilde der Wissenschaft. Die Suche war alles andere als Erholung. Nein, Urlaub konnte ich mir einfach nicht vorstellen.
"Ausspannen tut dir gut, Obi-Nor"; "Gönnen Sie sich doch mal was für sich selbst, Herr Direktor" - Sprüche dieser Art erreichen bei mir eher das genaue Gegenteil. Schließlich war es dann meine Verwaltungschefin Stella Likori, die mit einem Machtwort die Sache entschied.
"Wenn du so weiter machst, klappst du eines Tages zusammen", hatte sie gesagt. "Du rennst direkt in den Kollaps. Entweder du machst jetzt Urlaub und vertraust mir in der Zeit die Leitung der Firma an - oder ich kündige auf der Stelle!"
Am nächsten Tag war ich auf dem Weg zu NSV 84494.
Und seitdem langweilte ich mich.
Das "Urlaubsparadies für wohlhabende Geschäftsleute", wie der Asteroid in einer HoloNet-Werbung bezeichnet wurde, war öder als ein Bantha-Friedhof auf Tatooine. Eigentlich konnte man im "Skylounge Hotel" - schon der Name war phantasielos - nur an der Bar herumhängen und sich betrinken. Oder Sabacc spielen. Dieses Glücksspiel rührte ich aber schon seit Jahren nicht mehr an.
Außerhalb der Luxusherberge wurde es noch schlimmer. Der Nachtclub "Jabba's Palace" lud zu einer "Monster-Show mit einem virtuellen Rancor" ein. Und zwei Häuser weiter pries ein Rodianer eine "Massage durch zwei erfahrene Twi'Lek-Mädchen" an. Dem horrenden Eintrittspreis und dem lüsternen Grinsen zufolge war "Massage" wohl nur eine Chiffre für Dienste anderer Art.
Nein, was hier angeboten wurde, war eine Art Vergnügen, auf das ich gut verzichten konnte.

"Möchten Sie einen Droiden kaufen, Sir?"
Ich schaute erschreckt auf. Ohne es zu merken, war ich durch die Shopping-Zone gegangen und vor einem Laden für Droiden und Haushaltsgeräte stehen geblieben.
Ein gelbschuppiger Tradianer versuchte, mich mit einer einladenden Geste in sein Geschäft zu locken.
"Nein, danke. Einen Droiden kann ich nicht gebrauchen."
Ich nahm meine Wanderung wieder auf.
Seit vier Tagen war ich auf dem Asteroiden.
Heute war mein 40. Geburtstag. Und mir ging es schlechter als an den ersten drei Tagen, die ich hier verbracht hatte.
Es hatte keinen Sinn mehr, es zu verdrängen: Ich fühlte mich einsam.
Die Hälfte meines Lebens war um. Und was hatte ich erreicht, außer dass ich Credits gescheffelt hatte wie ein Neimodianer? Gewiss, ich hatte zwei Kinder gezeugt (jedenfalls wusste ich von zweien). Meine Tochter Yo-Karah war sogar seit mittlerweile zehn Jahren auf der Jedi-Akademie von Luke Skywalker auf Yavin 4, worauf ich sehr stolz war. Aber irgend etwas fehlte mir. Vielleicht eine dauerhafte Beziehung zu einer Frau, die über den Status einer Affäre hinausging?
Ich seufzte. Wieso sah ich in diesem Moment ausgerechnet Stellas Gesicht in Gedanken vor mir?
Schnell wischte ich das Bild weg. Bloß nicht noch einem Phantom nachjagen!
"Möchten Sie wirklich keinen Droiden kaufen, Sir?"
Ohne es zu merken, war ich im Kreis gegangen und stand erneut vor dem Droiden-Geschäft.
"Wir haben wunderbare neue Modelle, Sir. Einen Astromechdroiden, einen Lastenträger. Und - das ist etwas ganz besonderes - einen Kammerdiener-Droiden!"
Ich wollte gerade zum zweiten Mal abwinken und fort gehen, da ließ mich ein vages Gefühl zögern. Es war, als ob mich eine unsichtbare Kraft in den Laden hineinzog. Ich hatte schon oft erlebt, dass Ereignisse, die im allgemeinen als Zufall gedeutet wurden, mit dem Wirken der 'Macht' zusammenhingen, jener geheimnisvollen Kraft, die die Galaxis zusammenhält. Sollte auch hier wieder die 'Macht' am Werke sein?
Kurz entschlossen trat ich ein.

Es war eine merkwürdige Verkaufsausstellung, in die mich der Tradianer führte. Kugelköpfige Astromechdroiden standen neben selbststeuernden Lasttragen. Schwebende Luftbefeuchter und intelligente Müllschlucker wechselten sich mit Reinigungsdroiden ab. Ein Droide - wenn man das Ding überhaupt so bezeichnen konnte - sah aus wie ein eigenständig operierender Zahnarzt-Stuhl. Der Tradianer winkte mich aber gleich in einen Nebenraum.
"Sir, mit Verlaub, das hier ist nur Kleinkram. Sie wirken wie ein Kenner. Das hier dürfte Ihnen besser gefallen."
Ich traute meinen Augen kaum. In der Tat waren die Droiden in dem zweiten Raum alles andere als Durchschnittsware. Die meisten Roboter hier waren: Leibwächter- und Kampfdroiden!
Ich schaute den Tradianer stirnrunzelnd an.
"Sagen Sie, für diese Dinger brauchen Sie doch eine spezielle Einfuhrgenehmigung." Ich wusste über den Handel mit Kampfdroiden recht gut Bescheid. Schließlich hatte ich sie jahrelang in die B'Her-Minen auf Tantau VI geschmuggelt. "Mich würde interessieren, ob Sie wirklich eine Lizenz zum Verkauf dieser Spielzeuge haben ..."
Die Schuppen des Tradianers verfärbten sich dunkelviolett.
"Oh, der Herr ist vom Gewerbeamt. Ich ... also ..."
"Unsinn!" unterbrach ich ihn. "War wirklich nur reines Interesse. Aber ich sag Ihnen was: Wenn Sie tatsächlich einen guten Kammerdiener-Droiden haben und Sie geben mir ein wenig Rabatt, dann vergesse ich das hier alles ganz schnell."
"Oh, gewiss, selbstverständlich, wenn Sie mir bitte folgen wollen, Sir ..."

Der Kammerdiener-Droide, der deaktiviert in einer Wandnische lehnte, sah aus wie ein silberner Zwillingsbruder von C3PO. Der Händler, inzwischen wieder mit gelblicher Schuppenfarbe, schaltete ihn an.
Der Droide richtete sich würdevoll auf. Er verbeugte sich leicht vor mir und begann mit wohlklingender Stimme in reinstem Basic zu sprechen.
"Ich grüße Eure Lordschaft. Wenn Ihr mich kaufen wollt, Mylord, werde ich stets um Euer Wohl bemüht sein. Mein Name ich GL02, aber mein früherer Besitzer, Lord Roddenberry, nannte mich George."
"Ich werde dich GL02 nennen. Hast du schon einmal den Einsatz von Reinigungsdroiden koordiniert?"
"Aber gewiss, Mylord. Auf Dsyynh XII hatten wir 45 Reinigungsdroiden im Haushalt. Sie waren mir zugeteilt."
Donnerwetter, 45 Reinigungsdroiden?! Das musste ein königlicher Palast gewesen sein.
"Sehr gut", sagte ich. "Und sicher auch Festessen organisiert. Weißt du, wie man ..." Ich überlegte. "... Wie man in Bromi eingelegte Trè-Perlen von Corvis Major mit glasierten Hawto-Früchte in Z’tu-Soße und überzuckerten Klaarolen serviert?"
"Eure Lordschaft haben einen ausgezeichneten Geschmack, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf. Die Hawto-Früchte müssen unbedingt in einer Silberschüssel serviert werden, um das Aroma zu erhalten. Die Klaarolen wiederum dürfen mit Metall keinesfalls in Berührung kommen. Und die Trè-Perlen - sind sich Eure Lordschaft sicher, dass sie von Corvis Major stammen? Ich würde Trè-Perlen ausschließlich von Corvis Minor importieren. Sie sind viel zarter und ..."
"Das reicht!" lachte ich, und fügte zum Tradianer gewandt hinzu: "Wieviel soll er kosten?"
"Nun, eigentlich wollte ich 7.500 Credits verlangen - aber Euch kann ich ihn für 5.000 Credits geben, Mister ..."
"Obi-Nor Gildorian ist mein Name. Ich denke, wir sind im Geschäft!"

Mit dem trippelnden Droiden an meiner Seite verließ ich den Laden. Draußen wurde mir wieder meine Situation bewusst. Jetzt hatte ich Gesellschaft aus Metall und Elektronik, aber würde ich mich deshalb weniger langweilen? War der Erwerb des Droiden nicht einfach nur ein Frustkauf? Sollte ich etwa mit ihm meinen Geburtstag feiern?
Ich seufzte. Fast fühlte ich mich schlechter als vorher.
Aber eine Sache interessierte mich doch.
"Sag mal, GL02, warum nennst du mich immer 'Mylord' und 'Lordschaft'"?
"Verzeiht, Mylord, aber mein früherer Besitzer bestand auf dieser Anrede."
"Nun, ich find's albern. Nenn mich anders!"
"Und wie darf ich Eure Lordsch... ich meine, Euch anreden? Ich habe 1138 Standardanreden gespeichert."
"Lass mal ein paar hören."
"'Sir', 'Master', 'Ehrwürdiger', 'Hoheit', 'Konsul', 'Vizeadmiral', 'Botschafter' ... und dazu natürlich kombinierte Anreden wie 'Abglanz der Sonne', 'Held des Hyperraums', 'Wohltäter der Galaxis' ..."
"Hm, weißt du was, 02? Nenne mich einfach 'Herr Direktor'!"
"Wie Ihr wünscht, Herr Direktor."
Wir passierten einen "Moonshine-Club", der mit einem "virtuellen Vollrausch" warb. Jetzt wusste ich, wie ich den Rest meinen Geburtstages verbringen würde. Virtuelles Vergnügen war noch nie nach meinem Geschmack gewesen. Aber das Stichwort "Vollrausch" hatte mich auf eine Idee gebracht.
Ich schickte GL02 in einen Spirituosenladen mit dem Auftrag, "einen wirklich starken Trank" zu besorgen, während ich in Sevat Loriques Schnellrestaurant ein paar Coleco-Fischbratlinge aß.
Nach ein paar Minuten kam der Droide mit einer Flasche wieder, in der eine dunkelgrüne Flüssigkeit schwappte.
"Ich hoffe, ich habe das richtige Getränk erwischt, Herr Direktor. Es gab Getränke mit den Namen 'Sternenstaub', 'Sonnennebel' und 'Schwarzes Loch'. Letzteres habe ich erworben."
"Gut", nickte ich, schraubte den Verschluss ab und nahm einen ersten tiefen Schluck ...

Der Folterknecht schraubte die Schädelpresse noch enger zusammen, und ein dröhnender, dumpfer Schmerz breitete sich über meinen gesamten Kopf aus. Zugleich hämmerte der Peiniger mit einem stumpfen Gegenstand genau im Rhythmus meines Pulsschlages gegen die Schläfe. Oder kamen die Schläge aus dem Kopfinnern?
Mühsam stemmte ich ein Augenlid auf. Ich erhaschte einen Blick von der Decke meines Hotelzimmers, die sofort zu kreisen begann.
Mit zitternden Fingern tastete ich nach einer Wasserkaraffe und goss mir den Inhalt über den Kopf.
Immerhin brachte mich diese Aktion einigermaßen ins Leben zurück.
Nie in meinem Leben hatte ich einen derartigen Rausch gehabt.
Und heute musste ich dafür büßen.
Wenn ich nur wüsste, was gestern noch alles passiert war!
Der Geschmack in meinem Mund erinnerte an den verwesenden Kadaver einer Womp-Ratte.
Ich quälte mich aus dem Bett und taumelte zum Erfrischer.
Auf halbem Weg fiel mein Blick auf eine auf dem Teppich liegende leere Getränkeflasche.
Sofort schoss eine Welle von Übelkeit aus dem Magen hoch.
Mit einem Satz rettete ich mich in den Erfrischer.

"Womit kann ich zu Diensten sein, Herr Direktor?"
"Sag mal, 02", stöhnte ich. "Was ist gestern eigentlich alles passiert? Was hab ich noch gemacht, nachdem du das Gesöff gekauft hast?"
"Nun, wir haben 'einen Zug durch die Gemeinde' gemacht, wenn ich Eure Worte benutzen darf."
"Ach ja? Und was heißt das konkret?" Ich hatte auf einmal ein ganz mieses Gefühl.
"Nun, Ihr habt vorwiegend dem Rauschtrank zugesprochen. Und dann ... Verzeihung, Herr Direktor, Eure Aussprache war nicht mehr sehr verständlich. Es hatte den Anschein, als wolltet Ihr zu einem Massage-Salon. Ihr habt immerfort von zwei Twi'Lek-Masseurinnen gesprochen."
Meine Kopfschmerzen wurden augenblicklich schlimmer.
"Und dann? Was ist dann passiert? Waren wir in dem Massage-Salon?"
"Nein. Ich habe mir erlaubt, Herrn Direktor ins Hotel zu bringen. Das Massage-Angebot schien mir offen gesagt überteuert zu sein."
"Danke, 02", seufzte ich erleichtert. "Das war eine gute Idee von dir. - Aber sag mal, kannst du mir irgendwas geben, was mich wieder auf die Beine bringt?"
"Ich habe mir erlaubt, bereits ein geeignetes Mittel mitzubringen."
Er stellte eine Schale mit einer heißen, aromatisch duftenden schwarzen Flüssigkeit auf den Tisch.
"Man nennt es K'Feh, Herr Direktor. Es soll die Lebensgeister von Menschen und nichtmenschlichen Humanoiden in hervorragender Weise wecken."
Ich probierte den Trank. Er schmeckte leicht bitter, schien aber belebende Wirkung zu haben.
"K'Feh, nie gehört", brummte ich. "Woraus gewinnt man das Zeug?"
"Es sind mit heißem Wasser übergossene gemahlene Bohnen der K'Feh-Sträucher, Herr Direktor. Sie werden vorwiegend im B'Rzil-System angebaut."
GL02 dozierte eine Weile über die Anpflanzung der K'Feh-Sträucher und die kulturellen Besonderheiten des B'Rzil-Systems, doch ich hörte gar nicht mehr hin. Mit diesem Getränk ließ sich gewiss ein Vermögen machen. Und während ich langsam, aber sicher etwas munterer wurde, plante ich bereits in groben Zügen das neue Gildorian-Projekt "K'Feh-Export nach Coruscant".
Vielleicht war der Urlaub doch keine verschenkte Zeit?
Aber mit einem Male wurde ich aus meinen Gedanken aufgeschreckt.
"Was hast du da gerade gesagt?"
"Ich erlaubte mir zu bemerken, dass man K'Feh auf B'Rzil IV immer am Morgen nach dem 'Fest der goldenen Jungfrau' trinkt, Herr Direktor."
"Nein, was du davor gesagt hast!"
"Oh, Ihr meint die rituelle Opferung? Dass zu Ehren der goldenen Jungfrau ein Mensch geopfert wird? Ein barbarischer Brauch, möchte ich anmerken. Wahrlich merkwürdig, dass die Rzils ein Lichtschwert für die Tötung des Opfers benutzen. Ich weiß nicht, ob ..."
Ein Lichtschwert! Konnte es sein ...? Es war unwahrscheinlich, aber ich musste es versuchen.
Seit mehr als 15 Jahren durchsuchte ich die Galaxis nach dem verschollenen Lichtschwert von Wala Mal'Wan. Sollte mir ausgerechnet ein neu erworbener Kammerdiener-Droide den entscheidenden Tipp geben? Und nur deshalb, weil er mir einen Vortrag über das Getränk hielt, das mich nach einem Alkohol-Exzess wieder munter machen sollte?
Aber ging die 'Macht' nicht manchmal seltsame Wege?
"02, pack meine Sachen zusammen! Wir fliegen noch heute nach B'Rzil IV!"

 

2. B'Rzil IV

"Hyperraumaustritt in T minus 30!"
Die Stimme des Piloten-Droiden MH-F1 riss mich aus meinen Gedanken. Beinahe den gesamten Flug zum B'Rzil-System hatte ich mit GL02 Pläne geschmiedet, wie wir das Lichtschwert der Rzils in unseren Besitz bringen konnten.
"T minus 3 ... 2 ... 1 ... Hyperraumaustritt!"
Die Courier II, ein zur Privatyacht umgebauter ehemaliger Frachter, vibrierte leicht, und mit einem Mal war auf den großen Frontdisplay-Fenstern wieder ein Bild zu sehen. Direkt vor uns lag der graue Planetoid B'Rzil IV.
Ich hatte mich gründlich im "HoloLexikon der Galaktographischen Anstalt Coruscant" informiert. B'Rzil IV war ein kalter, harter Himmelskörper mit giftiger Protoatmosphäre. In seinem Innern hatten die Rzils in ausgedehnten Höhlensystemen eine unterirdische Siedlung geschaffen. Es war eine Bergbaukolonie des eigentlich auf B'Rzil IX ansässigen Volkes. Die Oberfläche des Planetoiden war extrem lebensfeindlich. Auch mit einem Atemgerät hatte ein organisches Wesen hier keinerlei Überlebenschancen. Denn die intensive Strahlung des nahen Sternes B'Rzil machte den Planetoiden gewissermaßen zu einem höchst effektiven Bräunungsstudio. Nach nur zwei Sekunden hätte ich eine ähnliche Hautfarbe gehabt wie Lando Calrissian. Weitere fünf Sekunden später allerdings hätte ich von "Haut" nicht mehr sprechen können.
Die Courier tauchte im langsamen Sinkflug in die für optisches Licht undurchdringliche Suppe der Protoatmosphäre ein. Elektromagnetische Stürme ließen das Schiff erzittern, und statische Entladungen entlang der Außenhaut-Schutzschilde tauchten uns in ein Blitzlichtgewitter, das den uns umgebenden Nebel nur noch gespenstischer erscheinen ließ.
"Ich hoffe doch, der Pilot kennt den Weg, Herr Direktor", ließ sich GL02 vernehmen. Die Skepsis in seiner Stimme war nicht zu überhören.
"Der Pilot nicht", antworte ich wahrheitsgemäß, was ihm ein erschrecktes "O nein!" entlockte.
"Aber das Autonav-System", fügte ich grinsend hinzu.
GL02 gab einen Seufzer der Erleichterung von sich. Er war ein Klasse-2-Droide, seine Programmierung schloss menschliche Gefühle ein. Ich musste wohl sorgsamer mit dem armen Kerl umgehen.

Während unser Schiff weiter durch die von Blitzen erhellte Nebelsuppe schaukelte, überdachte ich nochmals den Plan. Das Problem war, dass die Rzils nach Auskunft des HoloLexikons und den Informationen, die der Kammerdiener-Droide hatte, sehr kontaktscheu waren. Von Zeit zu Zeit gestatteten sie fremden Händlern, sie mit Waren zu versorgen. Doch ob sie tatsächlich eine Landeerlaubnis erteilten, war völlig ungewiss und schien von ihren unberechenbaren Launen abzuhängen. Jeder, der ohne Erlaubnis landen wollte, wurde als Aggressor angesehen. Ihm drohte die rituelle Opferung. Niemand wusste zu sagen, woher der perverse Kult stammte, dem die Rzils huldigten. Es schien irgendeine primitive Vorstellung aus der Vor-Raumfahrt-Ära zu sein, wonach die Macht des Geopferten auf die Feiernden überging. Das wirksamste Opfer war dann gegeben, wenn ein mächtiger Herrscher von einem gänzlich machtlosen Vollstrecker geopfert wurde.
Ich schüttelte unwillkürlich den Kopf. Dass es so etwas heutzutage noch gab ...
GL02 hatte mein Kopfschütteln bemerkt, die Geste aber offensichtlich falsch gedeutet.
"Ihr scheint mit Eurem Plan nicht besonders zufrieden zu sein, Herr Direktor. Mit Verlaub, ich bin ebenfalls skeptisch. Mir will noch immer scheinen, dass es das Klügste wäre, wenn Ihr Euch als Händler ausgebt."
"Nein, 02, ich hab dir doch schon zweimal gesagt, dass mir die Händler-Rolle keiner abnimmt."
Doch auch beim dritten Mal entging dem Droiden der Scherz. "Aber Ihr seid doch Händler, und dies ist - war - ein Frachtschiff!"
"Trotzdem: Ich trete als 'Machthaber von Lamed Mem' auf. Punkt."
"Dann wird man Euch opfern!"
"Richtig, 02. Genau das habe ich auch vor."
In diesem Augenblick schien der Droide sich damit abzufinden, von einem Geisteskranken gekauft worden zu sein.

Der Ionenscanner zeigte ein deutliches Bild von dem in den großen Durasteinfelsen eingefügten Schleusentor. Seit 30 Sekunden war der VoiceKom-Kanal still. Meine Ankündigung, "der Große Machthaber von Lamed Mem" wünsche unverzüglichen Einlass, musste bei den Rzils hektische Betriebsamkeit ausgelöst haben. Ich hoffte nur, dass man uns - mit welchen Hintergedanken auch immer - bald einließ. Nach 20 Minuten Schaukelei in der Protoatmosphäre und dem schwierigen Präzisionsanflug zur Einlassöffnung der unterirdischen Rzils-Siedlung hätte ich gern mal wieder sicheren Boden unter den Füßen gehabt.
Endlich meldete sich wieder der VoiceKom-Kanal.
Es ertönte ein melodisches Brummen, dass der Übersetzungscomputer augenblicklich in Basic übertrug.
"Das Volk der Rzils heißt den Großen Machthaber von Lamed Mem in der Kolonie B'Rzil IV willkommen und wünscht einen angenehmen Aufenthalt."
Gleichzeitig öffnete sich das äußere Schleusentor.
"Siehst du, 02? Es läuft alles nach Plan."

Das äußere Schleusentor glitt hinter uns wieder zu. MH-F1 hielt die Courier wenige Meter über dem Boden. Langsam schwebten wir durch eine Art Vorhalle, in der alte, ausrangierte, zum Teil auch abgewrackte Raumgleiter standen. Kein einladender Anblick.
Ein zweites Tor öffnete sich und ließ uns in eine weitere Halle, in deren Mitte sich eine gewaltige Plattform befand, auf der ein Raumgleiter von der doppelten Größe der Courier ohne weiteres landen konnte. Unsere Außenhaut-Sensoren zeigten immer noch eine absolut tödliche Strahlung an. Damit war die Sache klar: Die Plattform war der obere Teil eines Repulsor-Liftes, der uns in die strahlengeschützten Tiefenregionen des Planetoiden bringen sollte. Tatsächlich erhielten wir eine gebrummte Nachricht, die der Computer als Befehl zur Landung auf der Plattform übersetzte.
MH-F1 setzte das Schiff auf und stellte die Triebwerke ab.
Augenblicklich sank die Plattform in die Tiefe. Im oberen Sichtfenster-Display sahen wir, dass der Schacht, den wir herunterfuhren, mit mehreren Durastahldecken und Strahlenschutzfeldern abgesperrt wurde.
GL 02 sprach aus, was ich in diesem Augenblick dachte: "Mit Verlaub, Herr Direktor, wenn sie uns in eine Falle locken wollten, haben sie sie soeben zuschnappen lassen."
Ich nickte.
"Lass alle Maschinen auf Bereitschaft, solange wir hier unten sind", wies ich den Piloten-Droiden an. "Und du, 02, nenn mich nicht mehr 'Herr Direktor', sondern 'Großer Machthaber'."

Wir erreichten den Boden des Schachtes. Ein Antigrav-Roboter schob sich unter das Schiff, hob es wenige Zoll an und schob es von der Lift-Plattform herunter. Nach dieser Aktion verschwand er in einer kleinen, offenbar zu Wartungsräumen führenden Tür.
Die Positionslichter und Landescheinwerfer der Courier beleuchteten einen Raum von der Größe eines Raumgleiter-Hangars. Der Raum selbst war unbeleuchtet. Von uns abgesehen war er völlig leer. Weder waren andere Schiffe oder Landfahrzeuge zu sehen noch ließ sich irgendein Rzil blicken.
"Ein so schüchternes Empfangskomitee habe ich noch nie gesehen", knurrte ich. "Wirklich eine reizende Begrüßung. F1, wie sind die Werte da draußen?"
"Strahlenbelastung im Toleranzbereich, Atmosphäre für Menschen akzeptabel, wenngleich auf die Dauer schleimhäutereizend. Wollt Ihr die genauen Werte, Sir?"
"Nein, lass mal. Ich nehme mein Atemgerät mit. Im übrigen sehe ich zu, dass ich wieder in der Courier bin, bevor meine Schleimhäute protestieren. 02 und ich gehen jetzt raus."
Ich schnallte mein Survival-Pack auf den Rücken und ging Richtung Ausstieg.
Bevor ich die Luke öffnete, drehte ich mich noch einmal um.
"F1, was immer auch geschieht: Du bleibst auf jeden Fall an Bord, klar?"

Nach einigen Minuten hatten wir den gesamten Raum untersucht. Nur drei Wege führten hinaus. Außer dem Schacht und der kleinen Tür, hinter der der Antigrav-Roboter verschwunden war, gab es noch ein großes, weit geöffnetes Tor, das den Weg zu einem in den Fels getriebenen Gang frei machte.
Ich nahm das kleine Atemgerät aus dem Mund und schaltete das Kom-Gerät ein.
"F1, hörst du mich?"
"Klar und deutlich, Sir."
"Gut, wir machen uns auf den Weg. Los, 02, ich bin sicher, man hat das Tor eigens für uns aufgelassen."
Wir betraten den Gang, ich mit einem Blaster und GL 02 mit einer starken Handlampe und einem Multisensor bewaffnet.
Der Weg fiel leicht ab. Nach etwa einhundert Metern passierten wir eine scharfe Biegung. Danach weitete sich der Gang zu einer kleinen Höhle, von der rechts und links jeweils ein weiterer, wesentlich schmalerer Gang abzweigte. Durch den rechten Quergang drang ein frischer Luftstrahl in den Raum. Offenbar hatten die Rzils ein ausgeklügeltes Lüftungssystem für ihre unterirdische Kolonie entwickelt.
"Der Sensor zeigt hier optimale Luftwerte für Sauerstoff-Stickstoff-Atmer, Großer Machthaber!"
"Ausgezeichnet." Dankbar nahm ich nahm das Atemgerät aus dem Mund. Ich hatte diese Dinger noch nie leiden können.
Die frische Luft war aber nicht die einzige angenehme Überraschung. Aus dem Hauptgang drang nämlich ein Lichtschein. Irgendwo da vorn musste es also eine Lichtquelle geben.
Ich befahl GL 02, die Lampe auszuschalten. Dann gingen wir weiter in das Innere des Planetoiden.
Schon nach wenigen Metern konnten wir erkennen, woher das Licht stammte. Es war keine einzelne Lichtquelle. Vielmehr glänzten und schimmerten die Felswände selbst. An zahlreichen Stellen waren kleine wie Wasseradern geformte Streifen an den Wänden zu sehen, die einen eigenartigen Glanz ausstrahlten. Ich vermutete, dass sie aus dem organischen Material bestanden, welches die Rzils hier unter Tage abbauten. Immer zahlreicher und größer wurden die "Leuchtstreifen", wie ich die Gebilde nannte. Manche waren breit wie eine Hand, andere bedeckten eine Fläche so groß wie die Steuerkonsole eines Landgleiters.

Es war eine eigenartige, zauberhafte Welt, in die GL 02 und ich eindrangen. Je weiter wir kamen, desto variationsreicher wurden die "Leuchtstreifen". Sie wechselten die Farben - vorherrschend waren Gelb- und Grüntöne, aber auch rotschimmernde Streifen waren darunter - und die Leuchtkraft. Stundenlang hätte ich hier herumwandern können. Es war schöner als die sündhaft teuren Auslagen der Luxus-Juweliere auf Coruscant. Doch das gewaltigste Schauspiel sollte noch kommen.
Wir bemerkten die besonders kräftige Lichtquelle schon von weitem. Als wir sie erreichten, sahen wir, dass der Gang durch einen quer verlaufenden Einschnitt unterbrochen war. Der Einschnitt war etwa 20 Meter breit und sicherlich 100 Meter tief. Auf seinem Grund war er gänzlich mit dem "Leuchtstreifen" bedeckt.
Es war ein atemberaubender Anblick.
Tief unter uns zog sich ein hell glänzendes Lichtband durch den Fels wie ein glühender Fluss.
"Das muss das Flöz sein, das die Rzils abbauen!" rief ich begeistert.
"Das denke ich auch. Nur - wie können wir es überqueren, Großer Machthaber?"
Durch diese Bemerkung des Droiden fiel meine Begeisterung wie ein Kartenhaus in sich zusammen. In der Tat war keine Brücke über den Einschnitt zu erkennen. Unser Gang hatte sich als Sackgasse entpuppt.
Ich aktivierte das Kom-Gerät.
"F1? Kannst du mich hören?"
"Aye, Sir."
"Sag mal, wir haben doch eines von diesen kleinen Repulsorfahrzeugen an Bord. Diese Miniplattformen für Astromechaniker."
"Ist vorhanden, Sir."
"Gut, dann kommen wir ..."
Ich brach ab. GL 02 hatte mich angetippt, aber ich hatte das Geräusch schon gehört.
Das charakteristische Surren eines T-56-Lastdroiden ist in der gesamten Galaxis verbreitet.
Tatsächlich kam das vierräderige Gefährt aus dem Gang hinter uns angerumpelt.
Wir wichen an den Felsrand aus, aber der Lastdroide schien keinerlei Notiz von uns zu nehmen. Er fuhr geradewegs auf den Abgrund zu und - darüber hinweg.
Sein Brummen verlor sich auf der anderen Seite, während ich ihm mit offenem Mund nachstarrte.
Dann war mir die Sache klar.
"Aber natürlich!" lachte ich.
"Komm 02, gehen wir einfach hinüber!"
Ich ging auf den Einschnitt zu und trat über den Rand, ohne auf den erschreckten Aufruf meines Kammerdiener-Droiden zu achten.
Als ich den halben Weg über den Abgrund zurückgelegt hatte, drehte ich mich um.
"Nun komm schon, 02! Das ist eine Brücke aus einem unsichtbaren, aber höchst stabilen Energiefeld. Wenn es mein Gewicht aushält, kannst du es auch wagen."
Trippelnd kam der Droide hinter mir her.
Auf der anderen Seite angekommen ergriff er das Wort.
"Mit Verlaub, ich habe gezögert, weil es mir scheint, als hätten wir soeben eine Grenze überschritten, die uns in den Augen der Rzils zu Eindringlingen macht. "
Ob ich wollte oder nicht, ich musste ihm Recht geben.
Die Steinkugeln, die uns in diesem Moment um die Ohren zischten, ließen keinen anderen Schluss zu.

Die Rzils sahen tatsächlich so aus wie im "HoloLexikon über die Vernunftwesen in unserer Galaxis, Teil 14a: Kopffüßler" abgebildet. Ihr mächtiger Schädel erinnerte vage an die Hochland-Rinder auf Trexx, besonders die Maul-Partie, die Kuhaugen und die kurzen Hörner. Einen Rumpf besaßen die Rzils nicht. Statt dessen befanden sich direkt unterhalb des Kopfes acht mit Saugnäpfen ausgestatteten Tentakel, die von den Gorrh-Kraken auf Merilaque zu stammen schienen. Das Merkwürdige war nun, dass die Rzils nicht im Wasser, sondern in der Luft schwammen. "Fliegen" oder "schweben" wäre sicherlich korrekter ausgedrückt, aber die Rzils benutzten ihre Tentakel zur Fortbewegung in der Luft genau in der gleichen Weise wie Gorrh-Kraken im Meer.
Leider setzten sie die Tentakel auch als Greifwerkzeuge ein: Sie konnten faustgroße Steinkugeln packen und mit einer kräftigen Bewegung auf ein Ziel schleudern. Und jetzt waren GL 02 und ich die Zielobjekte.
Mindesten zehn Rzils waren wie aus dem Nichts aufgetaucht und griffen uns mit unheilvollem Brummen an.
Mein Kammerdiener-Droide wurde von einem Volltreffer von den Beinen gerissen. Ich konnte den ersten drei Steinkugeln durch rasche Drehbewegungen ausweichen. Die vierte Kugel wehrte ich mit dem Kinn ab.

Als ich wieder zu mir kam, lag ich ausgestreckt auf einem kalten, feuchten Steinfußboden. Mein Kinn schmerzte schrecklich. Mir war, als ob alle Nerven der unteren Kieferpartie blank lägen.
"Toller Urlaub!" stöhnte ich und richtete mich mühsam auf.
Offenbar hatte man mich in eine Art Verlies gesteckt. Es war ein Raum von nicht ganz 15 Quadratmetern, von den üblichen "Leuchtstreifen" schwach erhellt. In der gegenüber liegenden Ecke des Raumes lehnte GL02 an der Wand, offensichtlich abgeschaltet oder defekt.
Ich ging zu ihm hinüber und aktivierte ihn.
"Oh, Großer Machthaber! Wie ich sehe, seid Ihr wohlauf. Euer Plan scheint ausgezeichnet zu funktionieren."
Hatte ich nicht irgendwo gelesen, dass Droiden keinerlei Sinn für Ironie haben?
"Ihr werdet jetzt gewiss geopfert", fuhr GL02 fort. "Das hattet Ihr doch die ganze Zeit gewollt."
Ich verspürte nicht die geringste Lust, mir schlaue Kommentare von einem altklugen Droiden anzuhören. Deshalb setzte ich ein hinterhältiges Grinsen auf und sagte: "Wenn du ein guter Kammerdiener wärst, würdest du mir einen K'Feh bringen anstatt große Reden zu schwingen."
"Wie unaufmerksam von mir!" Mit einem Satz sprang GL02 auf.
Er öffnete seine silberne Bauchplatte und zog einen Metallbecher heraus. Dann hielt er den kleinen Finger seiner linken Hand über das Trinkgefäß. Die Fingerkuppe klappte auf, und ein dünner Wasserstrahl ergoss sich in den Becher. Anschließend drehte er die linke Handfläche nach oben. Alle fünf Finger zeigten ebenfalls in die Höhe und bildeten eine Art Stövchen, auf das er den gefüllten Becher platzierte. Plötzlich schoss aus der linken Handfläche eine kleine, aber augenscheinlich heiße Flamme hervor, die das Wasser in wenigen Minuten zum Kochen brachte. Nun zog GL 02 eine kleine Tüte mit gemahlenem K'Feh-Pulver aus seiner Bauchklappe, schüttete es in das heiße Wasser und rührte mit seinem rechten Zeigefinger um.
"Euer K'Feh. Ich hoffe, er mundet Euch."

Das stundenlange Warten in der kleinen Arrestzelle ermüdete mich. Da man mir das Survivalpack, meine Waffen (sogar die Vibroklinge im Stiefel) und das Kom-Gerät weggenommen hatte, war ich zur Untätigkeit verdammt. Schließlich streckte ich mich aus und schlummerte wieder ein.
Als ich aufwachte, war ich allein.
Bei allen Handelsembargos, wo war 02 geblieben?!
Viel Zeit, darüber nachzudenken, hatte ich nicht. Denn mit einem Male öffnete sich die Tür und eine Rzils-Delegation trat ein. Zwei Fackelträger ("Leuchtstreifenträger" wäre korrekter gewesen) vorweg, zwei Rzils mit einer Schwebetrage in der Mitte, am Schluss wieder zwei Fackelträger. Kein Zweifel: Ich wurde zur Hinrichtung abgeführt.
GL02 hatte Recht gehabt: Eigentlich hatte ich genau das gewollt. An das Lichtschwert konnte ich am besten gelangen, wenn ich bis unmittelbar vor der Opferung wartete. Den Vollstrecker mit Hilfe der 'Macht' manipulieren, das Lichtschwert schnappen und dann weglaufen - so in etwa hatte ich mir es vorgestellt. Im Grunde war also alles, was sich bisher zugetragen hatte, stets nur nach meinem Plan geschehen. Trotzdem überfiel mich jetzt ein ungutes Gefühl. Ich war stillschweigend davon ausgegangen, dass eine Opferung bei den Rzils so ablief wie eine Hinrichtung in den billigen Unterhaltungs-Holos, die ich mir früher angeschaut hatte: Der Held wird in Ketten zur Hinrichtungsstätte geführt, wird gefragt, ob er um Gnade flehen möchte, was er stolz verneint, und kurz bevor der Henker zuschlägt, sprengt er seine Fesseln und flieht geradewegs durch die gaffende Menge, nicht ohne die Frau seines Herzens aus den Klauen der Widersacher zu befreien.
Aber als mich die Rzils auf die Schwebetrage ketteten, kamen mir ernste Bedenken. Was, wenn die Rzzils ihre Opfer betäubten und dann erst töteten? Oder vorab töteten und dann erst in einer rituellen Schlachtung der "goldenen Jungfrau" darbrachten? Oder wenn nun diese "goldene Jungfrau" eine Kriegerin war, die mich bei meinem Fluchtversuch mühelos ausschaltete?
Die Bedenken kamen zu spät. Unser Zug bewegte sich bereits durch die leuchtenden Gänge. Es gab kein Zurück mehr.

Ich gab dem Raum spontan den Namen "Große Festhalle". Es war eine ovale Höhle von mindestens 40 Metern Länge und 15 Metern Breite. Die "Leuchtstreifen" schimmerten in derart schönen, bewusst gestalteten geometrischen Mustern an den Wänden, dass sie künstlich dort angebracht sein mussten. Die Halle war voller Rzils, die in echter Festlaune schienen. Auf Polstern lagerten oder besser: lümmelten Dutzende dieser Wesen. Sie labten sich an fetttriefenden Bratenstücken, die eifrige Servierdroiden aus einem Nebenraum herbeischafften. Virtuelle Elfen entlockten gläsernen Flöten sphärische Klänge, und diamantenbesetzte Weinpokale machten die Runde unter den vor Vergnügen brummenden Kuhköpfen. Kurz: Es herrschte eine tolle Stimmung. Blöd nur, dass meine Opferung augenscheinlich der Höhepunkt dieses Festes sein sollte.
Ich wurde mit der Schwebetrage auf einen kreisrunden, etwa einen Meter hohen Stein genau in der Mitte der Halle abgesetzt. Nun konnte ich auch die "goldene Jungfrau" erkennen. Auf einem Sockel erhob sich die lebensgroße, golden glänzende Figur einer Menschenfrau. Lange glatte Haare umkränzten ihren nackten Körper. Züchtig bedeckte die rechte Hand ihre Brüste, während die linke das Ende ihrer Haarpracht umfasste und vor ihre Scham hielt. Sie schien soeben aus einer riesigen Meeresmuschel emporzusteigen.
Ich war mir sicher, diese Darstellung schon einmal in einem HoloNet-Bericht über eines der Museen des Fi'Renz-Sektors gesehen zu haben, doch fiel mir der Name des Kunstwerkes nicht ein. Ich fragte mich, warum die R'zils ausgerechnet eine Menschenfrau verehrten. Und was die Figur wohl auf dem Schwarzmarkt von Sobyys III einbringen würde.

Ich hatte keine Zeit, meine Überlegungen zu vertiefen. Ein lauter Gongschlag ließ alle Geräusche verstummen. Die Rzils richteten sich gespannt auf und wandten sich zur Tür. Von dort kam - ebenfalls durch Fackelträger geleitet - eine Art Ober-Rzil herein. Er unterschied sich durch viel längere Hörner und noch größere Glotzaugen von den übrigen Einheimischen. Er schwebte zu dem Opferstein, auf dem ich festgekettet war und hielt eine kurze Ansprache an die versammelten Rzils. Jedenfalls nahm ich das aufgrund seiner Gestik an; natürlich konnte ich nichts von seinem Brummen verstehen.
Er endete mit einem fragenden Ton. Zugleich deutete er mit einem Tentakel auf mich.
Dutzendfach kamen laute Bestätigungsrufe von den anderen Kuhköpfen.
Ich konnte es mir ausmalen: Mein Todesurteil war soeben bestätigt worden.
Plötzlich wurde es still, und alle Rzils verneigten sich vor der Statue der goldenen Jungfrau. Dann gab der Ober-Rzil mit einem Tentakel ein Zeichen, und erneut wurde der Gong angeschlagen.
Ob jetzt der Vollstrecker kommen würde?
Tatsächlich wandten sich alle wieder zur Tür. Auch ich hob den Kopf, um besser sehen zu können.
Ich traute meinen Augen nicht, denn herein kam - mein Droide GL02.
Er hielt ein Lichtschwert in der Hand.
Augenblicklich erkannte ich die Waffe. Vor meinem inneren Auge stiegen Bilder von einer dunklen Gasse auf Ord Mandrell auf. Die Jedi Wala Mal'Wan und ich waren in einen Hinterhalt geraten. Wala verteidigte uns mit ihrem Lichtschwert gegen vier Angreifer ...
Ja, GL02 hielt das Lichtschwert in Händen, das ich seit über 15 Jahren suchte.

"Es ist mir außerordentlich unangenehm, Großer Machthaber", sprach er, als er an den Opferstein herangetreten war. "Aber man hat mich als Vollstrecker ausgewählt. Offenbar gelten Droiden hier als gänzlich machtlose Wesen. Wenn ich Euch töte, scheint das den Rzils ganz besondere Kräfte zu verleihen."
"02! Gut dass du es bist, der mit dem Lichtschwert kommt. Schnell, zerschlage meine Ketten! Dann hauen wir von hier ab."
"Ich bedaure sehr, Großer Machthaber. Aber ich bin zur Vollstreckung verpflichtet. Und Ihr wolltet es doch auch so."
Ich lachte. "02, red keinen Unsinn! Befreie mich, los!"
"Ich fürchte, das kann ich nicht tun. Ich habe den Rzils versprochen ..."
"Hör schon auf mit dem Quatsch", lachte ich. Doch wie ich selbst merkte, war mein Lachen eine Spur zu laut.
Jedes dieser Tentakelrinder hätte ich mit Hilfe der 'Macht' manipulieren können. Einen Droiden konnte ich auf diese Weise natürlich nicht steuern.
"02, das war doch alles nur ein Plan, um an das Lichtschwert zu kommen. Begreifst du denn nicht?"
"Großer Machthaber, ich muss den Mächtigsten hier im Raum töten, weil ..."
"Hör gefälligst auf, mich so zu nennen!" rief ich.
Unter den Rzils erhob sich unterdessen unwilliges Gemurmel. Sie wollten eine Opferung sehen, keiner Diskussion lauschen.
Der Ober-Rzil brummte GL 02 einen Befehl zu, worauf der Droide das Lichtschwert aktivierte.
"02, wenn du mich umbringst, lasse ich dich desintegrieren!"
"Mit Verlaub, das kommt mir ein wenig unlogisch vor. Wenn ich Euch getötet habe, könnte Ihr mich nicht mehr desintegrieren lassen."
Der Droide hob das Lichtschwert über seinen Kopf, bereit zuzuschlagen.
Ich wurde langsam etwas hysterisch. Und da sollte ich noch logisch bleiben?
Moment mal - Logik?
"02: Wer ist der Mächtigere? Der Mächtigste oder der, der den Mächtigsten opfern lässt?"
Der Droide schien zu zögern.
"Der Gedanke scheint mir plausibel zu sein", sinnierte er.
In diesem Moment verlor der Ober-Rzil die Geduld. Er stubste den Droiden an und ließ ein gefährliches Brummen ertönen.
GL02 schien verwirrt. Er schaute abwechselnd mich und den Rzil an, unschlüssig, was zu tun war.
"George!" rief ich. "Rette mich!"
Als wäre er aus einer Trance erwacht, kam plötzlich Bewegung in den silbernen Droiden. Er wandte sich mir zu, schwang das Lichtschwert über dem Kopf, ließ es niedersausen - und durchtrennte die Armketten. Ein zweiter Schlag befreite mich von den Beinketten.
"Verzeiht mir, Mylord, meine Schaltkreise hatten einen Kollaps erlitten. Ich war wohl ein wenig verwirrt. - Ich darf Euch doch 'Mylord' nennen?"
Mit einem Satz war ich auf den Beinen.
"Nenn mich wie du willst, aber gib mir das Lichtschwert!"
Unter den Rzils gab es mittlerweile einen Aufruhr. Drohendes Brummen erfüllte den Raum. Dutzende dieser Kuhköpfe umringten uns.
Mein Droide deaktivierte das Lichtschwert und reichte es mir, offenbar froh, die Waffe aus der Hand geben zu dürfen.
Der Ober-Rzil ergriff einen der schweren Weinpokale wie eine Keule und griff mich an.
Ich warf mich zur Seite. Noch im Fallen zündete ich das Lichtschwert; die Klinge schoss sirrend heraus. Ein erneuter Angriff mit dem Pokal, eine Parade mit dem Lichtschwert: Den Weinpokal fest im Griff flog der abgetrennte Tentakel zu Boden.
Der Ober-Rzil stieß ein markerschütterndes Brummen aus. Augenblicklich kam Bewegung in die anderen Wesen. Alles, was nicht fest im Boden verankert war, flog plötzlich von starken Tentakeln geschleudert in meine Richtung: Weinpokale, Bratenstücke, silberne Essteller, HoloProjektoren, Leuchtstreifenfackeln - es war das reine Chaos.
"Zu Boden, George!" schrie ich und warf mich hin.
"Los, mir müssen uns zur Tür durchkämpfen!" raunte ich, als er sich neben mich kauerte.
Geduckt rannte ich los, den Droiden hinter mir herziehend.
Ein Weinpokal traf mich an der Schulter, und ich fiel zu Boden.
Schnell rappelte ich mich auf und war mit zwei Sätzen an der Ausgangstür. Einige Rzils, die mir den Weg versperren wollten, hielt ich mir mit dem Lichtschwert vom Leib.
Ich schaute mich rasch um - und sah, wie mein Kammerdiener-Droide hilflos zappelnd von mehreren Tentakelwesen fortgeschleift wurde.
"George!" rief ich und rannte wieder in den Raum hinein.
"Lasst mich, Mylord! Seht lieber zu, dass Ihr Euch rettet!"
Ich griff die Rzils mit dem Lichtschwert an. Natürlich war ich alles andere als ein ausgebildeter Kämpfer. Eigentlich schwang ich das Lichtschwert nur hin und her. Einige Rzils konnte ich so auf Abstand halten. Andere traf ich offensichtlich, was ich an dem schmerzhaften Brummen erkannte.
Ich kämpfte mich zu GL 02 durch und rammte dem letzten Rzil, der ihn fest hielt, die Laserklinge in den Kopf.
"Ich werde nicht ohne dich fliehen, George! Wir ..."
Ich kam nicht dazu, den Satz zu beenden. Denn plötzlich wurde ich durch einen gewaltigen Schlag von den Beinen gerissen. Ein Rzil hatte mich mit einem der kleinen Servierdroiden getroffen.
Das Lichtschwert polterte auf den Felsboden, wo es sich automatisch deaktivierte.
Mit einem tief klingenden Triumph-Gebrumm warfen sich die Rzils auf mich und meinen Droiden.
Ich hatte keine Chance mehr, an die Waffe zu gelangen.
"Mylord, ich fürchte, jetzt ist es aus." Die Stimme meines Kammerdieners klang resigniert.
"Abwarten, George", erwiderte ich. "Ich habe noch jede Menge Tricks auf Lager."
In Wahrheit wäre ich froh gewesen, wäre mir nur ein einziger eingefallen.
Mein Blick fiel auf die Statue der goldenen Jungfrau. Sollte ich ihr nächstes Opfer werden? Dabei hätte ich doch zu gern die Frau kennen gelernt, die für die Skulptur Modell gestanden hatte.
Die Rzils schleiften George und mich Richtung Opferstein.
Und in diesem Moment hatte ich den rettenden Einfall.
Bisher hatte ich die 'Macht' ausschließlich bei Vernunftwesen eingesetzt - zur Empathie und zur Gedankenmanipulation. Doch jetzt spürte ich, wie die Kraft der lebendigen 'Macht' mich durchströmte und mich mit der unbelebten Statue verband. Es war, als konnte ich mental nach der Figur greifen.
Ich konzentrierte mich und gab der Statue mit Hilfe der 'Macht' einen leichten Stoß.
Tatsächlich wackelte sie auf dem Sockel ein wenig hin und her.
Ich stieß fester zu, und die Figur begann bedenklich zu schwanken.
Einer der Rzils ließ einen Warnlaut ertönen. Sofort fielen alle anderen in den Ton ein. Sie streckten ihre Tentakel in alle acht Richtungen aus, senkten den Kopf und schwebten sanft zu Boden. Das war wohl eine Verbeugung auf rzilanisch.
Auch die Wesen, die George und mich festgehalten hatten, führten diese Geste aus.
Ohne in der Konzentration nachzulassen und ohne den Blick von der goldenen Jungfrau abzuwenden, zischte ich meinem Droiden zu: "Hol das Lichtschwert!"
"Mit Verlaub, Mylord, ich habe es bereits in der Hand."
"Dann gehen wir jetzt. Ganz langsam. Bloß nicht laufen!"
Vorsichtig bewegten wir uns zur Ausgangstür. Die Rzils waren von der immer noch schwankenden Statue ganz in den Bann gezogen. Ich verspürte nicht die geringste Lust, sie durch eine schnelle Bewegung aufzuschrecken.
Als wir die Tür erreicht hatten, stieß ich kräftig zu.
Die Figur kippte vornüber, fiel auf den Boden und zerbarst in 1000 Stücke.
Von massivem Gold konnte offenbar nicht die Rede sein. Auf dem Schwarzmarkt von Sobyys III hätte ich nur ein müdes Lächeln, aber keine Credits dafür bekommen.
Ein Schweigen des Entsetzens und der Lähmung legte sich über den Saal.
Als sich die Rzils schließlich mit einem gewaltigen Brummen Luft machten, waren George und ich schon 50 Meter entfernt.

Weil wir den Weg aus dem unterirdischen Höhen- und Gängesystem nicht kannten, wählten wir bei Abzweigungen im Zweifelsfalle den nach oben führenden Gang.
Ich wunderte mich, warum uns die Rzils nicht verfolgten. Anscheinend hatte sie der Verlust der goldenen Jungfrau handlungsunfähig gemacht.
Nach einer Weile ergriff GL 02 das Wort.
"Darf ich mir eine persönliche Frage erlauben, Mylord?"
"Nur zu, George", ermunterte ich ihn.
"Ihr hättet fliehen können, als Ihr das erste Mal die Tür erreicht hattet. Um mich zu retten, habt Ihr Euer Leben riskiert. Ich bin doch nur eine 5000-Credits-Investition. Seid Ihr nicht ein Händler? Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet scheint mir Euer Verhalten unlogisch zu sein."
Ich dachte eine Weile nach, bevor ich ihm antwortete.
"Weißt du, George, mir ist in diesem Festsaal etwas klar geworden. Als ich dich gekauft habe, warst du eine 5000-Credits-Investition. Aber inzwischen bist du etwas, was ich mit Geld nicht bezahlen kann: ein Freund."
"Es ist mir eine außerordentliche Ehre, Mylord ..."
"Sag mal, George, solltest du mich nicht 'Herr Direktor' nennen?"
"Nun, ich fürchte, bei meinem Schaltkreiskollaps sind sämtliche gespeicherten Standardanreden gelöscht worden. Aber wenn Eure Lordschaft darauf bestehen ...".
"So so, der Kollaps", grinste ich. "Ach, egal, nenn mich, wie du willst!"
Irgendwie sagte mir mein Gefühl, dass ich den Kampf um die korrekte Anrede sowieso nicht gewinnen würde.
Unbehelligt gelangten wir schließlich über die unsichtbare Energiefeld-Brücke zur Halle, in der wir die Courier verlassen hatten.
Eigentlich hätten wir jetzt problemlos starten können. Doch leider war das Raumschiff nirgends zu sehen.

Die Plattform des Repulsor-Liftes war oben im Schacht verschwunden. Offenbar hatte jemand die Courier nach oben befördert. Mir fielen die ausrangierten und abgewrackten Raumschiffe in der äußeren Halle wieder ein. Offenbar schafften die Rzils die Schiffe ihrer Opfer an die Oberfläche, wo sie nach und nach verrotteten.
Ich öffnete die kleine Tür zu den Wartungsräumen. Dort stand eine Konsole mit einer manuellen Steuerung des Repulsor-Liftes. Ich holte die Plattform nach unten. Wie ich befürchtet hatte, befand sich die Courier leider nicht darauf.
Was nun? Die Strahlung am oberen Ende des Schachtes war absolut tödlich. Kontakt mit MH-F1 konnten wir mangels Kom-Gerät nicht aufnehmen. Waren wir den Rzils aus dem Festsaal entkommen, nur um hier in der Falle zu sitzen?
"Mylord, falls Ihr überlegt, wie wir MH-F1 benachrichtigen. Für Euch ist die Strahlung tödlich. Also werde ich mit dem Lift hochfahren. Oben kann ich ihm hoffentlich ein Zeichen geben oder vielleicht sogar an Bord gehen."
"George, das ist großzügig von dir. Aber auch für dich kann die Strahlung vielleicht gefährlich werden ..."
"Für mich vielleicht, für Euch sicher!"
Mit diesen Worten betrat der Droide die Plattform.
Ich aktivierte den Lift erneut und sah, wie George aus dem Blickfeld schwebte.

Da ich nicht wissen konnte, was sich am oberen Ende des Schachtes abspielte wartete ich auf gut Glück einen gewissen Zeitraum ab, bevor ich den Lift wieder nach unten beorderte.
Zu meiner Freude kam diesmal die Plattform mitsamt der Courier herab.
Als jedoch die Einstiegsluke aufklappte und GL 02 in der Öffnung erschien, bekam ich einen leichten Schock. Seine glänzende silberne Außenhaut war blau-schwarz angelaufen. Die Strahlung hatte offenbar die eingebrannte Farbe der Legierung völlig ruiniert.
"Ich bitte um Verzeihung, Mylord, mein Wiederverkaufswert scheint erheblich gesunken zu sein."
"Red keinen Blödsinn, George. Du siehst furchtbar aus. Aber verkaufen würde ich dich sowieso nie mehr."

Als wir mit Kurs auf Trexx in den Hyperraum gesprungen waren, drehte ich das Lichtschwert Wala Mal'Wans versonnen in meinen Händen. Was war in den letzten Tagen nicht alles passiert! Ich hatte ein lange gesuchtes Lichtschwert gefunden. Außerdem brachte ich einen übel aussehenden Kammerdiener-Droiden mit nach Hause. Ich hatte eine Reise zum unwirtlichen Planetoiden B'Rzil IV hinter mir und wäre beinahe geopfert worden. Und schließlich hatte ich das Konzept für den Export von K'Feh nach Coruscant in der Tasche. Ob Erholungsurlaub immer so war?
Ich fragte mich allerdings, wie ich Stella Likori klar machen sollte, was ich aus "zwei Wochen Rekreation auf dem Asteroiden NSV 84494" gemacht hatte.
"Hör mal, George, ich muss dir einiges erklären ..."
Ich informierte meinen Gefährten über die Einstellung meiner Verwaltungschefin zum Thema Erholungsurlaub.
"Jedenfalls dürfen wir auf keinen Fall sagen, dass wir einen Abenteuer-Trip hinter uns haben, kapiert?"
"Nun, wir müssen es nicht als Abenteuer bezeichnen", entgegnete George. "Nennen wir es einfach - Bildungsurlaub, Mylord."
Ich schaute ihn verdutzt an. "Sag mal, lässt deine Programmierung so was zu? Bist du als Droide nicht der Wahrheit verpflichtet?"
"Nun, nicht die Wahrheit hat mich auf NSV 84494 erworben, sondern Eure Lordschaft."
Ich nickte. Möglicherweise spielte auch ein Lächeln um meinen Mund.
"Weißt du was, George? Ich glaube, wir beide werden ausgezeichnet miteinander auskommen!"

Obi-Nor