Bester Laune und laut pfeifend schlenderte ich zurück in den Palast.
Es war einfach zu schön gewesen!
„Ein Mynock! Hilfe, ein Mynock!“ hatte sie geschrieen. Dann war sie
davongerannt und hatte ihren Blumenstand im Stich gelassen. Wie immer.
Oh, es war nicht jedes Mal ein Mynock. Manchmal wählte ich eine
Sumpfratte. Oder einen Schwarm Cellio-Wespen. Das Beste waren natürlich
die Sandwürmer gewesen! Zuweilen war es mir selbst unheimlich. Ich
musste mich nur auf N’firi konzentrieren, dann an irgendein ekelhaftes
Tier denken und ihr in Gedanken irgendwie zuflüstern, dass dieses
Tier gerade unter ihren Rock kroch. Und schon konnte ich mir in aller Ruhe
einen Strauß „Supernova-Rosen“ oder „Glücksdisteln“ schnappen.
Ich hatte schon manches Mädchen mit den Blumen beeindruckt. Siela
zum Beispiel. Oder diese Rothaarige, von der ich nicht einmal den Namen
wusste. Nie hatten sie erfahren, dass diese teuren Blumengebinde von mir
kamen. Ach, wenn ich doch Mädchen gegenüber nicht so schüchtern
wäre! Warum konnte ich ihnen gegenüber nicht so frech auftreten
wie den Händlern auf dem Schwarzmarkt von Ca’Preh? Ich war nun schon
17 Jahre alt und dennoch nie mit einem Mädchen intim gewesen. Wie
Quillo mich deswegen aufzog!
„Du wirst mal Bo’marrh-Mönch auf Tatooine! Die haben ihr ganzes
Leben lang nichts mit Weibern!“ spottete er oft.
Quillo! War erst 16, hatte aber angeblich schon alle Hofdamen im Palast
beglückt. Und wenn Staatsgäste kamen, prahlte er jeden Morgen
mit seinen Eroberungen.
„Die Frau des Minenbesitzers hat mir letzte Nacht eine Drachenperle
geschenkt! Diese askanische Prinzessin mit ihren sechs Brüsten war
Wachs in meinen Händen! Was die Twi’Lek-Mädchen mit ihren Kopftentakeln
alles anstellen!“
Wie konnte so ein Draufgänger nur Page am Hofe von Bail Organa
werden? Aber vielleicht flunkerte er ja auch nur.
Ich hatte den Palast erreicht. Jetzt musste ich mich nur unbemerkt in
ihre Gemächer schleichen und die Blumen hinstellen. Ich durchquerte
die Kleine Halle und ging in den Westflügel. Vorsichtig bog ich um
eine Ecke ...
„Obi-Nor!“
Ich erstarrte. Pral Xavin hatte mich entdeckt!
„Wo willst du hin? Und was hast du da hinter deinem Rücken?“
„Einen Strauß Blumen, Sir“, sagte ich verlegen. Nie hätte
ich ihn anlügen können. Dem Königlichen Protokollchef verdankte
ich alles. Er hatte mich damals aufgelesen und mir diese Stellung verschafft.
„Schmugglerblut, Obi-Nor Gildorian“, pflegte er oft zu sagen. „In dir
fließt Schmugglerblut. Du bist ein Nichtsnutz, ein Lausebengel. Und
du würdest deine Großmutter für eine 10 Credits verkaufen.
Warum gebe ich mich nur mit dir ab?“ Doch dann wurde sein Gesicht immer
weich und er lächelte. „Aber du hast einen anständigen Charakter,
mein Junge. Das weiß ich genau.“
„Ja, Sir“, sagte ich dann – es war wie ein Spiel. „Danke, Sir. Aber
mit Verlaub, Sir, für meine Großmutter würde ich mindestens
30 Credits rausschlagen!“
Nein – Pral Xavin konnte ich nicht belügen. Niemals.
„So, so, wir haben also Blumen eingekauft?“ Er zog die Augenbrauen
hoch. „Vielleicht vom Stand der ehrenwerten N’firi? Wir hatten wohl zu
viele Credits in der Tasche, ja?“
Ich senkte den Blick.
„Es tut mir Leid, Sir, aber es ist für die Prinzessin“.
Er ließ einen überraschten Laut hören.
„Woher weißt du, dass Prinzessin Leia heute kommt?“ flüsterte
er. „Das ist doch streng geheim!“
Ich fühlte, wie mein Gesicht so rot wurde, wie der Wein aus König
Organas Weinkeller, den Quillo und ich heimlich tranken.
„Ich hatte ... ich wusste ... ich meine ...“
„Schon gut“, schnitt er mir das Wort ab. „Bring die Blumen in ihre
Gemächer und halte dich für den Empfang bereit.“
„Jawohl, Sir“, rief ich erleichtert und zischte ab.
Puh, das war eng gewesen! Irgendwann würde ich ihm von diesen
sonderbaren inneren Stimmen erzählen müssen ...
Ihre Ankunft war eine einzige Enttäuschung. Es gab nur den
„kleinen Empfang“ mit dem Protokollchef, einer Hofdame und zwei Pagen.
Prinzessin Leia rauschte in den Palast, ohne mich auch nur im geringsten
zu beachten. Sonst war sie nie so unnahbar gewesen. Sie wirkte angespannt,
bedrückt. Ganz blass war sie. Nicht einmal den „Duft der 1000 Sterne“
hatte sie sich ins Haar gesprüht.
Ich kannte dieses Parfüm genau. Eines Tages hatte ich eine Flasche
in Ca’Preh gestohlen. Und seitdem oft abends vor dem Einschlafen daran
geschuppert. Aber es erinnerte mich nicht nur an Leia, an ihre brauen Augen,
ihr geflochtenes Haar, ihre schlanke Gestalt. Es erinnerte mich vor allem
an die 1000 Lichtjahre gesellschaftlicher Distanz zwischen uns. Eine Prinzessin
und ein Typ wie ich? Nein, unmöglich. Ich war bloß Page am Hofe
ihres Vaters. Und schlimmer noch: Mein Vater war ein Schmuggler gewesen.
Und sie war Prinzessin. Sie würde eines Tages Herrscherin über
Alderaan sein. Niemals würde sie sich mit einem Schmuggler einlassen.
Nur ein Jahr älter als ich, aber Welten von mir entfernt. Ich konnte
froh sein, wenn ich mir einmal eine wie Siela angeln könnte. Aber
dazu musste ich erst einmal mehr Mut aufbringen, ein Mädchen anzusprechen
...
„Na, du Weichei! Stehst da mit offenem Mund und denkst an Ihre Hoheit,
was?!“ röhrte eine unangenehm vertraute Stimme neben mir. Ich drehte
mich um.
„Wenn ich mit dir fertig bin, Quillo, bist du Bantha-Futter!“ erwiderte
ich. Schwach, dachte ich. Das war schwach gewesen, aber mir war so schnell
nichts besseres eingefallen. Er grinste auch nur herablassend.
„Hab jetzt keine Zeit, dich zu verprügeln“, meinte er großspurig.
„Du sollst das Gästegemach B-03 herrichten, hat der olle Xavin gesagt“.
Es durchzuckte mich bei dieser abfälligen Bemerkung. Aber er sprach
ungerührt weiter.
„Lady Mal’Wan kommt heute zu Besuch. Und du bist die nächsten
Tage ihr persönlicher Page. Ist `n hohes Tier. Außerdem ne scharfe
Nummer, hab ich gehört. Mensch, die würd ich gern mal durchnudeln.
Und da teilen die so`n Versager wie dich ein!“
Der Tag verging mit trüben Gedanken. Es war wohl doch nicht mein
Glückstag. Nicht der Prinzessin durfte ich aufwarten, sondern dieser,
dieser – wie hieß sie noch? – dieser Mal’Wan. Nie gehört. Wahrscheinlich
uralt, 40 oder so. Oder vielleicht gar kein Mensch. Eine Wookie-Dame womöglich.
Nein, bloß das nicht! Aber Moment, hatte Quillo nicht was von „scharfer
Nummer“ gefaselt? Ach, dieser Quillo. Hatte wahrscheinlich wieder übertrieben.
Doch was sollten diese Überlegungen? Ich konnte mir meinen Dienst
sowieso nicht aussuchen. Außerdem war es jetzt Zeit, dem Gast das
Abendessen zu servieren.
„In Bromi eingelegte Trè-Perlen, von Corvis Minor importiert;
glasierte Hawto-Früchte mit Z’tu-Soße; überzuckerte Klaarolen;
dazu ein 53er Sonnenschmuck, trocken.“ Mijn Kroh glaubte wohl, ich hätte
mir nach all den Jahren immer noch nicht die Namen der Speisen gemerkt,
die er zubereitete. Aber es waren auch ausgefallene Köstlichkeiten!
Um diesen Koch wurde König Organa wohl selbst vom verhassten Imperator
beneidet.
Ich balancierte das Tablett durch die Flure. Mijn Kroh glaubte allen
Ernstes, ein Schwebetablett mit Repulsor-Kissen würde dem Aroma der
Speisen schaden! Nun ja, es gab schlimmere Jobs, als mit einem Tablett
Edelfraß durch den Palast zu stolpern.
Vorsichtig klopfte ich an die Tür zum Gästegemach B-03. „Das
Abendessen, Mylady!“
„Komm herein. Stell es auf den Tisch“.
Ich betrat den Wohnraum. In der Luft hing der leichte Duft frisch erblühter
Corellianischer Rosen. Das musste ihr Parfüm sein. Guter Anfang, dachte
ich. Ich stellte das Tablett auf den Tisch. Dann fiel mein Blick auf den
Diwan. Dort lag achtlos hingeworfen eine unscheinbare braune Robe. Sah
fast wie ein Bettler-Umhang aus. Ich schraubte automatisch meine Trinkgeld-Erwartungen
zurück. Aber dann fiel mir der Widerspruch auf. „Corellianische Rosen“,
der Luxusduft schlechthin – und so ein Fetzen? Das passte einfach nicht.
„Wartest du auf etwas?“ erklang ihre Stimme durch die Tür zu den
Nebenräumen.
„Äh, ich wollte Euch fragen, ob Ihr noch Wünsche habt, Mylady“.
„Nein, im Moment nicht. Oder doch. Warte. Bring mir bitte meine Tunika
aus dem Schlafzimmer. Ich bin hier im Erfrischer!“
Tunika? Erfrischer? Ich spürte, wie mein Herz schneller klopfte,
als ich das Kleidungsstück hervorholte.
„Ich lege es Euch vor die Tür, Mylady!“
Er hat Angst!
„Nein Mylady, ich ... ich habe keine Angst, es ... es nur unschicklich
und ...“
Mit einem Ruck wurde die Tür aufgerissen, und sie stand vor mir,
das Badetuch um ihren Körper geschlungen. Die nassen Haare hingen
in wirren Strähnen herunter.
„Was hast du da gesagt?“
„Ich wollte Euch nicht beleidigen, Mylady ...“
„Du hast geantwortet!“ unterbrach sie mich. „Du hast auf meinen Gedanken
geantwortet!“ Sie starrte mich mit großen Augen an.
„Ja, ich ...“ Ich brach ab. Es stimmte. Sie hatte nichts gesagt, sie
hatte gedacht – und ich hatte ihren Gedanken laut beantwortet! Sie sah
mich mit einem forschenden Blick an. Dann schloss sie die Augen.
Wer bist du? Woher hast du diese empathischen Fähigkeiten?
„Ich bin nur ein Page hier am Hof, Mylady. Ich kann aber ab und zu
Gedanken spüren. Ich weiß nicht wieso.“
Sprich nicht!, forderte sie mich in Gedanken auf. Gib mir
deine Antwort in Gedanken.
Das kann ich nicht, Mylady, das kann ich nicht!
Warum zweifelst du?
Oh, auch Ihr könnt meine Gedanken spüren?!
„Ich kann deine Gedanken nicht lesen wie ein Datapad“, erklärte
sie. „Aber deine Stimmungen, Gefühle, Kerngedanken kann ich erspüren.“
„Also habt Ihr auch diese Fähigkeit?“ wunderte ich mich. Dann
fiel mir die Robe ein. Und plötzlich spürte ich, wie sie an einen
Gegenstand in der großen Holzvitrine dachte. Ich sah kurz das Bild
vor Augen. Es war ein länglicher Gegenstand, aus Metall, ein ...
„Ihr seid eine Jedi!“ platzte es aus mir heraus. Ich starrte sie mit
offenem Mund an.
Eine Jedi! Aber es gab doch gar keine Jedi mehr?!
„Verrate niemandem davon“, gebot sie mir. „Und komm morgen früh
zeitig zu mir, wir müssen miteinander reden. – Geh jetzt, lass mich
allein!“
An diesem Abend konnte ich lange nicht einschlafen Eine Jedi! Ich hatte
mir Jedi immer anders vorgestellt. Starke Männer mit grimmigem Blick,
Lichtschwerter zu tödlichem Schlag erhoben. Aber nicht wie – ja, wie
sah sie eigentlich aus? Lange dunkle Haare hatte sie. Wow, die reichten
ihr bis zur Hüfte! Und sonst? Ich hatte nur eine triefend nasse Frau
gesehen, in ein Badetuch gehüllt. Nun, immerhin hatte ich bemerkt,
dass sie das besaß, was Pral Xavin wohl „weibliche Formen“ nennen
würde. Quillo hätte andere Worte benutzt.
Ich grinste. Vielleicht war ja doch mein Glückstag heute. Wie
alt mochte sie sein? 20 Jahre, entschied ich. Jedenfalls nicht viel älter
als Prinzessin Leia. Die Prinzessin! Ich hatte sie ganz vergessen. Ich
merkte, wie ich ein schlechtes Gewissen bekam. Cool bleiben, Jungchen,
dachte ich. Du und eine Prinzessin, das wird ja doch nichts. Aber eine
Jedi, warf mein innerer Kontrahent ein, als ob ich da größere
Chancen hatte!
Doch plötzlich war diese innere Diskussion wie weggeblasen. Die
Gedanken, dachte ich. Ich habe ihre Gedanken gespürt. Und sie konnte
meine spüren. Was hatte das zu bedeuten?
Als ich endlich einschlief, überfielen mich verworrene Träume.
Bildfetzen durchfluteten meinen Schaf, Gefühle und Stimmungen. Bedrohungen,
Hetzjagden, Kämpfe. Eine tödliche Gefahr, Schatten. Und eine
Kugel. Eine gewaltige Kugel. Sie zog mich in den Bann. Kam auf mich zu.
Verfolgte mich. Wuchs ins Riesenhafte. Wurde zu einem Satelliten, einem
Mond, einem ...
Zack!
Die zur üblichen Weckzeit eingestellte Deckenbeleuchtung flutete
den Raum.
„Aufstehen, du Weichei!“ rief Quillo.
Ich konnte die Augen kaum öffnen. War schon der nächste Tag
angebrochen? Hatte ich überhaupt geschlafen? Oder nur geträumt?
Diese Kugel ... Ich schüttelte mich, warf die Schrecken der Nacht
ab. Ich stolperte in den Erfrischer. Lady Mal’Wan wollte ich auf jeden
Fall sauber und ordentlich gegenübertreten.
„Und du hast wirklich niemandem von deinen empathischen Fähigkeiten
erzählt?“
„Nein, Mylady, wie ich schon sagte.“
Sie sah mich lange nachdenklich an. Zum ersten Mal seit fast zwei Stunden
bohrte sie nicht weiter.
Ich war erschöpft. Mir schien, als ob sie mich mit Tausenden von
Fragen gelöchert hätte. Wer bist du? Wer waren deine Eltern?
Seit wann weißt du von deiner Fähigkeit? Und immer wieder: Weiß
niemand davon? Und niemand weiß davon? Weiß wirklich niemand
davon?
Sie schloss die Augen, in Gedanken versunken. Ich nahm einen Schluck
Wasser. Vom vielen Reden war mein Mund ganz trocken geworden. Nun konnte
ich sie in Ruhe näher betrachten.
Sie war atemberaubend schön. Voller Würde und Eleganz war
ihr ovales Gesicht. Ihre hohen Wangenknochen und die Mandelform ihrer Augen
erinnerten mich an die Twi’Lek-Tänzerinnen, die im Palast auftraten.
Ihre – jetzt geschlossenen - dunkelbraunen Augen strahlten wie Darkstone-Diamanten.
Die nach correlianischer Art zu einem einzigen Zopf geflochtene brünetten
Haare waren nach vorn über ihre linke Schulter gelegt und reichten
bis in ihren Schoß. Unter ihrer einfachen, weit geschnittenen cremefarbene
Tunika zeichneten sich ihre vollen Brüste ab, während der breite
Gürtel ihre schmale Taille betonte. Ich nahm noch einen Schluck Wasser.
Vielleicht war mein Mund nicht allein vom Reden so ausgedörrt.
„Gefalle ich dir?“ Sie öffnete ihre Augen und warf mir einen glühenden
Blick zu. Ich senkte die Augen.
„Ich wollte Euch nicht so anstarren, Mylady“, entschuldigte ich mich.
„Oh, ich finde, du hast dich in den letzten Stunden gut gehalten“,
versetzte sie trocken. Sie lächelte mich an. Das war kein spöttisches
Grinsen, eher ein freundlich aufmunternder Blick. Dann wurde sie ernst.
„Wie lange willst du hier noch Page sein? Hast du keine anderen Pläne
für dein Leben?“
Was für eine Frage! Sollte ich ihr sagen, dass ich bald zum Kammerdiener
aufsteigen würde? Pral Xavin hatte so etwas angedeutet. Nein, damit
würde ich sie nicht beeindrucken können.
„Ich weiß nicht, wohin mein Schicksal mich führt, Mylady“
antworte ich höflich, aber reserviert. Sie nickte.
„Du hast eine gute Erziehung hier am Hofe genossen“, sinnierte sie.
„Du könntest ...“. Plötzlich brach sie ab. Sie sah mich forschend
an.
„Lass uns einen Versuch machen. Du kannst Gedanken spüren. Kannst
du sie auch verbergen?“ Sie schaute mich prüfend an. „Verbirg deine
Gedanken vor mir!“
Ich schloss verwirrt die Augen. Gedanken verbergen? Wie ging das? Ich
spürte ihren tastenden Geist, ihren Versuch, meine Gedanken zu erhaschen.
Ich beschloss, mich gegen sie abzuschotten.
„Eine Mauer ... Du baust eine Mauer um dich herum“, murmelte sie. „Du
baust Widerstände auf. Aber eine Mauer kann ich durchdringen ... Die
Mauer wird dicker ... eine Festungsmauer ...Was willst du mit aller Macht
verbergen?“
Ihr Forschen, ihr Fordern wurde stärker. Ich begann zu schwitzen.
Ich musste ihre Versuche abwehren, egal mit welcher Anstrengung. Schweißperlen
rannen mir vom Gesicht, mein Hemd klebte am Körper.
„Jede Mauer hat eine Lücke“, fuhr sie fort. „Wo ist deine Lücke?
Ah ... ich spüre etwas ... Tunika? ... Du denkst an meine Tunika?
... Nein ... Oh, du denkst an das, was in meiner Tunika ist?!“
Sie lachte schallend.
Ich sank erschöpft im Sessel zusammen. Erschöpft, verlegen,
blamiert.
„Verzeihung, Mylady. Ich wollte es nicht. Aber ich konnte den Gedanken
nicht verhindern.“
„Schon gut“ lächelte sie. Dann wurde sie ernst. „Deine Herkunft
aus einer Schmuggler-Familie, dann die strenge Erziehung nach der Hofetikette
... Je mehr du in dieser Atmosphäre eine Begierde unterdrückst,
desto stärker wird dein Wunsch.“
„Ja“ fuhr sie schmunzelnd fort, als sie meinen erstaunten Blick bemerkte.
„Ja, ich kenne diese Erziehung. Ich bin die dritte Tochter des Herzogs
von Cal’Morrh. Aber ich hatte inzwischen andere Lehrmeister. Jedi-Lehrmeister
...“
Sie schwieg gedankenverloren.
„Lass uns noch einen Versuch wagen“ schlug sie nach einer Weile vor.
„Aber dieses Mal versuche nicht, eine Mauer zu errichten. Lasse deine Gedanken
offen fließen! Wenn du eine Rose verstecken willst, gehe auf eine
Blumenwiese. Willst du einen Felsbrocken verbergen, suche eine Geröllhalde
auf. Und Gedanken versteckst du am besten im unendlichen Strom des Denkens“.
Sie schaute mich fragend an. „Bist du bereit?“.
Ich nickte. Dann schloss ich die Augen.
Konzentrier dich!
Ich spürte, wie mein Herz klopfte.
Die Luft fließt – spüre, wie sie strömt!
Mein Atem beruhigte sich.
Auch die Gedanken fließen – spüre auch ihren Strom!
Und dann flossen Bilder an meinem inneren Auge vorbei. Geräusche
drangen an mein Ohr. Geschmack berührte meine Zunge. Worte lagen in
meinem Mund. Es war wirklich ein Strom. Erinnerungen, Phantasien, Begegnungen,
Überlegungen, Pläne, Erfahrungen – sie alle flossen in einer
harmonischen Bewegung durch mein Inneres. Und mitten im Strom trieb Lady
Mal’Wan. Ihre Anmut, ihr strahlendes Lächeln. Ihre Energie.
Nach einiger Zeit öffnete ich die Augen. Seltsamerweise war ich
nicht erschöpft. Im Gegenteil, ich war ganz entspannt.
„Nun?“ fragte ich. „Habt Ihr meine Gedanken erraten?“
„Nein“, antwortete sie. „Ich spürte nur einen großen Gedankenstrom.
Woran hast du denn nun gedacht?“
„Ich dachte daran, dass Ihr wunderschön seid, Mylady“, erwiderte
ich. Dass ich dabei ruhig bleiben und ihr sogar in die Augen schauen konnte!
Ich mochte es selbst nicht glauben.
„Ihr seid die schönste Frau, die ich je gesehen habe“ fügte
ich hinzu.
Täuschte ich mich, oder überzog nun eine leichte Röte
ihre Wangen? Doch schnell hatte sie sich wieder unter Kontrolle.
„Danke, Obi-Nor“ sprach sie mit einem breitem Lächeln. „Von allen
Komplimenten, die ich je gehört habe, war dieses das ehrlichste.“
In ihren Augen brannte faszinierendes Feuer. „Schlicht, aber ehrlich. Doch
nun geh. Ich muss zu Prinzessin Leia.“
Ich stand auf und ging zur Tür.
„Warte noch“ hielt sie mich zurück. „Sag nicht immer ‚Mylady‘
zu mir. Ich heiße Wala. Wenn du schon die Etikette beachten musst,
rede mich wenigstens mit ‚Lady Wala‘ an.“
Quillo lauerte mir im Küchentrakt auf. Blanker Neid sprang aus
seinem Gesicht.
„Mensch, Obi-Nor!“ Zum ersten Mal seit Monaten beschimpfte er mich
nicht als ‚Weichei‘. „Donnerwetter, das hätte ich dir nicht zugetraut.
Zwei Stunden warst du bei der Lady drin. Du schwebst ja hier rein wie auf
einem Repulsorkissen. Hast sie durchgenudelt, was?“
Ich ging wortlos an ihm vorbei.
„Hey, warte doch, Junge!“ Er ging mir nach. „Du schwitzt ja noch und
lächelst so selig?! Hast sie richtig in die Mangel genommen, ja? Wie
war sie? Hat sie gestöhnt? Gebettelt? Gewimmert?“
Ich drehte mich langsam um und sah ihn an.
„Zwischen Mann und Frau gibt es Geheimnisse, die weit jenseits deiner
Vorstellungskraft liegen. Träum deinen armseligen Traum weiter, Quillo,
aber lass mich künftig in Ruhe, okay?“
Damit wandte ich mich ab und ging in mein Quartier. Ich spürte
seinen ratlosen Blick in meinem Rücken, sah beinahe seinen staunend
offenen Mund. Sauber, dachte ich. Das war endlich mal eine gelungene Erwiderung.
Ohne meine betont würdevolle Haltung zu ändern, begann ich
zu grinsen. Von einem Ohr zum anderen.
„Nun, Junge, mehr Zeit als gestern?“, fragte Shrinka. Er legte den
Chip des Reinigungsdroiden vorsichtig auf die Theke. Dann flatterte er
mit schnellem Flügelschlag zum obersten Fach seines Regals. „Schon
die neuesten Optik-Sensoren für Kurier-Droiden gesehen?“
Ich schüttelte den Kopf. „Für Kurier-Droiden bin ich doch
nicht mehr zuständig, Shrinka.“
„Schade, Junge, schade“, murmelte er. „Die Dinger sind so gut, dass
ich mir überlege, mich ganz auf Optik-Sensoren zu spezialisieren.
Was klingt besser: ‚Shrinka’s optics‘ oder ‚Optometry Corner‘?“
Das Signal für den Eingang einer Holoübertragung enthob mich
einer Antwort. Ich zog mein Multifunktions-Datapad aus der Umhängetasche
und aktivierte die Verbindung. Es erschien das Holo von Pral Xavin.
„Komm bitte in den Palast zurück, Obi-Nor. Prinzessin Leia erwartet
dich im kleinen Ratsraum. Ach ja – keine Blumen heute, verstanden?“
„Ja, Sir“, erwiderte ich. „Bin schon unterwegs, Sir.“ Ich nahm den
Chip von der Theke und ging zur Tür.
„Vergiss es, Shrinka“, rief ich ihm im Hinausgehen zu. „Du bist so
kurzsichtig, aus dir wird nie ein Optic-Händler“.
Beim Heimweg zerbrach ich mir vergeblich den Kopf, was die Prinzessin
von mir wollte. Warum wählte sie ausgerechnet den kleinen Ratsraum,
das einzige hundertprozentig abhörsichere Zimmer im ganzen Palast?
Als ich die dreifache Sicherheitsschleuse passierte und außer
Prinzessin Leia noch Wala sah - Lady Wala, korrigierte ich mich –, wusste
ich, worum es ging.
„Setz dich, Obi-Nor“, lud Prinzessin Leia mich ein. „Wie ich hörte,
hast du unsere kleine Prüfung bestanden?“
„Prüfung?“ Ich war verblüfft. „Es war eine Prüfung,
Hoheit?“
Ja, und du hast sie bestanden!
Ich schluckte. Es war das erste Mal, dass ich nicht nur Prinzessin
Leias Präsenz, sondern auch ihre Gedanken spüren konnte.
„Wir wussten immer, dass du besondere Fähigkeiten hast“ fuhr die
Prinzessin fort. „Schon als ...“ Sie zögerte und schaute zu Wala hinüber,
die kaum merklich nickte „ ... als Obi-Wan Kenobi dich zu uns brachte“.
„Aber Hoheit, Pral Xavin hat mich an den Hof gebracht!“ protestierte
ich. Dann erst ging mir die Ähnlichkeit der Vornamen auf. „Obi-Wan?“,
fragte ich. „Wer ist das?“
„Ja, es stimmt, Pral Xavin hat dich hierher gebracht. Aber auf den
Rat eines Jedi. Sein Name ist Obi-Wan Kenobi. Er hat auch deinen Vornamen
ausgewählt. Das war, bevor dein Vater vom Imperium getötet wurde.
Er hat damals meinem Vater gesagt, dass in dir mehr Talente schlummern,
als ein Page oder Kammerdiener je brauchen würde.“
Mir wurde schwindelig. Ich wusste so wenig über meine Herkunft!
„Aber wir haben wenig Zeit“, fuhr die Prinzessin fort. „Ich habe euch
beide hierher gerufen, weil wir viel zu besprechen haben. Obi-Nor, was
weißt du eigentlich über das Imperium? Über die Rebellion?
Über die Jedi und die Sith? Über Darth Vader?“
Ich zuckte mit den Achseln. „Was man so aufschnappt.“
„Das dürfte kaum reichen, wenn du Agent der Rebellion bist.“
„Waaasss?!“ Mir stockte der Atem. „Ich meinte, ich verstehe Euch nicht,
Hoheit! Agent der Rebellion?“
„Obi-Nor, mir scheint, du bist die längste Zeit Page gewesen.
Du machst jetzt den Schritt in eine neue Welt. Also hör gut zu!“
Stundenlang erzählten sie mir von der Alten Republik und vom Imperium.
Vom Imperator und vom Dunklen Lord Vader. Die Prinzessin schilderte die
Versklavung ganzer Welten. Die Knechtschaft der Wookies. Die Unterdrückung
der Bothaner. Den Aufstand der Mon Calamari. Sie deckte Hintergründe
auf und eröffnete mir Dinge, die niemals im imperialen Newsnet zu
sehen waren.
Wala berichtete mir von der Philosophie der Jedi. Von der ‚Macht‘,
die alles durchströmt, und die auch ich benutzte, wenn ich fremde
Gedanken erspürte. Sie erzählte von dem Kampf gegen die Sith.
Vom Verrat Vaders und schließlich von der Vernichtung der Jedi. Nur
wenige hatten sich retten können, versteckten sich vor dem Zugriff
Vaders, der sie immer noch erbarmungslos jagte. Sie selbst hatte keine
Gelegenheit gehabt, ihre Ausbildung zu vollenden.
Und sie erzählten mir von den Zielen der Rebellen. Vom Plan, eine
neue Republik zu errichten, ein System, dass wieder Gleichheit und Würde,
Gerechtigkeit und Frieden in der Galaxis garantieren könnte. Und ich
sollte mithelfen in diesem großen Räderwerk der Rebellion.
„Du eignest dich als Agent. Als Spion oder Kurier“, schloss Prinzessin
Leia. „Wir brauchen dich. Wenn du bereit bist, wirst du morgen früh
mit Wala zum Ausbildungscamp fliegen. Wala wird mit dir auf dem Flug weitere
Übungen durchführen.“
Ich nickte. „Ich bin bereit, Hoheit“.
„Dann nimm Abschied von Alderaan.“
Als die Prinzessin gegangen war, wandte ich mich an Wala. „Vom Pagen
zum Agenten der Rebellion – keine schlechte Karriere!“
Aber meine Gedanken kreisten nur um die Tatsache, dass Wala mich begleiten
würde. Wala!
Am anderen Morgen, auf dem Weg zum Shuttle, kam Quillo auf mich zu.
Er trat von einem Bein aufs andere.
„Hey, Kumpel, bist ja ne große Nummer jetzt. Äh, wollte
nur sagen, warst schon in Ordnung irgendwie. Und, äh, tut mir Leid
und so weiter. Pass auf das Mädel auf, ja?“
„Ist okay, Quillo. Hast du die Blumen besorgt?“
„Klaro, das ‚große Frühlingsgebinde mit Schleife‘, sogar
bezahlt, ist schon beim ollen, äh, bei Pral Xavin auf der Bude. Und
dein Datapad klebt auch dran. Also dann, machs gut, Kumpel!“
Und weg war er.
Vor dem Shuttle wartete Pral Xavin auf mich. „Nun heißt es Abschied
nehmen, mein Junge.“
„Ja, Sir.“ Ich schluckte. „Vielen Dank für alles! Wenn Sie nicht
gewesen wären, dann ...“ Ich fühlte, wie mir die Tränen
in die Augen stiegen.
Pral Xavin umarmte mich. „Schon gut, mein Junge“ murmelte er.
Dann schaute er mir in die Augen. „Ich habe etwas für dich. Mein
altes corellianisches Glücksamulett. Es wird dich beschützen,
so wie es mich beschützt hat all die Jahre.“
Er löste die Kette von seinem Hals und legte sie mir um. „Es zeigt
den sechszackigen Stern. Die vier eingravierten Glücksrunen stehen
für die Vier Großen Wünsche. - Darf ich den Segen über
dich sprechen?“
Ich nickte, unfähig, etwas zu sagen.
„Obi-Nor“ hob er an und legte seine Hände auf meinen Kopf.
„Mögest du stets eine Hand finden, die schützend über
dich gehalten ist.
Mögest du stets eine Hand finden, die dir den richtigen Weg zeigt.
Mögest du stets eine Hand finden, die dir Nahrung gibt, wenn du
hungerst.
Mögest du stets eine Hand finden, die dich aufrichtet, wenn du
darniederliegst!“
Nun standen auch ihm Tränen in den Augen. „Vergiss mich nicht“
flüsterte er und umarmte mich erneut.
Schließlich riss er sich los. „Und jetzt hau ab, du Schmuggler,
oder soll ich dich ins Shuttle tragen?“
Er wandte sich hastig ab und eilte davon.
Ich stand eine Weile wie betäubt. So fühlte es sich also
an. Ja, das war es, was die alderaanischen Dichter so wortreich beschrieben
– das Ende der Kindheit.
„Hyperraumsprung in 10 Sekunden ... Motivator aktiviert ... 5 Sekunden
... und – ab geht’s!“
Wala legte den Hebel um. Die „Sternenglanz“ vibrierte und die grandiose
Kulisse aus Abertausenden von Sternen verschwamm kurz zu einem streifigen
Brei, bevor sie ganz verschwand. Mein dritter Hyperraumflug, dachte ich.
Die anderen beiden Piloten waren nicht so attraktiv gewesen ...
„Soll ich uns etwas zu essen bereiten, Lady Mal’Wan? Wir können
nach der Mahlzeit gleich mit den Übungen beginnen. Wenn es schnell
gehen soll, dann empfehle ich gesottene alderaanische G’toh-Schoten. Ich
bin kein Meisterkoch, aber ...“
„Mach nur, ich bin nicht wählerisch. Jedenfalls nicht, was die
Nahrung betrifft“.
Ich schnallte mich von meinem Sitz los und ging nach hinten in den
Versorgungstrakt. Bei Walas letzter Bemerkung war mir unangenehm heiß
geworden.
Nein, denke nicht mal dran, was sie gemeint haben könnte!
Nein, besser nicht, stimmte ich meiner inneren Stimme zu. Lieber an
die G’toh-Schoten denken.
„G’toh-Schoten für die Dame, köstliche G’toh-Schoten!“ rief
ich übermütig, als ich das Tablett in dem Aufenthaltsraum abstellte.
Wala lächelte mich an.
„Ich habe Hunger“ bemerkte sie. „Aber nicht auf Gemüse“.
„Aber ...“, begann ich. Plötzlich wurde mir heiß. „Äh,
ich muss noch dringend in die Küche ...“
„Bleib! Schau mich an!“
Ihre Augen waren wie glühende Soliumkristalle. Mit ihrer Zunge
fuhr sie über ihre leicht geöffneten Lippen.
„Geh nicht“ bat sie sanfter. Sie löste ihre Haarspangen.
Komm zu mir!
„Mylady ...“
„Lass die ‚Lady‘ weg. Ich habe nicht vor, mich wie eine Dame zu benehmen.
– Hast du nicht gesagt, ich sei ‚wunderschön‘?“.
Ich will dich, Obi-Nor!
„Gewiss, Mylady, äh, Wala. Es ist nur ... Oh, Ihr solltet Eure
Tunika besser wieder anziehen und ...“
Außerdem ist der Zeitpunkt günstig!
„Bitte behaltet doch wenigstens Brustbinde und Hüfttuch an!“
„Warum weichst du vor mir zurück? Siehst du, hinter dir ist das
Raumschott. Willst du auch dort noch hinaus?“
„Es ist nur ... Was tut Ihr da?“
„Obi-Nor! Wie kann ich dein Hemd aufknöpfen, wenn du es gleichzeitig
wieder zuknöpfst?“
Begehrst du mich nicht auch?!
Ich begehre Euch auch, aber ...
„Aber?“
„Ich, ich ... Ich war noch nie mit einer Frau intim, und ...“ Ich spürte,
wie ich knallrot wurde. Zugleich wuchs mein Widerstand.
Sie legte sanft ihren Finger auf meine Lippen, strich über meine
Wange, meinen Hals, meine Schultern.
„Du solltest dich nicht so versteifen, Obi-Nor“ flüsterte sie.
„Jedenfalls nicht in den Schultern“ setzte sich kichernd hinzu.
Meine Wangen glühten wie Mijn Krohs Backofen.
Sie blickte mir direkt in die Augen.
„Vertrau mir. Hab keine Angst. Gib dich deinen Gefühlen hin. Ich
helfe dir. Weißt du, ich – ich begehre dich. Schon als ich aus dem
Erfrischer kam und du vor mir standest, spürte ich es. Du warst so
schüchtern und zugleich so verliebt, dass du es gar nicht bemerkt
hast. Aber weißt du, was noch erstaunlicher ist?“
Ich schaute sie fragend an.
„Du weißt gar nicht, wie attraktiv du bist. Deine strahlend blauen,
lebendigen Augen. Die Grübchen, wenn du lachst. Der Ernst in deinem
Gesicht, wenn du nachdenkst. Der Ich-habe-aber-doch-gar-nichts-geschmuggelt-Ausdruck,
wenn du etwas ausheckst“
„Hört auf, Wala, Ihr macht mich ganz verlegen!“
Statt einer Antwort gab sie mir einen Kuss. Erst einen zarten, tastenden
auf die Lippen. Dann wurde sie leidenschaftlicher, umschlang mich mit den
Armen, drückte ihren nackten Körper an mich, forderte und förderte
meine Erregung. Ihre Zunge glitt tänzelnd in meinen Mund.
Bis endlich mein Widerstand geschmolzen war.
Ich erwiderte ihren Kuss, spürte ihre Zunge. Meine Hände
strichen über ihr Haar, glitten über ihre Schultern, ihren Rücken,
erforschten ihren Körper.
„Komm mit“ flüsterte sie und schnappte nach Luft. „Komm zu den
Kabinen!“
Sie nahm meine Hand und führte mich aus dem Aufenthaltsraum. Ich
dachte kurz an Prinzessin Leia: „Wala wird mit dir auf dem Flug weitere
Übungen durchführen“. Dann fiel mir Quillos neidischer Gesichtsausdruck
ein. Und schließlich die Tatsache, dass man G’toh-Schoten unmöglich
wieder aufwärmen konnte.
Ich lag auf dem Rücken und blickte an die Decke meines Ruheraumes.
Wala hatte sich eng an mich gekuschelt und ihren Kopf auf meine Schulter
gebettet. Ihre Haare lagen wie ein Seidentuch auf ihrem nackten Rücken.
Ihre Hand spielte mit meinem Amulett und streichelte von Zeit zu Zeit meine
Brust..
„Die ‚Großen Wünsche‘ sind schön“, sprach sie schließlich,
mehr zu sich als zu mir. „Ich hoffe, sie gehen für dich in Erfüllung“.
Ich brummte eine Zustimmung. Seit geraumer Zeit nagte eine Frage an
meinem Selbstbewusstsein wie ein Mynock an einem Kühlschlauch.
„Was ist, Schatz?“, fragte sie.
„Du, Wala“, begann ich. „Habe ich mich eigentlich sehr dämlich
angestellt?“
Sie seufzte. „Liebe fragt nicht nach Leistung und Versagen. Sie verschenkt
sich selbst.“
Das klangt gut, war aber nicht die Antwort, die ich hören wollte.
„Aber trotzdem ...“, begann ich.
Sie verschloss meinen Mund mit einem Kuss. „Du Dummer!“
Dann seufzte sie behaglich. „Ich hatte schon gehört, dass Sex
im Hyperraum viel aufregender ist als auf der Oberfläche eines Planeten.
Aber wie toll Sex mit einem Empathen ist, hat mir noch niemand gesagt."
Mein Selbstbewusstsein schlug die Mynocks augenblicklich in die Flucht.
Sie richte sich halb auf und schaute mir in die Augen. „Es war wunderschön.
Du bist so zärtlich und einfühlsam.“
„Sag das nochmal!“
„Du bist so zärtlich und einfühlsam.“
„Nochmal!“
Sie lachte. Es war ein glockenhelles Lachen. Zugleich erglühten
ihre Augen.
„Wenn du mich so anschaust, schmilze ich dahin und ende als Wasserfütze“,
flachste ich.
„Keine schlechte Idee.“ Sie küsste meinen Mund, meine Stirn, meinen
Hals.
„Und was ist mit den anderen Übungen?“ fragte ich. „Wir haben
zwar einen Hyperraumflug von vier Tagen vor uns, aber müssen wir nicht
mal damit anfangen?“
„Der Lehrplan ist hiermit geändert“, verkündete sie mit gespieltem
Ernst. Dann glitt ihre Hand von meiner Brust auf meinen Bauch. Und weiter
abwärts zu meinen Lenden.
Ich spürte neu beginnende Erregung.
„Was machst du da?“, tat ich ahnungslos.
„Ich erfülle gerade einen der Wünsche. ‚Mögest du stets
eine Hand finden, die
dich aufrichtet, wenn du darniederliegst‘“, lachte sie.
Ich fand, dass eine Jedi nicht derart dreckig lachen sollte.
Ich zog fröstelnd meinen Umhang enger um meinen Körper.
Nachts wurde es bitter kalt auf Ord Mandrell. Obendrein hatte Wala einen
offenen Landgleiter gemietet.
„Wir können schneller herausspringen, wenn wir in einen Hinterhalt
geraten“, hatte sie gemeint. „Vaders Leute haben meine Spur hier verloren.
Ich vermute, dass sie eine Patrouille zurückgelassen haben. Wir müssen
vorsichtig sein.“ Bei diesen Worten hatte sie mir einen Blaster gereicht.
Welch eine Ernüchterung nach den vier Tagen an Bord der „Sternenglanz“.
Es war wie ein Traum gewesen. Kam nun das böse Erwachen?
Wala fuhr vorsichtig durch die kaum belebten Straßen von Ord
Mandrell Spaceport. Nur wenige Lampen beleuchteten schäbige Hausfassaden,
schrottreife Fahrzeuge, achtlos aufgeschichtete Müllberge. Einzelne
schattenhafte Gestalten huschten vorbei. Der Nebel senkte sich wie eine
Eisdecke auf die Stadt. Die Metallhülle des Gleiters war bereits mit
einer Reifschicht überzogen.
„Wann sind wir denn da?“, brach ich schließlich das Schweigen.
„Ich muss einen riesigen Umweg machen“, erklärte Wala, ohne ihre
lauernd katzenhafte Haltung aufzugeben. „Vorhin habe ich einen Mann gesehen,
der mir irgedwie bekannt vorkam. Wenn sie uns verfolgen, darf ich sie nicht
geradewegs ins Ausbildungscamp führen.“
Das Camp für die neuen Agenten der Rebellion – als Droidenfabrik
getarnt – sollte für die nächsten Monate mein provisorisches
Zuhause werden – wenn wir es überhaupt erreichten.
Plötzlich hielt Wala an. Etwa einhundert Standardmeter vor uns
war ein Landgleiter aufgetaucht und blieb mit abgeblendeten Lichtern stehen.
Wala rührte sich einige Sekunden lang nicht, lauschte angestrengt
und konzentriert.
Langsam setzte Wala die Fahrt fort, stoppte kurz und bog in eine engere
Gasse ab. Nach ein paar Metern hielt sie an.
„Hier stimmt etwas nicht“, flüsterte sie.
„Du hast Recht“, erwiderte ich. „Ich habe ein verdammt mieses Gefühl.“
Ich starrte die Gasse entlang. Mit Ausnahme der Atemwolken vor unseren
Mündern war nicht das geringste Lebenszeichen zu sehen. Und doch war
da etwas, musste etwas sein ...
„Wenn ich ‚jetzt!‘ rufe, wirfst du dich rechts aus dem Gleiter. Du
musst unbedingt meinen Rücken decken!“, flüsterte sie mir zu.
Sie fuhr langsam wieder an. Ein unangenehmes Kribbeln kroch mir über
den Rücken. Ich entsicherte den Blaster.
„JETZT!“
Walas Lichtschwert schoss gleißend durch die Dunkelheit, als
sie aus dem Gleiter sprang. Ein Hieb mit dem Lichtschwert, und ein abgetrennter
Arm, die Hand noch einen Blaster umklammernd, flog an mir vorüber.
Ich warf mich aus dem Fahrzeug und prallte hart auf dem Steinboden auf.
Eine Kaskade von Blasterschüssen zischte mir um die Ohren, traf den
Gleiter, versengte den Schrotthaufen neben meinem Kopf. Ich rollte mich
hinter eine schwere Stahltonne und hielt den Kopf unter meinen Armen verborgen,
jeden Augenblick damit rechnend, von einem glühenden Blitz getroffen
zu werden.
Wala! Was war mit Wala?
Ich hob den Kopf und spähte vorsichtig hinter der Tonne hervor.
Wala stand mitten auf der Gasse und wehrte mit ihrem Lichtschwert Blasterschüsse
ab. Dann kauerte sie sich hinter einem Schrotthaufen nieder. Die drei oder
vier Angreifer weiter hinten in der Gasse feuerten wie wild, konnten sie
aber nicht erreichen. Nur aus der Richtung, aus der wir gekommen waren,
bot Wala ein leichtes Ziel.
Mir fiel der andere Landgleiter ein, den wir zuvor gesehen hatten.
„Du sollst mir den Rücken freihalten!“, schrie Wala.
Ich fuhr herum und sah an einer Hauswand einen Schatten. Reflexartig
riss ich den Blaster hoch und feuerte. Sofort wurde ich mit einer Salve
von starken Laserschüssen eingedeckt. Das musste ein Blastergewehr
sein.
Ich duckte mich tiefer hinter die Tonne und drehte mich zu Wala um.
Sie stürzte aus ihrem allzu unsicheren Versteck, tauchte unter einem
Hagel von Blitzen durch und sprang in einen Hauseingang. Dort hatte sie
eine gewisse Deckung im Rücken, war aber nach vorn nicht so gut gesichert.
Mehrere schnell abgefeuerte Laserschüsse schlugen über mir
ein und ließen einen Regen aus Funken und Steinbrocken auf mich herab
prasseln. Zugleich hörte ich, wie der schattenhafte Angreifer in raschen
Sätzen näher sprang. Ich hielt meinen Waffe über die Tonne
und feuerte blindlings in die Richtung, in der ich ihn vermutete. Das Blastergewehr
erwiderte das Feuer.
Metall schepperte. Ich hatte bei der Einfahrt in die Gasse einen umgestürzten
Lastdroiden gesehen. Wahrscheinlich hatte der Schatten sich dahinter versteckt.
Aber sicher war ich mir nicht. Ich musste die ‚Macht‘ benutzen.
Ich schloss die Augen und konzentrierte mich.
Dort war er. Hinter dem Lastdroiden.
Ich tastete nach seinen Gedanken, versuchte zu ergründen, was
er vorhatte. Langsam spürte ich, was er wahrnahm.
Eine Holzwand neben dem Droiden ... auf der anderen Seite eine Tür.
Ich dachte an die Holzwand neben dem Droiden. Zu dünn, um gegen
Blasterschüsse zu schützen. Rasch warf ich einen Blick zu Wala
hinüber. Sie wurde noch von zwei Seiten unter Beschuss genommen. Wie
ein Irrlicht wischte ihre Waffe hin und her und ließ die Schüsse
abprallen. Wie lange würde sie das durchhalten können?
Ich wandte meine Konzentration wieder meinem Gegner zu, ließ
mich von der ‚Macht‘ durchströmen.
Ablenkung ... Sprung zur Tür ...
Ich ließ die Holzwand vor meinem inneren Auge erscheinen. Nahm
sie wahr, spürte sie, ließ sie sich in meinem Innern materialisieren,
zum Greifen real. Dann verwandelte ich das Holz in eine Durastahlplatte.
Dieses Bild sandte ich zu dem Mann hinter dem Droiden.
Durastahlplatte ... Schutz ... Sprung ...
Ich spürte seine Verwirrung, dann seinen Entschluss. Ich verstärkte
die Konzentration.
Durastahl!
Ich feuerte in dem Augenblick, als er hinter die Holzwand sprang. Drei,
vier, fünf Schüsse. Blindlings schoss ich weiter, bis die Energieleuchte
an der Waffe aufblinkte.
Dann war alles ruhig.
Ich spürte mein Herz bis zum Hals klopfen. Trotz der eisigen Kälte
war mir siedend heiß.
Ich schaute die Gasse herunter. Wala beugte sich über einen von
drei leblosen Körper und durchsuchte die Kleidung.
Ich richtete mich langsam auf und ging widerstrebend auf die Holzwand
zu. Ich wollte nicht hinüber gehen, wurde aber wie von einem Traktorstrahl
angezogen, unfähig, mich dagegen zu wehren.
Er lag mit dem Gesicht auf der Erde. Eine dunkle Blutlache breitete
sich unter seinem Körper aus und floss auf sein Blastergewehr zu,
das neben ihm lag.
Ich drehte ihn herum.
Ein Gesicht, keine 30 Jahre alt.
Zwei Augen, starr und gebrochen. Noch im Tod kündeten sie von
Erschrecken und Erkennen. Erkenntnis der Lüge und Täuschung.
In mir stieg eine bittere Übelkeit hoch. Ich wandte mich ab und
erbrach mich.
Sanfte legte Wala ihre Hand auf meine Schulter. Sie steuerte den Gleiter
auf das Ausbildungscamp zu.
Ich seufzte. „Das war also meine Eintrittskarte in die Rebellion. Ein
Mord.“
„Nein“, widersprach sie. Man muss niemanden töten, um sich der
Rebellion anzuschließen. Du warst in deinem Herzen schon auf Alderaan
ein Rebell.“
„Ich weiß!“ stimmte ich zu. „Aber dieser Mord ...“
Sie hielt den Gleiter an. „Es war kein Mord, Obi-Nor. Du hast mir das
Leben gerettet. So wie ich deines gerettet habe.“
„Ja sicher.“ Ich lachte bitter. „Aber du begreifst nicht. Manipuliert
habe ich ihn. Mit meinen empathischen Fähigkeiten in meine Schussbahn
gelockt!“
Sie nickte nachdenklich. „Ich verstehe.“
„Tust du das? Das Schlimmste habe ich dir noch gar nicht erzählt.“
Ich schlug die Augen nieder. Ich musste es ihr einfach sagen.
„Als ich ihn getötet hatte, mit Hilfe der ‚Macht‘ getötet
hatte, da überkam mich ein unheimliches Gefühl. Ein Gefühl
der Stärke und der Herrschaft, des Zorns und des Hasses. Und dieses
Gefühl war so ... verführerisch. Es verlangte nach mehr. Ich
verlangte nach mehr.“
Wala schaute mich eindringlich an. „Es war die Dunkle Seite der ‚Macht‘.
Hüte dich vor ihr. Du darfst ihr keinen Raum geben. Sie erscheint
so verführerisch, aber es ist schrecklich, wenn man ihr verfällt.“
„Dann kennst du die Versuchung auch?“, fragte ich.
„Die Versuchung – ja, die kenne ich. Und ich weiß, was die Dunkle
Seite aus Darth Vader gemacht hat.“
Wala umarmte mich. „Es tut mir Leid, dass unsere Reise so enden musste.“
Sie seufzte leise. „Und noch schlimmer ist, dass ich nicht im Ausbildungscamp
bleiben kann. Ich muss auf anderen Planeten falsche Fährten legen,
damit sie meine Spur nicht bis zum Camp verfolgen können.“
Ich war entsetzt. Aber ich sah ein, dass sie keine andere Wahl hatte.
„Und wenn sie das Camp schon entdeckt haben?“, grübelte ich.
„Dann säßen wir hier nicht ungestört, sondern wären
bereits von Sternzerstörern umzingelt. Aber es wird zu kalt hier.
Wir fahren hinein.“
Sie gab mir einen Kuss auf die Wange. „Kopf hoch, Obi-Nor. Ich komme
wieder, sobald ich kann.“
8.
Zwölf Vernunftwesen waren in dem schmucklosen kleinen Saal versammelt.
Die meisten von ihnen waren Menschen. Nicht viel älter als ich, obwohl
ich gewiss der Jüngste von allen war. Aber es gab auch nichtmenschliche
Spezies. Oolisha, die Twi’Lek. Den Rodianer, dessen Namen ich unmittelbar
nach der Begrüßung schon wieder vergessen hatte. Und Chenlyyshyyrr,
den Wookie, der alle anderen mindestens um Kopflänge überragte.
Direkt neben mir saß ein rothaariger, sommersprossiger Typ namens
Piet O’Shir, der in einer Tour quasselte und mit seinen technischen Detailkenntnissen
prahlte.
„... Der Trick ist, dass du die beiden Schaltkreise der Sublichtmotivatoren
zusammenschließen kannst. Damit kannst du mühelos einen Crass-Brittan-Konverter
ersetzen ...“
Ich hörte gar nicht richtig zu. Ich verstand so gut wie nichts
von Raumschiffen. Außerdem dachte ich an Wala, die unmittelbar nach
unserer Ankunft wieder fortgefahren war. Viel zu flüchtig war der
Abschied gewesen. Aber Captain Park, der Leiter des Camps, hatte nicht
das geringste Verständnis für romantische Szenen gezeigt.
Das Gemurmel im Saal verstummte. Ein eher kleiner, vollbärtiger
Mann um die 40 hatte den Raum betreten.
„Ich bin General Crix Madine, verantwortlicher Koordinator sämtlicher
Agentenoperationen der Rebellion“, begann er. „Bevor Sie morgen mit der
Ausbildung beginnen, möchte ich Ihnen etwas mitteilen. Etwas, das
Sie niemals vergessen sollten.“ Er machte eine Pause und schaute in die
erwartungsvollen Gesichter. „Sie sind hier, weil Sie die Rebellion unterstützen
wollen. Aus aufrichtigen, reinen Motiven. Sie glauben an Gerechtigkeit
und Rechtschaffenheit. Sie kämpfen für eine bessere Welt. Sie
alle – ob Mensch oder nicht - sind junge Leute mit einer edlen Gesinnung.
Habe ich Recht?“
Wir nickten zustimmend. Ja, das war es, was wir wollten.
„Nun“, fuhr er fort. „Dann sind Sie hier falsch!“
Ein Raunen ging durch den Saal. Chenlyyshyyrr stieß ein lautes,
aggressives Heulen aus. Madine ließ sich davon nicht beirren. „Wir
hier verkörpern nämlich die schmutzige Seite der Rebellion. Wir
infiltrieren, manipulieren, sabotieren, wir stehlen Geheimnisse und verbreiten
Falschinformationen. Unser Geschäft ist Lüge und Täuschung
...“
Mir fiel schockartig der Mann in der Gasse ein. Eine eisige Kälte
kroch in mir hoch. Nur mit Mühe gelang es mir, weiter zuzuhören.
„ ... Das ist auch der Grund, warum wir von den regulären Streitkräften
im Grunde verachtet werden. Wir sind wichtig, gewiss. Sogar überlebensnotwendig.
Ohne unsere Spionage könnte kein Admiral die Taktik für eine
Raumschlacht festlegen, ganz zu schweigen von strategischer Kriegsplanung.
Aber in den Augen der meisten Flottenoffiziere sind wir nicht mehr wert
als Kopfgeldjäger oder Schmuggler.“
Ich schluckte heftig. O’Shir blickte mich an und rollte mit den Augen.
Vielleicht war sein Vater auch ein Schmuggler gewesen.
„Sie glauben mir nicht“, stellte Madine fest. „Und doch ist es so.
Sehen Sie, Sie haben nur zwei Möglichkeiten als Agent. Entweder Sie
führen Operationen erfolgreich durch. Dann erfahren nur Ihr Kontaktoffizier
und ich davon. Einem Admiral oder General gelingt mit Hilfe der von Ihnen
beschafften Informationen ein erfolgreicher Angriff und erhält er
einen Orden. Ihr Lohn besteht darin, dass Sie das nächste Mal
einer noch schwierigeren Aufgabe zugeteilt werden. Nein, Helden der Rebellion
werden immer die Anderen.“
Das war absolut desillusionierend. Aber diese Enttäuschung teilte
ich mit allen anderen Neulingen.
„Oder – und das ist die andere Möglichkeit - “ fuhr Madine fort,
„Sie führen eine Operation nicht erfolgreich zu Ende. Dann landen
Sie in einem imperialen Gefängnis und machen Bekanntschaft mit einem
Verhördroiden.“
Wohl kaum jemand unter uns wusste, was ein Verhördroide war. Aber
es klang wenig verlockend, es am eigenen Leib in Erfahrung zu bringen.
„Natürlich haben Sie die Möglichkeit, sich dem Verhör
zu entziehen. Ich meine: endgültig zu entziehen.“ Madine zog eine
kleine Pille aus der Tasche. „Wir zwingen Sie nicht dazu, wir stellen Sie
Ihnen lediglich zur Verfügung. Menschen, Twi’Lek und Rodianer müssen
sie nur zerbeißen. Die Wirkung auf Wookies ist unbekannt. Haben Sie
noch Fragen?“
Es herrschte schockiertes Schweigen. Nur Chenlyyshyyrr ließ einen
leisen Klageton hören. Oolishas helle Haut war noch ein wenig blasser
geworden. O’Shir blickte dumpf brütend vor sich hin.
„Nun, das wäre dann wohl alles. Captain Park wird Sie nun über
den Beginn der Ausbildung informieren.“
Mit diesen Worten ging er hinaus und ließ sehr nachdenkliche
Rekruten zurück.
Die folgenden Wochen boten wenig Abwechslung. Der Tag begann, noch bevor
die Sonne über Ord Mandrell den Planeten von einer Kühlkammer
in einen Backofen verwandelte. Jeden Morgen stand die körperliche
Fitness auf dem Programm. Wir trainierten Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit,
bis mir alle Knochen schmerzten.
Nachmittags gab es theoretischen Unterricht bei Captain Park. Es ging
meist um die Erkenntnisse über die Militärtechnik und Logistik
des Imperiums. Wir lernten aber auch viel über die Denkweise von Agenten.
„Ein Offizier der Streitkräfte, nehmen wir zum Beispiel den Kommandanten
eines Raumkreuzers, hat ein ‚Handbuch taktischer und operativer Manöver‘“,
sagte Park eines Tages. „An den dort festgelegten Instruktionen hat er
sich zu orientieren. Das ist in einer Raumschlacht wichtig, weil auch die
Kommandanten der anderen Flottenschiffe dieses Handbuch haben und ihr Handeln
auf seine Manöver abstimmen müssen. Natürlich kennt auch
der Gegner die Instruktionen, so dass Raumschlachten in der Regel wenig
taktische Überraschungen bieten. Der Agent hingegen lernt als erstes,
dass es keine festen Regeln für sein Handeln gibt.“
Er machte eine kleine Pause. „Sie sind nicht zuletzt deshalb hier,
weil Sie alle einen unbändigen Freiheitsdrang haben. Schauen Sie nicht
so verwundert - meinen Sie, wir hätten Sie ohne gründliche Überprüfung
Ihrer Biographie hier hereingelassen? Nein, militärische Disziplin
ist nichts für Sie. Flexibilität, Selbstverantwortlichkeit, Entscheidungskompetenz,
das ist es, was Sie im Einsatz wollen und auch bekommen.“
Von allen Unterrichtsstunden blieb mir diese am besten in Erinnerung.
Im Laufe der Zeit wurde der Unterricht praktischer. Wir lernten, Computercodes
zu knacken und Datapads zu fälschen. Wir übten ebenso den Umgang
mit dem Blaster - was mir einiges Unbehagen bereitete - wie Gebrauch von
Abhörgeräten. Orbitale Testflüge im Flugsimulator wechselten
sich ab mit Trainings, die uns helfen sollten, in einer Operation eine
überzeugende Rolle zu verkörpern. Abends, wenn alle Trainings
beendet waren, zog ich mich in meine kleine Wohnenheit zurück, um
meine Fähigkeiten im Gebrauch der ‚Macht‘ zu verbessern wie Wala es
mir gezeigt hatte.
Ich vermisste Wala schrecklich. Abends, wenn ich müde und mit
Kopfschmerzen in meine unbequeme Schlafkoje fiel, galt mein letzter Gedanke
vor dem Einschlafen ihr. Oft träumte ich von ihr; es waren verschwommene,
wirre Bilder, an die ich mich morgens nicht mehr erinnern konnte.
In den ersten Wochen war Wala zweimal wie aus dem Nichts auf Ord Mandrell
aufgetaucht, um Captain Park wichtige Botschaften von Mon Mothma oder Bail
Organa, den Köpfen der Rebellion, persönlich zu überbringen.
Stets reiste sie nach wenigen Tagen wieder ab. Sie konnte es nicht riskieren,
länger zu bleiben. Die Schergen Lord Vaders durchsuchten noch immer
die bewohnten Welten der Galaxis nach ihr.
Etwas mehr als drei Monate nach meiner Ankunft im Camp und wenige Tage
nach meinem 18. Geburtstag war sie das letzte Mal dagewesen.
„Ich muss jetzt für länger fort“, hatte sie mir zum Abschied
gesagt. „Ich will zum Jedi-Meister Yoda, um meine Ausbildung beenden. Die
Rebellion tritt in ihre entscheidende Phase. Bald wird nichts mehr so sein
wie früher. Gar nichts. Und ich muss darauf vorbereitet sein.“
Im Laufe der Zeit spezialisierte sich die Ausbildung für die Einzelnen
immer mehr. Es kristallisierte sich nämlich heraus, wer auf welchem
Gebiet eingesetzt werden würde. Dass Oolisha später als Tänzerin
arbeiten sollte, um auf Empfängen eines imperialen Admirals oder Grand
Moffs Geheimnisse aufzuschnappen oder Falschinformationen zu verbreiten,
hatte von Anfang an festgestanden. Ebenso, dass Chenlyyshyyrr den ‚Greifern‘
zugeteilt würde. Die ‚Greifer‘ waren Spezialkommandos, die in Gefangenschaft
geratene Agenten befreien mussten. Es gingen allerdings auch Gerüchte
um, dass sie feindliche Agenten oder Geheimnisträger entführten.
Ich fragte mich, ob auch wir Verhördroiden einsetzten. Und inwiefern
sich unsere Methoden von denen des Imperiums unterschieden.
Piet O’Shir wurde natürlich Pilot. Andere entdeckten ihr Talent
zum Computerhacker oder Analysator.
Bald hatten sich zehn der zwölf „Neuen“ spezialisiert. Nur beim
Rodianer und bei mir wollte sich beim besten Willen nicht abzeichnen, welchen
Weg wir einschlagen würden.
Weichei! spottete eine innere Stimme die verdächtig nach Quillo
klang. Hab`s ja gewusst, du packst es einfach nicht!
Diese Entwicklung bedrückte mich. Es schien fast so, als hätte
ich auf keinem Gebiet ein besonderes Talent.
9.
Wala!
Mitten in einem theoretischen Test über die Bewaffnung und Feuerkraft
imperialer Sternkreuzer spürte ich ihre Präsenz. Wala war wieder
auf Ord Mandrell! Ich seufzte. So lange, über fünf Monate, hatte
ich sie nicht mehr gesehen. Ich spürte mein Herz klopfen, fühlte
einen Druck im Magen, bekam feuchte Hände. Alles Symptome des Dantooine-Fiebers.
Oder des Verliebtseins.
Auf den Test konnte ich mich nicht mehr konzentrieren. Was interessierten
mich in diesem Moment Turbo-Laser oder TIE-Jäger-Staffeln! Mit fliegender
Hast füllte ich den Testbogen aus. Komplizierte Berechnungen zur Energieleistung
von Deflektorschilden quittierte ich mich einem lapidaren „weiß nicht“.
Die Gruppe staunte nicht schlecht, als ich schon nach drei Vierteln
der vorgesehenen Zeit meinen Bogen abgab und – um Fassade bemüht –
lässig aus dem Übungsraum schlenderte.
Auf dem Flur nahm ich die Beine in die Hand und raste mit Lichtgeschwindigkeit
zu den Wohnquartieren.
Wala, ich komme!
Ich weiß.
Ich erreichte meine Wohneinheit, tippte mit zittrigen Fingern den Sicherheitscode
ein, sprang durch das sich öffnende Schott – und prallte zurück.
Ich traute meinen Augen nicht. Wala stand mitten im Raum. Ihr Gesicht
nahm ich nicht wahr. Ich sah nur ein langes graues Gewand, dass sich über
einem riesigen, unförmigen Bauch spannte.
„Du ... du ... du bist schwanger!“ stotterte ich.
„Fein beobachtet“, erwiderte sie spöttisch. „Bei meinem letzten
Besuch hast du ja gar nichts gemerkt.“
Ich wurde verlegen. „Ehrlich gesagt dachte ich, du hättest einfach
so zugenommen, wollte dich aber nicht darauf ansprechen.“
„Männer!“ schnaubte sie. „Für alles habt ihr einen Blick,
nur nicht für das Wesentliche.“
„Du bist schwanger!“ wiederholte ich etwas dümmlich.
Plötzlich ging mir ein Licht auf. „‘Der Zeitpunkt ist günstig‘.
Du wusstest, dass du auf der Sternenglanz schwanger werden könntest.
Du hast mich reingelegt!“
„Reingelegt?“ fragte sie gedehnt. Es klang traurig. „Ist das alles,
was dir dazu einfällt?“
„Entschuldige, Wala. Es ist einfach so ... überrumpelnd.“
Ihr Blick wurde sanfter. „Komm her. Vielleicht hilft es dir, wenn du
mich erst einmal begrüßt. Oder hast der Meisterspion der Rebellion
vergessen, wie man seine Freundin küsst?“
Später lagen wir nebeneinander auf dem Bett. Wala lag auf der Seite,
ihr gewaltiger Bauch hielt mich auf Abstand wie ein Deflektorschild. Es
waren höchstens noch ein paar Tage bis zur Geburt. Ich legte meine
Hand auf die Stelle, wo unser Baby heranwuchs. Wenn es sich bewegte, spürte
ich die Tritte durch die Bauchdecke. Ihre Tritte, dachte ich. Wala hatte
mir gesagt, dass es ein Mädchen war. Ich versuchte, die Präsenz
meiner Tochter zu spüren, ihr Bilder und Gefühle der Ruhe und
Harmonie zu vermitteln. Allerdings bezweifelte ich, dass es Erfolg hatte.
Sie trat nach wie vor von innen gegen Walas Bauch.
Nachdem wir eine Weile schweigend nebeneinander gelegen hatten, begann
Wala von ihrer Ausbildung bei Meister Yoda zu erzählen. Yoda hatte
ihr nicht nur Vieles über die ‚Macht‘ und die Philosophie der Jedi
beigebracht. Einmal hatte er auch über ihre Schwangerschaft gesprochen.
„Ich habe eines Tages gesagt, in meinem Zustand könne ich unmöglich
gegen das Imperium kämpfen“, sagte Wala. „Aber Yoda hat nur den Kopf
geschüttelt. ‚Kämpfen, das ist es, was du willst? Nicht kämpfen
du wirst. Leben nehmen willst du? Leben schenken du wirst ‘. Als ich protestieren
wollte, murmelte er: ‚Jedi ausgebildet habe ich 800 Jahre lang. Jedi das
Leben geschenkt habe ich nie‘. ‚Du meinst, mein Kind wird ein Jedi?‘ wollte
ich wissen. Und er antwortete: ‚Machtsensitiv, das ist deine Tochter. Ob
sie Jedi wird, schwer zu sagen ist das‘. Und schließlich meinte er:
‚Neue Hoffnung wächst in dir. Dein Baby, schützen musst du es.‘“
Als ich über das Gehörte nachdachte, huschte eine schemenhafte
Vision durch mein Bewusstsein. Mitten in einem Dschungel bestieg ein junger
Mann einen X-Wing. ‚Er ist unsere letzte Hoffnung‘, sagte ein grauhaariger
Mann zu einem winzigen Gnom. ‚Nein‘, widersprach der. ‚Es gibt noch eine
andere‘.
„Yo-Karah“, murmelte ich, „neue Hoffnung“.
Wala sah mich fragend an.
„Yo-Karah heißt ‚neue Hoffnung‘“, erklärte ich ihr. „Es
ist einer der wenigen trexxanischen Ausdrücke, die mir in Erinnerung
geblieben sind. Lass uns unsere Tochter Yo-Karah nennen!“
Und ich erzählte ihr von dem alten Brauch auf Trexx, mit dem wir
Kinder eine Vollendung des Umlaufs unseres Planeten um den Stern gefeiert
hatten. Wir bekamen große Münzen, die auf der einen Seite mit
„Yo“, „Hoffnung“, auf der anderen mit „Oy“, „Hoffnungslosigkeit“, beschriftet
waren. Wir legten die Münze mit der „Yo“-Seite nach oben auf den Boden
und riefen „Yo-Karah! Yo-Karah!“
„Ja“, nickte Wala. „Unsere Tochter soll ‚Yo-Karah‘ heißen“.
10.
Am nächsten Morgen wurde mir schnell klar, dass etwas Besonderes
in der Luft lag. Schon beim Aufwachen hatte ich Prinzessin Leias Nähe
gespürt. Die Prinzessin hier im Camp, das deutete auf ungewöhnliche
Ereignisse hin. Beim Frühstück in der großen Cantina kursierten
die Gerüchte. „Mon Mothma ist hier!“ „Admiral Ackbar ist gekommen!“
„Ich habe General Madine gesehen, er sah angespannt aus.“
Als ich mich mit Wala an einen Tisch setzte, verstummten abrupt alle
Gespräche. Wir wurden verstohlen angestarrt, bewundernd, neidisch,
auch feindselig. Wala starrte offen zurück, setzte dann ihr strahlendstes
Lächeln auf und begann zu essen, als wären hochschwangere Frauen
im Ausbildungscamp eine Selbstverständlichkeit. Ich selbst platzte
vor Neugier. Ich hätte zu gern gewusst, was hier eigentlich vorging,
konnte mir aber einfach keinen Reim darauf machen. Deshalb beschloss ich,
der Sache sehr diskret auf den Grund zu gehen.
Als ich später am Vormittag zu Captain Park gerufen wurde, war
ich nervös und völlig verwirrt. Ich konnte schlechterdings nicht
glauben, was ich in Erfahrung gebracht hatte.
Park kam ohne Umschweife auf den Punkt. „Wir planen eine Operation.
Sie ist von äußerster Wichtigkeit für unsere Sache. Eingestuft
als SO1“.
SO1 war eine Geheimoperation der höchsten Prioritätsstufe.
Also stimmte es doch.
Wenn Park erstaunt war, dass ich kaum eine Reaktion zeigte, ließ
er es sich nicht anmerken. „Vielleicht fragen Sie sich, dass ich Ihnen
das jetzt erzähle. Nun, Sie sollen die Operation durchführen,
Gildorian.“
„Aber eine SO1 wird nur von Top-Agenten durchgeführt, Sir. Ich
kann nicht glauben, dass ausgerechnet ich ...“. Ich konnte es wirklich
nicht. Aber es war genau das gewesen, was ich zuvor schon in Erfahrung
gebracht hatte.
„An dieser Sache sind bereits fünf Teams gescheitert“, erklärte
Park. „Alles erfahrene Leute. Unsere Besten. Wir vermuten, dass sie von
der imperialen Gegenspionage identifiziert worden sind. Deshalb setzen
wir nun jemanden ein, der dem Imperium völlig unbekannt ist. Nämlich
Sie.“
„Aber Sir, ich habe mich noch nicht einmal spezialisiert. In jeder
Disziplin finden sie einen, der besser ist als ich!“
„Das schon“, stimmte Park zu. „Aber hierfür brauchen wir keinen
Spezialisten. Sie sind das, was wir inoffiziell als ‚Allround-Dilettanten‘
bezeichnen. Sie sind nirgendwo überragend, schneiden aber überall
gut ab.“
Allround-Dilletant. Klang längst nicht so gut wie „Universal-Genie“.
Aber viel besser als „Weichei“.
„Ein besonderes Talent haben Sie aber doch“, fuhr Park fort. „Sie sind
in den brenzligsten Situationen erstaunlich ruhig und beherrscht. Und sehr
flexibel. Schauen Sie mal.“
Bei diesen Worten zeigte er mir ein Analyse-Diagramm aus dem Flugsimulator.
„Sehen Sie hier? Dort kreuzen die TIE-Jäger auf. Hier verlieren
Sie Ihr Deflektorschild. Und da kollidieren Sie mit dem Asteroiden. Und
schließlich das Versagen der Notsteuerung. Jedes mal schnellen die
Werte für Pulsschlag, Atemfrequenz und Adrenalin-Ausstoß steil
in die Höhe. Und plötzlich: alle Werte fast wieder normal, lediglich
leicht erhöht. Bei allen Mynocks, wie machen Sie das?“
Ich sah ihm treuherzig ins Gesicht. „Ich benutze Entspannungstechniken,
Sir.“
Er starrte mich mit offenem Mund an. „Entspannungstechniken?
Wir schießen Ihnen den Jäger unterm Arsch weg und Sie entspannen
sich?“
„Da ist noch etwas“, sagte er nach einer kleinen Pause. „Ihre Test
waren alle gut. Nur bei einem einzigen haben sie versagt. Und zwar gestern.
Das Merkwürdige ist, dieser Test fiel mit der Ankunft von Lady Mal’Wan
zusammen, ihrer Freundin. Sie konnten aber doch unmöglich wissen,
dass sie im Camp eingetroffen war. Sie ist eine Jedi. Haben Sie etwa auch
diese Jedi-Fähigkeiten?“
„Sir, ich kann Ihnen versichern, dass ich kein Jedi bin. Aber wissen
Sie, für die Bewaffnung von Sternzerstörern habe ich mich noch
nie auch nur ansatzweise interessiert.“
„Für diese respektlose Bemerkung würde ich Ihnen am liebsten
eine Disziplinarstrafe aufbrummen, Gildorian“, zischte Park gefährlich
leise. „Ihr Glück, dass wir Sie jetzt brauchen.“
Ich strahlte ihn so herzlich an wie die Morgensonne eine Blumenwiese
auf Alderaan.
11.
Sie waren tatsächlich alle da. Eine schmale, leicht verhärmt
wirkende Frau, die mir als Mon Mothma vorgestellt wurde. Admiral Ackbar,
ein Mon Calamar mit riesigem braunen Schädel und großen runden
Augen. General Madine, der recht nervös wirkte. Und Prinzessin Leia,
die mich mit aufrichtiger Freundlichkeit anlächelte.
„Ich freue mich, dich wiederzusehen, Obi-Nor“, sagte sie und gab mir
die Hand.
„Die Freude ist auf meiner Seite, Hoheit.“ Die Höflichkeitsformeln
hatte ich nicht verlernt. Umso erstaunter vernahm ich ihre Antwort.
„Nenne mich Leia, nicht Hoheit. Du bist nicht mehr mein Page. Wir sind
Verbündete im Kampf gegen das Imperium. Und mehr noch: Wir sind Freunde.“
Mon Mothma räusperte sich.
„Sie sind also Obi-Nor Gildorian“, stellte sie fest. „‘Gildorian, Sohn
des Gildor‘. Das ist eine trexxanische Namensbildung, nicht wahr?“
Ich nickte. „Ja, Ma’am, mein Vater war Trexxaner.“
„Aber ‚Obi-Nor‘ klingt sonderbar“, fuhr sie fort, ohne auf meine Antwort
einzugehen. Sie schaute die Prinzessin an und nickte. „Also gibt es eine
Verbindung zu Obi-Wan Kenobi. Aber das spielt jetzt keine Rolle. Captain
Park hat Sie darüber informiert, dass Sie für eine Operation
vorgesehen sind. Für eine Operation, die schon in mehreren Anläufen
gescheitert ist. Nun sollen Sie es versuchen. Weil Sie angeblich der Beste
sind.“
Die letzten Worte, mit unüberhörbarer Skepsis in der Stimme
vorgetragen, wurden von einem Seitenblick auf Madine begleitet. Dieser
reagierte auch sofort.
„Ich verlasse mich ganz auf das Urteil von Captain Park, Mon Mothma“,
beeilte er sich zu sagen. Aber auch in seiner Stimme schwang ein leiser
Zweifel mit.
„Der Beste unter den Achtzehnjährigen“, warf Mon Mothma ein.
„Wollen Sie den Besten oder den Ältesten?“ erwiderte Madine scharf.
„Der General hat Recht.“ Zum ersten Mal hatte Admiral Ackbar das Wort
ergriffen. „Mon Calamari gelten als erwachsen, wenn sie einen Olossa-Fisch
gefangen haben. Egal ob sie 20 oder 200 Jahre alt sind.“
„Nun gut“, meinte Mon Mothma kühl. „Wir werden sehen“. An mich
gewandt fuhr sie fort: „Natürlich werden wie Sie einer kleinen Prüfung
unterziehen, um uns selbst von Ihren Fähigkeiten zu überzeugen.
Drüben im Computerraum habe ich einen goldenen Fingerring deponiert.
Holen Sie ihn heraus, ohne dass Alarm ausgelöst wird.“ Sie machte
eine bedeutungsvolle Pause, aber mir war natürlich klar, was jetzt
kam. „Selbstverständlich sind ein Dutzend Wachen vor und im Raum postiert.
Sie haben 30 Minuten Zeit. Bringen Sie mir den Ring!“
„Meinen Sie diesen Ring, Ma’am?“ Bei diesen Worten zog ich einen goldenen
Ring aus meiner Tasche. „Das ist doch Ihrer, oder nicht?“
Man hätte den Flügelschlag einer Paramücke hören
können, so still war es mit einem Male im Raum. Leias Gesicht verwandelte
sich in ein Fragezeichen. Madines Mund öffnete und schloss mehrmals.
Admiral Ackbar wirkte erstarrt. Mon Mothma sah mich mit zu Schlitzen verengten
Augen an.
„Woher haben Sie den?“ fragte sie schließlich leise.
„Ich habe heute morgen Gerüchte über Ihre Anwesenheit gehört.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, habe ich Sie belauscht. Ich wusste
daher, dass der Ring im Computerraum versteckt war. Als mich Captain Park
zu sich rief, habe ich ihn dort gefunden und eingesteckt.“
Leia blickte verlegen zu Boden. Admiral Ackbar schüttelte den
Kopf und rollte mit seinen riesigen Augen. Plötzlich fing General
Madine an, lauthals zu lachen. Mon Mothma blitze ihn wütend an. „Ist
es das, was Ihre Leute hier lernen? Miese Tricks?“
Madine wurde ernst. „Ja, Mon Mothma, genau darum geht es hier. Er sollte
den Ring bringen. Er hat den Ring gebracht. Die Art und Weise war nicht
vorgegeben!“
Er drehte sich mir zu. „Prüfung bestanden, Gildorian. Gratuliere.“
Mon Mothma und Admiral Ackbar erhoben sich.
„Auf Ihre Verantwortung, Madine!“ sagte Mon Mothma unwirsch und ging
ohne Gruß hinaus.
Der Admiral sah mich durchdringend an. „Ich billige Ihre Methoden nicht“,
sagte er. „Aber ich wünsche Ihnen trotzdem, dass Sie Erfolg haben.“
Als auch er gegangen war, schaute Madine mich prüfend an. „Belauscht
haben Sie uns? Das war doch nur die halbe Wahrheit, nicht wahr?“
„Ja, Sir, das stimmt.“ Ich wollte ihn nicht auch belügen. „Ich
habe es bislang immer verschwiegen, aber ich verfüge über telepathische
Fähigkeiten.“
Er nickte. „Hab ich mir gedacht. Nun, Sie werden Sie brauchen, wenn
Sie morgen losfliegen.“
Mir war, als hätte er einen Eiszapfen durch mein Herz gebohrt.
„Morgen, Sir? Morgen soll es losgehen?“
Er runzelte die Stirn. „Was spricht dagegen? Oh, Ihre Freundin erwartet
ein Baby. Tut mir Leid, bei der Geburt werden Sie nicht dabei sein können.“
Leia legte ihre Hand auf meine Schulter. „Wir leben in einer schrecklichen
Zeit, Obi-Nor. Aber du musst gehen, damit wir Aussicht auf eine bessere
Zukunft haben. Ich werde mich um Wala kümmern. Das verspreche ich
dir.“
„Danke Prinzessin. Ich meine Leia.“ Ich war froh, dass wenigstens Leia
Mitgefühl zeigte.
Madine war gegen solche Regungen offenbar völlig gefeit. „Sie
wissen noch gar nicht, worum es geht, Gildorian“, sagte er. „Das Imperium
arbeitet seit einiger Zeit an einer Wunderwaffe. Einer Waffe, die angeblich
in der Lage ist, einen ganzen Planeten zu zerstören. Es ist eine gewaltige
Kampfstation von unvorstellbarer Feuerkraft. Sie sollen die Konstruktionspläne
und technischen Daten beschaffen. Wir hoffen, eine Schwachstelle zu finden,
um die Station zu zerstören, bevor sie einsatzbereit ist.“
Eine Kampfstation, die einen ganzen Planeten zerstören konnte!
Konnte es so etwas geben? Doch dann überfiel mich eine schlagartige
Erkenntnis. „Ich weiß!“ rief ich aus. „Die Kampfstation sieht aus
wie eine Kugel, wie ein künstlicher Satellit!“
Madine wurde blass.
„Oh nein, Sir“, wiegelte ich ab, als ich seinen Gedanken erahnte. „Es
gibt hier keine undichte Stelle. Aber ich habe von der Kampfstation geträumt.
Es war, als Lady Mal’Wan nach Alderaan kam, um mich hierher zu bringen.“
Madine entspannte sich. „Mir scheint, wir haben den Richtigen für
die Operation gefunden. Sie haben Recht, es ist ein künstlicher Satellit.
Das Imperium nennt ihn den ‚Todesstern‘“.
12.
Der Abschied von Wala war furchtbar. Nachdem General Madine und Leia
mich bis zum späten Abend über die Details der Operation informiert
hatten, kehrte ich erschöpft und niedergeschlagen in meine Wohneinheit
zurück. Wala empfing mich mit steinerner Miene. „Ich habe es schon
gehört, wir müssen beide jetzt sehr tapfer sein.“
Mehr sagte sie an dem Abend nicht mehr. Die halbe Nacht lagen wir schweigend
nebeneinander im Bett, die Hände ineinandergelegt. Ich wünschte
mir, wir beide könnten in dieser Haltung zu Stein erstarren. Dann
würden wir nie voneinander getrennt werden. In meinem Innern war ich
schon zu Stein geworden.
Wala half mir beim Packen der wenigen Kleidungsstücke und Gegenstände,
die ich mitnehmen durfte. Eine trostlose Prozedur. Das lähmende Schweigen
zwischen uns war unerträglich. Schließlich hielt ich es nicht
mehr aus.
„Ich sage ab“, krächzte ich heiser. „Ich gehe zu Madine. Er muss
einen anderen schicken“.
Wala sah mich an. Ihre traurigen, müden Augen waren von dunklen
Rändern umgeben. „Nein, du musst gehen. Das weißt du doch.“
Eine Träne lief ihre Wange hinab. „Leb wohl, mein Liebster.“
„Das darfst du nicht sagen!“ rief ich. Mir stieg es heiß in die
Augen. „Wir werden uns wiedersehen. Ich ...“
Ich hielt inne. Nein, sie hatte Recht. Wir würden uns nie wiedersehen.
Es war ein Abschied für immer. Das fühlte ich ebenso wie sie.
„Wala ...“ begann ich. Meine Stimme erstarb. Vor lauter Tränen
konnte sie nicht mehr deutlich sehen.
Wala fiel mir in die Arme. „Ich liebe dich“, schluchzte sie. „Ich werde
dich immer lieben.“
Wir umarmten uns und ließen unseren Tränen freien Lauf.
Schließlich fand ich meine Stimme weder. „Pass auf Yo-Karah auf“,
flüsterte ich.
Sie gab mir einen langen, innigen Kuss. Er schmeckte nach Tränen.
Schließlich löste sie sich aus meiner Umarmung. „Yo-Karah
wird nichts passieren. Das verspreche ich dir. Möge die Macht mit
dir sein.“
Ich schaute sie ein letztes Mal an. „Möge die Macht mit euch sein“,
erwiderte ich. Dann wandte ich mich um und stolperte hinaus.
Die Besatzung des Raumschiffs hielt sich von mir fern. Wahrscheinlich
verwirrte ich sie. Wie immer sie sich einen Top-Agenten vorgestellt hatten,
einen 18-jährigen mit verweinten Augen hatten sie wohl nicht erwartet.
Mir war es ganz Recht so. Ich wollte meine Ruhe haben.
Fast den gesamten Flug über brütete ich dumpf vor mich hin.
Mir war, als hätte man mir ein Stück aus meinem Körper herausgerissen.
Ich spürte einen drückenden Schmerz im Magen, im Herzen, in den
Gliedern.
Ich dachte an die trexxanische Münze. Yo und Oy. „Oy“ war nicht
nur das Wort für Hoffnungslosigkeit. Es war auch ein Klageruf. „Oy“,
murmelte ich. Und immer wieder: „Oy“.
Erst als wir den Hyperraum bereits verlassen hatten, konnte ich an die
bevorstehende Aufgabe denken. Ich sollte also die Konstruktionspläne
und technischen Daten des Todessterns stehlen. Dazu wurde ich unter dem
Decknamen Luke Jaelson in die Verwaltung des zum imperialen Senat gehörigen
Medizentrums auf Coruscant eingeschleust. Nachdem so viele andere Operationen
an entfernten Orten der Galaxis gescheitert waren – alleine drei bei der
orbitalen Raumwerft von Carvoth -, sollte nun ein Versuch direkt im Herzen
des Imperiums gemacht werden. General Madine war der Meinung, die imperiale
Spionageabwehr würde nicht damit rechnen, „dass ein Rebellenjüngling
es sich ausgerechnet an Palpatines Wohnzimmertisch bequem macht“, wie er
sich ausdrückte. Das Medizentrum des Senats verfügte über
eine Datatransfer-Verbindung zu allen Bibliotheken des Imperiums, über
die ich wiederum auf den Server eines der am Bau der Kampfstation beteiligten
Industieunternehmen zugreifen würde. Linus McThor, unser Computerhacker,
hatte das alles als kinderleicht dargestellt. Ich war mir da nicht so sicher.
Und selbst wenn es mir gelang, stellte sich noch das Problem, wie ich die
Daten durch die Sicherheitsschleusen bringen und an die ‚Kuriereinheit‘
weitergeben sollte. Bei der Übergabe sollte mir Francis Masinga helfen,
mein Führungsoffizier in Imperial City. Er würde auch das genaue
Timing der Operation übernehmen.
Wenn ich es recht bedachte, gab es eine Menge Details, die noch nicht
feststanden. Mit Ausnahme meiner ‚Legende‘, der Person Luke Jaelson, deren
Biographie ich mittlerweile im Schlaf hätte aufsagen können,
roch mir die ganze Sache zu sehr nach Improvisation. Aber wie ich Madine
einschätzte, sah er genau darin die Chance, durch die Maschen des
imperialen Agentennetzes zu schlüpfen.
13.
Coruscant.
Ich hätte nie gedacht, das es so etwas wirklich gab: eine Stadt,
die einen ganzen Planeten bedeckte. Gewaltige Wohntürme, oft über
eine Standardmeile hoch, reihten sich aneinander, soweit das Auge blicken
konnte. In unzähligen übereinander liegenden Ebenen verbanden
Straßenzüge die einzelnen Stadtgebiete. Über der Stadt
pulsierte der Luftverkehr in einer endlosen Folge von Repulsorfahrzeugen
wie in Schlagadern des menschlichen Körpers oder wie auf den Ameisenstraßen
der Zulah-Steppe auf Alderaan. Auf belebten Plätzen, in Shopping-Malls
und Service-Centern wimmelte es von Lebewesen und Droiden. Hier waren Species
vertreten, von denen ich nie gehört hatte, wenngleich Menschen oder
zumindest Humanoide in der Überzahl waren. Bei jedem Delicatessengeschäft
oder Restaurant war in Basic angegeben, welche Species bedient wurden,
was mich irgendwie beruhigte. Denn ein Fleischgeschäft für Menschen
glich einem Fleischgeschäft für Zorrh-Echsen in keinster Weise,
wie ich am ersten Tag erschreckt feststellen musste.
Ich bezog ein kleines Appartment in der 27. Etage eines schäbigen
Wohnturms. Dass ich so weit unten wohnte, ließ auf wenig begüterte
Verhältnisse schließen. So verlangte es meine Tarnung. Eine
Wohnküche, ein Ruheraum, ein Erfrischer, das war alles. Mehr Komfort
brauchte ich aber auch nicht. Was ich vermisste, war nicht Wohnfläche,
sondern menschliche Gesellschaft. Ich fühlte mich schrecklich verloren
in dieser gigantischen Durastahlwüste. Krampfhaft bemühte ich
mich, nicht an Wala zu denken.
Die Arbeit im Medizentrum war nicht anstrengend. Ich war einem älteren
Mann namens Crull zugeordnet, der die Datenübertragung von Medi-Anlalysen
überwachte. Es war jeden Tag der gleiche Trott. Morgens kam ein Kurierdroide
und brachte eine Anzahl von Datapads, die ich bearbeiten musste. Crull
erledigte inzwischen die über Kommlink eingegangenen Aufträge.
Abends holte der Kurierdroide die bearbeiteten Datapads wieder ab.
„Du brauchst keine Ahnung von Heilkunde zu haben, Jaelson“, meinte
Crull. „Es reicht, wenn du die Verwaltungsvorschriften beachtest.“
Ich fragte mich, ob ein Droide diese stupide Tätigkeit nicht schneller
und effizienter hätte erledigen können. Und warum für Datenübertragungen
überhaupt noch Kurierdroiden eingesetzt wurden, war mir rätselhaft.
Es schien so, als ob die berüchtigte „dritte Verwaltungsreform“ des
Imperiums am Medizentrum spurlos vorüber gegangen sei.
Ein bis zwei Mal pro Tag kam es vor, dass sich ein Arzt per Holo meldete
und uns einen Eilauftrag aufgrund eines Notfalls gab. Sonst ereignete sich
nichts Aufregendes. Es kam auch kaum jemand in unser Büro, wenn man
einmal vom alten M’Platt absah. M’Platt, so hatte mir Crull gleich am ersten
Tag erklärt, war nicht ganz richtig im Kopf. Was er eigentlich tat,
wusste niemand so genau. Er schurfte nur von Büro zu Büro, nervte
mit alten Witzen und den immer gleichen Anekdoten, sah neugierig auf alle
Displays und trottete dann irgendwann weiter. Der perfekte Spion, dachte
ich. Kommt überall rein und fällt nirgends auf. Aber M’Platt
war nur ein armer Irrer, der abscheulich nach Rauschgetränken stank.
Die Wochen vergingen. Mit der Zeit gewöhnte ich mich an den eintönigen
Rhythmus von stupider Arbeit und isolierter Freizeit. Ich erledigte die
vertraut gewordenen Verwaltungsvorgänge und schaute in meiner Wohneinheit
das längst bekannte imperiale Propaganda-Net an. Schließlich
vermisste ich nicht einmal mehr die aufregenden Unterhaltungsholos im planetaren
Netzwerk von Alderaan.
Nach und nach konnte ich einschätzen, auf welchem Wege ich an
die Daten des Todessterns herankommen könnte und welche Möglichkeiten
ausgeschlossen waren. So musste ich die Idee verwerfen, abends einen unbenutzten
Terminal in einem leer stehenden Büro zu benutzen. Abgesehen davon,
dass es so gut wie keine verlassenen Büros gab – meist wurde in mehreren
Schichten Tag und Nacht gearbeitet -, waren Terminals, die wegen Nichtgebrauch
abgeschaltet wurden, zu gut gegen unbefugten Zugriff gesichert. Auch eine
gefälschte externe Anfrage bezüglich der Medi-Versorgung auf
Kampfstationen schied aus. Alle militärischen Daten, mit denen das
Medizentrum befasst war, liefen über ein anderes Büro. Wie hätte
die Anfrage auch lauten sollen? „Entschuldigen Sie, wir planen die Einrichtung
einer Medistation auf dem Todesstern. Übermitteln Sie uns mal eben
alle technischen Geheimdaten ...“ Nein, das war absurd.
Schließlich blieb nur noch die simpelste Möglichkeit. Ich
musste ganz offen während meiner Arbeit einen Zugriff auf eine der
imperialen Bibliotheken vornehmen und von dort aus weiter zu den Daten
des Todessterns gelangen. Ganz einfach. Madine hatte diese Variante von
vornherein als die Wahrscheinlichste angesehen. Das Dumme war nur, dass
Crull auf seinem Display alle Datendownloads mitlesen konnte. Und dass
ich als Neuling gar keine Erlaubnis zu einem Download hatte. Dennoch war
das der einzige Weg. Sobald mir das klar wurde, konnte ich nichts tun,
als auf den Einsatzbefehl von Francis Masinga zu warten. Doch als Masinga
schließlich Kontakt mit mir aufnahmgerieten alle meine Planungen
ins Wanken.
14.
Ich verließ den Turbolift in der 27. Etage und ging über
den Flur zu meiner Wohnungstür. Bevor ich den Sicherheitscode eintippte,
kontrollierte ich den Wollfaden am unteren Ende der Hub-Tür. Die Stelle,
an der ich ihn angeklebt hatte, war abgerissen. Eine uralte Kontrollmethode,
aber sie verriet mir, dass jemand in meiner Abwesenheit in meine Wohnung
eingedrungen war.
„Wäre ich ein imperialer Agent, hätte ich Sie schon umgepustet“,
ertönte plötzlich eine Stimme hinter mir.
Ich ließ mich zu Boden fallen, wirbelte herum und riss gleichzeitig
die Vibroklinge aus meinem Stiefel.
Vor mir stand ein breitschultriger, etwa 30-jähriger Mann und
nickte anerkennend. „Bravo, Jaelson, gute Reflexe. Aber sonst waren Sie
miserabel! Bevor Sie mich aufschlitzen: Ich soll Ihnen Grüße
von Aqualando ausrichten. Die Fische sind leider ausverkauft.“
Ich atmete durch. Das war das Erkennungszeichen. Der Mann war Francis
Masinga. Er wirkte nicht besonders zufrieden.
„Was bringt Park seinen Leuten eigentlich bei? Merken Sie sich: Wenn
der Gegner in der Wohnung ist, lauert er auch draußen. Und dass ein
junger Typ wie Sie den uralten Wollfaden-Trick verwendet ...“ Er schüttelte
den Kopf. „Aber wir sollten besser reingehen.“
Ich öffnete die Tür, und wir betraten die Wohnung. Dort spürte
ich wie eine Schockwelle eine Präsenz ...
Wala?
Nein, es war nicht Wala, es war wie das schwache Echo ihrer Anwesenheit.
Masinga ließ mir keine Zeit, mich darauf zu konzentrieren. „Sie
fragen sich sicher, warum ich persönlich hier aufkreuze?“
Nein, daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Aber es stimmte: In diesem
Stadium der Operation hätte er nur über verschlüsselte Kommlink-Botschaften
Kontakt mit mir aufnehmen dürfen.
„Nun, ich kann es Ihnen sagen“, fuhr er fort. „Es gibt eine radikale
Änderung der Operationsplanung. Das Camp auf Ord Mandrell ist aufgeflogen.
Es wurde bereits evakuiert und nach Yavin 4 verlegt. Und wissen Sie, wer
uns das eingebrockt hat? Ihre Jedi-Freundin!“ Er war jetzt wütend.
„Macht aus einem Agentencamp eine Säuglingspflege-Station! Vaders
Leute konnten das Babygeschrei bis in die Kernwelten hören! Und wissen
Sie, was die feine Dame dann macht? Sie fliegt inmitten der Evakuierung
mit Captain Parks persönlicher Raumfähre hierher nach Coruscant,
drückt Prinzessin Leia das Blag in die Hand und verduftet!“ Er blitzte
mich an. „Ich weiß nicht, wer Sie sind und woher Sie kommen, aber
eines kann ich Ihnen sagen: Die Operation ist abgeblasen. Sie können
nun Kinder auf den Knien wiegen oder das Nachtleben von Imperial City genießen.
Ist mir egal. Sie sind raus!“
Dann wurde er ein wenig ruhiger. „Noch was. Ich habe Ihnen Besuch mitgebracht.
Wartet im Ruheraum. Ich weiß selbst nicht, warum ich das riskiert
habe, aber egal. Passen Sie auf sich auf!“
Mit diesen Worten stapfte er hinaus.
In meinem Kopf wirbelten die Gedanken durcheinander. Ich war draußen.
Operation abgeblasen. Ord Mandrell evakuiert. Wala geflohen. Wala! Wo mochte
sie sein? Und warum hatte sie das Baby abgegeben? Sie wollte doch besonders
auf unsere Tochter aufpassen. Unsere Tochter! Also war bei der Geburt alles
gut verlaufen? Die Präsenz, der Besuch ...
Ich riss die Tür zum Ruheraum auf. Mitten auf meinem Bett saß
Winter, Leias persönliche Hofdame, und hielt ein Baby in ihren Armen.
„Sei leise, Obi-Nor“, ermahnte sie mich. „Sonst weckst du deine Tochter
auf.“
Ich war sprachlos. Meine Tochter!
„Ich habe dir hier Babynahrung, Windeln, Säuglingspflegemittel
und ein Datapad mit hilfreichen Informationen mitgebracht. Du wirst schon
zurecht kommen. Es wäre besser, wenn du aus deiner Trance aufwachst
und mir zuhörst, denn was ich dir von Prinzessin Leia mitzuteilen
habe, ist wichtig.“
Immer noch verwirrt schaute ich sie an.
„Die Operation ist von General Madine abgebrochen“, sagte sie. „Aber
Prinzessin Leia will sie mit dir zusammen dennoch durchführen. Morgen
um 16.45 Standardzeit greift eine unserer Flotten die Orbitalwerft von
Carvoth an Die Zerstörung der Produktionsstätten könnte
uns im Kampf gegen das Imperium langfristig einen Vorteil verschaffen.
Für dich bietet der Angriff jedoch die Chance, die Aufmerksamkeit
des Imperiums von den Datendownloads abzulenken. Für einige Minuten
wird sich der interstellare Datenverkehr des Geheimdienstes mit dem Angriff
beschäftigen. Du wirst also morgen um 16.45 die verlangten Pläne
beschaffen. Um 17.00 hast du die Sicherheitsschleuse zum Shuttledock des
Senats passiert, wo du ein Datapad mit den Informationen dem Astromechdroiden
ihrer Hoheit übergibst. Das Erkennungswort ist der Name des hässlichsten
Wesens auf Alderaan.“
Ich sah ihr an, dass sie nicht wusste, wer gemeint war. Mir war sofort
klar, auf wen Leia angespielt hatte.
„Der Astromechdroide wird von einem Protokolldroiden begleitet. Sie
warten bis spätestens 17.10. Prinzessin Leia verlässt um 17.15
Coruscant Richtung Alderaan, mit oder ohne Datapad. Dein Shuttle fliegt
17.20 nach Eastport, wo du eine Passagierfähre nach Dantooine erreichst,
von wo du wiederum nach Yavin 4 gelangst. Du hast nur ein winziges Zeitfenster,
Obi-Nor.“
Ich bemühte mich, diese neuen Informationen zu verarbeiten. „Und
das Baby? Was soll ich mit dem Baby anfangen, Winter?“
Sie seufzte. „Was wir hier tun, ist gegen alle Vernunft. Vernünftig
wäre, entweder das Baby in Sicherheit zu bringen oder die Operation
durchzuführen. Aber die Prinzessin will beides. Sie hat Lady Mal‘Wan
versprochen, dir das Kind zu bringen. Und sie hat sich in den Kopf gesetzt,
die Operation durchzuführen.“
Winter sah mich durchdringend an. „Prinzessin Leia muss großes
Vertrauen in dich haben, Obi-Nor, dass sie diesen Weg wählt. Sehr
großes Vertrauen. Und jetzt nimm deine Tochter. Ich kann nicht länger
hierbleiben.“
Sie reichte mir das schlafende Baby. Ich traute mich kaum, es in den
Arm zu nehmen. Es wirkte so zerbrechlich.
„Ich weiß doch gar nicht, wie man mit so einem Säugling
umgeht, Winter!“
„Lerne es, Obi-Nor!“
15.
Nachdem Winter gegangen war, betrachtete ich das Baby auf meinem Arm.
Nein, es war nicht ‚das Baby‘. Es war meine Tochter. Ich wagte mich nicht
zu rühren. Yo-Karah war so klein, so leicht. Meine Tochter! Ich fühlte,
wie ich stolz wurde. Ich habe eine Tochter, dachte ich. Wow! Und was für
eine Tochter ich hatte. Yo-Karah sah niedlich aus, wie sie in meinem Arm
schlief. Acht Wochen alt mochte sie sein. Ein hübsches Baby.
Ach ja? meldete sich mein innerer Quillo. Seit wann findest du Babys
hübsch? Ich dachte, du findest die hässlich und blöd?
Ich schaute noch einmal hin. Nun ja, vielleicht war Yo-Karah doch nicht
so hübsch. Ihr kugelrunder Kopf war für ihre Körperlänge
viel zu groß. Auf dem kahlen Schädel schimmerte nur ein dünner
rötlich-brauner Flaum. Ihre Wangen waren dick wie die einer trexxanischen
Beutelratte. Nein, hübsch war sie nicht. Ob sich das später noch
ändern würde? Ich hoffte, dass sie einmal Wala ähneln würde
und nicht etwa mir.
Ich dachte an Wala. Ob sie ihren Verfolgern entkommen war? Sie musste
in großer Not gewesen sein, wenn sie sich von Yo-Karah getrennt hatte.
Ob ich es spürte, wenn ihr etwas zustieß? Eine „Erschütterung
der ‚Macht‘“ hatte Wala ein solches Gefühl einmal genannt. Ja, ich
würde es spüren. Und tief in meinem Innern wusste ich, dass Wala
noch lebte.
Ich schaute Yo-Karah an. Sie regte sich, gähnte, öffnete
die Augen und stierte mich an. Dann schlug sie mehrmals tapsig mit den
Armen durch die Luft und verzog das Gesicht. Vielleicht fand sie mich auch
nicht gerade attraktiv.
„Yo-Karah“, sagte ich leise. „Du wirst doch nicht weinen?“
Nein, sie weinte nicht.
Sie brüllte.
Ich wurde nervös. Was sollte ich nur machen? Beruhigend redete
ich auf sie ein und wiegte sie ein wenig hin und her.
Das Brüllen wurde lauter.
Ich nahm sie hoch, legte ihr Köpfchen auf meine Schulter und klopfte
ihr vorsichtig auf den Rücken. Das hatte ich bei den Ammen am alderaanischen
Königshof gesehen. Damit erreichte ich aber bloß, dass sie mir
direkt ins Ohr schrie.
Ob sie Hunger hatte?
Ich öffnete das Paket, das Winter mir dagelassen hatte. Es enthielt
unter anderem ein Pulver, dass man mit Wasser zu einer Fertignahrung zusammenrühren
konnte. Dazu eine kleine Flasche und eine Art Einfüllstutzen aus Gummi.
Die schreiende Yo-Karah auf dem Arm balancierend rührte ich eine
Mahlzeit zusammen. Dann setzte ich mich auf einen Stuhl, legte Yo-Karah
quer auf meinen Schoß und schob ihr den Einfüllstutzen in den
Mund.
Yo-Karah sog daran und zog sofort ihren Kopf angewidert wieder zurück.
Ihr Brüllen war nun doppelt so laut. Wie konnte so ein winziges Wesen
nur eine derart kräftige Stimme haben?
Mir brach der Schweiß aus. Was hatte ich nur falsch gemacht?
Hastig zog ich das im Paket liegende Datapad zu Rate. Ich erfuhr, dass
der Einfüllstutzen „Sauger“ hieß. Und dann stand da noch etwas
vom „Erwärmen der Flasche“.
Ich sprang rasch zum Erhitzer. Mit zitternden Fingern stellte ich die
Flasche hinein. Wie warm musste es wohl sein? Ich entschied mich für
Körpertemperatur; das konnte nicht ganz falsch sein.
Yo-Karah hatte mittlerweile vollends die Nerven verloren. Ihr Brüllen
kam in abgehackten, kurzatmigen rhythmischen Stößen. Es klang
wie der Evakuierungsalarm eines Mon Calamari Stermkreuzers.
Dann endlich konnte ich die Flasche aus dem Erhitzer ziehen und Yo-Karah
zu trinken geben.
Mit beiden Händen die Flasche umklammernd trank sie gierig Schluck
um Schluck, bis nur noch ein paar Tropfen übrig waren.
Einen kräftigen Schluck hätte ich jetzt auch gebrauchen können.
Nach dem ich ihr den Rücken geklopft und sie mir mein Hemd vollgespuckt
hatte, setzte ich mich erschöpft in einen bequemeren Sessel.
Aber noch sollte ich nicht zur Ruhe kommen. Ein durchdringender Gestank
breitete sich im Zimmer aus. Und Yo-Karahs Windel war das Epizentrum.
„Also, das auch noch“, murmelte ich resigniert und trug Yo-Karah in
den Erfrischer. Als ich die Windel öffnete, war ich froh, dass ich
Dank meiner mentalen Entspannungsübungen auch in der Lage war, aufkommenden
Brechreiz zu unterdrücken.
Später lagen wir zusammen auf meinem Bett. Ich grübelte darüber
nach, wie ich die Operation morgen durchführen sollte. Ich konnte
Yo-Karah doch nicht einfach so mitnehmen ins Büro. Was würde
Crull wohl sagen? Und wenn sie nun pausenlos brüllte? Aber nein, das
war unwahrscheinlich. Im Anschluss an die stressige Erledigung der Grundbedürfnisse
hatte sich Yo-Karah als erstaunlich fröhliches Kind entpuppt. Sie
zog an meinen Haaren und meinem Amulett, strahlte über das ganze Gesicht
und gluckste vergnügt, wenn ich sie kitzelte. Jetzt lag sie an mich
gekuschelt und lutschte mit sichtlicher Begeisterung an einem Datapad.
Ich musste meine Meinung über sie revidieren. Sie war doch hübsch.
„Meine Tochter!“ flüsterte ich stolz.
Und plötzlich wusste ich, was ich am nächsten Tag zu tun
hatte. Es war völlig verrückt. Geradezu absurd. Und genau deshalb
konnte es klappen. Jedenfalls konnte ich mir nicht vorstellen, dass die
imperiale Spionageabwehr damit rechnete.
Zufrieden schloss ich die Augen. Jetzt merkte ich erst, wie müde
ich war.
„Schlaf besser auch, Yo-Karah“, flüsterte ich. „Morgen steht uns
ein anstrengender Tag bevor.“
Mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen galt der Frage, wie oft ein
zwei Monate altes Baby in der Nacht wohl gefüttert werden musste.
16.
„Wie siehst du denn aus? Hast du die Nacht in einer Cantina durchgezecht?“
Crull starrte mich an. Dann musterte er die schlafende Yo-Karah, die im
Tragetuch vor meinem Bauch lag. „Und wer ist das Baby? Warum schleppst
du hier ein Kind rein?“
„Das ist das Farlana, das Kind meiner Schwester Hana. Mein Schwager
ist Hilfskraft auf einem Frachter und zur Zeit unterwegs. Hana ist krank,
und sie hat kein Geld, sich einen Säuglingspflege-Droiden zu mieten.
Hanas Mutter kommt erst morgen früh von Corvis Alta. Seit gestern
Abend kümmere ich mich um sie. Und da dachte ich ... nur heute ...“.
Ich ließ den Satz unbeendet im Raum hängen, denn ich spürte,
wie Crulls Widerstand schmolz. Er betrachtete Yo-Karah mit unverhohlenem
Interesse.
„Also gut“, meinte er schließlich. „Nur heute. Leg sie da hinten
auf den Tisch. Mensch, wenn sie uns von der Arbeit abhält, kriegen
wir Ärger.“
„Danke, Crull. Das finde ich schwer in Ordnung von dir“, sagte ich
und meinte es Ernst. Der Alte war kein übler Kerl.
Ich zog eine Decke aus meinem Rucksack, legte sie auf den Tisch und
bettete Yo-Karah darauf. Dann sank ich schwer auf meinen Stuhl. Ich war
hundemüde. Die Nacht war furchtbar gewesen. Alle zwei Stunden füttern
und Windeln wechseln. Mir war es vorgekommen, als würde alles, was
ich oben reinschüttete, sofort unten wieder herauslaufen. Und dann
Brüllanfälle ohne ersichtlichen Grund! Nur zu dem Zweck, ihren
Vater zu terrorisieren.
Und nun lag das kleine Biest auf dem Tisch, als sei es das niedlichste
und friedlichste Wesen der Welt.
Der Tag verlief chaotisch. Crull arbeitete im Grunde für mich mit.
Ich wurde dauernd von Yo-Karah abgelenkt, die ihr Fläschchen, eine
frische Windel, einen Schnuller oder einfach nur Streicheleinheiten verlangte.
Immerhin konnte ich Brüllanfälle im Keim ersticken, indem ich
ihr mein Computerdisplay zeigte. Dann stierte sie minutenlang mit ihren
großen grün-braunen Augen auf die Anzeige, als wäre nichts
interessanter als der Operationsbericht eines Wookie-Chirurgen oder die
Blutanalyse eines bothanischen Senators.
Wenn ich sie fütterte, warf Crull verstohlene Blick zu uns herüber.
„Wird Zeit, dass meine Tochter auch ein Kind bekommt. Will endlich
mal Opa werden“, brummte er schließlich. Und nach einer Pause fügte
er hinzu: „Wenn es dir zu lästig wird, kümmere ich mich mal um
die Kleine.“
„Na, mal sehen“, gab ich unbestimmt zurück. Innerlich aber hüpfte
ich vor Freude. Genau das hatte ich erhofft.
Die Zeit verstrich. Ich fühlte, wie meine innere Anspannung wuchs.
Es wurde 16.30 Standardzeit. Sollte ich jetzt ...? Nein, entschied ich.
Ich musste noch warten.
16.35. Mein Herz begann, schneller zu klopfen. Crull formatierte einen
längeren Bericht, der den Univeralübersetzer nur fehlerhaft passiert
hatte. Ich schaute zu Yo-Karah hinüber. Sie schlief. Noch fünf
Minuten, beschloss ich.
16.40. Ich zog ein Datapad aus der Tasche und warf es lässig auf
die Kontrollkonsole.
„Hör mal, Crull“ – ich war froh, dass meine Stimme nicht krächzte,
obwohl mein Mund völlig trocken war – „ich brauche unbedingt hiervon
ein Update. Das hier ist total veraltet. Ich weiß, dass das eigentlich
verboten ist“, beeilte ich mich hinzuzufügen. „Aber es geht doch um
die Kleine ...“
Crull runzelte die Stirn und schaute sich das Datapad an.
„Interstellares Handbuch der Säuglingspflege“, las er. „Mensch,
Jaelson, wir können großen Ärger kriegen!“
Ich schaute ihn bittend an.
Ist doch für die Kleine!
„Nun gut“, brummte er schließlich.
Ich schloss das Pad an die Datenschnittstelle an. Zugleich konzentrierte
ich mich auf Yo-Karah.
Wach auf! Du hast Hunger!
Nein, so ging das natürlich nicht. Ich konnte ihr kaum entwickeltes
Bewusstsein zwar spüren, aber mit verbalen Botschaften würde
ich nichts ausrichten können. Aber wenn sie jetzt nicht aufwachte?
Sie hatte noch nie so lange geschlafen wie jetzt. Warum ausgerechnet jetzt?
Ich beschwor das Bild einer spitzen Nadel herauf. Meine Gedanken wurden
zu einer Nadel. Ich nahm Kontakt zu ihren Bewusstsein auf. Und mit aller
Kraft stieß ich zu.
Crull fiel fast vom Stuhl, als Yo-Karah mit einem schrillen Schrei
erwachte.
Zu fest, dachte ich. Tut mir Leid, Kleine!
Aber ich konnte jetzt nicht nachlassen. Ich gaukelte ihr das Bild eines
warmen, gefüllten Fläschchens vor, das nur darauf wartete, von
ihr ausgetrunken zu werden.
Mit dem gewünschten Erfolg.
„Die Kleine klingt wie der Evakuierungsalarm auf einem Zerstörer
der Victory-Klasse“, meinte Crull und schaute erwartungsvoll zu mir rüber.
„Du, Crull, ich habe mich gerade in der Bibliothek eingeloggt. Kann
ich den Download machen, während du dich um Farlana kümmerst?“
„Klar, Jaelson. Ich mach das schon.“
Crull zog mit der Flasche ab Richtung Küche, die am Ende des Flures
lag.
„Beeil dich!“ rief ich ihm hinterher.
Es war 16.42.
Um 16.44 kam er wieder und zog sich mit Yo-Karah in die Ecke zurück.
Er brabbelte beruhigend auf sie ein, während er ihr zu trinken gab.
Blitzschnell öffnete ich eine zweite Data-Leitung. Ich wählte
den Server von „Dyson Industries“ an. Das sei der sicherste Weg, hatte
Linus McThor behauptet.
Wollen Sie mit Tastatur oder Stimmeingabe navigieren?
Ich wählte natürlich „Tastatur“.
Bitte geben Sie Ihren Benutzernamen ein!
Jetzt würde sich zeigen, was McThor drauf hatte.
„Echo1138“, tippte ich ein.
Sicherheitscode?
„THX1958%GL“.
Zwei Sekunden passierte gar nichts. Nur, dass die Uhr auf 16.45 umsprang.
Bitte wählen Sie die gewünschte Funktion:
News
Download
Upload
Kommlink
Ich wählte „Download“.
Geben Sie den Dateinamen an.
Hoffentlich ließ mich mein Gedächtnis jetzt nicht im Stich.
„TD§493(DS1)&SPR3%0“.
Die angeforderten Daten sind sehr umfangreich. Wünschen Sie eine KLT-Komprimierung?
In diesem Augenblick ging die Bürotür auf, und M’Platt schlurfte
herein.
„Na? Alles klar bei euch? Was machst du denn da, Jaelson?“
Ich wechselte hastig auf die Anzeige der Bibliothek. Aus den Augenwinkeln
sah ich, dass an Crulls Kontrollpult unübersehbar zwei „Download“-Lampen
blinkten. Wenn M’Platt das bemerkte, war alles aus. Mir stand der Schweiß
auf der Stirn.
„Hau ab, M’Platt!“ rief Crull aus der Ecke.
„Ja, was haben wir denn da?“ M’Platt dachte nicht daran zu verschwinden.
„Ihr habt euer Büro in ein Kinderheim umfunktioniert. Ist ja interessant.
Und ich dachte, die Säuglingsstation ist dreizehn Etagen tiefer. So,
so. Wenn die Direktion das erfährt ...“.
Crull warf ihm einen finsteren Blick zu. „Und wenn die Direktion von
deinen Rauschgetränken, erfährt?“ gab er kalt zurück.
M’Platt wand sich unbehaglich. „Ich hau schon ab. Hab nichts gesehen.
Eine Hand wäscht die andere, okay?“
Kaum war er weg, wollte ich wieder zu Dyson Industries zurück,
doch plötzlich stand Crull auf.
„Alles leergesoffen, die Kleine. Die hat einen stärkeren Zug als
M’Platt.“
Er nahm Yo-Karah hoch und klopfte ihr auf den Rücken. Dabei kam
er zu mir an die Konsole. Ich erstarrte.
„Na, hast du die Datei mit der Säuglingspflege schon gefunden?“
„Äh, nein, noch nicht“, krächzte ich.
Crull drehte sich um und schaute auf sein Pult. „Hm, ziemlich ruhig
für diese Uhrzeit. Bei mir ist gar nichts los.“
Ich konnte es nicht fassen. Warum bemerkte er nicht den zweiten Download?
Ich schielte hinüber. Die zweite Lampe blinkte nicht mehr. Was hatte
das nur wieder zu bedeuten? Ich musste Crull unbedingt loswerden.
Mit einer halbherzigen Entschuldigung an Yo-Karah drückte ich
in Gedanken kräftig auf ihren Bauch. Sofort spuckte sie ungefähr
ein Viertel ihrer Mahlzeit über Crulls Hemd.
„Verdammte Sauerei!“ schimpfte er. „Hab ich denn so fest geklopft?“
„Bist aus der Übung“, gab ich zurück. „Gib die Kleine her.
Du musst in den Erfrischer, dein Hemd säubern.“
Als er fort war, setzte ich mich wieder an die Konsole. Gut, dass Yo-Karah
von Computer-Displays fasziniert war, so machte sie mir wenigstens keine
Schwierigkeiten.
Ich wechselte wieder zu Dyson Industries. Schlagartig wurde mir klar,
warum die Download-Lampe zu blinken aufgehört hatte.
Die angeforderten Daten sind sehr umfangreich. Wünschen Sie
eine KLT-Komprimierung?
Keine Operation – 10 Sekunden
Keine Operation – 20 Sekunden
Keine Operation – 30 Sekunden
Keine Operation – 40 Sekunden
Keine Operation – 50 Sekunden
Keine Operation – 60 Sekunden
1 Standardminute keine Operation – Schlummermodus aktiviert
Schlummermodus – Log In schließt in 60 Sekunden
Schlummermodus – Log In schließt in 50 Sekunden
Schlummermodus – Log In schließt in 40 Sekunden
Mir wurde siedend heiß. McThor hatte mir erklärt, ein zweites Log In würde an der Überprüfung der falschen Kennung scheitern. „Download“, tippte ich ein.
Benutzername und Sicherheitscode für Wechsel zu Aktivmodus
erforderlich
Benutzername?
„Echo1138“
Schlummermodus – Log In schließt in 30 Sekunden
Sicherheitscode?
„TD§493(DS1)&SPR3%0“.
Sicherheitscode ungültig. Zugriff verweigert. Wollen Sie es erneut versuchen?
Ich starrte auf den Bildschirm. Was war denn jetzt los?
Mechanisch tippte ich „ja“
Sicherheitscode?
Aber ich hatte doch gerade ...
Schlummermodus – Log In schließt in 20 Sekunden
Panik ergriff mich. Ich hämmerte mit meiner Faust auf den Tisch.
Plötzlich fiel es mir ein – ich hatte aus Versehen den Dateinamen
eingegeben.
„THX1958%FL“.
Sicherheitscode ungültig. Zugriff verweigert. Wollen Sie es erneut versuchen?
Nein! Das konnte doch nicht wahr sein! Ich fing an, unkontrolliert zu zittern. In diesem Zustand würde ich keine Taste treffen.
Schlummermodus – Log In schließt in 10 Sekunden
Taste treffen! Das war’s. Ich hatte mich vertippt!
9
Ich atmete tief durch.
8
Beruhige dich!
7
„ja“
6
Sicherheitscode?
5
„THX
4
1958
3
%GL“
2
1
Aktivmodus
Bitte wählen Sie die gewünschte Funktion:
News
Download
Upload
Kommlink
Mit einem Seufzer sank ich auf dem Stuhl zusammen. Ich schloss die Augen
und spürte einen Moment lang nichts als den Schweiß, der mir
den Rücken herunterlief und mein Hemd verklebte, hörte nichts
als mein pochendes Herz, schmeckte nichts als den fahlen, trockenen Geschmack
überstandener Panik auf meiner Zunge.
Yo-Karah holte mich in die Wirklichkeit zurück, indem sie an der
Kette meines Amuletts riss, als wäre sie wild entschlossen, es mir
zu rauben.
Als Crull vom Erfrischer zurückkam, zeigte die Uhr 16.53 Standardzeit.
„Heute ist sowieso alles blöd“, meinte ich. „Da kann ich doch
auch ein paar Minuten eher gehen, oder?“
Crull seufzte resignierend. „Hau ab, Jaelson. Aber bring die Kleine
morgen bloß nicht wieder mit.“
Keine Sorge, dachte ich. Wir tauchen hier nicht so schnell wieder auf.
17.
„Luke Jaelson?“
„Hier, Ma’am.“
Die Frau am Abfertigungsschalter winkte mich herbei. Ich hob Yo-Karah
in das Tragetuch. Dabei schnüffelte ich unauffällig. Nichts.
Hoffentlich ließ sie mich jetzt nicht im Stich. Vorsichtig massierte
ich ihren Bauch.
„Ihr Papiere sind in Ordnung, Mr. Jaelson. Das Gepäck ist gescannt
und wird direkt zum Shuttle gebracht. Hier ist Ihre Bordkarte. Das Baby
hat keinen Anspruch auf einen eigenen Platz.“
Ich lächelte. „Schon in Ordnung, ich habe ja das Tragetuch.“
„Dann quittieren Sie bitte hier. Dort drüben ist die Sicherheitsschleuse.
Dann den Gang rechts hinunter. Shuttledock 6.“
„Danke. Können Sie mir die genaue Uhrzeit sagen, Ma‘am?“
„17.01 Standardzeit“.
In diesem Moment verbreitete sich durchdringender Geruch.
Die Frau wies auf die Sicherheitsschleuse. „Das Baby braucht eine frische
Windel. Hinter der Schleuse links ist ein Erfrischer.“
Ich nickte. „Danke Ma’am, den werde ich aufsuchen.“
Als ich auf die Sicherheitsschleuse zuging, schaute ich Yo-Karah an.
„Perfektes Timing, Kleine“, flüsterte ich anerkennend. Ich war
stolz auf meine Tochter. Zwei Monate alt und schon Top-Agentin der Rebellion.
„Das Baby darf nicht durch die Schleuse!“ hielt mich der Sicherheitsbeamte
auf.
„Das wusste ich nicht, Sir“, log ich. „Würden Sie das Kind bitte
halten?“
Er verzog das Gesicht und hielt die Arme weit von sich gestreckt, als
er Yo-Karah nahm. Nein, dachte ich. Der würde an ihr keine Leibesvisitation
vornehmen.
Im Erfrischer legte ich Yo-Karah auf den Boden und öffnete die
Windel. Ich musste mich erst überwinden. Aber dann griff ich doch
hinein und fischte das Datapad heraus. Trotz des Ekelgefühls musste
ich grinsen. War das die schmutzige Seite der Rebellion, von der Madine
gesprochen hatte?
Ich wusch das Pad ab und versorgte Yo-Karah.
17.05. Es wurde Zeit.
Am Ausgang zu Dock 5 warteten ein goldener Protokolldroide und ein
kleiner runder Astromechdroide. Der Astromech scannte mich mit einem Optik-Sensor
und gab ein trällerndes, zirpendes Geräusch von sich.
„Warum soll ich ihn fragen, ob er einen guten Ersatzteilhändler
kennt, Erzwo?“ fragte der Protokolldroide mit blasiert-gereizter Stimme.
Weil es das Erkennungszeichen ist, du Trottel!
„Shrinka“, sagte ich laut, und augenblicklich öffnete der Astromech
ein Data-Input. Ich schob das Pad im Vorübergehen hinein.
„Entschuldigen Sie, Sir. Mein Partner möchte gerne wissen, ob
Sie ... also sowas! Er geht einfach weiter! Hast du das gesehen, Erzwo?
Ein ungehobelter Kerl!“
Ich hörte, wie der Astromech davonrollte.
„Erzwo! Wo willst du denn hin? Erst sagst du, wir sollen hier warten
und jetzt fährst du einfach los! So warte doch auf mich!“
Er trippelte hinterher. Der andere Droide trällerte wieder.
„Auftrag? Was denn für ein Auftrag? Und nenn mich gefälligst
nicht ‚nörgelndes Plappermaul‘!“
Ich bog in den Gang ein, der zum Shuttledock 6 führte.
Geschafft!
Meine erste Operation hatte ich erfolgreich abgeschlossen. Wir hatten
es geschafft, korrigierte ich mich. Ich schaute meine Tochter an. Yo-Karah
spielte an einem meiner Hemdknöpfe und interessierte sich nicht im
geringsten für gelungene Operationen.
Als ich das Shuttle bestieg, hob vom Nachbardock ein Raumschiff mit
donnernden Repulsor-Aggregaten ab. Leia war gestartet. Würde sie es
schaffen, die gestohlenen Daten nach Alderaan zu bringen? Bestimmt war
der Diebstahl schon entdeckt worden. Wahrscheinlich stand auch schon fest,
dass der Zugriff vom Medizentrum des Senates erfolgt war. Und wenn dann
jemandem der Zeitpunkt von Leias Abreise auffiel ...
Und wenn schon, dachte ich. Immerhin war Leia Mitglied des imperialen
Senats. Und sie benutzte ein diplomatisches Schiff. Nein, das Imperium
würde nicht wagen, sie aufzuhalten.
18.
Als wir in den Hyperraum gesprungen waren, fiel alle Anspannung von
mir ab. Yo-Karah schlief. Auch ich war völlig erschöpft. Ich
schloss die Augen und schlummerte ein.
In die Leere des Dämmerschlafes drängten sich Bilder. Anfangs
wirre Fetzen der letzten beiden Tage, vermischt mit Erinnerungen von Alderaan.
Dann wurden die Bilder klarer. Ich sah zwei Männer, mit Lichtschwertern
bewaffnet. Einen Satelliten, groß wie ein künstlicher Mond,
der in einem gewaltigen Feuerball explodierte. Eine Gestalt, in Karbonid
eingefroren. Einen uralten Mann in einem Thronsessel, der eine Raumschlacht
beobachtete.
Dann verschwammen diese Bilder, und andere traten an ihre Stelle. Und
zu den Bildern gesellten sich Gefühle. Ich sah einen Mann, der auf
der verzweifelten Suche nach seiner verschollenen Freundin und seiner vermissten
Tochter die Galaxis durchstreifte. Einen Mann, der in uneingestandener
Todessehnsucht jeden noch so gefährlichen Spionageauftrag annahm.
Einen Mann, der Spice schmuggelte und sich in dämmrigen Cantinas mit
Barschlampen herumtrieb – und seine wahre Liebe doch nicht vergessen konnte.
Und ich sah einen Mann, der sich erschöpft und verbittert auf einen
glühend heißen Wüstenplaneten zurückzog, in die Isolation
eines halb verfallenen Hauses, das einst ein alter Jedi gebaut hatte.
Fröstelnd erwachte ich. Hatte ich geträumt, oder war das
eine Vision gewesen? Hatte ich soeben meine Zukunft gesehen? Oder mögliche
Alternativen meiner Zukunft? Würde mein weiteres Leben wirklich so
trostlos verlaufen?
Mich überfiel eine grenzenlose Traurigkeit. Ich verstand diese
Welt nicht. Warum mussten wir diesen Krieg führen? Warum wurden Familien
auseinandergerissen, Freundschaften zerstört? Warum gab es einen machthungrigen
Imperator, der die Galaxis unterjochen wollte? Es gab so viel Gewalt, so
viel Schmerz ...
Ich dachte an den Mann, den ich auf Ord Mandrell erschossen hatte.
Seine noch im Tod erschrocken geweiteten Augen. Hatte auch er eine Freundin
gehabt oder eine Tochter? Nein, es war nicht einfach so, dass „die“ die
Bösen und wir die Guten waren. War es vielleicht nur Zufall, dass
ich im Dienst der Rebellion stand und nicht dem Imperium diente?
Meine Gedanken wanderten zu Crull. Er war ein netter alter Mann. Bestimmt
hatte die Spionageabwehr schon herausgefunden, dass aus seinem Büro
der illegale Datenzugriff erfolgt war. Wurde er in diesem Augenblick vielleicht
von einem Verhördroiden in die Mangel genommen? Würde man ihn
gar exekutieren? Mir wurde eiskalt. Ich hatte ihn gefährdet, ohne
auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden.
Aber was hätte ich tun sollen? Wir mussten uns doch gegen das
Imperium und diesen schrecklichen Todesstern wehren! Es war zum Verzweifeln.
Der furchtbaren Dynamik der Gewalt konnte man nicht entrinnen.
Ich starrte trübe vor mich hin.
Doch nach einer Weile meldete sich eine andere innere Stimme. Erst
zaghaft und mit Zweifeln durchmischt, dann stärker drängte sie
in mein Bewusstsein. Es war eine Stimme der Hoffnung.
Es würde nicht immer Krieg sein. Eines Tages würde eine neue
Republik das Imperium ablösen. Leia konnte rechtzeitig mit den Daten
Alderaan erreichen. Vielleicht gelang es, eine Schwäche, einen Angriffspunkt
ausfindig zu machen. Aber konnte man überhaupt eine derart gewaltige
Kampfstation zerstören? Oder würde diese Vernichtungswaffe eingesetzt
werden? Eine Waffe, die einen ganzen Planeten in Stücke schießen
und alles Leben auslöschen konnte. Ich dachte an das visionäre
Traumbild vom explodierenden Todesstern. Nein, wir würden diese Waffe
zerstören.
Neue Hoffnung keimte in mir auf. „Yo-Karah“, dachte ich, neue Hoffnung.
In welcher Welt würde Yo-Karah aufwachsen? Würde sie als
Untertanin des Imperators leben und um ihre Freiheit kämpfen müssen?
Oder würde sie in einer friedlichen, freien Galaxis leben?
Ich schaute Yo-Karah an. Sie schlief, ein Bild des Friedens. Eine warme
Woge voller Zärtlichkeit stieg in mir auf. Ich küsste sie sanft
auf den Kopf. Dann nahm ich mein Amulett ab und legte es ihr um. Es bedeckte
ihr ganzes Bäuchlein. Die Kette war viel zu lang; ich konnte sie mehrmals
um ihren Hals wickeln.
Dann sprach ich die Vier Großen Wünsche:
„Mögest du stets eine Hand finden, die schützend über
dich gehalten ist.
Mögest du stets eine Hand finden, die dir den richtigen Weg zeigt.
Mögest du stets eine Hand finden, die dir Nahrung gibt, wenn du
hungerst.
Mögest du stets eine Hand finden, die dich aufrichtet, wenn du
darniederliegst!“
Ich bemerkte, dass meine Hand wie schützend über ihrem Kopf
lag.
„Wie die Zukunft wird, weiß ich nicht, Yo-Karah“, flüsterte
ich. „Aber wir leben hier und jetzt. Und hier und jetzt bin ich bei dir!“
ENDE