Plink, plink, plink, plink, plink, plink, plink.
Das Gemurmel, das sich wie ein Klangteppich über den weiten Raum gelegt hatte,
verebbte. Alle Personen wandten sich der Frau zu, die das Geräusch verursacht
hatte.
Leia Organa Solo klopfte noch ein paar Mal mit ihrem Ring vor das mit Jaijn
gefüllte Kristallglas, bis sie sicher war, dass ihr volle Aufmerksamkeit zuteil
wurde.
"Verehrte Anwesende, liebe Freunde. Wir wollen einen Toast ausbringen auf unseren
Gastgeber. Es ist mir eine ganz besondere Ehre, unserem Geburtstagskind zu gratulieren.
Denn er hat uns nicht nur die phantastischen tief gefrorenen Fertiggerichte
beschert, die wir alle aus unseren Küchen nicht mehr wegdenken können ..." -
eifriges Nicken und beifälliges Raunen bestätigten ihre Worte - "... sondern
auch dazu beigetragen, dass wir heute überhaupt friedlich und in Freiheit hier
leben können. Im Namen der Regierung der Neuen Republik danke ich ihm für die
Unterstützung im Kampf gegen Großadmiral Thrawn in der Entscheidungsschlacht
bei den Bilbringi-Raumwerften. Lasst uns also das Glas erheben und auf den 30.
Geburtstag von Obi-Nor Gildorian anstoßen."
Nachdem ihm dutzendfach zugeprostet worden war, ergriff der Jubilar selbst das
Wort.
"Äh, liebe Freunde, verehrte Gäste, ich will keine lange Rede halten ..."
E in Wookie-Grunzen signalisierte Zustimmung.
"Ich will nur darauf aufmerksam machen, dass wir nicht nur meinen Geburtstag
begehen, sondern auch unsere neuen Räume hier im Gildorian Tower einweihen.
Ich persönlich finde es übertrieben, einen ganzen Wohn- und Büroturm nach dem
Eigentümer der fünf obersten Etagen zu benennen, aber das spielt jetzt keine
Rolle. Der Umzug von Gilfrost ist sichtbarer Ausdruck für den Erfolg unseres
Unternehmens, ebenso wie die Aufgliederung von Gildorian Enterprises in verschiedene,
rechtlich unabhängige Tochterunternehmen. Diesen wirtschaftlichen Erfolg verdanke
ich meinen fähigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit großer Motivation
und hohem persönlichen Einsatz unsere kleine Handelsgesellschaft nach oben gebracht
haben. Stellvertretend für sie alle darf ich meine Verwaltungschefin Stella
Likori und die Piloten Ruwen und My Flyyr nennen, die von Anfang an dabei waren."
Höflicher Applaus aus der Runde unterstrich diesen Dank.
"So, jetzt aber zum praktischen Teil des Abends", fuhr Obi-Nor fort. "Das Buffet
dort drüben ist nicht nur zum Anschauen da. Greift zu und genießt!"
Im Laufe des Abends teilte sich die Gesellschaft in wechselnde
kleine Grüppchen auf, die jeweils unterschiedlichste Themen - galaktische Politik,
wirtschaftliche Lage, neueste Mode auf Coruscant - diskutierten. Servierdroiden
fuhren hin und her und versorgten die Gäste mit frischen Getränken. Prinzessin
Leia gesellte sich zu Obi-Nor, der allein an einem der Transparistahl-Fenster
stand und gedankenverloren auf die Wolkenkratzer-Kulisse und die für Coruscant
typischen, nicht endenden Luftgleiter-Karawanen blickte.
"Genießt du den Ausblick auf den nächtlichen Central District? - Nein", verbesserte
sie sich, "du denkst an deine Tochter, stimmts?"
"Ja, Leia, du hast Recht. Sie ist oben bei Luke. Ich fahre nachher hoch, um
zu schauen, wie er sich entschieden hat."
"Er wird die richtige Entscheidung fällen, Obi-Nor", sagte sie aufmunternd und
legte ihm ihre linke Hand auf die Schulter.
Er umfasste mit seiner Rechten ihre Schulter. Eine Zeit lang standen sie schweigend
nebeneinander und schauten aus dem Fenster.
"Der Dank für den Angriff auf die Bilbringi-Werften vorhin war keine Floskel",
fuhr Leia nach einer Weile fort. "Dass du dich den anderen ‚freien Händlern'
angeschlossen hast, obwohl du nie mehr in den Krieg mit dem Imperium verwickelt
werden wolltest, weiß ich sehr zu schätzen."
Obi-Nor seufzte. "Danke nicht mir, danke Talon Karrde. Er hatte mich um Unterstützung
gebeten. Und er hatte noch was gut bei mir."
"So so, meine Frau und ein Schmuggler in vertrauter Umarmung?" unterbrach sie
eine Stimme.
"Ach komm schon, Han", grinste Obi-Nor. "Nur ein kleiner Tribut eines ehemaligen
Hofpagen an seine damalige Herrin. Außerdem weißt du doch, Leia würde sich nie
mit einem Schmuggler einlassen, oder?. Außerdem bin ich ehrlich geworden. Schau
dich um, alles mit legal erworbenen Credits bezahlt."
Han Solo verzog das Gesicht. "Was ist nur aus dieser Galaxis geworden, wenn
man mit ehrlicher Arbeit mehr Geld machen kann als mit illegalen Geschäften
..."
Ein wenig später gesellte sich Lando Calrissian zu ihnen.
"Wirklich schöne Räume hier", meinte er anerkennend. "Aber vier Büroetagen und
eine Wohnetage - ist das auf Dauer nicht zu wenig für dich?"
"Auf Dauer will ich auch nicht auf Coruscant bleiben", erklärte Obi-Nor. "Das
wird hier die Zentrale von Gilfrost. Die restlichen Bereiche von Gildorian Enterprises
ziehen mit mir um nach Trexx. Das hat nicht zuletzt mit den Steuergesetzen der
Neuen Republik zu tun", fügte er mit kritischem Seitenblick auf Leia hinzu.
Die hob abwehrend die Hände. "Finanz- und Wirtschaftspolitik ist nicht mein
Ressort. Wende dich mit einer Petition an den Wirtschaftsausschuss."
"Ach, das ist doch zwecklos bei diesen Bürokraten", schimpfte Obi-Nor, was ihm
ein zustimmendes Nicken von Han einbrachte. "Außerdem ist das nur die halbe
Wahrheit. Ich muss über kurz oder lang von Coruscant weg. Dieser Moloch von
Giga-City macht mich krank. Ich brauche natürliche Atmosphäre, Landschaft und
Meer. Und neue Geschäftszweige im ‚Äußeren Rand' kann ich auch von dort erschließen."
"Was hast du vor?" fragte Leia interessiert.
"Ich will ins Erzfrachter- und Gastransport-Geschäft", erwiderte Obi-Nor.
Lando wirkte skeptisch. "Du hast aber keine Spezialschiffe dafür. Wie willst
du das hinkriegen?"
"Ich bin dabei, mit dem Konstrukteur Gyro Gearless ein neues Frachterkonzept
zu entwickeln", erklärte Obi-Nor. "Es geht um Schiffe mit austauschbaren Modulen,
so dass du einen Frachter schnell und problemlos vom Containerschiff zum Massengutfrachter
oder zum Tanker verändern kannst. Du kannst dann viel flexibler auf schwankende
Nachfrage oder unterschiedliche Frachtraten reagieren. Und das Investitionsrisiko
ist nicht so hoch wie bei einer Spezialflotte."
"Klingt gut", gab Lando zu. "Aber wenn du ins Erzgeschäft einsteigst, bekommst
du früher oder später Ärger mit Trash Luferno. Der hat nicht gerne Konkurrenten
auf seinem Terrain."
Jeder in der kleinen Runde kannte Loco "Trash" Luferno zumindest vom Hörensagen.
Er hatte beinahe eine Monopolstellung auf dem Gebiet der Erz- und Schwermetalltransporte.
Zwar konnten immer wieder kleinere Gesellschaften und freie Händler unbedeutende
Routen übernehmen. Doch sobald sich eine ernsthafte Konkurrenz abzuzeichnen
drohte, schreckte Luferno vor keinem noch so niederträchtigen Mittel zurück,
den unerwünschten Widersacher vom Markt zu drängen. Um seinen nicht gerade schmeichelhaften
Spitznamen rankten sich zahlreiche Legenden. Die wahrscheinlichste Version führte
ihn darauf zurück, dass er zu Beginn seiner wirtschaftlichen Karriere die Müllentsorgung
von Coruscant erfolgreich organisiert hatte. Populärer war aber die gehässige
Variante, wonach "Trash" das war, was Loco Luferno bei gesellschaftlichen Empfängen
an Wortbeiträgen absonderte.
"Dieser Luferno muss schon uralt sein", meinte Han Solo. "Man hört ja tolle
Sachen, wie er es geschafft haben soll, seinen Alterungsprozess zu stoppen."
"Aber Han, du glaubst doch nicht im Ernst, dass dieses Gerede vom Pakt mit einer
Hexe wahr ist?" Obi-Nor schüttelte verständnislos den Kopf. "Er führt ihr Opfer
für ihre schrecklichen Rituale zu, und sie verleiht ihm ewige Jugend?! Ich bitte
dich, das sind doch Schauermärchen!"
Han Solo zuckte die Achseln. "Ich sag nur, was ich gehört habe."
"Egal, wie er es schafft, nicht zu altern", wandte Leia ein. "Du musst unbedingt
vorsichtig sein, Obi-Nor. Luferno kann ein gefährlicher Gegner sein."
"Ja, ich weiß", nickte Obi-Nor nachdenklich. "Aber mein Motto lautet nun mal:
‚no Risk - no Credits'."
Das Fest war noch im vollen Gange, als Obi-Nor sich diskret
zurückzog. Er verließ den großen Empfangsraum, ging zu den Turbo-Liften und
fuhr eine Etage höher. Hier, im 300. und obersten Stockwerk des Gildorian Tower
hatte er seine Privatwohnung.
Er war nervös und angespannt, als er aus dem Fahrstuhl trat. Mit aufgeregtem
Herzklopfen öffnete er die Tür zum Wohngemach. Die strahlenden Augen seiner
Tochter ließen ihn vor Erleichterung aufseufzen.
"Papa! Ich darf eine Jedi werden!" Yo-Karah lief auf ihn zu und umarmte ihn.
"Master Skywalker hat gesagt, dass er mich ausbildet!"
Obi-Nor schaute den Jedi an, der ruhig und wie gedankenverloren vor sich hin
lächelte. "Danke, Luke. Du siehst ja, sie hat es sich so sehr gewünscht."
Die drei setzten sich an den mit dem alten Rebellen-Logo verzierten Glastisch,
um die Entscheidung zu besprechen.
"Ich hatte am Anfang große Bedenken", begann Luke Skywalker. "Und ganz ausgeräumt
sind sie immer noch nicht. Yo-Karah hat bereits einschneidene und bedrohliche
Erfahrungen hinter sich. Und sie ist furchtbar ungeduldig. Die Gefahr, dass
sie im Laufe der Ausbildung der dunklen Seite der ‚Macht' verfällt, ist groß.
Außerdem ist sie eigentlich zu alt."
"Ach komm schon, Luke, sie wird dieses Jahr erst zwölf! Wie alt warst du denn,
als du zum Jedi ausgebildet wurdest?"
Luke nickte. "Daran habe ich auch gedacht. Und ich habe mich an das erinnert,
was du mir über die Begegnung Wala Mal'Wans mit Meister Yoda berichtet hast.
Deshalb werde ich es auch mit ihr versuchen."
"Was die Ungeduld angeht, Master Skywalker", mischte Yo-Karah sich ein, "so
werde ich bestimmt dazulernen. Ihr könnt mir doch diese Meditationstechniken
beibringen, von denen ihr mir vorhin erzählt hast. - Wir könnten heute noch
anfangen - am besten sofort!"
Luke lächelte. "Da kommt viel Arbeit auf uns beide zu, junge Schülerin."
Obi-Nor grinste. "Vielleicht wirst du besser mit ihr fertig als ich. Ich kann
ihr jedenfalls nichts mehr beibringen. Immerhin hat sie auf unseren Reisen eine
vielseitige Ausbildung genossen. An Bord der Courier hat sie alles gelernt,
was eine Händlerin, Geschäftsfrau, Pilotin, Hausfrau, na ja, auch Schmugglerin
können muss. Was eine Jedi sonst noch braucht - na ja, du wirst es besser wissen
als ich."
Plötzlich wurde er ernst. "Du wirst mir fehlen, Yo. Pass gut auf dich auf."
Er strich ihr über das lange braune Haar. "Und sieh zu, dass du immer gut isst.
Luke, du sorgst dafür, dass sie immer genug zu Essen bekommt, okay?"